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Literaturzeitschrift WALTHARI Begründet 1984 Herausgeber: Univ.-Prof. Dr. Erich Dauenhauer |
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Jahresabonnement (= 2 Hefte): EURO 16,00 zzgl. Versandkosten Bei Heften mit Überstärke: entsprechende Preiserhöhung Bezug über: WALTHARI, Postfach 100019, 66979 Münchweiler o d e r E-Mail: Achtung! E-Mail-Adresse müssen Sie manuell in Ihr E-Mail-Programm eingeben! |
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Heft 49/2008
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25. Jg.
ISSN 0930-3279 www.walthari.com |
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Heft 48/2007
![]() 48/2007 ISSN 0930-3279 www.walthari.com |
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Heft 47/2007
![]() 47/2007 ISSN 0930-3279 www.walthari.com |
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Heft 46/2006
![]() 23. Jg.
ISSN 0930-3279 www.walthari.com |
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Heft 45/2006
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23. Jg.
ISSN 0930-3279 www.walthari.com |
Aus dem Inhalt als Ort ewigen Leidens Urgestalt des Leidens ›Helles Geleit‹ medialer Gespenstertänze |
Heft 44/2005
![]() 22. Jg.
ISSN 0930-3279 www.walthari.com |
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Heft 43/2005
![]() 43/2005 ISSN 0930-3279 www.walthari.com |
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Heft 42/2004
![]() 21. Jg.
ISSN 0930-3279 www.walthari.com |
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Heft 41/2004
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21. Jg.
ISSN 0930-3279 www.walthari.com |
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Heft 40/2003
![]()
ISSN 0930-3279 www.walthari.com Zwanzigster Jahrgang 2003 Heft 40 |
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Heft 39/2003
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WALTHARI
ZEITSCHRIFT FÜR LITERATUR Texte - Medien - Märkte – Porträts - Begründet 1984 - Schamvolle
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Heft 38/2002
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WALTHARI
ZEITSCHRIFT FÜR LITERATUR Texte - Medien - Märkte – Porträts - Begründet 1984 - Stadtmythos
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Aus dem Inhalt
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Heft 37/2002
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WALTHARI ZEITSCHRIFT FÜR LITERATUR Texte - Medien - Märkte -Porträts - Begründet 1984 - Der Autor
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Heft 36/2001
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WALTHARI ZEITSCHRIFT FÜR LITERATUR Texte - Medien - Märkte -Porträts - Begründet 1984 - Aura und
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Heft 35/2001
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WALTHARI ZEITSCHRIFT FÜR LITERATUR Texte - Medien - Märkte -Porträts - Begründet 1984 - Poetische
ISSN 0930-3279 www.walthari.com
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Heft 34/2000
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WALTHARI ZEITSCHRIFT FÜR LITERATUR Texte - Medien - Märkte -Porträts - Begründet 1984 - Erzähltes Ich
ISSN 0930-3279 www.walthari.com
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der Parteiendämmerung Erzählendes Sein |
Heft 33/2000
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WALTHARI ZEITSCHRIFT FÜR LITERATUR Texte - Medien - Märkte -Porträts - Begründet 1984 - Neue Mytho-Logien?
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Heft 32/1999
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WALTHARI ZEITSCHRIFT FÜR LITERATUR Texte - Medien - Märkte -Porträts - Begründet 1984 - Feiges
Bürgertum ISSN 0930-3279 www.walthari.com
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der Zerknirschung |
Heft 31/1999
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WALTHARI ZEITSCHRIFT FÜR LITERATUR Texte - Medien - Märkte -Porträts - Begründet 1984 - Nachmoderner Exitus
ISSN 0930-3279 www.walthari.com
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der Täuschungen |
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Warum der Titel WALTHARI®? Ein Blick in das Ausgangskapitel
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| 5. Februar 2008
Sie stritten sich beim Wein herum,
Sie tranken manchen Humpen aus,
Aus: www.walthari.com
4. Januar 2008 Daueraktueller Roman: Herrenhaut und Armenseele Anlaß der Erinnerung:
5. August 2008 Literarische Tagebücher im Netz. Es gibt sie hundertfach. Da ein zentrales Verzeichnis fehlt, entdeckt man sie nur zufällig. Kostbare Textperlen zu weilen, so in dem mittlerweile geschlossenen Journal ›Klage‹ von Rainald Goetz. Er spießte darin die »geistigseelische Entkernung« von »tickenden, nichträsonierenden Figuren« der politischen Schauszene auf. Literarisches WALTHARI-Tagebuch. Seit Jahren in gedruckter Form (der Literaturzeitschrift) und ergänzend hier elektronisch. Zugriffe aus fünfzig Ländern. Arbeitslose Mimen. Traumberuf mit hohem Hartz-IV-Anteil. Ein Drittel dürfte arbeitslos sein und sich mit Nebenjobs über Wasser halten. Auf der Bühne spielt man nicht das Leben, wie es ist, sondern wie es sich der Regisseur ausgedacht hat. Doppeltes Regietheater. Themenflucht. Zunehmende Fälle von Gewalt gegenüber Islamkritikern. Der französische Philosophielehrer Robert Redeker mußte sich nach zweihundert Morddrohungen verstecken, nachdem er in einem Beitrag auf die schleichende »Islamisierung des Denkens« in Europa hingewiesen hatte. Die sonst so lautstarke und kritikfreudige literarische Funktionärsszene schweigt dazu. Und die Schriftsteller? Kaum ein Roman oder Hörspiel über das brandlodernde Thema. Kosmopolitisch. Der schlaue Intellektuelle gibt sich kosmopolitisch. Als selbsternannter Weltbürger kann er unliebsame Themen meiden und sich an liebsamen hochstilisieren. Man ist wendig genug, um großes Fehlverhalten von einst als kleine Dummheiten auszugeben. Henning Ritter stellte den Großschriftsteller Hans Magnus Enzensberger bei seinem Versuch, den Eindruck zu erwecken, an den 68er Wüsteneien nur als Außenseiter beteiligt gewesen zu sein. Diese Demaskierung fand schon Jahre vorher in WALTHARI-Texten statt. Geschichtstrauma. Karl Albert schreibt
in seinem Buch ›Lebensphilosophie‹: »Zwar braucht das Leben, wie
Nietzsche betont, den Dienst der Geschichte, aber ein Übermaß
an Geschichte schadet dem Leben auch.« Nach Nietzsche muß der
»Tätige und Strebende... die Kraft haben.., eine Vergangenheit
zu zerbrechen und aufzulösen, um leben zu können: dies erreicht
er dadurch, daß er sie vor Gericht zieht, peinlich inquiriert und
endlich verurteilt«. Vor Gericht gezogen und verurteilt haben die
Deutschen die Nazigreuel tausendfach, während die DDR-Diktatur im
milden Licht erscheint und in einer SED-Nachfolgepartei parlamentarisch
hoffähig geworden ist. DDR-nahe Künstler behalten Kultstatus,
hingegen löst die »schiere Namensnennung (von) Distler, Egk,
Pfitzner, Orff, Bresgen« und Pepping nicht nur ein »adornosches
Verachtungslächeln« (Eleonore Brüning) aus, man gibt sich
zudem entrüstet und wirft die öffentliche Empörungsmaschine
an.
