| 6. Dezember 2007
Hayek, Fr. A.: Der Weg zur Knechtschaft
Es handelt sich um die Prachtausgabe eines Jahrhundertbuches, dessen
Herausgabe von der Friedrich-Naumann-Stiftung gefördert wurde. Hayek
war ein scharfer Gegner aller sozialistischen Varianten und ein Antipode
zu John M. Keynes, der dem Staat auch ökonomische Lenkungsaufgaben
über die Rahmensetzung hinaus zubilligte. Das Buch wurde 1944 verfaßt
und ist allein schon deshalb aktuell geblieben, weil planwirtschaftliche
Gesinnungen die politische Szene nicht nur in Deutschland beherrscht. »Den
Sozialisten in allen Parteien«, dieses Motto schrieb der Nobelpreisträger
ins befleckte Stammbuch der Staatsgläubigen. Für Hayek wäre
die gegenwärtige Bundeskanzlerin und ihr gesamtes Kabinett ein ›sozialistischer
Haufen‹, der vergessen habe, daß (1) jeder Planwirtschaft die Tendenz
zum Totalitarismus innewohne und (2) daß staatlicher Dirigismus (so
im Gesundheits-, Bildungswesen usw. auch heute wieder) bestenfalls drittbeste
Ergebnisse zeitigt, meistens aber auf desaströse Ressourcenvergeudung
hinauslaufe. Man lese die aktuellen Parteiprogramme der CDU und SPD und
zwischendurch in Hayeks Klassiker: Den ›Weg zur Knechtschaft‹ hat das feige
und denkfaule Bürgertum (vgl. I. Kant) erneut angetreten, unter Verhältnissen
des Überwachungsstaates, dessen Greifarme bald auch private Rechner
erfassen werden. Fünfzehn Kapitel laden zum Lesen ein, darunter ›Die
große Illusion‹, ›Die angebliche Zwanghaftigkeit der Planwirtschaft‹,
›Planwirtschaft und Demokratie‹, ›Planwirtschaft und Totalitarismus‹ (besonders
lesenswert) und ›Sicherheit und Freiheit‹. Für Hayek gehört
es zum politischen Täuschungskanon, den Zusammenhang zwischen Wirtschaftsdirigismus
und politischer Diktatur zu bestreiten. Nur in einer Übergangsphase
sehe es so aus, als ob das Politische unberührt bleibe. Hayek hat
alle historischen und aktuellen Belege auf seiner Seite, wenn er feststellt,
»daß alles, was sich, wie die Planwirtschaft, nur auf unsere
wirtschaftlichen Interessen auswirkt, die höheren Lebenswerte nicht
ernstlich in Mitleidenschaft ziehen könne« (122). Für Deutschland
verheißt das nichts Gutes. Ich habe dem politischen Konzept Hayeks
in ›Aktive Bürgergesellschaft in einem gebändigten Staat‹ (2007;
vgl. Fenster Sachbücher) ein eigenes Kapitel gewidmet. Was besonders
betrübt: Trotz aller Erkenntnisse und Erfahrungen macht die Politik
die alten Fehler, und das feige Bürgertum (vgl. WALTHARI-Heft
32) fällt darauf herein.
