Walthari


Archiv zur 
Literaturzeitschrift WALTHARI
Begründet 1984 

Herausgeber: Univ.-Prof. Dr. Erich Dauenhauer


 
Einzelpreis:  EURO 10,00  zzgl. Versandkosten;
Jahresabonnement (= 2 Hefte): EURO 16,00 zzgl. Versandkosten
Bei Heften mit Überstärke: entsprechende Preiserhöhung
Bezug überWALTHARI, Postfach 100019, 66979 Münchweiler o d e r  E-Mail: 
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Bisher erschienene Hefte:

HEFT   1/1984: Literatur als Tribunal, vergriffen
HEFT   2/1984: Smarty. Erzählung aus den Grauzonen, vergriffen
HEFT   3/1985: UNGARN. Östlicher Waltharius, vergriffen
HEFT   4/1985: Weltmuseum. Sprachspiele zwischen 
                          Tradition und Postmoderne, vergriffen
HEFT   5/1986: Literatur der Pfalz und der Pfälzer, Teil I, vergriffen
HEFT   6/1986: Medienlust. Ironische Literatur, vergriffen
HEFT   7/1987: BURGUND - Bourgogne (zweisprachig)
HEFT   8/1987: Literatur der Pfalz und der Pfälzer,Teil II, vergriffen
HEFT   9/1988: BRASILIEN - Magil, vergriffen
HEFT 10/1988: Wortwohnungen, vergriffen
HEFT 11/1989: Zwischen Haß, Armut und
                          Friedensbekundung, vergriffen
HEFT 12/1989: PERU. Trauer um Inti, vergriffen
HEFT 13/1990: Wende-Zeit zwischen Elbe und Oder, vergriffen
HEFT 14/1990: West-östliche Niederauffahrt
HEFT 15/1991: Weltübelglück, vergriffen
HEFT 16/1991: GeWörTel
HEFT 17/1992: MEXIKO, vergriffen
HEFT 18/1992: Alles Theater, vergriffen
HEFT 19/1993: Weisheitsliteratur, vergriffen
HEFT 20/1993: Lachen und Weinen, vergriffen
HEFT 21/1994: Wirtschaft - Sprache - Literatur
HEFT 22/1994: CHINA. Reisebilder aus dem 
                          Reich der Mitte, vergriffen
HEFT 23/1995: Literaturkritik, vergriffen
HEFT 24/1995: Erdichtete Natur
HEFT 25/1996: INDIEN
HEFT 26/1996: Lesen
HEFT 27/1997: MECKLENBURG-VORPOMMERN
HEFT 28/1997: Literatur als Zeitgeist-Avantgarde
HEFT 29/1998: Capriccio-Literatur
HEFT 30/1998: Fausts verwandelte Wiederkehr
HEFT 31/1999: Nachmoderner Exitus, vergriffen
HEFT 32/1999: Feiges Bürgertum
HEFT 33/2000: Neue Mytho-Logien?
HEFT 34/2000: Erzähltes Ich - Erzählendes Sein
HEFT 35/2001: Poetische Transformationen
HEFT 36/2001: Aura und Metapher
HEFT 37/2002: Der Autor und sein Fell
HEFT 38/2002: Stadtmythos
HEFT 39/2003: Schamvolle Erhabenheit
HEFT 40/2003: Nichtendes Erschaudern
HEFT 41/2004: Erinnern - Vergessen - Ent-Täuschen
HEFT 42/2004: Ästhetik literarischer Empfindungen
HEFT 43/2005: Machtmasken und literarische Komik
HEFT 44/2005: Das Böse als literarische Vorlage
HEFT 45/2006: Leiden aus literarischer Leidenschaft
HEFT 46/2006: Das Weibliche als literarische Provokation
HEFT 47/2007: Das Politische imLiterarischen
HEFT 48/2007: De-Kadenzen
HEFT 49/2008: Literatur und Religion
HEFT 50/2008: Autofiktion - Zur Poetik der Selbsterfindung -


Heft 49/2008

 25.  Jg. 
 49/2008



  ISSN 0930-3279         www.walthari.com 
     
    Aus dem Inhalt
     
  •  Zu diesem Heft
  • WALTHARI-Rückblende
  • Alles
  • Über die Unhintergehbarkeit des Religiösen im Literarischen
  • Weltwägung nach dem Aussterben des Homo sapiens naturalis
  • Zur weltgeschichtlichen Krise und Wiederkehr der Religion
  • Gestörte Sprachverwandtschaften
  • Gewißheit und Zweifel
  • Eine religionsphilosophische Anfrage
  • Christliche Weltliteratur
  • Bisher erstellte Verzeichnisse
  • Verzweckungen und andere religiöse Verlustanzeigen
  • Theaterwelten – Exzentrik schlägt Normalität 
  • Die elsässische Doppeltragödie
  • Tagebuchnotizen im Halbjahr der Selbsttäuschungen
  • Buch- und Medienbesprechungen
  • Tagebuchstichwörter der Hefte 21 - 49
  • Namensverzeichnis
  • Stichwortverzeichnis
117  Seiten,  flexibler Einband
 

Heft 48/2007

 24 Jg. 
 48/2007

  ISSN 0930-3279         www.walthari.com 
     
    Aus dem Inhalt
     
  •  Zu diesem Heft
  •  WALTHARI-Rückblende
  •  Prager Kadenzen
  • Das Märchen vom Wunderland bergauf fließenden Wassers
  • De-kadente Fälle
  • Literarische Dekadenz - de-kadente Literatur
  • Faszination der Dekadenz
  • Kunst als Krise oder Krise als Kunst?
  • Wie Kunstwerke preis-wert ›gemacht‹ werden
  • Zur fortwährenden Debatte über das Ende der Kunst und schönen Literatur
  • Prag-Impressionen
  • Tschechische Vertreibungsverbrechen 
  • Tagebuch im Halbjahr der Ketzerei
  •  Buch- und Medienbesprechungen
  •  Bisher erstellte Verzeichnisse
  •  Namensverzeichnis
  •  Stichwortverzeichnis
110 Seiten,  flexibler Einband
 

Heft 47/2007

 24 Jg. 
 47/2007

  ISSN 0930-3279         www.walthari.com 
     
    Aus dem Inhalt
     
  • WALTHARI-Rückblende
  • Bürgerleid
  • Das Politische als dauerachtsames Widerstehen
  • Das Literarische als Poiesis des ›Schreckens‹
  • Literaturbriefe
  • Feuilletonkritik
  • Medienkritik
  • Glossen
  • Politische Briefe
  • Parteienkritik
  • Porträt: Metastase der Okulartyrannis
  • Bescheidenheit im Tugendverbund
  • Collagieren des allmorgendlichen Medienspiegels
  • Reisebilder aus Griechenland
  • Bisher erstellte Verzeichnisse 
  • Buch- und Medienbesprechungen
  • Namensverzeichnis
  • Stichwortverzeichnis
108 Seiten,  flexibler Einband
 

Heft 46/2006

23. Jg. 
 46/2006



  ISSN 0930-3279         www.walthari.com 
     
    Aus dem Inhalt
     
  • WALTHARI-Rückblende 
  • Hat sich die Evolution geirrt? - Ein männerverstörendes Frauensymposion - 
  • Geschlechterperspektiven  - Ein geistesgeschichtlicher Abriß -
  • Reduktionistische Frauenbilder in der Literatur
  • Heroismus und Normalität literarischer Frauengestalten
  • Frauenlob
  • Nietzsches wirres Frauenbild in Originalzitaten 
  • Frauenliteratur – Ein ökonomischer Renner auf poetologisch kurzen Beinen –
  • Über berühmte und berüchtigte Frauenbilder
  • Über Frauenforschung, Feminismus und Frauenförderung in Zeiten der Genderkrise
  • Einige statistische und wissenschaftliche Fundamentaldaten zum Frauenthema
  • Mein Gott, wer liest noch Gedichte?
  • Bilderdiktaturen - Bilderschauder
  • Reisebilder aus Sizilien, Teil II
  • Tagebuch im Halbjahr der Gendernachwirren
125  Seiten,  flexibler Einband
 

Heft 45/2006










23. Jg. 
 45/2006



  ISSN 0930-3279         www.walthari.com 
     
    Aus dem Inhalt
     
  • Zu diesem Heft 
  • WALTHARI-Rückblende 
  • Qual – Schiller-Parodie
  • Leiden der Kreatur I
  • Leiden der Kreatur II 
  • Leidensmetaphysik
  • Die vorgestellte Hölle 

  • als Ort ewigen Leidens
  • Ästhetik des Leidens 
  • Millennarischer Perspektivwechsel 
  • Nießbräuche des Leidens
  • Herkules – eine literarische 

  • Urgestalt des Leidens
  • Existenziales Leiden im Roman 

  • ›Helles Geleit‹ 
  • Reisebilder aus Sizilien, Teil I 
  • Bisher erstellte Verzeichnisse
  • Tagebuchnotizen im Halbjahr 

  • medialer Gespenstertänze
  • Buchbesprechungen
  • Namensverzeichnis (Auswahl)
  • Stichwortverzeichnis
110 Seiten,  flexibler Einband
 

Heft 44/2005

22. Jg. 
 44/2005



  ISSN 0930-3279         www.walthari.com 
     
    Aus dem Inhalt
     
  • Zu diesem Heft 
  • WALTHARI-Rückblende 
  • Höllenflirt
  • Das Böse als Konstrukt und Substanz
  • Das radikal Böse
  • Das Böse als Feind des Guten
  • Das Böse als Feind der Freiheit
  • Gehalte des Bösen
  • Gestalten des Bösen
  • Das Böse als ästhetische Kategorie
  • Literarische Teufelsbündner 
  • Das Böse in theologischer Sicht
  • Theodizee, Naturdizee, Anthropodizee
  • Gehalte und Gestalten des Grauens
  • Trecks und Internierungslager im Zeichen des Saturn
  • Tu infelix Austria, Fortsetzung 
  • Tagebuchnotizen im Halbjahr einäugigen Gedenkens 
  • Buchbesprechungen
118 Seiten,  flexibler Einband
 

Heft 43/2005

 22. Jg. 
 43/2005


  ISSN 0930-3279         www.walthari.com 
     
    Aus dem Inhalt
     
  • Zu diesem Heft 
  • WALTHARI-Rückblende 
  • Machtverlust
  • Komische Verwandtschaft 
  • Machtmaskierungen 
  • Zur Kulturgeschichte der Komik 
  • Macht zwischen Dämonie und Bändigung
  • Chaos-Tage. Komödie (Auszug) 
  • Heitere Schreibturniere 
  • Tu infelix Austria 
  • Tagebuchnotizen im Halbjahr der 
  • Ver-Hartzung
  • Bisher erstellte Verzeichnisse
  • Buchbesprechungen
  • Namensverzeichnis (Auswahl)
  • Stichwortverzeichnis

  •  
116  Seiten,  flexibler Einband
 
 

Heft 42/2004

 21. Jg. 
 42/2004



  ISSN 0930-3279         www.walthari.com 
     
    Aus dem Inhalt
     
  • Zu diesem Heft 
  • WALTHARI-Rückblende 
  • Schöngeist
  • Ästhetische Empfindungen beim Lesen
  • Vielgesichtige Natur
  • Empfindungen – Gefühle - Kunstgespür 
  • Gipfelgespräch
  • Ästhetische Empfindungen beim Schreiben 
  • Kotzästhetik: Ekel als Kunstempfindung
  • Zur Geistesgeschichte ästhetischer Auffassungen 
  • Literaturkritisches Mißempfinden 
  • Aufstieg und Fall des radikalen Regietheaters
  • Bisher erstellte Verzeichnisse
  • Grundkurs Ästhetik
  • Tagebuch im Halbjahr der Abscheulichkeiten
  • Buchbesprechungen
  • Namensverzeichnis (Auswahl)
  • Stichwortverzeichnis
116 Seiten,  flexibler Einband
 

Heft 41/2004











21. Jg. 
 41/2004



  ISSN 0930-3279         www.walthari.com 
     
    Aus dem Inhalt
     
  • Zu diesem Heft 
  • WALTHARI-Rückblende 
  • Süßes Vergessen
  • Gedächtniswund - vergessensgeil
  • Zur Kunst des Erinnerns und Vergessens
  • Mnemosyne 
  • Ent-Täuschung: Empfindungen inmitten der großen Unbekannten
  • Erinnern, Vergessen und Vergeben - Kompensation, Deutungsmacht und Gattungsentwicklung 
  • Mythosverschiebung und Erlösung
  • Reisebilder aus der Mitte Thüringens
  • Die Pfälzische Landesbibliothek – gestern und heute 
  • Deutsch-kultureller Separatismus
  • Tagebuch im Halbjahr der Erinnerungsmanöver
  • Buchbesprechungen
  • Bisher erstellte Verzeichnisse
  • Namensverzeichnis
  • Verzeichnis der Internetartikel 
  • Stichwortverzeichnis
112  Seiten,  flexibler Einband
 
 