18. Dezember 2007 Literarisches
Canossa
Die PDF-Datei kann mit Adobe Reader oder Foxit Reader geöffnet werden.
31. Oktober 2007 »Komfort kämpft nicht.« Von Erich Dauenhauer In seiner jüngst erschienenen ›Bewußtseinsnovelle‹
(Untertitel) mit dem noch ungewöhnlicheren Haupttitel ›Die Unbeholfenen‹
(bei Hanser) kann man bei Botho Strauß auf S. 88 f. die aufwühlende
Passage lesen:
Botho Strauß hält nicht nur das Integrationsprojekt für gescheitert, er spricht von »jetzt schon Besiegten«, die dazu nicht einmal bemerkt haben, daß sie bereits besiegt worden sind. »Diskussion, Konferenz, Konfliktforschung« - alles nur Ablenkungs- und Selbsttäuschungsmanöver in der Komfortgesellschaft, die für ihre zivilisatorischen Werte (Menschenrechte usw.) nicht kämpfen will - »im Gegensatz« zu »unseren Verächtern«, deren »fremde Religion« von Freiheit, Menschenwürde usw. nicht viel hält. Trotz der »jetzt schon« sichtbaren Barbareifolgen (Haßprediger, Terror u.a.m.) kämpft die Komfortgesellschaft nicht, schaut sie fatalistisch zu und läßt ihre politischen und kulturellen Eliten und Führer im ablenkenden Ritual der »klugen Worte« protestlos gewähren. Doch deren »Worte... haben jede Bedeutung verloren«, sie sind »nur noch Verständigungsmedium unter Besiegten«. Welch ein Befund! Er besagt nichts weniger, als daß sich die westliche Kultur und insbesondere unsere supertolerante deutsche sich verloren gibt. Vergessen hat Strauß, was ich in Heft 32 dieser Literaturzeitschrift WALTHARI unter dem Schwerpunktthema ›Feiges Bürgertum‹ analysiert habe. Nicht auch darauf hinzuweisen hielte ich ebenso für ein unentschuldbares Versäumnis wie dasjenige, worauf Strauß hinweist. »Das schöne Abgelebte«, wie es bei ihm mit beißendem Spott weiter heißt, ist wenigstens bei seinem Verschwinden den Schönrednern und byzantinischen Feiglingen vor Augen zuhalten. Die Szenen wiederholen sich täglich: Eiferer und
Beschöniger stehen sich mit ungleichen Kampfmitteln gegenüber
und bereiten etwas vor, was jedermann wissen kann – und fürchten müßte,
wäre er noch bei freiheitlichen Sinnen.
29. September 2007 Von Erich Dauenhauer Die Scheidungsquote in deutschen Großstädten liegt bei Paaren mit Heiratsdatum nach 1980 über fünfzig Prozent. Bei Scheidungen insgesamt gehen die Anträge ganz überwiegend von den Frauen aus. Dieses sozial höchst bedeutsame Doppelphänomen hat mehrere Ursachen, unter denen folgender Erklärungsstrang dominiert: Männer seien weniger bindungsfähig als die Frau, sie neigten zu mehr Gewalt usw. Diese Ursachenbenennung resultiert nicht allein aus einer Opferperspektive, ihr liegt auch ein feminines Menschenbild zugrunde, das sozialethisch demjenigen von Männern überlegen ist. Wenn schon der maskuline Gattungstyp als weniger bindungsfähig usw. ausgewiesen wird, dann muß er als sozial defizitär gehalten werden. Das ergibt sich zwingend aus dem gängigen dominanten Erklärungsmuster. Paartherapeuten neigen aufgrund langjähriger Erfahrungen zu einer gewissen Korrektur. Sie erleben oft bei Gesprächen mit scheidungswilligen Frauen, daß diese nach und nach eine tief sitzende Abneigung gegen ihre Partner entwickelt haben, die nicht nur ihren Gefühlsraum und ihr Denken beherrscht. Die Abneigung kann sich sogar körperlich manifestieren, z.B. als unüberwindbarer Geruchsekel; Therapeuten bezeichnen dieses Phänomen, das fast ausschließlich unter Frauen vorkommt, als Bovarysmus. Was sich in der Psychologie erst allmählich als feminines Ekelmuster herausgeschält hat, ist in der Literatur längst eine gängige Vorlage. Prototypisch dafür gilt Gustave Flauberts Roman ›Madame Bovary‹. Der Roman entstand zwischen 1851 und 1856 und wurde 1857 veröffentlicht. Zum Plot in Kürze: Der Landarzt Charles Bovary heiratet, nach dem Tod seiner Frau Héloise, mit der er nicht glücklich war, die junge und attraktive Bauerntochter Emma und fühlt sich endlich glücklich. Emma hingegen beginnt sich bald zu langweilen und entwickelt zum Ausgleich ein Phantasieprogramm von einem anderen Leben. Den Stoff dazu hat sie sich in kitischigen Romanen angelesen. Das eigentliche Drama beginnt nach dem Besuch eines Balls, der ihr wie die glanzvolle Realität ihrer Phantasien vorgekommen war. Um so drückender empfindet Emma danach den Ehealltag. Sie kränkelt und reagiert übernervös, worauf das Ehepaar, um der ländlichen Langeweile zu entgehen, in einen Vorort von Rouen umzieht. Doch dieser Kulissenwechsel rettet die Ehe nicht, Emma läßt sich mit einem reichen Gutsherrn und Lebemann ein. Sie will ihre Romanheldinnen an »Leidenschaft, Ekstase, Delirium« noch übertreffen. Als sie ihren