29. Januar 2007 Klugheit 1 2 3 4 5 © Univ.-Prof. Dr. E. Dauenhauer. Aus: www.walthari.com
24. Oktober 2005 Das verachtete Tugendquartett
Von Univ.-Prof. Dr. E. Dauenhauer Obschon dieses Tugendquartett zum Überlebensprogramm in einer entfesselten Postmoderne gehört, wird es weit häufiger verachtet als geschätzt und noch seltener praktiziert. Ob im Privaten, in Unternehmen oder im öffentlichen Raum der Medien und Politik: wer in bescheidenem und dezentem Stil auftritt, gilt als Schwächling, als unterentwickelte Figur aus der Vormoderne. Im Privaten schon fegen die Du-Seuche und die lauttönende Rabulistik alles beiseite, was aus dem kostbaren Magazin der Dezenz zum geistvollen und eleganten Lebensstil angeboten wird. In Unternehmen dominieren die sog. Durchsetzungstypen; bereits Trainingsprogramme für Vorstellungsgespräche stellen auf Egostärke ab, auf ein Selbstbewußtsein also ohne Schwächezugeständnis. Was sich schließlich im medialen und politischen Raum öffentlich präsentiert, kann geradezu als alltägliches Verachtungsspektakel vor den Toren des Tugendquartetts bezeichnet werden. Der kläglich gescheiterte Bundeskanzler Gerhard Schröder, Gitterrüttler und auch sonst mit tribunenlautem Gehabe, darf als aktuelle Aufgipfelung eines unbescheidenen Politikstils betrachtet werden, der mit Dauergeklapper von seiner Maß- und Realitätsferne ablenken wollte. Schröderistische Indezenz gilt als schick und ist erfolgreich, zumal die Medien dem pathologischen ›Charme der Überdehnung‹ einen hohen Unterhaltungswert zubilligen. Im Sport gar beherrschen Schreihälse weitgehend die Szene, und selbst in Wissenschaft und Kunst wird Bescheidenheit bestraft: durch Nichtbeachtung. Die Kultur der gekonnten Andeutungen und des gehaltvollen Stils kann in der rasenden Postmoderne der schweren Substanz einer Sache keine Geltung mehr verschaffen. Darin liegt die Hauptkrankheit der westlichen Spätneuzeit. Denn Substanzialität gedeiht am prächtigsten im stillen Garten des Tugendquartetts. Es ist mehr als nur ein lebensphilosophisches Mißverständnis, wenn Bescheidenheit, Dezenz, Bedürfnisbeschränkung und Askese als Schwächeprogramm gebrandmarkt werden. Schon die dramatisch unbescheidene Auszehrung von Umwelt und Natur sollte die Verächter der Tugendquadriga in Scham versinken lassen (das Tugendquartett ist durchaus auch als Quadriga zu sehen: die vier Tugenden ziehen den gleichen Substanzwagen). Bescheidenheit: Unter den drei begriffsgeschichtlichen Bedeutungen ist der Sinn von discretio (fein gebildet, von höfischem Takt) ebenso verloren gegangen wie der Sinn von Bescheidwissen, Einsicht und Erkenntnis ((Luther übersetzte noch das griechische Gnosis mit Bescheidenheit: in 2. Petr. 1,5.6). ... Bescheidenheit als bürgerliche Tugend, ohne die das Gemeinwesen keinen Bestand haben kann. Für Bollnow zählt die Bescheidenheit zur »einfachen Sittlichkeit« (so auch sein Buchtitel 1947), die von jedem verlangt werden könne. Diese Bedeutung knüpft an Ciceros modestia und an die frühbürgerliche Auffassung an, wonach Ansehen und Glück sich aus geziemender Zurückhaltung speisen, welcher jede Übertreibung fremd ist (vgl. Schwenk: ›Bescheidenheit‹, in: Hist. Wb. d. Ph., Bd. 1, Sp. 837 f.). Dezenz: Der lateinische Ursinn hat sich bis heute erhalten. Decens bedeutet schicklich, anständig, reizend und anmutig; es leitet sich von dem Verb decedere ab, das auch den Sinn von sich zurückziehen, sich zurückhalten oder zurückstehen haben kann. Dezenz gehört zu den knappsten und damit kostbarsten Lebensstilmerkmalen, die auf einen gefestigten Charakter und kontrollierten Geist schließen lassen. Äußere Signale sind an (dezenter) Kleidung und Wortwahl sowie an souveräner Geduld erkennbar. Dezente Naturen haben den Blick frei für das Wesentliche. Es sind zugleich Meister im stillen Beobachten von (angeblichen) Nebensächlichkeiten und von Verdrängtem. Als unaufdringliche Zeitgenossen wissen sie genau, wann sie schweigen und was sie reden müssen sowie wann es sich schickt zu gehen. Schon aus dieser Kurzcharakterisierung ergibt sich: Dezente Geister sind Gegentypen der gängigen Ego- und Medialtrommler und schon als bloße Erscheinung das schlechte Gewissen der tellurischen Schandbetreiber. Bedürfnisbeschränkung:
Bedürfnisse sind sowohl das Movens der biologischen Evolution als
auch der kulturellen, sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung. Zur Bedürfnislehre
tragen die Philosophie und mehrere Wissenschaften (Psychologie, Ökonomie
u.a.) wertvolle Erkenntnisse bei. So etwa vermittelte die historische Schule
der Nationalökonomie die Einsicht, daß Bedürfnisse keine
absoluten Größen sind, vielmehr vom »Klima, der Landessitte,
dem Kulturstand, der gesellschaftlichen Stellung« abhängen (Karl
Bücher: ›Die Entstehung der Volkswirtschaft‹, Bd. 2, 8. Auflage, 1925,
S. 339). Nach Nietzsche sind es »unsere Bedürfnisse, die die
Welt auslegen; unsere Triebe und deren Für und Wider«. Nun
entspricht es schon der bloßen Lebenserfahrung, daß unsere
Bedürfnisse ins Grenzenlose steigen können; beschränkt wird
diese Neigung z.B. durch mangelnde Kaufkraft. Seit Anfang der Kulturentwicklung
ist Bedürfnisbeschränkung ein Hauptanliegen von Religionen, Gesetzen,
sozialen Regeln und Lebensphilosophien. ...