Heft 40/2003



 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 


ISSN 0930-3279   www.walthari.com
Zwanzigster  Jahrgang  2003  Heft  40
     
    Aus dem Inhalt
     
  • Zu diesem Heft 
  • Epochale Beunruhigungen heute 
  • Mit-nichten
  • Zwanzig Jahre Walthari
  • Schwindelnde Örtlichkeiten
  • Ästhetik des Verschwindens
  • Netzflüchter
  • Zur Lebensphilosophie und Ästhetik des Lassens
  • Erhabenheit im Jetzt, Teil 2
  • Literatur als Subversion
  • Erhaben gebildet
  • Grimald. Porträt und Umfeld des wahrscheinlichen Verfassers des Waltharius-Epos’
  • Die althochdeutsche Sprachklage Otfrids von Weißenburg
  • Tagebuch im Halbjahr des anglo-irakischen Krieges
  • Buchbesprechungen
  • Bisher erstellte Verzeichnisse
  • Verzeichnis der Tagebuchstichwörter in den Heften 21-40
  • Namensverzeichnis
  • Stichwortverzeichnis
114 Seiten,  flexibler Einband
 

Heft 39/2003

WALTHARI 
ZEITSCHRIFT 
FÜR 
 LITERATUR 
Texte - Medien - Märkte – Porträts
- Begründet 1984 - 
 
 

Schamvolle
Erhabenheit
 
 
 
 
 
 
 

ISSN 0930-3279   www.walthari.com
Zwanzigster  Jahrgang  2003  Heft  39

     
    Aus dem Inhalt
     
  • Zu diesem Heft
  • Metaphern 
  • Unterm Schleier
  • Erhabene Kunst – entschamtes Recht
  • Bisher veröffentlichte Verzeichnisse
  • Schamvoll
  • Erhabenheit im Jetzt, Teil 1
  • Zeugen’s Schrecken
  • Dichter, Denker, Provokateure
  • Wie wenn am Feiertage...
  • Erhabene Dichter als Retter?
  • Starke Dichter als Retter?
  • Idolatrisches Getümmel auf der literarischen Schaubühne
  • Tagebuch im Halbjahr der politmedialen Barbarei
  • Buchbesprechungen
  • Stichwortverzeichnis

  •  
     
112  Seiten,  flexibler Einband
 
 

Heft 38/2002

WALTHARI 
ZEITSCHRIFT 
FÜR 
 LITERATUR 
Texte - Medien - Märkte – Porträts 
- Begründet 1984 - 
 
 

Stadtmythos
 
 
 
 
 
 

ISSN 0930-3279   www.walthari.com
Neunzehnter  Jahrgang  2002  Heft  38

     

    Aus dem Inhalt

  • Poetische Mythenfahndung
  • Stadtwelten
  • Dichter und ihre Städte
  • Gottfried Benn: Berlin
  • Detlev von Liliencron: In einer großen Stadt
  • Pathologisches Städtegespräch
  • Literarische Befindlichkeiten und Besichtigungen
  • Das ›verwirklichte‹ und verwirkte Subjekt
  • Stadtspiegelungen
  • Urbanität
  • Fluxionsköpfe
  • Tagebuchnotizen im Halbjahr der Stadtclownerien
  • Buchbesprechungen
  • Verzeichnisse 
     
123  Seiten,  flexibler Einband
 

Heft 37/2002

 

WALTHARI
 ZEITSCHRIFT
 FÜR
 LITERATUR
 Texte - Medien - Märkte -Porträts
 - Begründet 1984 -
 
 

 Der Autor 
 und sein Fell


 
 

ISSN 0930-3279    www.walthari.com
Neunzehnter Jahrgang 2002 Heft 37

Aus dem Inhalt
  • Poetische Fangschaltung
  • Schreiben auf brennendem Fell
  • Reise- und Gedankenbilder aus der südlichen Auvergne
  • Schwitzen auf rauhem Fell
  • Besonnenheit
  • Hürlimann geh du hinan
  • Zeitschriftenschau
  • Verrat an der deutschen Muttersprache
  • Schreiben als Meuterei
  • Märkte & Medien
  • Tagebuchnotizen im Halbjahr des Terrors 
  • Buchbesprechungen
  • Stichwortverzeichnis

  •  
118  Seiten,  flexibler Einband
 

Heft 36/2001

 

WALTHARI
 ZEITSCHRIFT
 FÜR
 LITERATUR
 Texte - Medien - Märkte -Porträts
 - Begründet 1984 -
 
 

 Aura und 
 Metapher


 
 

ISSN 0930-3279    www.walthari.com
Achtzehnter Jahrgang 2001 Heft 36

Aus dem Inhalt
  • Der Netzflaneur
  • Aura - Sehnsuch, Stilisierung, Schicksal
  • Kambodscha - ein Reisebericht
  • Metaphern - Das Einst im Jetzt
  • Transformationen im Kreislauf, Teil 2
  • Herrenhaut und Armenseele, Kapitel 18
  • Identitäten, Teil 2
  • Verborgene und verlorene Maßstäbe, Teil 2
  • Cartesianische Denkuhren
  • Tagebuchnotizen im Halbjahr der Klauentierschändung
  • Buchbesprechungen
  • Stichwortverzeichnis

  •  
130 Seiten,  flexibler Einband
 

Heft 35/2001

 

WALTHARI
 ZEITSCHRIFT
 FÜR
 LITERATUR
 Texte - Medien - Märkte -Porträts
 - Begründet 1984 -
 
 

 Poetische
 Transformationen


 
 

ISSN 0930-3279    www.walthari.com
Achtzehnter Jahrgang 2001 Heft 35

Aus dem Inhalt
  • Grundbegriffliche Klarstellungen
  • Apokalypse der Leiblichkeit
  • Höhnische Verwandlung
  • Über die Transformationsohmacht der Poesie
  • Literaturbrief
  • Herrenhaut und Armenseele, Kapitel 18
  • Identitäten, Teil 1
  • Netzkonferenz
  • Belgische Kongo-Greuel
  • Transformationen im Kreislauf
  • Verborgene und verlorene Maßstäbe, Teil 1
  • Burma
  • Postmoderne Göttergespräche
  • Tagebuchnotizen im Halbjahr der Epiphanien

  •  
139  Seiten,  flexibler Einband
 
 

Heft 34/2000

 

WALTHARI
 ZEITSCHRIFT
 FÜR
 LITERATUR
 Texte - Medien - Märkte -Porträts
 - Begründet 1984 -
 
 

 Erzähltes Ich
 Erzählendes Sein


 
 

ISSN 0930-3279    www.walthari.com
Siebzehnter Jahrgang 2000  Heft 34

Aus dem Inhalt
  • Das Sein hinter der Maske des Ich
  • Brief aus Neurotistan
  • Ich-Erschrecken
  • Ermunterung
  • Poetisches Ich, abstürzend
  • Verlorenes Ich
  • Literaturbrief zur Anthropodizee 
  • Feuilletontribunale 
  • Es werde Ich
  • Reisebilder aus der Auvergne
  • Tagebuchnotizen im Halbjahr 

  • der Parteiendämmerung
  • Schelling im Gespräch
  • Literatur am Abgrund

  • Erzählendes Sein
138 Seiten,  flexibler Einband
 

Heft 33/2000

 

WALTHARI
 ZEITSCHRIFT
 FÜR
 LITERATUR
 Texte - Medien - Märkte -Porträts
 - Begründet 1984 -
 
 

 Neue

 Mytho-Logien?

 
 

ISSN 0930-3279    www.walthari.com
Siebzehnter Jahrgang 2000  Heft 33

Aus dem Inhalt
  • Brauchen wir neue Mytho-Logien?
  • Mythos - das M in MAGIL
  • Poetische Mythenfahndung
  • Wohin mit den vielen Göttern und Heroen?
  • Über Mythen und Mythologien: ein Göttergespräch
  • Religiöse Mythen 
  • Aktionärstreff
  • Profane Mythen
  • Literaturbrief aus der pommerschen Provinz
  • Vertreibung aus Politik und Gesellschaft
  • Die betreute Poetin im geschützten Bücherrevier

  •  
134 Seiten,  flexibler Einband
 

Heft 32/1999

 

WALTHARI
 ZEITSCHRIFT
 FÜR
 LITERATUR
 Texte - Medien - Märkte -Porträts
 - Begründet 1984 -

 
 
Feiges
 Bürgertum

 
 
 

ISSN 0930-3279    www.walthari.com
Sechzehnter Jahrgang 1999  Heft 32

Aus dem Inhalt
  • Schwindende Bürgerlichkeit
  • Zivilcourage
  • Bürgerwelten
  • Feiges Bürgertum
  • Bürgerliche Feigheit und narzistischer Literaturkonsum
  • Tapferkeit als bürgerliche Tugend 
  • Okulartyrannis. Drittes Gespräch
  • Vom Flug und Fluch der Nachmoderne, Schlußteil
  • Zwei bescheidene Vorschläge
  • Tagebuchnotizen im Halbjahr 

  • der Zerknirschung
102 Seiten,  flexibler Einband
 

Heft 31/1999

 

WALTHARI
 ZEITSCHRIFT
 FÜR
 LITERATUR
 Texte - Medien - Märkte -Porträts
 - Begründet 1984 -
 
 

 Nachmoderner

 Exitus

 

ISSN 0930-3279    www.walthari.com
Sechzehnter Jahrgang 1999  Heft 31

Aus dem Inhalt
  • Eindämmerung einer Lichtreligion
  • Literatur an der Neige
  • Offener Brief
  • Vom Flug und Fluch der Nachmoderne
  • Neuzeit und Nach(neu)zeit
  • Okulartyrannis 
  • Leitbegriffe der nachmodernen Literatur 
  • Fluchtwege aus der Nachmoderne
  • Thailand - Reisebilder
  • Tagebuchnotizen im Halbjahr 

  • der Täuschungen
104 Seiten,  flexibler Einband




HINWEISE DES HERAUSGEBERS

WALTHARI® erscheint anzeigefrei, subventions- und
verbandsfrei - aus Gründen der Unabhängigkeit und
der Freiheit des Wortes.

WALTHARI® ist einzig der Sprache verpflichtet, nimmt also
keine Fotos usw. auf - in bewußter Gegenhaltung zum
Bildertrend (Ikonophagie) unserer Zeit.

Gegen die idolatrische Mode steht auch das Gestaltungsprinzip,
den Texten einen höheren Rang einzuräumen als den Autorennamen.
Das hat zur Folge: Der Autor tritt hinter seinem Text zurück;
daher keine Anschriften.

Warum der Titel WALTHARI®? Ein Blick in das Ausgangskapitel
des Walthari-Liedes (WL) gibt Aufschluß. Die poetische Phantasie
des Walthari-Dichters (9. Jahrhundert) nahm das Schicksal Europas
im zweiten Jahrtausend vorweg. »Waltharisch« steht für Versöhnung,
Toleranz, Pluralität, Geschichtsbewußtsein, Tapferkeit und
Identitätsbewußtsein zugleich: »Wieder erneuerten sie ihre
Freundschaft« (Vers 1443 WL).

Fühlt sich WALTHARI® einer Kunstrichtung verpflichtet?
Ja: MAGIL (vgl. die WALTHARI-Hefte 9 ff.).

Beiträge werden nur nach ausdrücklicher Zusage des Herausgebers honoriert.
Für unaufgefordert eingesandte Beiträge wird nicht gehaftet.



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 über E-Mail: dauenhauer@walthari.de

 





 
5. Februar 2008

Wilhelm Buschs Darwin

Sie stritten sich beim Wein herum,
Was das nun wieder wäre;
Das mit dem Darwin wär gar zu dumm
Und wider die menschliche Ehre.

Sie tranken manchen Humpen aus,
Sie stolperten aus den Türen,
Sie grunzten vernehmlich und kamen zu Haus
Gekrochen auf allen vieren.

Aus: www.walthari.com


4. Januar 2008

Daueraktueller Roman: Herrenhaut und Armenseele

Anlaß der Erinnerung:
Vor Weihnachten 2007 wurde der katholische brasilianische Bischof Luiz Flavio Cappio in die Intensivstation eines Krankenhauses der Stadt Petrolina eingeliefert. Sein Hungerstreik (seit 23 Tagen) hatte ihn so sehr geschwächt, daß er das Bewußtsein verlor, als er vom Urteil des Obersten Gerichtshofs Brasiliens erfuhr, wonach ein schwerer Eingriff in die Natur (Verlegung eines Flußlaufs) bestätigt wurde. Der Eingriff begünstigt die Großgrundbesitzer und benachteiligt die Kleinbauern seiner Diözese im Nordosten des Landes. Bischof Cappio unterstützt seit Jahren die Landlosenbewegung und wird deshalb (auch sein Orden: die Franziskaner) bedroht. Dieses Szenario 2007/2008 gleicht auffällig einer Beschreibung in dem Roman ›Herrenhaut und Armenseele‹, der bereits 1991 erschien und in 4. Auflage vorliegt. Wieder einmal folgt die Wirklichkeit der Fiktion. 
© WALTHARI® – Aus: www.walthari.com



5. August 2008  
Tagebuchnotizen

Literarische Tagebücher im Netz.  Es gibt sie hundertfach. Da ein zentrales Verzeichnis fehlt, entdeckt man sie nur zufällig. Kostbare Textperlen zu weilen, so in dem mittlerweile geschlossenen Journal ›Klage‹ von Rainald Goetz. Er spießte darin die »geistigseelische Entkernung« von »tickenden, nichträsonierenden Figuren« der politischen Schauszene auf.

Literarisches WALTHARI-Tagebuch. Seit Jahren in gedruckter Form (der Literaturzeitschrift) und ergänzend hier elektronisch. Zugriffe aus fünfzig Ländern. 