Vergnügungspartner heiraten will, wendet sich dieser ab . Die anschließende Depression Emmas sucht der naive Charles durch einen Theaterbesuch zu heilen, doch diese gutmütige Rettungsmaßnahme führt in eine weitere Katastrophe. Emma trifft Léon, mit dem sie alsbald leidenschaftlich verkehrt. Doch bald erfährt Emma an sich erneut das Gefühlsphänomen der Langeweile: sie wird Léon überdrüssig, reagiert launisch und verwandelt ihre Leidenschaft in platte Besitzergreifung. In der Folge verschuldet sie sich, ohne von ihren Liebhabern gerettet zu werden. Mit Arsen sucht sie ihrem Leben schnell eine Ende zu bereiten, aber das Gift wirkt nur langsam: Blut spuckend, Kämpfe erleidend stirbt sie vor den Augen ihres verzweifelten Mannes, der erst nach ihrem Tod die ehebrecherischen Liebesbriefe entdeckt. Flaubert setzt einen bezeichnenden Schluß: Emmas genarrter Ehemann sieht seine Zuneigung nicht beschädigt, wenn er auch voller Kummer stirbt. Dem Romancier Flaubert wurde bekanntlich der Prozeß wegen angeblicher öffentlicher Beleidigung der Moral und Religion gemacht. Wer heute den Roman als frühe Musterbeschreibung für feminine Idiosynkrasie hält, muß zwar nicht mit einer juristischen, wohl aber mit einer medialen Anklage rechnen. Denn zur eingespielten politisch-gesellschaftlichen Korrektheit gehört die Kultivierung der Opferrolle von Frauen, womit die bovarystische Versuchung überdeckt wird: Unruhe aus Empfindungen von Langeweile, pathologischer Phantasieüberschuß, Neigung zur Überempfindlichkeit, Abscheu vor den profanen Aufgaben des Alltags, bei Partnerentfremdung auch Ekelgefühle bis ins Körperliche usw. Frauenromane verdanken ihren Verkaufserfolg nicht zuletzt der Erzählmasche, das bovarystische Muster kitschbeglückt auszuschmücken. Leserinnen finden sich darin gefühlvoll abgebildet. Der Unterschied zu Flauberts Klassiker muß hier nicht erläutert werden. Was nun den Bovarysmus über den literarischen und therapeutischen Raum hinaus gesellschaftspolitisch so aktuell erscheinen läßt, sind Äußerungen feministischer und kryptofeministischer Art. Ein einfaches, aber exemplarisches Leseexperiment mag das belegen. Die Kultfrau des deutschen Feminismus, Alice Schwarzer, hat erst jüngst wieder ein Buch vorgelegt und es im Vorabdruck in einer konservativen Zeitung platzieren können, das unter dem Mantel der Geschlechterneutralität die Opferrolle der Frau nicht in Vergessenheit geraten läßt. Schwarzers feministisches Weltbild, das sie vor Gegenargumenten (auch aus der Wissenschaft) jeweils wortreich abzusichern versteht, attackiert vehement die »biologistische« (sprich: lebensalltägliche) Erfahrung, daß wir Menschen uns von Geburt an nach Geschlecht naturhaft unterscheiden. Der »Geschlechtscharakter«, so ihre Hauptthese, entspringe einer »unterschiedlichen gesellschaftlichen (!) Rolle«, nicht also natürlicher Veranlagung. Denn »es existiert kein Gen, kein Hormon, keine Gehirnzelle, die den Menschen auf hetero oder homo programmieren würde.« Die Verführungskraft dieser androgynen Ideologie ist gewaltig, weil sie dem rechtlichen und politischen Prinzip der Gleichheit zu entsprechen scheint. Handkehrum eingeebnet wird damit aber der Unterschied zwischen naturhaft-biologischer Ausstattung und rechtlich-politischer Gleichheit. Das ist Ideologie in Reinkultur, wie sie im Zeitgeist ein wohliges Zuhause findet. Das Schwarzer-Buch wurde begeistert aufgenommen, auch
von Frauen, die man bisher nicht als feministisch angekränkelt eingestuft
hat. Hanna-Renate Laurien z.B. lobte das sozialrevolutionäre Programm
(denn das ist es) Alice Schwarzers in überschwenglichen Tönen
(in FAZ, Nr. 166/07, S. 39). »Mutig und erfrischend« mische
sich die Kultfrau in den »Kulturkampf« ein. »Wie hat
es mir wohlgetan, lesen zu können, wie sie die publizistischen Attacken
gegen Gendermainstreaming souverän abweist und auf die Machtfrage
zurückführt... Alice Schwarzer will eine Welt wenigstens vorbereiten,
die vom Geschlechtsnormenterror (!) befreit ist, in der Männer Gefühle
zeigen dürfen und Babys wickeln können und in der Frauen Verstand
beweisen und Firmenchefs sein dürfen und beide, als Menschen, ihren
Kindern verantwortungsvolle Erzieher und Partner sind... Der Ruf nach der
Mütterlichkeit wird als ›Frauenfalle‹ entlarvt«. Laurien spricht
von »Geschlechternormenterror« und deutet den absurden Androgynismus
Schwarzers kurzerhand als »Prozeß der Verbindung von ›angeborenen‹
und ›anerzogenen‹« um. Begeistert beschreibt die ehemalige CDU-Kultusministerin
und Berliner Senatorin die neue Männerrolle:....................................................