Askese: Dieser Teil
des Tugendquartetts wird am meisten mißverstanden, weil im modernen
Wortsinn der ursprünglich semantische Raum verkürzt bleibt. Das
griechische askeo bedeutete: bearbeiten, sich technisch oder künstlerisch
verfeinern. Bei Xenophon, Platon und Epiktet wurde daraus: sich leiblich
und geistig ertüchtigen durch gymnastische Übungen und zuchtvolle
Lebensweise. Im Weisheitsverständnis Platons war jede Tugend (1) tief
zu begreifen und (2) beständig zu üben (Gorgias, Ziff. 527).
Besonders der Übungsaspekt, die Askese also i.w.S., prägte das
Vorbereitungsprogramm der Athleten für die Olympischen Spiele, die
auf eine jahrhundertealte Tradition zurückblicken konnten: In
der athletischen Lebensweise drückte sich Askese im zugespitzten Sinne
aus, sie bedeutete nicht einfach Verzicht auf übliche Gewohnheiten
wie Weingenuß, vielmehr bestand sie aus einem körperlichen und
mentalen Übungsprogramm, das auch eine stärkende Ernährung
mit einschloß. Aus der athletischen Askese hat dann die Stoa eine
ganze Lebensphilosophie gezimmert: Weisheitliches Leben gelingt danach
nur in der Beherrschung der Gedanken und Triebe, was ohne beständiges
Üben nicht möglich ist. ... Bei
Nietzsche führt der Weg zur »goldenen Natur« des Übermenschen
über Beherrschung (egkrateia); und Bemühung (askäsis);
vgl. WALTHARI-Heft 45: Zagreus-Mythos). Die
neuzeitliche Begriffskarriere schlechthin geht auf Max Webers innerweltliche
Askese zurück: Der Geist des globalisierenden Kapitalismus ist danach
calvinistischen Ursprungs; tüchtiger Erwerb und Sparsamkeit gelten
als Erweis gnadenhaften Auserwähltseins (›Wirtschaft und Gesellschaft‹,
4. Auflage, 1956, S. 315). Sieht man von religiös motivierten Vereinseitigungen
(vor allem im Christentum und Hinduismus) ab, so beinhalten lebensphilosophische
Askese-Auffassungen durchgängig folgende Elemente: zuchtvolles
(!), beständiges Training von Geist und Körper zum Zweck eines
erfüllten Daseins im privaten und öffentlichen Raum. Die erwünschte
Stärkung erfolgt über maßvolle Bescheidung (Verzicht auf
alles Überflüssige) und tapferes Bemühen. Eine
asketische Lebensweise in diesem Sinne ist also keineswegs mit Weltabgewandtheit
oder plagebeladener Kasteiung zu verwechseln. Durch die delirierende Postmoderne
waten lebensphilosophisch eingestellte Asketen als dezente Kämpfer
gegen den Bedürfnisrausch und die Hybris.