Arbeitslose Mimen.  Traumberuf mit hohem Hartz-IV-Anteil. Ein Drittel dürfte arbeitslos sein und sich mit Nebenjobs über Wasser halten. Auf der Bühne spielt man nicht das Leben, wie es ist, sondern wie es sich der Regisseur ausgedacht hat. Doppeltes Regietheater. 

Themenflucht. Zunehmende Fälle von Gewalt gegenüber Islamkritikern. Der französische Philosophielehrer Robert Redeker mußte sich nach zweihundert Morddrohungen verstecken, nachdem er in einem Beitrag auf die schleichende »Islamisierung des Denkens« in Europa hingewiesen hatte. Die sonst so lautstarke und kritikfreudige literarische Funktionärsszene schweigt dazu. Und die Schriftsteller? Kaum ein Roman oder Hörspiel über das brandlodernde Thema.

Kosmopolitisch. Der schlaue Intellektuelle gibt sich kosmopolitisch. Als selbsternannter Weltbürger kann er unliebsame Themen meiden und sich an liebsamen hochstilisieren. Man ist wendig genug, um großes Fehlverhalten von einst als kleine Dummheiten auszugeben. Henning Ritter stellte den Großschriftsteller Hans Magnus Enzensberger bei seinem Versuch, den Eindruck zu erwecken, an den 68er Wüsteneien nur als Außenseiter beteiligt gewesen zu sein. Diese Demaskierung fand schon Jahre vorher in WALTHARI-Texten statt. 

Geschichtstrauma. Karl Albert schreibt in seinem Buch ›Lebensphilosophie‹: »Zwar braucht das Leben, wie Nietzsche betont, den Dienst der Geschichte, aber ein Übermaß an Geschichte schadet dem Leben auch.« Nach Nietzsche muß der »Tätige und Strebende... die Kraft haben.., eine Vergangenheit zu zerbrechen und aufzulösen, um leben zu können: dies erreicht er dadurch, daß er sie vor Gericht zieht, peinlich inquiriert und endlich verurteilt«. Vor Gericht gezogen und verurteilt haben die Deutschen die Nazigreuel tausendfach, während die DDR-Diktatur im milden Licht erscheint und in einer SED-Nachfolgepartei parlamentarisch hoffähig geworden ist. DDR-nahe Künstler behalten Kultstatus, hingegen löst die »schiere Namensnennung (von) Distler, Egk, Pfitzner, Orff, Bresgen« und Pepping nicht nur ein »adornosches Verachtungslächeln« (Eleonore Brüning) aus, man gibt sich zudem entrüstet und wirft die öffentliche Empörungsmaschine an. 
© Univ.-Prof. Dr. E. Dauenhauer. Aus: www.walthari.com
 


18. Dezember 2007 

Literarisches Canossa 
- Eine Prognose aus dem Jahre 1981 bewahrheitet sich -

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31. Oktober  2007

»Komfort kämpft nicht.«

Von Erich Dauenhauer

In seiner jüngst erschienenen ›Bewußtseinsnovelle‹ (Untertitel) mit dem noch ungewöhnlicheren Haupttitel ›Die Unbeholfenen‹ (bei Hanser) kann man bei Botho Strauß auf S. 88 f. die aufwühlende Passage lesen: 
»Nun, zuweilen gehen wir an Wegscheiden vorbei, ohne sie zu bemerken, und folgen stur der einmal eingeschlagenen Richtung. Wie reagiert die Komfortgesellschaft auf die Unduldsamkeiten einer fremden Religion? Natürlich mit ihren hauseigenen Mitteln der Toleranz. Diskussion, Konferenz, Konfliktforschung. Hierbei fehlt es nicht an klugen Worten, doch unsere Worte – im Gegensatz zu denen unserer Verächter – haben jede Bedeutung eingebüßt. Wir, die jetzt schon Besiegten, können alles sagen und sagen nichts. Wäre unser Sagen ebenfalls eingeschränkt wie das ihre, durch religiöses Gesetz und Konzentration auf Pflichten, auf eine kämpferische Handlung oder nur Haltung, so würde es zwangsläufig wieder Bedeutung gewinnen. Aber der Komfort kämpft nicht. Daß wir sprechen, wie wir sprechen, ist nur noch ein Verständigungsmedium unter Besiegten.«
Im Gaudilärm der Multikulti,  veranstaltet von jedes Maß verachtenden Toleranzpredigern und von Pflegern des notorisch schlechten Gewissens sind die Stimmen derer, die seit Jahr und Tag vor einem Identitätsverlust warnen, untergegangen. Schon 1993 verwies ich auf die schweren Folgen von Toleranzutopien (in: ›Kultur- und Kunstökonomie‹, Teil II, bei WALTHARI), seit 1998 bringe ich in diesem Portal Beispiele für den eingetretenen Kultur-und Identitätsverlust . 

Botho Strauß hält nicht nur das Integrationsprojekt für gescheitert, er spricht von »jetzt schon Besiegten«, die dazu nicht einmal bemerkt haben, daß sie bereits besiegt worden sind. »Diskussion, Konferenz, Konfliktforschung« - alles nur Ablenkungs- und Selbsttäuschungsmanöver in der Komfortgesellschaft, die für ihre zivilisatorischen Werte (Menschenrechte usw.) nicht kämpfen will - »im Gegensatz« zu »unseren Verächtern«, deren »fremde Religion« von Freiheit, Menschenwürde usw. nicht viel hält. Trotz der »jetzt schon« sichtbaren Barbareifolgen (Haßprediger, Terror u.a.m.) kämpft die Komfortgesellschaft nicht, schaut sie fatalistisch zu und läßt ihre politischen und kulturellen Eliten und Führer im ablenkenden Ritual der »klugen Worte« protestlos gewähren. Doch deren »Worte... haben jede Bedeutung verloren«, sie sind »nur noch Verständigungsmedium unter Besiegten«. 

Welch ein Befund! Er besagt nichts weniger, als daß sich die westliche Kultur und insbesondere unsere supertolerante deutsche sich verloren gibt. Vergessen hat Strauß, was ich in Heft 32 dieser Literaturzeitschrift WALTHARI unter dem Schwerpunktthema ›Feiges Bürgertum‹ analysiert habe. Nicht auch darauf hinzuweisen hielte ich ebenso für ein unentschuldbares Versäumnis wie dasjenige, worauf Strauß hinweist. »Das schöne Abgelebte«, wie es bei ihm mit beißendem Spott weiter heißt, ist wenigstens bei seinem Verschwinden den Schönrednern und byzantinischen Feiglingen vor Augen zuhalten.

Die Szenen wiederholen sich täglich: Eiferer und Beschöniger stehen sich mit ungleichen Kampfmitteln gegenüber und bereiten etwas vor, was jedermann wissen kann – und fürchten müßte, wäre er noch bei freiheitlichen Sinnen. 
© WALTHARI®. Aus: www.walthari.com. 


29. September  2007

Die bovarystische Versuchung

Von Erich Dauenhauer

Die Scheidungsquote in deutschen Großstädten liegt bei Paaren mit Heiratsdatum nach 1980 über fünfzig Prozent. Bei Scheidungen insgesamt gehen die Anträge ganz überwiegend von den Frauen aus. Dieses sozial höchst bedeutsame Doppelphänomen hat mehrere Ursachen, unter denen folgender Erklärungsstrang dominiert: Männer seien weniger bindungsfähig als die Frau, sie neigten zu mehr Gewalt usw. Diese Ursachenbenennung resultiert nicht allein aus einer Opferperspektive, ihr liegt auch ein feminines Menschenbild zugrunde, das sozialethisch demjenigen von Männern überlegen ist. Wenn schon der maskuline Gattungstyp als weniger bindungsfähig usw. ausgewiesen wird, dann muß er als sozial defizitär gehalten werden. Das ergibt sich zwingend aus dem gängigen dominanten Erklärungsmuster. 

Paartherapeuten neigen aufgrund langjähriger Erfahrungen zu einer gewissen Korrektur. Sie erleben oft bei Gesprächen mit scheidungswilligen Frauen, daß diese nach und nach eine tief sitzende Abneigung gegen ihre Partner entwickelt haben, die nicht nur ihren Gefühlsraum und ihr Denken beherrscht. Die Abneigung kann sich sogar körperlich manifestieren, z.B. als unüberwindbarer Geruchsekel; Therapeuten bezeichnen dieses Phänomen, das fast ausschließlich unter Frauen vorkommt, als Bovarysmus

Was sich in der Psychologie erst allmählich als feminines Ekelmuster herausgeschält hat, ist in der Literatur längst eine gängige Vorlage. Prototypisch dafür gilt Gustave Flauberts Roman ›Madame Bovary‹. Der Roman entstand zwischen 1851 und 1856 und wurde 1857 veröffentlicht. Zum Plot in Kürze: Der Landarzt Charles Bovary heiratet, nach dem Tod seiner Frau Héloise, mit der er nicht glücklich war, die junge und attraktive Bauerntochter Emma und fühlt sich endlich glücklich. Emma hingegen beginnt sich bald zu langweilen und entwickelt zum Ausgleich ein Phantasieprogramm von einem anderen Leben. Den Stoff dazu hat sie sich in kitischigen Romanen angelesen. Das eigentliche Drama beginnt nach dem Besuch eines Balls, der ihr wie die glanzvolle Realität ihrer Phantasien vorgekommen war. Um so drückender empfindet Emma danach den Ehealltag. Sie kränkelt und reagiert übernervös, worauf das Ehepaar, um der ländlichen Langeweile zu entgehen, in einen Vorort von Rouen umzieht. Doch dieser Kulissenwechsel rettet die Ehe nicht, Emma läßt sich mit einem reichen Gutsherrn und Lebemann ein. Sie will ihre Romanheldinnen an »Leidenschaft, Ekstase, Delirium« noch übertreffen. Als sie ihren Vergnügungspartner heiraten will, wendet sich dieser ab . Die anschließende Depression Emmas sucht der naive Charles durch einen Theaterbesuch zu heilen, doch diese gutmütige Rettungsmaßnahme führt in eine weitere Katastrophe. Emma trifft Léon, mit  dem sie alsbald leidenschaftlich verkehrt.  Doch bald erfährt Emma an sich erneut das Gefühlsphänomen der Langeweile: sie wird Léon überdrüssig, reagiert launisch und verwandelt ihre Leidenschaft in platte Besitzergreifung. In der Folge verschuldet sie sich, ohne von ihren Liebhabern gerettet zu werden. Mit Arsen sucht sie ihrem Leben schnell eine Ende zu bereiten, aber das Gift wirkt nur langsam: Blut spuckend, Kämpfe erleidend stirbt sie vor den Augen ihres verzweifelten Mannes, der erst nach ihrem Tod die ehebrecherischen Liebesbriefe entdeckt. Flaubert setzt einen bezeichnenden Schluß: Emmas genarrter Ehemann sieht seine Zuneigung nicht beschädigt, wenn er auch voller Kummer stirbt.

Dem Romancier Flaubert wurde bekanntlich der Prozeß wegen angeblicher öffentlicher Beleidigung der Moral und Religion gemacht. Wer heute den Roman als frühe Musterbeschreibung für feminine Idiosynkrasie hält, muß zwar nicht mit einer juristischen, wohl aber mit einer medialen Anklage rechnen. Denn zur eingespielten politisch-gesellschaftlichen Korrektheit gehört die Kultivierung der Opferrolle von Frauen, womit die bovarystische Versuchung überdeckt wird: Unruhe aus Empfindungen von Langeweile, pathologischer Phantasieüberschuß, Neigung zur Überempfindlichkeit, Abscheu vor den profanen Aufgaben des Alltags, bei Partnerentfremdung auch  Ekelgefühle bis ins Körperliche usw. Frauenromane verdanken ihren Verkaufserfolg nicht zuletzt der Erzählmasche, das bovarystische Muster kitschbeglückt auszuschmücken. Leserinnen finden sich darin gefühlvoll abgebildet. Der Unterschied zu Flauberts Klassiker muß hier nicht erläutert werden. 

Was nun den Bovarysmus über den literarischen und therapeutischen Raum hinaus gesellschaftspolitisch so aktuell erscheinen läßt, sind Äußerungen feministischer und kryptofeministischer Art. Ein einfaches, aber exemplarisches Leseexperiment mag das belegen. Die Kultfrau des deutschen Feminismus, Alice Schwarzer, hat erst jüngst wieder ein Buch vorgelegt und es im Vorabdruck in einer konservativen Zeitung platzieren können, das unter dem Mantel der Geschlechterneutralität die Opferrolle der Frau nicht in Vergessenheit geraten läßt. Schwarzers feministisches Weltbild, das sie vor Gegenargumenten (auch aus der Wissenschaft) jeweils wortreich abzusichern versteht, attackiert vehement die »biologistische« (sprich: lebensalltägliche) Erfahrung, daß wir Menschen uns von Geburt an  nach Geschlecht naturhaft unterscheiden. Der »Geschlechtscharakter«, so ihre Hauptthese, entspringe einer »unterschiedlichen gesellschaftlichen (!) Rolle«, nicht also natürlicher Veranlagung. Denn »es existiert kein Gen, kein Hormon, keine Gehirnzelle, die den Menschen auf hetero oder homo programmieren würde.« Die Verführungskraft dieser androgynen Ideologie ist gewaltig, weil sie dem rechtlichen und politischen Prinzip der Gleichheit zu entsprechen scheint. Handkehrum eingeebnet wird damit aber der Unterschied zwischen naturhaft-biologischer Ausstattung und rechtlich-politischer Gleichheit. Das ist Ideologie in Reinkultur, wie sie im Zeitgeist ein wohliges Zuhause findet. 