Wie sehr Laurien in die Schwarzerfalle geraten ist, in der hinter einer berechtigten Islamkritik wie nebenbei feministisches Altgut reichlich angeboten wird (mit ausgiebigen Selbstzitaten), merken Leser(innen) spätestens, wenn sie die kritische Rezension von Sieglinde Geisel dagegen halten (in: NZZ Nr. 176/07, S. 26). Geisels nüchterne Analyse zerrupft nicht nur die Schwarzerideologie, die Rezension liest sich auch wie eine Korrektur des einige Tage zuvor erschienenen unkritischen Laurienischen ›Schwesternlobes‹. Geisel ist sichtlich vom »souveränen Charme der Ironie« mehr beeindruckt als von Schwarzers Sachdarstellung, deren »penetrante Eigenwerbung« sie stört: »Man spürt bei der Lektüre, dass Alice Schwarzer es geniesst, zur Instanz geworden zu sein. Den alten Vorwurf, sie habe die Frauenbewegung für sich vereinnahmt, widerlegt sie nicht, im Gegenteil.« Die »›Schreckensschraube der Nation‹ (Henryk M. Broder) hat sich im Mainstream der kulturellen Leitmedien endgültig etabliert.« Der insgesamt konjunktive Rezensionsstil und die Gegenironie signalisieren erhebliche Vorbehalte. Es geht mir hier nicht generell um die Unsäglichkeiten und Schattenseiten des Feminismus, sondern um das bovarystische Weichbild, das eine legitimatorische Heimat gefunden hat. Flauberts Figur Emma und Schwarzers publizistisches ›Emma‹-Programm passen in vielem nicht nur dem Namen nach zusammen. Häuslichkeit wird in beiden Fällen als langweilig und mit Abscheu betrachtet. An den Emanzipationsgelüsten der Bovary müßten zumindest heterosexuelle Feministinnen ausgesprochen Gefallen finden, befreien sie doch vom biederbürgerlichen Ehejoch. Über diese Sympathie hinaus muß das Frauenbild, das Flaubert psycho-›biologisch‹ korrekt zeichnet, dem Feminismus ärgerlich und fremd bleiben. Nach feministischer Leseart hat Flaubert die gesellschaftliche Geschlechtskonstruktion eben noch nicht erkannt, daher das menschliche Drama falsch inszeniert. Eine geschulte Feministin hätte sich, bei besserer Romanversion, mit dem braven und biederen Landarzt Charles ein emanzipiertes Frauenleben durchaus einrichten können, das belegen auch praktizierte Fälle der heutigen Zeit. Im aufgeklärten Falle wäre freilich der Romanplot langweilig ausgefallen, denn Emma hätte dann nicht so qualvoll enden dürfen. Flaubert wäre zudem der Vorwurf des Biologismus erspart geblieben. Zum Männerüberdruß Emmas hätte die Scheidung, nicht der Selbstmord gepaßt. Gewiß hätte ein aufgeklärter Romanautor auch den Eheverweigerer Rodolphe Boulanger ›vernünftiger‹ gezeichnet. Diese fiktive Umschrift einer weltliterarischen Vorlage ist nicht zynischer als feministische Ideologeme, die das naturhafte Männer- und Frauenbild androgyn verschmelzen wollen. Nicht diese sattsam propagierte Naturentfremdung stellt die eigentliche bovarystische Versuchung dar, sondern die ideologischen Ausläufer im bürgerlichen Aufklärungsgewande. Auch sie favorisieren inzwischen ein Leitbild, das Häuslichkeit zum lästigen Anhängsel von Beruf und Karriere herabstuft, auch um den Preis von Kinderlosigkeit und Partnerentfremdung. Der oikosentfremdeten, karriere- und spaßversessenen Lebenswelt wird alles untergeordnet. Nichts als Trauer stellt sich ein, wenn man das Partnerbild
derjenigen betrachtet, die niemals verheiratet waren, niemals Kinder erzogen
und niemals alte Eltern lange Zeit betreut haben, also ohne jegliche familiäre
Normalerfahrungen sind und dennoch andere ›familiär‹ belehren wollen
und dabei im modischen Gestus bovarystische Sympathien bekunden, ohne zu
ahnen, was sie anrichten. Ihnen muß die Treue des biederen Charles
Bovary zu seinem Eheluder Emma, eine Treue über deren Tod hinaus,
wie eine absurde Anhänglichkeit vorkommen. Das ist sie auch, ab er
in einem ganz anderen Sinn, als es vom feministischen Opferdenken her erscheint,
das sich aufgemacht hat, die Natur der Frau aus sozialen Gefängnissen
zu befreien. Nicht nur den Emanzen, auch deren Anhängsel ist das Normale
einer unaufgeregten, aber um so tieferen und dauerhafteren Partnerzuneigung
ein ewiges Geheimnis.
14. Juni 2007 Ehe, Familie, Kinder und Alte im spätgesellschaftlichen
Von Erich Dauenhauer 1. 2. Grund-Gesetz. Artikel 6 der Lex fundamentalis, deren erster Präambel-Satz durch Artikel 146 Lügen gestraft wird, weil das deutsche Volk selber immer noch nicht »kraft seiner verfassungsgebenden Gewalt« (Präambel) »in freier Entscheidung« (Artikel 146) sich eine Verfassung geben darf, diese Lex gewährt in Artikel 6 folgendes Grundrecht: »Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutz der staatlichen Ordnung.« Absatz 2 regelt das Elternrecht und deren Pflicht gegenüber Kindern. Darüber »wacht die staatliche Gemeinschaft«. Lebenspartnerschaft und Alte kommen im Grundrechtskatalog nicht vor. Der Bundesgerichtshof hat jüngst entschieden (Az IV ZR 267/04), daß außereheliche Paarbeziehungen (im vorliegenden Fall eine homosexuelle) mit der Ehe nicht gleichzustellen sind: »Die Ehe darf... bevorzugt werden.« Es verstoße nicht gegen das Grundgesetz, das Privileg der Ehe (so etwa der Anspruch auf Hinterbliebenenrente) nicht auf Lebenspartner zu übertragen. – Koan-Kontext-Frage: Meister Emanzi, der hohe Gerichtshof hat das Eheprivileg mit seiner Nachwuchsleistung begründet, wörtlich: »Die Ehe darf im Hinblick auf Fortpflanzung und Erziehung eigenen Nachwuchses, einem für die Zukunft wesentlichen Anliegen der Gesellschaft, bevorzugt werden.