28. Juni 2005 Rückfälligkeiten – eine unterschätzte Verhaltenskonstante Vor Jahren wurde in diesem WALTHARI
-Portal die Ansicht geäußert, daß es für Kenner der
menschlichen Psyche und Zivilisation nicht verwunderlich wäre, wenn
zu öffentlichen Ehren und Staatsämtern gelangte einstige Sozialrevolutionäre
nach dem Verlust ihrer ergatterten Stellung in alte Verhaltensweisen und
Gesinnungen zurückfallen würden. Frühe, nur mühesam
überdeckte Muster leben bekanntlich schon bei drohendem Machtverlust
leicht wieder auf. Dieser Psychosozio-Mechanismus erklärt die Wiederkehr
von 68er Mustern mit geändertem Vokabular, aber mit verwandter Gesinnung
(statt marxistische Kapitalismuskritik nun neosozialistische Reiche-Kritik
usw.). Das Erscheinungsbild der regierenden SPD und der Grünen wird
wahrscheinlich nach einem Machtwechsel grundlegend anders sein. Man nennt
das euphemistisch die Rückbesinnung auf die Quellen.
Ergänzungstext: Samuel Pufendorf. Ein vergessener
Menschenrechtsdenker,
27. Februar 2005 Gabriel, M. A.: Islam und Terrorismus.
Der Toleranzbegriff westlicher Multikultis macht blind
gegenüber existenzbedrohenden Gefahren. Schon vor Jahren wurde in
diesem WALTHARI-Portal die Frage gestellt,
warum man den Koran so wenig lese und wie man nach gründlicher Lektüre
noch annehmen könne, daß Demokratie und Menschenwürde einerseits
und der Islam und seine Lebens- und Ausbreitungspraktiken andererseits
vereinbar seien. Weil der Koran auch Toleranzstellen aufweist, der Islam
keine Einheit darstellt und auch friedliche Richtungen kennt (z.B. die
Sufisten), neigen westliche Intellektuelle, Politiker u.a. zu Verharmlosungen
und zur Hoffnung auf eine Demokratisierung und koranische Aufklärung.
Die
Erkenntnis, daß die islamischen Offenbarungstexte, die allerdings
als unabänderlich, weil von Gott gegeben angesehen werden, umgeschrieben
werden müßten oder einem aufklärerischen Reinigungsprozeß
unterworfen werden müßten, wenn Islam und Demokratie kompatibel
›gemacht‹ werden sollen, diese Erkenntnis wird permanent unterdrückt:
aus Textblindheit, aus Angst vor politischen Folgen usw. Der
Konflikt erweist sich bei gebotener Ehrlichkeit als unauflösbar, weil
weder die als gottgegeben betrachteten Texte noch die Fundamentalwerte
der Menschenwürde zur Disposition gestellt werden können. Genau
davon handelt das angezeigt Buch. Der Autor war Professor für Islamische
Geschichte an der Al-Azhar Universität in Kairo, ist also eine
authetische Lehrautorität aus der islamischen Welt, die er für
unreformierbar hält und deren Gefahrenpotenzial er quellengenau
nachweist. Selbst Leser, die sich mit der islamischen Gefahr, die keineswegs
nur von Seiten der Fundamentalisten droht, schon näher beschäftigt
haben, fallen von einem Schrecken in den nächsten, wenn sie mit fortschreitender
Lektüre die Binnenansicht des ehemaligen islamischen Geistlichen,
der mit zwölf Jahren den gesamten Koran auswendig wußte und
als gelehrter Kritiker später Folter, Gefängnis und Morddrohungen
ertragen mußte und enttäuscht zum Christentum übertrag,
in aller Offenheit kennenlernen. Gabriel kommt zu dem Ergebnis: Die
Djihadstellen des Koran heben die Toleranzsuren mehr als auf; Mohammeds
Heiliger Krieg dauert heute noch an; und die Islamisierung der Welt
bleibt oberstes Ziel. In 26 Kapiteln wird ein biografisches und islamische