Das Schwarzer-Buch wurde begeistert aufgenommen, auch von Frauen, die man bisher nicht als feministisch angekränkelt eingestuft hat. Hanna-Renate Laurien z.B. lobte das sozialrevolutionäre Programm (denn das ist es) Alice Schwarzers in überschwenglichen Tönen (in FAZ, Nr. 166/07, S. 39). »Mutig und erfrischend« mische sich die Kultfrau in den »Kulturkampf« ein. »Wie hat es mir wohlgetan, lesen zu können, wie sie die publizistischen Attacken gegen Gendermainstreaming souverän abweist und auf die Machtfrage zurückführt... Alice Schwarzer will eine Welt wenigstens vorbereiten, die vom Geschlechtsnormenterror (!) befreit ist, in der Männer Gefühle zeigen dürfen und Babys wickeln können und in der Frauen Verstand beweisen und Firmenchefs sein dürfen und beide, als Menschen, ihren Kindern verantwortungsvolle Erzieher und Partner sind... Der Ruf nach der Mütterlichkeit wird als ›Frauenfalle‹ entlarvt«. Laurien spricht von »Geschlechternormenterror« und deutet den absurden Androgynismus Schwarzers kurzerhand als »Prozeß der Verbindung von ›angeborenen‹ und ›anerzogenen‹« um. Begeistert beschreibt die ehemalige CDU-Kultusministerin und Berliner Senatorin die neue Männerrolle:.................................................... 
Ein androgyner Hauch (»als Menschen«) durchweht dieses kryptofeministische Pathos.

Wie sehr Laurien in die Schwarzerfalle geraten ist, in der hinter einer berechtigten Islamkritik wie nebenbei feministisches Altgut reichlich angeboten wird (mit ausgiebigen Selbstzitaten), merken Leser(innen) spätestens, wenn sie die kritische Rezension von Sieglinde Geisel dagegen halten (in: NZZ Nr. 176/07, S. 26). Geisels nüchterne Analyse zerrupft nicht nur die Schwarzerideologie, die Rezension liest sich auch wie eine Korrektur des einige Tage zuvor erschienenen unkritischen Laurienischen ›Schwesternlobes‹. Geisel ist sichtlich vom »souveränen Charme der Ironie« mehr beeindruckt als von Schwarzers Sachdarstellung, deren »penetrante Eigenwerbung« sie stört: »Man spürt bei der Lektüre, dass Alice Schwarzer es geniesst, zur Instanz geworden zu sein. Den alten Vorwurf, sie habe die Frauenbewegung für sich vereinnahmt, widerlegt sie nicht, im Gegenteil.« Die »›Schreckensschraube der Nation‹ (Henryk M. Broder) hat sich im Mainstream der kulturellen Leitmedien endgültig etabliert.« Der insgesamt konjunktive Rezensionsstil und die Gegenironie signalisieren erhebliche Vorbehalte.

Es geht mir hier nicht generell um die Unsäglichkeiten und Schattenseiten des Feminismus, sondern um das bovarystische Weichbild, das eine legitimatorische Heimat gefunden hat. Flauberts Figur Emma und Schwarzers publizistisches ›Emma‹-Programm passen in vielem nicht nur dem Namen nach zusammen. Häuslichkeit wird in beiden Fällen als langweilig und mit Abscheu betrachtet. An den Emanzipationsgelüsten der Bovary müßten zumindest heterosexuelle Feministinnen ausgesprochen Gefallen finden, befreien sie doch vom biederbürgerlichen Ehejoch. Über diese Sympathie hinaus muß das Frauenbild, das Flaubert psycho-›biologisch‹ korrekt zeichnet, dem Feminismus ärgerlich und fremd bleiben. Nach feministischer Leseart hat Flaubert die gesellschaftliche Geschlechtskonstruktion eben noch nicht erkannt, daher das menschliche Drama falsch inszeniert. Eine geschulte Feministin hätte sich, bei besserer Romanversion, mit dem braven und biederen Landarzt Charles ein emanzipiertes Frauenleben durchaus einrichten können, das belegen auch praktizierte Fälle der heutigen Zeit. 

Im aufgeklärten Falle wäre freilich der Romanplot langweilig ausgefallen, denn Emma hätte dann nicht so qualvoll enden dürfen. Flaubert wäre zudem  der Vorwurf des Biologismus erspart geblieben. Zum Männerüberdruß Emmas hätte die Scheidung, nicht der Selbstmord gepaßt. Gewiß hätte ein aufgeklärter Romanautor auch den Eheverweigerer Rodolphe Boulanger ›vernünftiger‹ gezeichnet. 

Diese fiktive Umschrift einer weltliterarischen Vorlage ist nicht zynischer als feministische Ideologeme, die das naturhafte Männer- und Frauenbild androgyn verschmelzen wollen. Nicht diese sattsam propagierte Naturentfremdung stellt die eigentliche bovarystische Versuchung dar, sondern die ideologischen Ausläufer im bürgerlichen Aufklärungsgewande. Auch sie favorisieren inzwischen ein Leitbild, das Häuslichkeit zum lästigen Anhängsel von Beruf und Karriere herabstuft, auch um den Preis von Kinderlosigkeit und Partnerentfremdung. Der oikosentfremdeten, karriere- und spaßversessenen Lebenswelt wird alles untergeordnet. 

Nichts als Trauer stellt sich ein, wenn man das Partnerbild derjenigen betrachtet, die niemals verheiratet waren, niemals Kinder erzogen und niemals alte Eltern lange Zeit betreut haben, also ohne jegliche familiäre Normalerfahrungen sind und dennoch andere ›familiär‹ belehren wollen und dabei im modischen Gestus bovarystische Sympathien bekunden, ohne zu ahnen, was sie anrichten. Ihnen muß die Treue des biederen Charles Bovary zu seinem Eheluder Emma, eine Treue über deren Tod hinaus, wie eine absurde Anhänglichkeit vorkommen. Das ist sie auch, ab er in einem ganz anderen Sinn, als es vom feministischen Opferdenken her erscheint, das sich aufgemacht hat, die Natur der Frau aus sozialen Gefängnissen zu befreien. Nicht nur den Emanzen, auch deren Anhängsel ist das Normale einer unaufgeregten, aber um so tieferen und dauerhafteren Partnerzuneigung ein ewiges Geheimnis. 
© WALTHARI®. Aus: www.walthari.com. 


14. Juni  2007

Ehe, Familie, Kinder und Alte im spätgesellschaftlichen 
Erosionsprozeß - koangewürzt

Von Erich Dauenhauer

1.

Das Thema unterliegt der schwankenden öffentlichen Wahrnehmung, ganz so, als ginge es dabei um ein bloßes Unterhaltungsphänomen. Zur Zeit ist die Wahrnehmung abgeflaut. In der Sache läuft derweil der Erosionsprozeß weiter. Er hat die Maßstäbe derart  verschoben, dass eine ordnende Analyse mit Aufräumarbeiten beginnen muß. Die kulturellen Traditionsbauten Ehe und Familie werden munter weiter geschleift und verwirren Kinder und Alte. Der Nachwuchs, soweit noch am Nachwachsen, hat sich in die Betreuungsschlange von der Kita bis zur hochschulischen Massenabfertigung einzureihen. Die Alten, sprachberührungsängstlich Senioren genannt, schiebt man in ›Residenzen‹ ab, wo sie familienfern ihre Endzeit fristen. Residiert und dirigiert wird der gesellschaftliche Umwandlungsprozeß von politischen Machthabern einer Republik, deren res publica längst... 

2.

Zahlen. Die familienpolitischen Unterstützungen des Staates beliefen sich im Jahre 2006 auf 184,4 Mrd. Euro. Einhundertvierundachtzig Komma vier Milliarden, nicht Millionen. Als die Familien kaum staatliche Unterstützungen erhielten, waren sie kinderreich und altenfreundlich. Heutzutage unterstützt der Staat z.B. getrennt lebende oder geschiedene Ehegatten mit 420 Millionen Euro jährlich (Realsplitting). – Koan-Kontext-Frage: Meister Staat, warum befinden sich Ehe und Familie in einer Schwundstufe, obschon sich die staatliche Subventionierung seit Ehrhards Wundertaten vervielfacht hat? – Antwort eines Sprechautomaten: Der ehemalige Bundeskanzler hatte zwar eine flache Nase, aber niemals einen Nasenbeinbruch. 

Grund-Gesetz. Artikel 6 der Lex fundamentalis, deren erster Präambel-Satz durch Artikel 146 Lügen gestraft wird, weil das deutsche Volk selber immer noch nicht »kraft seiner verfassungsgebenden Gewalt« (Präambel) »in freier Entscheidung« (Artikel 146) sich eine Verfassung geben darf, diese Lex gewährt in Artikel 6 folgendes Grundrecht: »Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutz der staatlichen Ordnung.« Absatz 2 regelt das Elternrecht und deren Pflicht gegenüber Kindern. Darüber »wacht die staatliche Gemeinschaft«. Lebenspartnerschaft und Alte kommen im Grundrechtskatalog nicht vor. Der Bundesgerichtshof hat jüngst entschieden (Az IV ZR 267/04), daß außereheliche Paarbeziehungen (im vorliegenden Fall eine homosexuelle) mit der Ehe nicht gleichzustellen sind: »Die Ehe darf... bevorzugt werden.« Es verstoße nicht gegen das Grundgesetz, das Privileg der Ehe (so etwa der Anspruch auf Hinterbliebenenrente) nicht auf Lebenspartner zu übertragen. – Koan-Kontext-Frage: Meister Emanzi, der hohe Gerichtshof hat das Eheprivileg mit seiner Nachwuchsleistung begründet, wörtlich: »Die Ehe darf im Hinblick auf Fortpflanzung und Erziehung eigenen Nachwuchses, einem für die Zukunft wesentlichen Anliegen der Gesellschaft, bevorzugt werden.« Eine bloß generative Begründung von Ehe und Familie verfehlt doch... – Meister Emanzi: Halt! Die Frage bitte. – Ist, wo Kinder sind, automatisch Familie? – Antwort: Wo Kinder sind, lärmt’s. 

Familie kippt Ehe. Die Normalbiographie Ehe wird zunehmend zur Bastel- und Risikobiographie. Die libertären Angriffe auf das Traditionsinstitut laufen nicht mehr über »andere gleichberechtigte Verantwortungsgemeinschaften«, sondern auf dem Umweg über die Familie. Da das Eheprivileg grundrechtlich und definitorisch eindeutig und damit nicht dehnbar ist, spricht man vom »überholten Familienbild« und hat damit auch schon beim derzeitigen Bundespräsidenten Erfolg gehabt. Bundespräsident Köhler kritisierte zwar die Ausrichtung der Politik am angeblich überholten Familienbild, nahm aber dabei kein einziges Mal das Wort Ehe in den Mund. Er ist damit einer listigen Auflösungsrhetorik auf den Leim gegangen: Auch Partnerbündnisse auf Zeit werden mit Kindern zur Familie – wer wollte das bezweifeln. Damit sind  sie auch vom Grundgesetz geschützt (vgl. oben). Wenn es aber einen grundgesetzlichen Familienschutz auch außerhalb der Ehe gibt, dann kann das Eheprivileg leichter gekippt werden. Der Konflikt um die Familie ist also ein Stellvertreterkrieg der Spaßgesellschaft, um zunächst das Grundgesetz-Pärchen »Ehe und Familie« zu entkoppeln und danach das familienentkoppelte Eheprivileg zu kippen. Die Angreifer haben zwar noch nicht die obersten Gericht erobert, wohl aber die zeitgeistgerechte Familienpolitik der Parteien. – Koan-Kontext-Frage: Großmächtige Parteienmeister, ein Schweizer Intelligenzblatt titelte am 1. März 2007: »Deutschlands Familienpolitik auf den Spuren der DDR. Die einst verpönte Kindergrippe dient der großen Koalition als Vorbild«. Wie hat es die kinderlose, ganz auf ihre Karriere ausgerichtete Kanzlerin geschafft, ein DDR-Modell politisch durchzusetzen, dem man noch vor wenigen Jahren eine emotional verarmte, zum Rechtsradikalismus und zur Ausländerfeindlichkeit neigende Jugend zurechnete? Ihre Parteigänger bejubeln heute das Kita-Programm, das sie einst noch verteufelten. – Antwortim Parteienchor: Bäume müssen sich im Sturm biegen, um nicht geknickt zu werden.