« Eine bloß generative Begründung von Ehe und Familie verfehlt doch... – Meister Emanzi: Halt! Die Frage bitte. – Ist, wo Kinder sind, automatisch Familie? – Antwort: Wo Kinder sind, lärmt’s. Familie kippt Ehe. Die Normalbiographie Ehe wird zunehmend zur Bastel- und Risikobiographie. Die libertären Angriffe auf das Traditionsinstitut laufen nicht mehr über »andere gleichberechtigte Verantwortungsgemeinschaften«, sondern auf dem Umweg über die Familie. Da das Eheprivileg grundrechtlich und definitorisch eindeutig und damit nicht dehnbar ist, spricht man vom »überholten Familienbild« und hat damit auch schon beim derzeitigen Bundespräsidenten Erfolg gehabt. Bundespräsident Köhler kritisierte zwar die Ausrichtung der Politik am angeblich überholten Familienbild, nahm aber dabei kein einziges Mal das Wort Ehe in den Mund. Er ist damit einer listigen Auflösungsrhetorik auf den Leim gegangen: Auch Partnerbündnisse auf Zeit werden mit Kindern zur Familie – wer wollte das bezweifeln. Damit sind sie auch vom Grundgesetz geschützt (vgl. oben). Wenn es aber einen grundgesetzlichen Familienschutz auch außerhalb der Ehe gibt, dann kann das Eheprivileg leichter gekippt werden. Der Konflikt um die Familie ist also ein Stellvertreterkrieg der Spaßgesellschaft, um zunächst das Grundgesetz-Pärchen »Ehe und Familie« zu entkoppeln und danach das familienentkoppelte Eheprivileg zu kippen. Die Angreifer haben zwar noch nicht die obersten Gericht erobert, wohl aber die zeitgeistgerechte Familienpolitik der Parteien. – Koan-Kontext-Frage: Großmächtige Parteienmeister, ein Schweizer Intelligenzblatt titelte am 1. März 2007: »Deutschlands Familienpolitik auf den Spuren der DDR. Die einst verpönte Kindergrippe dient der großen Koalition als Vorbild«. Wie hat es die kinderlose, ganz auf ihre Karriere ausgerichtete Kanzlerin geschafft, ein DDR-Modell politisch durchzusetzen, dem man noch vor wenigen Jahren eine emotional verarmte, zum Rechtsradikalismus und zur Ausländerfeindlichkeit neigende Jugend zurechnete? Ihre Parteigänger bejubeln heute das Kita-Programm, das sie einst noch verteufelten. – Antwortim Parteienchor: Bäume müssen sich im Sturm biegen, um nicht geknickt zu werden. Mutter Meves. Seit Jahren herrscht ein ideologischer Frauenkrieg. Die Anti-Rabenmütter-Fraktion bekämpft das »romantische Familienbild«, das die Unersetzlichkeit der mütterlichen Nähe zu Kindern unter drei Jahren behauptet. Auch Kleinstkinder würden zunehmende Fremdbetreuung verkraften, wie es in zahlreichen Ländern praktiziert werde. Wer die »an alten Zeiten orientierte Ideologien« einer zeitengen Eltern-Kind-Beziehung vertrete, verkenne die Wirklichkeit: dass ein Drittel aller Kinder ohnehin unehelich zur Welt komme; dass Hausmütter kaum länger mit ihren Kindern sprächen als angebliche Rabenmütter; daß mutterbetreute Kinder ebenso alkohol- und gewaltanfällig seien usw. Daher soll »niemand mehr uns berufstätige Mütter für die Verwahrlosung der Jugend verantwortlich« machen (Sandra Kegel in der FAZ Nr. 46/2007, S. 31). Christa Meves (81 Jahre, Kinder- und Jugendpsychotherapeutin, mehrfache Mutter) dazu: Schon einfache Speicheltests belegten den erhöhten Streß bei fremdbetreuten Kleinkindern. »Die Fähigkeit, ein seelisch gesunder Mensch zu sein, der auch Krisen standhält, sowie die Intelligenz – dafür wird die Grundlage in den ersten drei Jahren gelegt« (FAZ Nr. 30/2007, S. 5). Eine groß angelegte US-Studie des ›National Institute of Child Health and Human Development‹ begleitete 1.364 Kinder von der Geburt bis zum 12. Lebensjahr, um herauszufinden, wie sich Kinderfremdbetreuung auf das Verhalten auswirkt. Das Ergebnis ist nach Psychologieprofessor Jay Belsky, einem der Hauptautoren, eindeutig: Kinder, die von kleinauf in Kitas untergebracht werden, sind in der Schule häufiger Störenfriede, unabhängig von der Qualität der Kitas. – Koan-Kontext-Frage: Liebe Mutter Meves, warum leugnen so viele junge Frauen und alle politischen Kita-Betreiber diese niederschmetternden Befunde? – Zwischenrufe aus Wendehalskehlen: Weil viele junge Frauen heutzutage beides wollen, Kinder und Beruf. Weil die NICHD-Studie zu anderen Ergebnissen gekommen ist. Und weil auch die derzeitige Familienministerin die deutsche Gesellschaft über die ›neue‹ Familienpolitik verändern will. – Mutter Meves: ... Männerumerziehung. Der Schreck amerikanischer
Hochschulabsolventinnen war groß, als sie den Zweiten Genderdynamischen
Erfahrungssatz (ZGE) schon in ihrem täglichen Umgang bestätigt
fanden. Der EGE ist seit alters bekannt und lautet: Normale Frauen begehren
starke Männer; Softys wirken weniger erotisch und regen Frauen zur
Vermännlichung an. Der ZGE gefährdet die besten Frauenbiographien:
Hochschulabgänger heiraten überzufällig häufig Frauen
mit geringer qualifizierten Abschlüssen. Mit andern Worten: Je
qualifizierter Frauen, um so geringer sind ihre Heiratschancen bei hochqualifizierten
Männern, es sei denn, diese Frauen zeigen sich deutlich familienfreundlich.
Das war ein Schock und zugleich eine Erklärungsempfehlung (zur Mutterschaftsbereitschaft).
In Deutschland hat sich der ZGE unter Akademikerinnen (sie bilden bald
die Mehrheit unter den Studierenden) noch nicht herumgesprochen. Hierzulande
geht man die heikle Sache lieber ideologiekritisch und evolutionsorientiert
an. Etwa so: »Deutschland ist unterwegs zur geschlechtsneutralen
Gesellschaft. Die Familienpolitik der Bundesregierung hat zwei Ziele: die
Verstaatlichung der Kinder und die Umerziehung der Männer« (N.
Bolz). Die von der Evolution vorgegebene geschlechtliche Arbeitsteilung,
wonach die Frau die emotionale und der Mann die instrumentale Führung
übernimmt, wird staatsoffiziell umgepolt in einen fürsorglichen
Mann und in eine berufstätige Mutter. Das Berufsproblem der Mutter
soll also, so N. Bolz, durch einen ›neuen‹ Mann gelöst werden. Darauf
hätten sich die Feministinnen, Politiker und Bevölkerungswissenschaftler
geeinigt.