Bild gezeichnet, das allen Toleranzutopisten die Augen öffnen sollte;
wie sich der kämpferische Islam in Gestalt nicht allein des Terrorismus,
sondern auch in der Unterwanderung westlicher Gesellschaften (durch saudi-arabische
u.a. Finanzquellen, also aus Geldern westlicher Autofahrer) zeigt, läßt
sich fugenlos in die Tradition und die Textgestalt einordnen. Am erschütterndsten
sind die Erlebnisberichte des Autors, so etwa wenn er im Kapitel ›Menschenrechte
unter dem Islam‹ einen ahnungslosen ehemaligen Baptistenpastor, der zum
Islam konvertierte, vor Studenten regelrecht vorführte. Dem Eroberungs-
und Missionsziel ist, wie Geschichte und Gegenwart, aber auch Textstellen
lehren, kein Mittel fremd: Krieg und Steinigung, Täuschung und
Lüge. Solange orthodoxe Muslime in der Minderheit sind, wird ihnen
Anpassung bis zur Lehrverleugnung nahegelegt, dürfen und sollen sie
täuschen. »Mit Christen und Juden gehen sie um, als wären
sie Brüder. Den Islam präsentieren sie diesen Ländern als
Antwort auf alle Probleme der Menschheit. Diese verwestlichten Muslime
stellen ihre Religion so dar, als stünde sie für Barmherzigkeit,
Freiheit, Gerechtigkeit und Versöhnung. Sie porträtieren den
Islam als eine Religion, die keine Vorurteile gegenüber Rassen oder
Kulturen kennt... Muslimische Gruppen nutzen Friedensgespräche oder
Friedensvereinbarungen, um sich Zeit zu verschaffen, damit sie neue Pläne
schmieden, Vorbereitungen treffen und sich für den Sieg positionieren
können. Muslimische Militärführer sagen der anderen Seite,
was immer sie hören will, um Zeit zu gewinnen, doch wenn es dann darum
geht, die Zusagen einzulösen, sieht die Geschichte ganz anders aus...
Schauen wir uns an, wie Mohamed mit Lügen umging, denn sein Verhalten
ist Teil der Grundlage des islamischen Gesetzes... Der Erste, dem der Prophet
Mohammed erlaubte, den Islam oder ihn als Propheten zu verleugnen, war
Amar Bin Jassir. Jassir, der ein Freund Mohammeds war, wurde vom Stamm
der Quraisch gefangen genommen und als Geisel festgehalten. Als die Quraisch
Jassir folterten, verleugnete er Mohammed und den Islam, um freizukommen«
(S. 116 ff.).
1. Dezember 2004 Telepathogene Dauervisagen
Immer die gleichen Gesichter, die täglich in Millionen
von Wohnzimmern hineinschaukeln, nein, zwangsverordnet werden, denn man
kann ihnen selbst beim Programmhüpfen nicht ausweichen. Ihre Gesichter
sind längst zu Visagen degeneriert, zu hautfaltigen Landkarten in
Großaufnahme, zu aufmaskierten Mentalitätsträgern, zu Stereotypen
fernsehköchelnder Langeweile. Es mögen um die zweihundert Visagisten
sein, die sich seit Jahr und Tag öffentlich vorführen lassen,
munter daherplappernde Sprechfiguren aus Politik und den Medien, aus dem
Unterhaltungszirkus und aus den Verbänden, dazu einige Versprengte
aus den Wissenschaften und Künsten. Unsäglich ihre langweilige
Dauerpräsenz, weiß man doch schon, was sie von sich geben
werden, ehe sie den Mund aufmachen. Sie haben es ja schon hundertmal gesagt,
immer dasselbe, ja häufig das Wortgleiche.
Waltharius
20. Oktober 2004 Deutsche werden sich zunehmend fremd Dieser Befund ergibt sich unschwer aus der zugespitzten
Identitätskrise in den letzten Jahren. Die Nachkriegsgenerationen
bezogen ihr Selbstbild aus einem ungewöhnlichen wirtschaftlichen Erfolg.