Mutter Meves. Seit Jahren herrscht ein ideologischer Frauenkrieg. Die Anti-Rabenmütter-Fraktion bekämpft das »romantische Familienbild«, das die Unersetzlichkeit der mütterlichen Nähe zu Kindern unter drei Jahren behauptet. Auch Kleinstkinder würden zunehmende Fremdbetreuung verkraften, wie es in zahlreichen Ländern praktiziert werde. Wer die »an alten Zeiten orientierte Ideologien« einer zeitengen Eltern-Kind-Beziehung vertrete, verkenne die Wirklichkeit: dass ein Drittel aller Kinder ohnehin unehelich zur Welt komme; dass Hausmütter kaum länger mit ihren Kindern sprächen als angebliche Rabenmütter; daß mutterbetreute Kinder ebenso alkohol- und gewaltanfällig seien usw. Daher soll »niemand mehr uns berufstätige Mütter für die Verwahrlosung der Jugend verantwortlich« machen (Sandra Kegel in der FAZ Nr. 46/2007, S. 31). Christa Meves (81 Jahre, Kinder- und Jugendpsychotherapeutin, mehrfache Mutter) dazu: Schon einfache Speicheltests belegten den erhöhten Streß bei fremdbetreuten Kleinkindern. »Die Fähigkeit, ein seelisch gesunder Mensch zu sein, der auch Krisen standhält, sowie die Intelligenz – dafür wird die Grundlage in den ersten drei Jahren gelegt« (FAZ Nr. 30/2007, S. 5).  Eine groß angelegte US-Studie des ›National Institute of Child Health and Human Development‹ begleitete 1.364 Kinder von der Geburt bis zum 12. Lebensjahr, um herauszufinden, wie sich Kinderfremdbetreuung auf das Verhalten auswirkt. Das Ergebnis ist nach Psychologieprofessor Jay Belsky, einem der Hauptautoren, eindeutig: Kinder, die von kleinauf in Kitas untergebracht werden, sind in der Schule häufiger Störenfriede, unabhängig von der Qualität der Kitas. – Koan-Kontext-Frage: Liebe Mutter Meves, warum leugnen so viele junge Frauen und alle politischen Kita-Betreiber diese niederschmetternden Befunde? – Zwischenrufe aus Wendehalskehlen: Weil viele junge Frauen heutzutage beides wollen, Kinder und Beruf. Weil die NICHD-Studie zu anderen Ergebnissen gekommen ist. Und weil auch die derzeitige Familienministerin die deutsche Gesellschaft über die ›neue‹ Familienpolitik verändern will. – Mutter Meves: ...

Männerumerziehung. Der Schreck amerikanischer Hochschulabsolventinnen war groß, als sie den Zweiten Genderdynamischen Erfahrungssatz (ZGE) schon in ihrem täglichen Umgang bestätigt fanden. Der EGE ist seit alters bekannt und lautet: Normale Frauen begehren starke Männer; Softys wirken weniger erotisch und regen Frauen zur Vermännlichung an. Der ZGE gefährdet die besten Frauenbiographien: Hochschulabgänger heiraten überzufällig häufig Frauen mit geringer qualifizierten Abschlüssen. Mit andern Worten: Je qualifizierter Frauen, um so geringer sind ihre Heiratschancen bei hochqualifizierten Männern, es sei denn, diese Frauen zeigen sich deutlich familienfreundlich. Das war ein Schock und zugleich eine Erklärungsempfehlung (zur Mutterschaftsbereitschaft). In Deutschland hat sich der ZGE unter Akademikerinnen (sie bilden bald die Mehrheit unter den Studierenden) noch nicht herumgesprochen. Hierzulande  geht man die heikle Sache lieber ideologiekritisch und evolutionsorientiert an. Etwa so: »Deutschland ist unterwegs zur geschlechtsneutralen Gesellschaft. Die Familienpolitik der Bundesregierung hat zwei Ziele: die Verstaatlichung der Kinder und die Umerziehung der Männer« (N. Bolz). Die von der Evolution vorgegebene geschlechtliche Arbeitsteilung, wonach die Frau die emotionale und der Mann die instrumentale Führung übernimmt, wird staatsoffiziell umgepolt in einen fürsorglichen Mann und in eine berufstätige Mutter. Das Berufsproblem der Mutter soll also, so N. Bolz, durch einen ›neuen‹ Mann gelöst werden. Darauf hätten sich die Feministinnen, Politiker und Bevölkerungswissenschaftler geeinigt. Doch diese Umerziehung des Mannes sei schwierig, weil evolutionswidrig und heiratschancenvermindernd. »Frauen bevorzugen Männer, die nicht wie Frauen sind. Männlichkeit ist das Produkt evolutionärer Selektion – also das, was Frauen immer schon geschätzt und gewählt haben. Der Mann ist folglich nicht fürsorgend, sondern beschützend«, schreibt N. Bolz in der FASZ Nr. 14/07, S. 13.  Die deutsche Variante des ZGE versucht, die Geschlechterasymmetrie durch eine Androgynisierung auszuhebeln. Alle tendieren in der Tat zur geschlechtslosen Mitte. Abweichler werden als Reaktionäre beschimpft und mit der Machokeule mundtot gemacht. N. Bolz: »Der Feminismus ist der Marxismus unserer Tage; er ködert das Ressentiment und vernebelt das Bewusstsein der Intellektuellen. Aber was heute nottut, ist nicht eine Kritik des Feminismus, sondern der Mut zur Männlichkeit. In der 68er-Bewegung war nicht die Radikalität der Jungen, sondern die Feigheit der Alten das Problem. Heute ist nicht die Radikalität der Feministinnen, sondern die Feigheit der Männer das Problem.« Die Medien, voran das zum Frauenmedium mutierte Fernsehen, liegen voll im Trend dieser androgynen Strategie. Auch die Wirtschaft macht begeistert mit und bevorzugt zunehmend feminine Verhaltensmuster (schon beim Einstellungsgespräch). Schulen sind weitgehend zur Domäne von Frauen geworden und entziehen den Jungen männliche Vorbilder. Männliche Schüler lernen, sich wie Mädchen zu verhalten und neigen, als Opfer des Evolutionsfurors, zur Gewalt. – Koan-Kontext-Frage: Verehrter Meister Suzuki, was ist so schlimm an einer androgyn gewordenen Gesellschaft? – Antwort: Schau auf den gespannten Bogen. Und auf die Alten, wie sie...
© WALTHARI®. Aus: www.walthari.com. 


24. März 2007

Zum gestörten deutsch-tschechischen Verhältnis

Von Univ.-Prof. Dr. E. Dauenhauer

Im Feuilleton der FAZ vom 24. März 2007 kann man nachlesen, wie es um das Verhältnis der in Prag lebenden Tschechen und Deutschen um die vorletzte Jahrhundertwende stand. Der Autor, Sven Creefeld, berichtet im biographischen Spiegel des ›rasenden Reporters‹ Egon Erwin Kisch (1885-1948) von den Spannungen zwischen den damals noch wenigen verbliebenen Deutschen (meist Juden) und der slawischen Stadtmehrheit. Im Jahre 1900 lebten nur noch 7,5 Prozent Deutsche in der Moldaustadt, 1880 waren es 15,5 Prozent, um 1850 und in allen Jahrhunderten davor (bis ins Mittelalter) stets mehr als 20 Prozent.

Wie läßt sich der dramatische Rückgang erklären? Warum lohnt sich eine Erinnerung daran? Nach 1945 wurden aus Böhmen und Mähren 3,7 Millionen Deutsche von den Tschechen aus ihrer angestammten Heimat vertrieben. Die grausamen Vorkommnisse und Entrechtungen werden bis heute von tschechischen Parteien, Regierungen und Staatspräsidenten (seit 1945) einzig mit dem Nazi-Terror erklärt. Die ethnischen Säuberungen durch die Tschechen, staatsoffiziell gedeckt durch die Beneš-Dekrete (Edvard Beneš war bis 1948 Staatspräsident), seien, so heißt es in Prag, nichts anderes als eine gerechtfertigte Rache gewesen. 
Schon der biographische Bericht in der FAZ macht deutlich, daß Tschechien damit grobe Geschichtsfälschungen betreibt und auf weiterhin unterbleibende Aufklärung hofft. Auf Prag bezogen: 1. Zwischen den Deutschen und den (zumeist zum Deutschtum sich bekennenden) Juden einerseits und den Tschechen andererseits bestanden seit je Rivalitäten. Die wohlhabenderen Deutschen wohnten in der Altstadt, die ärmeren Slawen meist auf der Kleinseite. 2. Neben wirtschaftlich-sozialen und religiösen Unterschieden bestanden auch politische. In den Augen der Tschechen war der Kaiser (er nannte sich deutsch-römisch) zumeist eine fremde Macht, gleichgültig, ob er in Wien oder Prag residierte. 3. Ärgerlich für die Tschechen war auch, daß die Juden, die zeitweilig ein Fünftel der Stadtbevölkerung ausmachten, mehrheitlich dem Deutschtum, nicht dem Slawentum sich zugehörig fühlten. Beweis dafür ist die blühende deutsch-jüdische Literatur in Prag zwischen 1890 und 1930. Neben Autoren wie Franz Kafka, Franz Werfel und (in den Anfängen) Rainer Maria Rilke, die zur Weltliteratur gehören, wären zahlreiche andere Schriftsteller von Rang zu nennen, darunter eben auch Egon Erwin Kisch. Zu den schmerzlichen Identitätslücken der slawischen Nationalisten an der Moldau zählt auch diese Prager Literatur, die am Ende einer vielhundertjährigen deutschen Kultur nicht nur in Prag, sondern in ganz Böhmen und Mähren steht. Erst im Jahre 1861 verloren die Deutschen die Mehrheit im Prager Stadtrat. Danach setzte aufgrund der Spannungen ein Rückzug der Deutschen aus der Stadt ein. Die verbliebenen Deutschsprechenden waren meist Juden, deren Jugend im Herbst 1896 einen Fußballclub gründete, der mit dem slawischen Arbeiterclub AC Sparta allerdings nicht nur in einem sportlichen Wettbewerb stand. Davon berichtet anschaulich Egon Erwin Kisch. Der jüdische Deutsche Fußball-Club (DFC) in Prag war einer der 86 Gründungsmitglieder des DFB im Jahre 1900! Kaum ein deutscher Pragbesucher kennt den Beitrag der Wirtschafts- und Kulturgeschichte der Deutschen an der Moldau, darunter auch die Gründung der Karls-Universität (1348), der ersten deutschen Universität überhaupt. Die Tschechen wollen sich an all das nur ungern erinnern. Carolinum heißt heute die Hohe Schule, die über sechs Jahrhunderte unterschiedliche Landsmannschaften über die Wissenschaften friedlich zu vereinen suchte.
(Vgl. ergänzend den Beitrag in Heft 48 der Literaturzeitschrift WALTHARI: ›Tschechische Vertreibungsverbrechen‹).
© WALTHARI® . Aus: www.walthari.com. 


11. März 2007 

Gestalten des Bösen
Aus: WALTHARI, Zeitschrift für Literatur, Heft 44/2005

Das Böse nimmt vielerlei Gestalten an, es kann im Verborgenen wirken und in leibhaftigen Formen  auftreten, wobei das leibhaftig gewordene Böse sowohl als gedachte und gespielte als auch in realer Personalität auftreten kann. Am personellen Ende der Erscheinungsskala des Malum agieren die Figuren der theologischen Teufelslehren (vgl. Vorgrimmler, H.: ›Die Geschichte der Hölle‹, München 1994), Goethes Mephisto (vgl. den folgenden Beitrag über literarische Bösewichte) und die sattsam bekannten, abgrundtief verrohten Menschenschlächter und -schinder (darunter die Vertreiber von Menschen aus ihrer Heimat). Das Satanische als personifizierte Gestalt ist also nicht auf die Teufelsfigur und auf Großtyrannen beschränkt, es tritt als vielköpfige Hydra in Erscheinung und trägt zuweilen auch Priesterkragen (wie in Polen nach 1945) und geweihte Bärte (wenn Imame zum Mord aufrufen).
Am anderen Ende der Erscheinungsskala lauert das Böse als Prinzip und Potenz. Prinzipiell Böses, das keine personelle Gestalt annimmt, ergießt sich aus Systemen, deren Neigung es ist, im ›maschinenhaft‹-kalten Ablauf den Menschen zum bloßen Objekt zu machen und ihn damit in seiner Würde und Freiheit einzuschränken. Diese verwerfliche Gestaltform ist keineswegs nur in politischen, religiösen u. a. Diktaturen anzutreffen, man begegnet ihr in jeder Form menschlicher Gemeinschaft, in denen Normierungen mehr gelten als Spiel-Räume für freie Entscheidungen. Unterstellt man, daß Freiheitsbeschränkungen wider Willen der Betroffenen stets ›böse Züge‹ tragen, so kann das Böse als Prinzip immanenter Bestandteil aller sozialen Formationen sein, von der Familie über Institutionen bis zu demokratisch sich wähnender Staaten. Dieses Systemböse (und nicht das personifizierte Böse) ist die ›satanische‹ Hauptgestalt der Postmoderne. Wenn Parteiendemokratien mit einer Gesetzesflut den Bürger zu entmündigen versuchen; wenn an Universitäten die Freiheit von Forschung und Lehre hochschulpolitisch bedroht wird; wenn die Staatsschulden sozialpolitisch kriminelle Ausmaße annehmen (kriminell: weil ungefragte Dritte, nämlich künftige Generationen, die Schulden begleichen müssen, die aus jeweils maßlosem Gegenwartsverbrauch entstanden sind); wenn bewährte gewachsene Traditionen ideologisch zerstört werden, so hat man es mit Bösem zu tun, das systembedingt am Werk ist. Kennzeichen dieses Systembösen sind seine personale Anonymität, seine schleichende Wirkung und seine Unausweichlichkeit im Gewande geschützter Rechtfertigungen. Der überzogene Sozialstaat mit seinen verwerflichen Auswirkungen ist dafür ein klassisches Beispiel: Die Sozialkassen werden anonym ausgebeutet, und es dauert Jahre und Jahrzehnte, bis das Verwerfliche allgemein erkannt wird; all dies geschieht unter dem Legitimitätsdach einer verfassungsrechtlich geschützten Sozialgesetzgebung; am Ende hinterläßt die Parteiendemokratie (als Hauptverantwortliche: Sozialdotierungen garantieren Wählbarkeit) nicht allein einen fiskalischen Bankrott, schlimmer noch sind die mentalen und gesellschaftlichen Verwerfungen, wofür Deutschland gegenwärtig ein trauriges Beispiel abgibt. 
Um das Böse als Potenz auszumachen, muß man nicht erst Theologie und Geschichte bemühen, es ist immanenter Bestandteil der menschlichen Natur (Kant). Schon Kinder können, trotz mühevoller Erziehung, untereinander grausam sein; die Versuchung zur bösen Tat im Erwachsenenalter sind Legion. Dabei ist die Disposition zum verwerflichen Denken und Handeln keineswegs auf pathologische Naturen beschränkt und auch kein Privileg von Herrschenden...
© Univ.-Prof. Dr. E. Dauenhauer. Aus:www.walthari.com