Doch diese Umerziehung des Mannes sei schwierig, weil evolutionswidrig
und heiratschancenvermindernd. »Frauen bevorzugen Männer,
die nicht wie Frauen sind. Männlichkeit ist das Produkt evolutionärer
Selektion – also das, was Frauen immer schon geschätzt und gewählt
haben. Der Mann ist folglich nicht fürsorgend, sondern beschützend«,
schreibt N. Bolz in der FASZ Nr. 14/07, S. 13. Die deutsche Variante
des ZGE versucht, die Geschlechterasymmetrie durch eine Androgynisierung
auszuhebeln. Alle tendieren in der Tat zur geschlechtslosen Mitte. Abweichler
werden als Reaktionäre beschimpft und mit der Machokeule mundtot gemacht.
N. Bolz: »Der Feminismus ist der Marxismus unserer Tage; er ködert
das Ressentiment und vernebelt das Bewusstsein der Intellektuellen. Aber
was heute nottut, ist nicht eine Kritik des Feminismus, sondern der Mut
zur Männlichkeit. In der 68er-Bewegung war nicht die Radikalität
der Jungen, sondern die Feigheit der Alten das Problem. Heute ist nicht
die Radikalität der Feministinnen, sondern die Feigheit der Männer
das Problem.« Die Medien, voran das zum Frauenmedium mutierte
Fernsehen, liegen voll im Trend dieser androgynen Strategie. Auch die
Wirtschaft macht begeistert mit und bevorzugt zunehmend feminine Verhaltensmuster
(schon beim Einstellungsgespräch). Schulen sind weitgehend zur Domäne
von Frauen geworden und entziehen den Jungen männliche Vorbilder.
Männliche Schüler lernen, sich wie Mädchen zu verhalten
und neigen, als Opfer des Evolutionsfurors, zur Gewalt. – Koan-Kontext-Frage:
Verehrter Meister Suzuki, was ist so schlimm an einer androgyn gewordenen
Gesellschaft? – Antwort: Schau auf den gespannten Bogen. Und auf
die Alten, wie sie...
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| 24. März 2007
Zum gestörten deutsch-tschechischen Verhältnis Von Univ.-Prof. Dr. E. Dauenhauer Im Feuilleton der FAZ vom 24. März 2007 kann man nachlesen, wie es um das Verhältnis der in Prag lebenden Tschechen und Deutschen um die vorletzte Jahrhundertwende stand. Der Autor, Sven Creefeld, berichtet im biographischen Spiegel des ›rasenden Reporters‹ Egon Erwin Kisch (1885-1948) von den Spannungen zwischen den damals noch wenigen verbliebenen Deutschen (meist Juden) und der slawischen Stadtmehrheit. Im Jahre 1900 lebten nur noch 7,5 Prozent Deutsche in der Moldaustadt, 1880 waren es 15,5 Prozent, um 1850 und in allen Jahrhunderten davor (bis ins Mittelalter) stets mehr als 20 Prozent. Wie läßt sich der dramatische Rückgang
erklären? Warum lohnt sich eine Erinnerung daran? Nach 1945 wurden
aus Böhmen und Mähren 3,7 Millionen Deutsche von den Tschechen
aus ihrer angestammten Heimat vertrieben. Die grausamen Vorkommnisse und
Entrechtungen werden bis heute von tschechischen Parteien, Regierungen
und Staatspräsidenten (seit 1945) einzig mit dem Nazi-Terror erklärt.
Die ethnischen Säuberungen durch die Tschechen, staatsoffiziell gedeckt
durch die Beneš-Dekrete (Edvard Beneš war bis 1948 Staatspräsident),
seien, so heißt es in Prag, nichts anderes als eine gerechtfertigte
Rache gewesen.
11. März 2007 Aus: WALTHARI, Zeitschrift für Literatur, Heft 44/2005 Das Böse nimmt vielerlei Gestalten an, es kann im
Verborgenen wirken und in leibhaftigen Formen auftreten, wobei das
leibhaftig gewordene Böse sowohl als gedachte und gespielte als auch
in realer Personalität auftreten kann. Am personellen Ende der Erscheinungsskala
des Malum agieren die Figuren der theologischen Teufelslehren (vgl. Vorgrimmler,
H.: ›Die Geschichte der Hölle‹, München 1994), Goethes Mephisto
(vgl. den folgenden Beitrag über literarische Bösewichte) und
die sattsam bekannten, abgrundtief verrohten Menschenschlächter und
-schinder (darunter die Vertreiber von Menschen aus ihrer Heimat). Das
Satanische als personifizierte Gestalt ist also nicht auf die Teufelsfigur
und auf Großtyrannen beschränkt, es tritt als vielköpfige
Hydra in Erscheinung und trägt zuweilen auch Priesterkragen
(wie in Polen nach 1945) und geweihte Bärte (wenn Imame zum Mord aufrufen).
7. November 2006 Herakles – eine literarische Urgestalt des Leidens
Von Erich Dauenhauer Zum Ende des 5. Jahrhunderts zeichnete sich auf Sizilien
eine schwere Niederlage Athens ab (vgl. den Reisebericht in diesem und
nächsten WALTHARI-Heft). Der Friede von
Nikas, mit dem der Peloponnesische Krieg mit den Spartanern beendet
worden wäre, wackelte. Die Glanzmetropole der Antike begann an sich
zu zweifeln und fühlte sich von ihren Göttern verraten. In der
Stadt gaben geschwätzige Sophisten und atheistische Skeptiker den
Ton an, darunter Protagoras (um 480-410 v.Chr.), der als Wanderredner ganz
Attika aufschreckte mit dem Lehrsatz: »Der Mensch ist das Maß
aller Dinge, der seienden, daß sie sind, und der nichtseienden, daß
sie nicht sind.« Das war ein Angriff auf die Götter und auf
die Wahrheit überhaupt, weshalb er verurteilt, aus Athen verbannt
und von einem Schicksal heimgesucht wurde (er ertrank auf der Überfahrt
nach Sizilien). Der Einfluß seiner Relativismuslehre war so groß,
daß sie Sokrates zu einem berühmten Disput reizte (›Protagoras‹
von Platon, entstanden etwa 399 v.Chr.). In dieser kritischen Lage im Äußeren
wie im Inneren sehnten sich die Athener nach einer rettenden starken Hand,
die sowohl den Götter- als auch den Selbstzweifel beseitigen könnte.