7. November 2006

Herakles – eine literarische Urgestalt des Leidens
und erster Europäer

Von Erich Dauenhauer

Zum Ende des 5. Jahrhunderts zeichnete sich auf Sizilien eine schwere Niederlage Athens ab (vgl. den Reisebericht in diesem und nächsten WALTHARI-Heft). Der Friede von Nikas, mit dem der Peloponnesische  Krieg mit den Spartanern beendet worden wäre, wackelte. Die Glanzmetropole der Antike begann an sich zu zweifeln und fühlte sich von ihren Göttern verraten. In der Stadt gaben geschwätzige Sophisten und atheistische Skeptiker den Ton an, darunter Protagoras (um 480-410 v.Chr.), der als Wanderredner ganz Attika aufschreckte mit dem Lehrsatz: »Der Mensch ist das Maß aller Dinge, der seienden, daß sie sind, und der nichtseienden, daß sie nicht sind.« Das war ein Angriff auf die Götter und auf die Wahrheit überhaupt, weshalb er verurteilt, aus Athen verbannt und von einem Schicksal heimgesucht wurde (er ertrank auf der Überfahrt nach Sizilien). Der Einfluß seiner Relativismuslehre war so groß, daß sie Sokrates zu einem berühmten Disput reizte (›Protagoras‹ von Platon, entstanden etwa 399 v.Chr.). In dieser kritischen Lage im Äußeren wie im Inneren sehnten sich die Athener nach einer rettenden starken Hand, die sowohl den Götter- als auch den Selbstzweifel beseitigen könnte. Bewährter Nothelfer seit Jahrhunderten war der Halbgott Herakles, illegitimer Sohn des Zeus. Der Göttervater hatte sich als Gatte der Alkmene verkleidet, um mit dieser Herakles zu zeugen, woraufhin Hera, die Gattin des Zeus, Rache schwor und den Sprößling ein Leben lang verfolgte (daher sein Name: Hera-kles, der durch Hera Berühmte). Daraus ergab sich eine endlose Geschichte (von Leiden und Taten), die als mythologische Themenvorlage nahezu drei Jahrtausende auf die Kunst, Philosophie und Religion einwirkte. Die Heraklesthematik spannt sich von Homer (Ilias, 19 96-133) über J.S. Bach (Kantate ›Herakles am Scheideweg‹, 1733) und Fr. Dürrenmatt bis in unsere Gegenwart. Die Faszination der mythischen Gestalt ergibt sich aus der Mischung von titanischer Stärke mit grenzenloser Leidensfähigkeit, aus Tugendhaftigkeit (mutiger Nothelfer der Bedrängten) und bizarrer Brutalität. In den Augen der Griechen dominierte sein Heroismus: Ausgestattet mit seiner Keule als Wunderwaffe und dem Fell eines erlegten Löwen durchsteht er alle Gefahren. Das christliche Mittelalter und die frühe Renaissance sahen in ihm das heidnische Gegenstück zu Christus: dieser wie jener ein Halbgott, beide hinabgestiegen zur Hölle (Hades) und Sieger über das Böse, Wundertaten hier wie dort (bei Herakles die Hydra-, Augiasgeschichte u.v.a.). Beide extrem leidensfähig und Opfer blinden Unverstands (Kreuzestod hier, Scheiterhaufen dort). Im Jahre 415 v. Chr. suchte der schon fast siebzigjährige Tragödiendichter Euripides die verunsicherten Athener mit der Heraklesgestalt aufzurütteln. Sein Stück griff einen Mythos auf, den jedes Kind der Stadt kannte: 
Der Held mit dem Löwenmut steigt in die Unterwelt hinab. Zur gleichen Zeit riß Lykos in Theben die Macht an sich, nachdem er den rechtmäßigen Herrscher Kreon erschlagen hat. Herakles Stiefvater (Amphytrion) und die Thebaner leiden unter dem Tyrannen Lykos. Als Herakles aus der Unterwelt zurückkehrt, tötet er den Tyrannen. Dem scheinbaren guten Ende folgt das eigentliche Drama, mit dem Euripides eine revolutionäre Wende im Denken der Athener erreichen wollte, ganz im Sinne des Protagoras, unter dessen Einfluß der Dichter offensichtlich stand. Auf dem Dach des thebanischen Palastes lassen sich Isis, die Dienerin der Hera, und Lyssa, die Göttin der Raserei, nieder; sie schlagen Herakles mit Wahnsinn. In diesem Zustand bringt er seine Frau und die eigenen Kinder um. Als er aus seiner Raserei erwacht, sieht er sich an eine Säule gefesselt. Der Palast ist zerstört und der Missetäter will vor Gram und Schuld sich umbringen. Da erscheint sein Freund Theseus, den er aus der Unterwelt befreit hatte, und überredet ihn zum Weiterleben und zur Reise ins fremd gewordene Athen. 
Was der Dichter in diesen Mythos eingeflochten hat, entpuppt sich als Sprengsatz von weltgeschichtlicher Wirkung. Die Hauptlinien: (1) Wer handelt, macht sich schuldig, ob er will oder nicht; der Weltenlauf kann einen in den Wahnsinn treiben. (2) Nicht einmal Löwenmut kann vor Leiden bewahren. (3) Vertrauen in die eigenen Kräfte bewahrt vor den Launen der Götter: »Ein Gott, der ein Gott ist, braucht nichts auf der Welt. / Von Menschen sind all diese Märchen erdacht!«, heißt es andeutungsreich im Stück. (4) Obschon schuldig geworden, bringt Herakles den Heroismus auf, in der Fremde (Athen) weiterzuleben. Vers 1351 wird als Grundformel des abendländischen Menschen gedeutet, weshalb man Herakles als ersten Europäer bezeichnet hat: »Ich werde das Leben wagen!« Die Folgen des eigenen Tuns sind auf niemanden abzuschieben, weder auf Götter noch auf böse Mächte. 
Den Athenern gab Euripides zu verstehen: Scheut keine Wagnisse! Glaubt an euch! Erkennt den unausweichlichen Zusammengang von Handeln, Schuld und Leid! Ertragt heroisch den Schmerz des Lebens wie einst Herakles! Bei Euripides finden sich Anklänge der poetischen Negativität (vgl. den Beitrag ›Ästhetik des Leidens‹ in diesem Heft). Herakles erkennt in der Schlußszene, daß keine Stärke vor Unglück bewahren kann: »So wirft das Unglück auch den Stärksten nieder« (Vers 1396). Aus »Schickung« sind wir alle »elend«: »Alle hat uns Heras Schickung vernichtet: alle sind wir elend« (Vers 1394). Auch die ruhmreichste Tat reicht nicht hin, das Leid zu begreifen (Verse 1410 f.). Dennoch die Schlußfanfare: »Wie also darfst du, sterbliches Geschöpf, ein Schicksal unerträglich finden wollen, dem sich die Götter fügen?« (Vers 1320 f.; in der Übersetzung von Wilamowitz-Moellendorff, U. von: ›Griechische Tragödien‹, Berlin 1904, S. 362 ff.). 
Aus: Literaturzeitschrift WALTHARI, Heft 45/2006, S. 58 – 61.
© WALTHARI® 


Feiges Bürgertum war Schwerpunktthema des Heftes 32/1999 
der Literaturzeitschrift WALTHARI. Hier einige Textproben:
 
 

Feiges Bürgertum
- Über das Verschwinden der Tapferkeit -

In seinem Sessel feige-dumm 
sitzt schweigend das Fernsehpublikum.

I

Als Karl Marx seine Landsleute resignierend-bissig in das Reimpaar packte »In seinem Sessel behaglich dumm / sitzt schweigend das deutsche Publikum«, hätte sich selbst seine revolutionär hochtrainierte Phantasie nicht ausmalen können, was ein Jahrhundert später aus der schweigenden Dummheit geworden ist: ein globales Sesselphänomen. Mit seiner Publikumsbeschimpfung trat der Schreibtischrevolutionär eine allgemein menschliche, also nicht nur deutsche Verhaltensneigung, nämlich behaglich-dumm aus der Sesselperspektive dem Welttheater schweigend zuzuschauen. Aus der behaglichen Sesselperspektive, das heißt: untätig, ängstlich, vergnügt, berechnend. Dumm kann in diesem Zusammenhang nur bedeuten, daß man sich die Folgen der schweigenden Sesselexistenz nicht ausmalt. Damit sind zwei Merkmale in’s Spiel gebracht, die zum Wesen der Feigheit gehören.
Feigheit ist ohne Zweifel eine anthropologische Verhaltensdisposition. Menschen neigen aus Angst, Berechnung und Denkfaulheit dazu, vor Gefahren zu fliehen, sich zu verstecken oder die behagliche Sesselposition zu wählen, sei es, um zu überleben oder um nicht gestört zu werden, sei es, um sich hämisch zu vergnügen. Warum feige Behaglichkeit gerade im Fernsehzeitalter zum Erkennungscode für bürgerliches Verhalten geworden ist, braucht weniger bewiesen als erinnernd demonstriert zu werden. War es doch in allen Epochen für Bürgerlichkeit kennzeichnend, daß man tätig und tatkräftig, beruflich und gesellschaftlich hervortrat.

II

In Westernfilmen beginnt bekanntlich die Sache erst spannend zu werden, wenn das Wort Feigheit gefallen ist. Noch im billigsten Hollywoodstreifen kommt die ganze Bedeutungsbreite des Begriffs zum Ausdruck: Redliche Bürger kneifen vor eindringenden Bösewichten und lassen, Familienpflichten und, mimikrymisch, eigene Untauglichkeit vorschiebend, den Hüter des Gesetzes allein; Feigheitsvorwürfe müssen in den Western aber auch dazu herhalten, übermütiges Auftreten zu provozieren und Risiken schlecht zu kalkulieren. Von der Unerschrockenheit zum Übermut ist es also meist nur ein kleiner Schritt, wie wir aus heroischen und nationalistischen Zeitaltern nur allzu gut wissen. Die Gefahrenschwelle sollte also stets gegenwärtig sein, wenn vom Mut und seinem Gegenteil, der Feigheit, die Rede ist.

Die drei Hauptmotive für Feigheit sind schon genannt worden. Angst begleitet den Menschen wie ein Daseinsschatten. Lebenspragmatisch ist sie ein Warnsignal vor und in Gefahrenlagen. So sehr sie freilich schützen und, in Grenzfällen, ein Überleben sichern kann, so mißbräuchlich verleitet sie auch dazu oder muß dafür herhalten, jedem Risiko aus dem Wege zu gehen. Da nun aber ein Leben ohne Risiken nicht geführt werden kann, gehört zur Angst die Wagnisbereitschaft so notwendig wie frische Luft zum stärkenden Atmen. Angst ohne Mutbereitschaft entpuppt sich als Fahrkarte in eine Sackgasse der Evolution.

Berechnung, das zweite Hauptmotiv für Feigheit, bucht fehlenden eigenen Mut auf fremde Konten um. Statt selbst die Gefahr anzunehmen, überläßt man das riskante Geschäft trickreich anderen, indem man sie dafür bezahlt, scheinheilig lobt oder eigene Gebrechen vorschiebt. Dahinter kann sich tatsächliche Kleinmütigkeit verborgen halten, also ein wahrer oder eingebildeter kleiner Mut, in der Regel aber fehlt es dem Berechnenden nicht an eigener Wagnisfähigkeit, er ersetzt oder verdeckt diese vielmehr durch schlaues Verhalten. Ethisch handelt es sich nicht allein um die Mißachtung einer Kardinaltugend, der Tapferkeit nämlich; als wagnisentsorgtes Leben auf fremden Mutkonten sind solche Tricks sittlich in hohem Grade verwerflich. Wer andere Menschen in eine Gefahrenabwehr hineintreibt oder lockt, obschon es seine ureigene Aufgabe wäre und er selber auch das Zeug dazu hätte, begeht sozialen Betrug.

Kaum entschuldbar ist auch das dritte Hauptmotiv für Feigheit, die Faulheit im Denken. Denkfaulheit darf nicht mit fehlender Intelligenz verwechselt werden. Gemeint ist jene Form von sozialer Dummheit (es gibt mehrere), die sich darin gefällt, über den behaglichen Sesselhorizont nicht hinauszudenken. War hierfür im 19.Jahrhundert der Kleinbürger die klassische Negativfigur, so ist es in Zeiten der okulartyrannischen Teleoligarchie der biertrinkende Sesselhocker. Haben einst Adel und Kirche von eigenem Weiterdenken befreit, so entlasten heute Medien und andere Vor-Denker den bürgerlichen Kopf. Man läßt für sich um die schwierigen Ecken denken, ehemals im Auftrag Gottes, aus dem man auch das Gottesgnadentum ableitete, heutzutage nach Maßgaben anderer höherer Auftraggeber, darunter die Verfassung, die bestimmte Vor-Redner und  -Schreiber zum entlastenden Denken privilegiert.