Bewährter Nothelfer seit Jahrhunderten war der Halbgott Herakles,
illegitimer Sohn des Zeus. Der Göttervater hatte sich als Gatte der
Alkmene verkleidet, um mit dieser Herakles zu zeugen, woraufhin Hera, die
Gattin des Zeus, Rache schwor und den Sprößling ein Leben lang
verfolgte (daher sein Name: Hera-kles, der durch Hera Berühmte). Daraus
ergab sich eine endlose Geschichte (von Leiden und Taten), die als mythologische
Themenvorlage nahezu drei Jahrtausende auf die Kunst, Philosophie und Religion
einwirkte. Die Heraklesthematik spannt sich von Homer (Ilias, 19 96-133)
über J.S. Bach (Kantate ›Herakles am Scheideweg‹, 1733) und Fr. Dürrenmatt
bis in unsere Gegenwart. Die Faszination der mythischen Gestalt ergibt
sich aus der Mischung von titanischer Stärke mit grenzenloser Leidensfähigkeit,
aus Tugendhaftigkeit (mutiger Nothelfer der Bedrängten) und bizarrer
Brutalität. In den Augen der Griechen dominierte sein Heroismus:
Ausgestattet mit seiner Keule als Wunderwaffe und dem Fell eines erlegten
Löwen durchsteht er alle Gefahren. Das christliche Mittelalter und
die frühe Renaissance sahen in ihm das heidnische Gegenstück
zu Christus: dieser wie jener ein Halbgott, beide hinabgestiegen zur Hölle
(Hades) und Sieger über das Böse, Wundertaten hier wie dort (bei
Herakles die Hydra-, Augiasgeschichte u.v.a.). Beide extrem leidensfähig
und Opfer blinden Unverstands (Kreuzestod hier, Scheiterhaufen dort). Im
Jahre 415 v. Chr. suchte der schon fast siebzigjährige Tragödiendichter
Euripides die verunsicherten Athener mit der Heraklesgestalt aufzurütteln.
Sein Stück griff einen Mythos auf, den jedes Kind der Stadt kannte:
Feiges Bürgertum war Schwerpunktthema des
Heftes 32/1999
Feiges Bürgertum
In seinem Sessel feige-dumm
I Feigheit ist ohne Zweifel eine anthropologische Verhaltensdisposition. Menschen neigen aus Angst, Berechnung und Denkfaulheit dazu, vor Gefahren zu fliehen, sich zu verstecken oder die behagliche Sesselposition zu wählen, sei es, um zu überleben oder um nicht gestört zu werden, sei es, um sich hämisch zu vergnügen. Warum feige Behaglichkeit gerade im Fernsehzeitalter zum Erkennungscode für bürgerliches Verhalten geworden ist, braucht weniger bewiesen als erinnernd demonstriert zu werden. War es doch in allen Epochen für Bürgerlichkeit kennzeichnend, daß man tätig und tatkräftig, beruflich und gesellschaftlich hervortrat. II Die drei Hauptmotive für Feigheit sind schon genannt worden. Angst begleitet den Menschen wie ein Daseinsschatten. Lebenspragmatisch ist sie ein Warnsignal vor und in Gefahrenlagen. So sehr sie freilich schützen und, in Grenzfällen, ein Überleben sichern kann, so mißbräuchlich verleitet sie auch dazu oder muß dafür herhalten, jedem Risiko aus dem Wege zu gehen. Da nun aber ein Leben ohne Risiken nicht geführt werden kann, gehört zur Angst die Wagnisbereitschaft so notwendig wie frische Luft zum stärkenden Atmen. Angst ohne Mutbereitschaft entpuppt sich als Fahrkarte in eine Sackgasse der Evolution. Berechnung, das zweite Hauptmotiv für Feigheit, bucht fehlenden eigenen Mut auf fremde Konten um. Statt selbst die Gefahr anzunehmen, überläßt man das riskante Geschäft trickreich anderen, indem man sie dafür bezahlt, scheinheilig lobt oder eigene Gebrechen vorschiebt. Dahinter kann sich tatsächliche Kleinmütigkeit verborgen halten, also ein wahrer oder eingebildeter kleiner Mut, in der Regel aber fehlt es dem Berechnenden nicht an eigener Wagnisfähigkeit, er ersetzt oder verdeckt diese vielmehr durch schlaues Verhalten. Ethisch handelt es sich nicht allein um die Mißachtung einer Kardinaltugend, der Tapferkeit nämlich; als wagnisentsorgtes Leben auf fremden Mutkonten sind solche Tricks sittlich in hohem Grade verwerflich. Wer andere Menschen in eine Gefahrenabwehr hineintreibt oder lockt, obschon es seine ureigene Aufgabe wäre und er selber auch das Zeug dazu hätte, begeht sozialen Betrug. Kaum entschuldbar ist auch das dritte Hauptmotiv für Feigheit, die Faulheit im Denken. Denkfaulheit darf nicht mit fehlender Intelligenz verwechselt werden. Gemeint ist jene Form von sozialer Dummheit (es gibt mehrere), die sich darin gefällt, über den behaglichen Sesselhorizont nicht hinauszudenken. War hierfür im 19.Jahrhundert der Kleinbürger die klassische Negativfigur, so ist es in Zeiten der okulartyrannischen Teleoligarchie der biertrinkende Sesselhocker. Haben einst Adel und Kirche von eigenem Weiterdenken befreit, so entlasten heute Medien und andere Vor-Denker den bürgerlichen Kopf. Man läßt für sich um die schwierigen Ecken denken, ehemals im Auftrag Gottes, aus dem man auch das Gottesgnadentum ableitete, heutzutage nach Maßgaben anderer höherer Auftraggeber, darunter die Verfassung, die bestimmte Vor-Redner und -Schreiber zum entlastenden Denken privilegiert. III Aus: Literaturzeitschrift WALTHARI 32/1999, S. 10 ff. in: www.walthari.com. 24. Juli 2000 Netzgeflüster
P - ...unerhört, diese Anwürfe, und dazu
noch in einem Offenen Brief im Internet! Das kann so nicht stehen bleiben!