III

Wende man den Blick von den Wurzeln der Feigheit auf ihre widerstreitende Schwester, die Tapferkeit, um über verpaßte Möglichkeiten (durch feiges Taktieren und Nichtstun) nachzudenken, so wird man erst gewahr...
Aus:  Literaturzeitschrift WALTHARI 32/1999, S. 10 ff.  in: www.walthari.com. 

24. Juli 2000

Netzgeflüster
Oder wie man einen lästigen Parteienkritiker mundtot machen wird.
- Eine Vorschau -

P - ...unerhört, diese Anwürfe, und dazu noch in einem Offenen Brief im Internet! Das kann so nicht stehen bleiben!
S - Ich frage unseren jungen Anwalt: justiziabel oder nicht? Wir lassen doch nicht unseren Boss beleidigen!
J - Nicht justiziabel, eindeutig nicht. Vor keinem Gericht kämen wir durch, schon deshalb nicht, weil der kritisierte Sachverhalt ja hieb- und stichfest ist. Der Kritisierte gibt sich ja tatsächlich bürgerfreundlich, und sein Vorschlag ist es bei genauem Hinsehen ja leider nicht. Ich muß das intern so deutlich sagen, weil es keinen Sinn hätte, dagegen...
D - Na schön, aber diese raffinierte Anspielung ist doch nicht hinnehmbar! Da denkt doch jeder weiter.
J - Weiterdenken ist nicht strafbar. Was im Offenen Brief steht, fällt unter den Schutz der freien Meinungsäußerung. Ich rate deshalb dringend davon ab, die ganze Sache hochzuspielen - es könnte ein Rohrkrepierer werden.
D - Dann müssen wir uns eben was Neues ausdenken...
S - Was heißt neu! In solchen Fällen greifen wir zu grauen Methoden. Die haben sich bestens bewährt - oder?
J - Ich bin noch relativ neu in dem Hintergrundgeschäft...
P - Dann können Sie gleich etwas lernen. Was wir einzig von Ihnen erwarten: Warnen Sie uns, wenn’s juristisch allzu gefährlich wird. Alles Andere ist unser Geschäft.
S Ich hab’ schon mal vorsorglich recherchieren lassen. Sein Schwächeprofil fällt wenig ergiebig aus.
D - Das gibt’s doch nicht! Jeder Mensch hat irgendeinen Webfehler, den man öffentlich ausschlachten kann!
S - Denkste! Dienstlich ist bei ihm nichts breitzutreten.
P - Wie steht’s mit Jugendsünden? Bei seinem scharfen Ton wird er bestimmt mal irgendwann rechts- oder linksextremistisch aktiv gewesen sein, vermute ich mal.
S - Nichts dergleichen, leider. Kein linker Achtundsechziger und kein rechter Burschenschaftler - eine ganz normale Schul- und Studienzeit.
J - Gefällt mir - beste Voraussetzungen für eine juristische Laufbahn. 
D - Das ist ja furchtbar! Stinknormale Zeitgenossen gehen mir auf die Nerven.
P - Wirklich kein extremistischer Ausrutscher? Auch keine Vorstrafen, nicht einmal ein Techtelmechtel? Hat er vielleicht mal einer geheimen Sekte angehört? 
S - Die bekämpft er vehement in seinen Büchern.
D - Wenn real nichts zu finden ist, müssen wir eben was erfinden...
J - Erfinden?
P - Ja, es muß nur glaubwürdig klingen. Diese Killermethode wählen wir immer nur als ultima ratio. Wenn eine Weste zu weiß ist, müssen eben Flecken drauf.
D - Etwas bleibt nämlich immer hängen. Je gröber, um so wirksamer.
J - Aber wir machen uns doch strafbar! Ganz abgesehen von der moralischen Seite!
P - (lacht) Die Moral, die Moral, die hat ihren schönen Platz in Sonntagsreden.
S - Gefährlich wird es nur, wenn man’s blöd einfädelt und dabei erwischt wird. Uns ist sowas noch nie passiert. Also keine Sorge.
D - Absolut tödlich für ihn wäre es zum Beispiel, wenn man ihm geistigen Diebstahl nachweisen könnte.
P - Darüber habe ich ein Hintergrundgespräch mit einem seiner Kollegen geführt, ganz unverdächtig natürlich.
S - Und?
P - Alles saubere Arbeiten. Kein Ideenklau, keine Quellenunterschlagungen. Wegen einer Fußnote ist er mal in ein dreihundert Kilometer entferntes Archiv gefahren...
D - Wer’s glaubt, ist blöd. Man sollte ihm McKinsey auf den Hals hetzen, diese Wühler finden immer was Negatives.
P - Führt an unserem Thema vorbei, wir suchen nach einem erfundenen Anhängsel - es muß nur plausibel klingen.
S - Dann stecken wir mal die Köpfe zusammen, Brainstorming nach Art des Münchhausen.
J - Ohne mich! Das riecht mir sehr nach Strafgesetzbuch.
P - Ich sagte Ihnen doch, wenn man’s professionell einfädelt, besteht keine Gefahr. Glauben Sie uns, wir kennen die sicheren Schleichwege, auf denen man Lügenpakete anonym versenden muß, damit sie in die richtigen Hände gelangen.
J - Trotzdem - ich steige aus. Mir wird der Boden zu heiß.
D - Bitte schön, wenn Ihr juristisches Herzklopfen unerträglich wird, dann verdrücken Sie sich nur. Wir sind hier nicht im Hörsaal, wo’s aseptisch zugeht. Im rauhen öffentlichen Meinungskampf wird mit harten Bandagen gekämpft.
J - Ich sollte Sie warnen, wenn’s juristisch brenzlig wird, und Sie sind gerade dabei, über ein Minenfeld zu laufen. Es könnte mehr als einer in die Luft fliegen.
S - Wir schlängeln uns da schon durch, denn unsere Pfadführer kennen jeden Schleichweg.
P - Vertrauen Sie uns doch endlich: Wir beherrschen die Technik des gelenkten Zufalls (lacht verschmitzt). Spin heißt das im Fachjargon.
D - Dabei muß man von ganz unverdächtiger Seite etwas nachhelfen - mit einem leisen Wink, um den vagen Verdacht überzeugender ins Spiel zu bringen. Nicht ohne Risiko, zugegeben, aber sehr unterhaltsam und wirksam.
S - Wenn’s klappt, und meistens klappt es, dann rattert’s aus den Medien wie aus Maschinengewehren. Das Opfer wird regelrecht niedergemäht. 
J - Das ist ja eine Anstiftung zum unverantwortlichen Verdachtsjournalismus!
P - Ganz recht, eine sehr wirksame und manchmal eben notwendige Methode. Wir tun das nur um einer höheren Sache willen. Niemand darf ungestraft an einem hohen Staatsamt kratzen.
J - Hat er doch gar nicht! Weder das Amt noch die Person hat er geschmäht, sondern allein einen undurchdachten Vorschlag kritisiert. 
P - Seit wann können die Bürger das auseinanderhalten?!
D - Macht endlich Schluß mit dem unnützen Palaver! Wir suchen etwas Anrüchiges, das einen aufmüpfigen Eierkopf mundtot macht. Hat einer ‘ne Idee?
S - Da gab’s doch mal die Kampagne über faule ...
P - Zieht bei dem nicht. Ein luftiges Lügenpäckchen, über das alle lachen würden, die ihn kennen, und das sind nicht wenige. 
S - Hat der überhaupt mal was Produktives geleistet? 
D - Hat er - und nicht wenig! Unter Fachleuten ist er eine positive Nummer.
J - Ich seh’ schon, lügen ist schwieriger, als ich dachte. Sollen wir nicht der Einfachheit halber bei der Wahrheit bleiben?
S  - Jetzt verspottet der uns auch noch! Nicht genug, daß er uns ständig ausbremst!
P - So kommen wir heute nicht weiter! Am besten vertagen wir die Sache. Es wird uns schon bald etwas einfallen.
©WALTHARI®, aus:  www.walthari.com
 
 



14. Mai 2003
Der islamische Märtyrerkult als Herrschaftsinstrument 

1

In den drei abrahamistischen Religionen (Judentum, Christentum, Islam) ist der Gedanke des Verfolgtwerdens und der opferbereiten Bezeugung ein zentraler Glaubensbestandteil. Exemplarisch dafür steht das Wort Christi, das denjenigen (himmlische) Seligkeit verheißt, die um seinetwillen verfolgt werden. Sozialpsychologisch liegt hier eine Immunisierungsstrategie vor, die erklärt, warum die genannten Religionen auch schwerste Verfolgungen bisher überstanden haben, zumal eine historische Tendenz erkennbar ist, Verfolgungen als eigentlichen Prüfstein für Glaubensfestigkeit anzusehen. Im Extremfall können sich einzelne Gläubige geradezu danach sehnen, von Gott dadurch geprüft zu werden, daß er Peiniger schickt. Christus selbst verlangt den »treuen Zeugen« (Apk 1,5; 3,14), und der Islam gebietet allen Muslimen, ihren Glauben notfalls mit dem eigenen Tod zu bezeugen.

2

Sowohl beim Christentum als auch im Islam gehört der Opfertod bereits zu den Gründungsmythen. Christus hat sich am Kreuz geopfert, und die Schiiten betrachten Ali, den Schweigersohn und Vetter Mohammeds, als rechtmäßigen Nachfolger des Propheten. Ali wurde ermordet, und Hussein, zweitältester Sohn Alis und dessen Nachfolger gilt als ›König der Märtyrer‹ (Sha-i Shuhada), weil er mit 72 Getreuen in der ›Schlacht‹ bei Kerbela (680 n.Chr.) gegen eine 50fache Übermacht des Kalifen Yazid für seine Glaubensüberzeugung starb. Die ersten schiitischen Märtyrer starben in einem innerislamischen Waffengang. Seitdem steht der Märtyrerkult (Âshûrâ) im Mittelpunkt kämpferischer islamischer Glaubensüberzeugung. 

3

Dieses religiöse Merkmal trifft (mit Ausnahme des Kämpferischen) ebenfalls für das Christentum zu, auch wenn seine neuzeitliche Weltlichkeit einen anderen Eindruck hinterläßt und Christenverfolgungen (heute noch in Asien und Afrika) mit politisch-militärischen Mitteln abgewehrt und nicht mehr als Glaubensprüfung verinnerlicht werden. Kein geringerer als Karl Rahner erklärt das Martyrium »zum Wesen der Kirche, da an ihm der christliche Tod schlechthin zur Erscheinung kommt, als der Tod des freien Glaubens, der sonst in der Zweideutigkeit alles menschlichen Geschehens verborgen ist. Im Martyrium erhält die Heiligkeit der Kirche als nicht nur subjektive, sondern auch Gottes durch Gnade gewirkte ihre notwendige Greifbarkeit, die aus ihr im ausgezeichnetsten Sinn ein Glaubwürdigkeitsmotiv macht. Von daher wird auch verständlich, warum die theol. Tradition von den ältesten Zeiten her dem Martyrium dieselbe rechtfertigende Kraft wie der Taufe zuschreibt (Martyrium = ›Bluttaufe‹). Diese Kraft hat das Martyrium nicht bloß darum, weil es als Akt glaubender Liebe rechtfertigt auch vor dem Sakrament, wie jeder Akt glaubender Liebe es auch sonst tut. Die rechtfertigende Kraft des Martyrium ist gewissermaßen sakramentaler Art: es ist ja das Erscheinen einer gnadenhaften Wirklichkeit, die Greifbarkeit einer Gnadentat Gottes am Menschen. Daß es diesen Tod in der Kirche in dieser Zahl, durch alle Zeiten hindurch, als frei übernommenen gibt, das zeugt für die überweltliche Herkunft der Kirche« (Rahner, K. u. Vorgrimler, H.: Kleines theologisches Wörterbuch, Freiburg/Br. 1971, 8. Auflage, S. 235). Dem Märtyrer (martys, gr. = Zeuge) wird danach die besondere Gnade Gottes erwiesen, die »überweltliche Herkunft der Kirche« zu beglaubigen. Mit Inbrunst pflegen daher die christlichen Kirchen den Märtyrerkult und erinnern in der Liturgie, in Liedern und in Gebeten ihrer zahlreichen Blutzeugen, die sie durch Selig- und Heiligsprechungen zur Altarswürde erheben. Der heilige Laurentius z.B. verweigerte unter dem römischen Kaiser Valerian (245-260) heidnische Opferdienste und wurde zu Tode gefoltert. 