14. Mai 2003 1 2 3 4 Die für westliche Gesellschaften unbegreifliche Sehnsucht vieler junger Muslime, als Märtyrer zu sterben, erklärt sich aus dem theologischen Status der Märtyrer: (1) Märtyrer (Shahids) werden im Jenseits nicht dem Verhör der beiden Todesengel Munkar und Nakir unterzogen; (2) sie müssen auch nicht das islamische Fegefeuer (Bazarkh) durchlaufen; (3) sie bedürfen nicht der Fürsprache des Propheten und (4) können sie selber als Fürsprecher auftreten; schließlich (5) wird ihnen die höchste Stufe des Paradieses (Dar ash-Shudada) und die größte Gottesnähe zugesprochen. (6) Ihre Wunden leuchten am jüngsten Tag blutrot und durften nach Moschus. (7) Als einzige Jenseitsbewohner sehnen sie sich wieder ins Diesseits zurück, weil sie mit der Kraft ausgestattet wurden, »noch zehnmal den Märtyrertod zu erleiden«. Der Sonderstatus islamischer Märtyrer erzeugt auch weltliche Vorteile. Im Iran erhielten die Hinterbliebenen hingemetzelter Soldaten (im ersten Golfkrieg 1991) ein Auto und 33.000 US-Dollar. Saddam Hussein spendete palästinensischen Familien, aus denen Selbstmordattentäter hervorgingen, 25.000 US-Dollar. Die politische und islamisch-theologische Herrscherkaste pflegt einen Märtyrerkult, der mit der christlichen Heiligenverehrung in keiner Weise vergleichbar ist. Mit der märtyrologischen Statuspflege geht eine Gesinnungserziehung und Instrumentalisierung von Glaubensopfern einher, die zivilisatorischen Werten hohnspricht und in demokratisch-rechtsstaatlichen Kulturen den Anstiftern eine Strafverfolgung einbrächte... Aus: www.walthari.com
14. April 2002 Tibi, B.: Islamische Zuwanderung. Die gescheiterte
Integration
... Über den Zustand kann sich jedermann bei Tibi
ein genaues Bild machen, insbesondere über die katastrophenträchtige
Illusion einer multikulturellen Gesellschaft und über den sozialen
Sprengstoff, der von existierenden Parallelgesellschaften auch schon in
Deutschland ausgeht. Der Normalbürger erfährt zwar durch
das Fernsehen und in Presseberichten, wo überall in der Welt multikulturelle
Gesellschaften explodieren – auf dem Balkan, im Vorderen Orient, in Afrika,
in Kaschmir und in Dutzenden anderen Weltgegenden, aber er weiß in
aller Regel nicht, wie weit die Zustände im eigenen Land auf Konfliktszenarien
schon zulaufen. Dafür öffnet Tibi die Augen. Schonungslos nennt
er die Hauptgründe: mangelnder Wille zur Integration und ungefilterte
Zuwanderungsströme. »Die Mulit-Kulti-Romantik wird es nach
dem 11. September schwer haben fortzubestehen« (S. 198) – eben das
trifft nur für aufgeklärte Zirkeldiskussionen zu, nicht für
die politische Propagandapraxis und die haarsträubend verharmlosenden
Berichte in den Medien... Es sind eben nicht nur die fundamentalistischen
Islamisten, die westlich aufgeklärte Gesellschaften mit Angst und
Schrecken überziehen, es sind auch Kernbestände im Koran und
in der Scharia, die eine friedliche Integration unmöglich machen.
15. Dezember 2002 Der Djihad und die Deformierung des Westens Herbig Verlag, München 2002, 376 Seiten, 29,90 Euro ... Der Orientalist und Mitautor der Encyclopaedia of
Islam leistet einen schonungslosen Beitrag, um den Menschen die Augen zu
öffnen. Niemand soll später, wenn die Auseinandersetzung noch
blutigere Ausmaße annehmen wird als heute, sagen können, er
habe vom frauen- und demokratiefeindlichen Gesicht des Koran nichts gewußt.
Man kann den Koran und die anderen islamischen Leitschriften drehen und
interpretieren, wie man will: die Welle des religiös motivierten weltweiten
Terrors ist unbestreitbar. Raddatz spricht vom Wunschislam, den uns die
›Dialog‹-Ökumene und die Politik vorgaukeln. Waren doch selbst gerühmte
Toleranzvorbilder nicht frei von Schreckensherrschaft. In Lessings Nathan-Stück
z.B. wird die historische Gestalt des Sultan Saladin reingewaschen; in
Wirklichkeit verfolgte dieser Sultan Ketzer (Islam-Abtrünnige) gnadenlos...
8. Februar 2006 ... II. Unterscheidungen Das Bild des Islam ist äußerst vielfältig. Um Mißdeutungen vorzubeugen, sollte zwischen (1) ›dem‹ Islam (als Offenbarungsreligion mit schriftlichen Anweisungen im Koran u.a.), (2) der islamischen Mullahpraxis (Lehrauslegungen in Freitagspredigten, Gerichtsurteilen usw.), (3) der islamischen politisch-gesellschaftlichen Realität, (4) dem islamischen Fundamentalismus (als religiös verbrämtes, offenes Kriminalitätspotenzial) und (5) dem islamischen Liebes- bzw. manchmal auch Beschönigungs-Pazifismus (man denke an die zahlreichen beschönigenden Paradiesschilderungen im Koran) unterschieden werden. So falsch es ist, den islamischen Liebes- bzw. Beschönigungspazifismus (Islamvariante 5) für den ganzen oder auch nur den bestimmenden Islam zu halten, so verhängnisvoll wäre es, den Terror und das übrige Gewaltpotenzial allein bei den Fundamentalisten (Islamvariante 4) zu suchen. Genau das aber geschieht gegenwärtig im westlichen Diskursbetrieb, in welchem einäugige Beschwichtiger die Öffentlichkeit irreführen. Unterschlagen wird dabei meist vollkommen, welche menschenverachtende, anti-demokratische, gewaltschürende Kräfte auch in der Mullah-Praxis (Islamvariante 2) und in der gesellschaftlich-politischen Realität (Islamvariante 3) am Werk sind... Aus: www.walthari.com
13. Oktober 2001 IV. Wie bald ist die islamische Welt aufklärungsfähig?
29. Oktober 2001 VI. Erschreckende Illusionsgläubigkeit im Westen
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