4

Der Islam vollzog von Anfang an einen folgenschweren Zusatzschritt. Während der Buddhismus reine Glaubensgemeinschaft blieb, verstand sich das Christentum stets zusätzlich als Bekenntnisgemeinschaft. Als Christ  hat man seinen Glauben auch öffentlich zu bekennen, notfalls auch mit dem Opfertod zu bezeugen. Von Muslimen wird darüber hinaus verlangt, daß sie eine kämpferische Haltung einnehmen. Am Status des Märtyrers wird der fundamentale Unterschied überdeutlich: Der christliche Märtyrer tötet nicht Andersgläubige und würde dafür auch nicht belohnt; und er tötet auch in keinem Falle sich selber, um etwas zu bezeugen oder abzuwehren. Der christliche Märtyrer wird in der Nachfolge Christi getötet. Demgegenüber hat der Islam eine differenzierte Märtyrerlehre und -praxis entwickelt, die sich durch ihre durchgehend kämpferische Haltung (Dschihad) vom christlichen Märtyrerbild scharf unterscheidet. Zwar hat es auch während der zweitausendjährigen christlichen Märtyrergeschichte kämpferische Einschläge gegeben, aber diese waren epochentemporär und nicht substanzieller und schon gar kein Lehrbestandteil des Märtyrerkults wie im Islam. Päpste versprachen Teilnehmern an Kreuzzügen himmlischen Lohn, wenn sie im Kampf gegen die Heiden stürben. Und auch Albrecht Dürer machte sich im Jahre 1521 für ein christliches Martyrium im Kampf gegen papistische Schurken stark, als er in Antwerpen der Falschmeldung aufsaß, Martin Luther sei entführt und ermordet worden. Solche Kampfeinstellungen stehen in schroffem Gegensatz zur Duldernatur in der Nachfolge Christi. Der islamische Märtyrer ist alles andere als ein Dulder von Leiden und Unrecht. Die Schriften und Lehren rufen ihn zur Tat und Gegenwehr und auch zum Töten anderer auf, und manche Korangelehrte rechtfertigen sogar den Selbstmord als Terrorwaffe. Zu unterscheiden sind: (1) Märtyrer, die auf dem Schlachtfeld sterben, sei es durch Ungläubige oder im Kampf um die rechte Lehre oder gegen Tyrannen. (2) Märtyrer, die durch andersartige Gewalteinwirkung sterben, etwa durch Krankheiten. (3) Märtyrer, die während der Pilgerfahrt eines natürlichen Todes sterben. (4) Lebende Märtyrer sind alle Muslime, die den ›großen Schihad‹ praktizieren, d.h. den Kampf gegen eigene Schwächen und weltlichen Begierden erfolgreich bestehen. Der iranische Ayatollah Khomeini bezeichnete es als höchstes Glück, das einem Muslimen widerfahren könne, den Märtyrertod zu sterben; es würden ihm nämlich alle seine Sünden vergeben; alle paradiesischen Verheißungen stünden ihm offen. Der höchste ägyptische Geistliche rechtfertigt sogar die palästinensischen Selbstmordattentate als geheiligte Handlungen islamischer Märtyrer. Ihnen und allen Muslimen, die »auf dem Weg Allahs« sterben (Shahids genannt), werden Vorrechte im Paradies zugesichert.
Die für westliche Gesellschaften unbegreifliche Sehnsucht vieler junger Muslime, als Märtyrer zu sterben, erklärt sich aus dem theologischen Status der Märtyrer: (1) Märtyrer (Shahids) werden im Jenseits nicht dem Verhör der beiden Todesengel Munkar und Nakir unterzogen; (2) sie müssen auch nicht das islamische Fegefeuer (Bazarkh) durchlaufen; (3) sie bedürfen nicht der Fürsprache des Propheten und (4) können sie selber als Fürsprecher auftreten; schließlich (5) wird ihnen die höchste Stufe des Paradieses (Dar ash-Shudada) und die größte Gottesnähe zugesprochen. (6) Ihre Wunden leuchten am jüngsten Tag blutrot und durften nach Moschus. (7) Als einzige Jenseitsbewohner sehnen sie sich wieder ins Diesseits zurück, weil sie mit der Kraft ausgestattet wurden, »noch zehnmal den Märtyrertod zu erleiden«. Der Sonderstatus islamischer Märtyrer erzeugt auch weltliche Vorteile. Im Iran erhielten die Hinterbliebenen hingemetzelter Soldaten (im ersten Golfkrieg 1991) ein Auto und 33.000 US-Dollar. Saddam Hussein spendete palästinensischen Familien, aus denen Selbstmordattentäter hervorgingen, 25.000 US-Dollar.
Die politische und islamisch-theologische Herrscherkaste pflegt einen Märtyrerkult, der mit der christlichen Heiligenverehrung in keiner Weise vergleichbar ist. Mit der märtyrologischen Statuspflege geht eine Gesinnungserziehung und Instrumentalisierung von Glaubensopfern einher, die zivilisatorischen Werten hohnspricht und in demokratisch-rechtsstaatlichen Kulturen den Anstiftern eine Strafverfolgung einbrächte...
Aus: www.walthari.com

14. April 2002

Streitschrift gegen Multi-Kulti-Illusion

Tibi, B.: Islamische Zuwanderung. Die gescheiterte Integration
Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart und München 2002, 380 Seiten, EUR 24,90.

... Über den Zustand kann sich jedermann bei Tibi ein genaues Bild machen, insbesondere über die katastrophenträchtige Illusion einer multikulturellen Gesellschaft und über den sozialen Sprengstoff, der von existierenden Parallelgesellschaften auch schon in Deutschland ausgeht. Der Normalbürger erfährt zwar durch das Fernsehen und in Presseberichten, wo überall in der Welt multikulturelle Gesellschaften explodieren – auf dem Balkan, im Vorderen Orient, in Afrika, in Kaschmir und in Dutzenden anderen Weltgegenden, aber er weiß in aller Regel nicht, wie weit die Zustände im eigenen Land auf Konfliktszenarien schon zulaufen. Dafür öffnet Tibi die Augen. Schonungslos nennt er die Hauptgründe: mangelnder Wille zur Integration und ungefilterte Zuwanderungsströme. »Die Mulit-Kulti-Romantik wird es nach dem 11. September schwer haben fortzubestehen« (S. 198) – eben das trifft nur für aufgeklärte Zirkeldiskussionen zu, nicht für die politische Propagandapraxis und die haarsträubend verharmlosenden Berichte in den Medien... Es sind eben nicht nur die fundamentalistischen Islamisten, die westlich aufgeklärte Gesellschaften mit Angst und Schrecken überziehen, es sind auch Kernbestände im Koran und in der Scharia, die eine friedliche Integration unmöglich machen.
Aus: www.walthari.com


15. Dezember 2002

Raddatz, H.-P.: Von Allah zum Terror? 
Der Djihad und die Deformierung des Westens 
Herbig Verlag, München 2002, 376 Seiten, 29,90 Euro

... Der Orientalist und Mitautor der Encyclopaedia of Islam leistet einen schonungslosen Beitrag, um den Menschen die Augen zu öffnen. Niemand soll später, wenn die Auseinandersetzung noch blutigere Ausmaße annehmen wird als heute, sagen können, er habe vom frauen- und demokratiefeindlichen Gesicht des Koran nichts gewußt. Man kann den Koran und die anderen islamischen Leitschriften drehen und interpretieren, wie man will: die Welle des religiös motivierten weltweiten Terrors ist unbestreitbar. Raddatz spricht vom Wunschislam, den uns die ›Dialog‹-Ökumene und die Politik vorgaukeln. Waren doch selbst gerühmte Toleranzvorbilder nicht frei von Schreckensherrschaft. In Lessings Nathan-Stück z.B. wird die historische Gestalt des Sultan Saladin reingewaschen; in Wirklichkeit verfolgte dieser Sultan Ketzer (Islam-Abtrünnige) gnadenlos...
Aus: www.walthari.com
 



8. Februar 2006

Den Koran beim Wort und die Mullahs ernst nehmen
1. Teil

30. September 2001
... 
II. Unterscheidungen
Das Bild des Islam ist äußerst vielfältig. Um Mißdeutungen vorzubeugen, sollte zwischen (1) ›dem‹ Islam (als Offenbarungsreligion mit schriftlichen Anweisungen im Koran u.a.), (2) der islamischen Mullahpraxis (Lehrauslegungen in Freitagspredigten, Gerichtsurteilen usw.), (3) der islamischen politisch-gesellschaftlichen Realität, (4) dem islamischen Fundamentalismus (als religiös verbrämtes, offenes Kriminalitätspotenzial) und (5) dem islamischen Liebes- bzw. manchmal auch Beschönigungs-Pazifismus (man denke an die zahlreichen beschönigenden Paradiesschilderungen im Koran) unterschieden werden. 
So falsch es ist, den islamischen Liebes- bzw. Beschönigungspazifismus (Islamvariante 5) für den ganzen oder auch nur den bestimmenden Islam zu halten, so verhängnisvoll wäre es, den Terror und das übrige Gewaltpotenzial allein bei den Fundamentalisten (Islamvariante 4) zu suchen. Genau das aber geschieht gegenwärtig im westlichen Diskursbetrieb, in welchem einäugige Beschwichtiger die Öffentlichkeit irreführen. Unterschlagen wird dabei meist vollkommen, welche menschenverachtende, anti-demokratische, gewaltschürende Kräfte auch in der Mullah-Praxis (Islamvariante 2) und in der gesellschaftlich-politischen Realität (Islamvariante 3) am Werk sind...
Aus: www.walthari.com 
 

13. Oktober 2001

2. Teil

IV. Wie bald ist die islamische Welt aufklärungsfähig?
Diese Frage bewegt aufgeklärte islamische Intellektuelle (Dichter, Wissenschaftler u.a.) nicht weniger als Menschen in den westlichen Demokratien. Wer darüber öffentlich in islamischen Ländern nachdenkt, muß mit Gefängnisstrafen oder mit seiner Ermordung rechnen (wie es zahlreichen Journalisten in Algerien widerfahren ist). Von kleinen Aufklärungsnischen abgesehen, befindet sich die islamische Welt in einer ›Vor-Luther-Zeit‹ und vernunftweit entfernt vom Kant’schen Aufklärungsgeist. Ein islamischer Reformer, der die Allmacht der Geistlichen brechen könnte, ist weit und breit nicht zu sehen. Auch für eine baldige Demokratisierung (Gewaltenteilung, nicht nur förmliche, sondern auch faktische Trennung von Staat und Kirche u.v.a.) stehen die Zeichen zwischen Malaysia und Tunesien schlecht. Wie könnte in dieser wenig hoffnungsvollen Lage eine baldige Entwicklung erwartet werden, die eine unabhängige Gerichtsbarkeit, eine freie Presse usw. zuläßt? Westliche Politiker gaukeln ihren Wählern todgefährliche Illusionen vor, wenn sie so tun, als seien islamische Staaten (wie z.B. Saudi-Arabien), die sich dem Antiterrorbündnis angeschlossen haben, auf dem Weg zu Demokratie- und Menschenrechtsverhältnissen.
Aus: www.walthari.com 


29. Oktober 2001

3. Teil

VI. Erschreckende Illusionsgläubigkeit im Westen
Nein, eine nüchterne Faktenanalyse ist nicht gleichzusetzen mit einer Verunglimpfung der Menschen in islamischen Ländern und ist keine Rechtfertigung für eine Verteufelung muslimischer Mitbürger in der westlichen Welt. Im Gegenteil: Die Wahrheit hilft auch hier der Moral, Toleranz und Mitmenschlichkeit auf die Beine. Dazu muß man allerdings differenziert hinschauen und Realitäten nicht mit Illusionen verwechseln. Die schrecklichen Vereinfacher und Verharmloser predigen ständig, die islamischen Terroristen seien nicht mit dem Islam zu verwechseln; es handle sich keineswegs um einen Kampf der Kulturen (der islamischen mit der christlichen, buddhistischen usw.). Aber die Realitäten in fast allen Ecken und Enden der Welt sprechen eine ganz andere Sprache. Ob auf dem Balkan oder in Zentralrepubliken Rußlands, ob in Nigeria oder in Pakistan, ob in Nordchina oder in Indonesien: Wo stark religiös geprägte Kulturen einander ›begegnen‹, knistert es seit Jahrhunderten....
Es bedürfe nur einer Armutsbekämpfung und demokratischer und aufklärungswilliger Kontrollmechanismen, um die angestauten Sprengsätze (ein Gemisch aus Haß und Vorurteilen) nicht zur Explosion kommen zu lassen. Wie die Geschichte hundertfach beweist, sind selbst unter diesen Voraussetzungen multikulturelle Verhältnisse auf Dauer kaum zu befrieden, auch nicht in Demokratien, wie die Ereignisse in Nordirland und Palästina (Israel versteht sich als Demokratie) augenfällig belegen. Es schmerzt sehr, aber die These, daß multikulturelle Gruppenformationen nur unter Eliten (Konzertmusiker, Wissenschaftlern u.a.) problemlos funktionieren, in Normalverbänden aber nur solange, wie die Verhältnisse prosperieren, hat die historische und aktuelle Realität auf ihrer Seite. Unter Verteilungsfriktionen zeigt der Multikulturalismus sein häßliches, häufig todbringendes Gesicht (vgl. Das veruntreute Land. Wohin driftet Deutschland; Kapitel: Auf Sand gebaut). Diese These gilt umso mehr, je unaufgeklärter und monomythisch geprägter die Ethnien und Religionsgemeinschaften sind...
Kein Zweifel, muslimische Gemeinden leben in prosperierenden Zeiten friedlich mit nichtmuslimischen Mitbürgern zusammen. Islamische Nachbarn sind unsere Brüder und Schwestern und verdienen Respekt und Solidarität. Wehe freilich, wenn sie die Vorschriften des Korans streng beim Wort nehmen und ketzerischen Mullahwor