Das erlaubte es der politischen Klasse, nach außen Deutschland mit
dem Scheckbuch von den Realitäten weitgehend fernzuhalten und im Innern
das Volk mit sozialstaatlicher Rundumversorgung einzulullen. Zu den
Realitäten, die nun mit Wucht über Deutschland hereinbrechen,
gehören nationale und persönliche Risiken. Erstmals erleben
die Deutschen, daß Globalisierung zwar der Mehrheit Vorteile bringt,
eine beträchtliche Minderheit aber auch arbeitslos machen kann und
selbst Traditionsunternehmen zum Verschwinden bringt, und zwar deshalb,
weil der wuchernde Steuer-, Sozial- und Tarifstaat sich verrechnet, d.h.
die wirtschaftlichen Realitäten falsch einschätzt: Zu überdreht
ist die Steuerschraube, zu lähmend sind die bürokratischen Fesselungen,
zu hoch (im internationalen Vergleich) die Löhne, zu luxuriös
der Freizeit- und Urlaubsstil, zu üppig die Sozialleistungen, zu meritorisch
das Bildungssystem usw. Da das alles unhaltbar geworden ist, blicken
die Deutschen erschrocken in ihren zerbrochenen Wirtschaftsspiegel und
bemerken spät, daß sie etwas versäumt haben: nämlich
ihre Identität auch kulturell, gesellschaftlich-sozial und auch ›mythos‹-haft
zu verwurzeln. Nimmt man die Erschütterungen der europäischen
Identität hinzu (durch die mögliche Aufnahme der Türkei
in die EU; durch das volksfernes Brüsselregiment usw.), so fühlen
sich die Deutschen zunehmend fremd im eigenen Land, erst recht in Europa.
Ihrer politischen Klasse bringt sie kaum noch Vertrauen entgegen (vgl.
sinkende Wahlbeteiligungen u.a.m.). Auch anderen Orientierungsmächten
(Kirche, Verbände, Medien usw.) trauen sie wenig zu. Schon die
kleinsten Ansätze einer aufmunternden Selbstwertendeckung sehen sie
flugs vergangenheitstrübe eingeschwärzt. Was sollen sie schon
mit einem Vaterland anfangen, dessen Wirtschaft dauerhafte Massenarbeitslosigkeit
produziert, dessen Muttersprache zunehmend verdenglischt wird, dessen politische
Klasse sich den Staat teilweise zur Beute gemacht hat und dessen Identität
(nach dem Willen eines einst turnschuhbewehrten, heute weltpolitisch agierenden
Ministers) vornehmlich im Holocaustbild verwurzelt sein soll, einer Grundeinfärbung
aller Gedanken und Gefühle also, die nach den ›Gesetzen‹ der Psychoanalyse
unaufhaltsam in eine nationale Psychose führt und in Dauerdepressionen
schon geführt hat? Wer nur hat ein Interesse am nachhaltigen Patientenstatus
der Deutschen?
29. Mai 2004 Wirtschaftsethische Selbstverpflichtung für Führungskräfte Was der hippokratische Eid für Ärzte (niedergeschrieben
etwa 400 v. Chr., in aktualisierter Fassung: vgl. Deutsches Ärzteblatt
1/2/94, S. B 39), das sollte eine wirtschaftsethische Selbstverpflichtung
für Führungskräfte sein. Beiden Eliten ist ein jeweils hohes
Gut anvertraut: bei Ärzten die Gesundheit und bei Managern die Wohlstandsbereitung.
Führungskräfte sollten sich stets bewußt bleiben, daß
es bei ihrer Aufgabenerfüllung nicht allein auf Leistungen, sondern
auch auf moralische und kulturelle Standards ankommt, die zu mißachten
schwere Schäden beim Einzelnen, bei der Betriebsgemeinschaft und auch
in der Gesellschaft verursacht. Ein Managereid käme zudem einem persönlichen
Qualitätssiegel gleich und besäße eine Ansporn- und Zähmungsfunktion
zugleich. Angesichts des anhaltenden Ansehensverlustes von Managern wäre
ein Verhaltenskodex, wie er im folgenden Eidestext zum Ausdruck kommt,
für alle Seiten von unschätzbarem Wert: Er trägt letztlich
zum sozialen Frieden bei und regt zum Vorbildverhalten an, so daß
Unternehmenswohl und Gemeinwohl sich nicht fremd bleiben. Wenn Selbstverpflichtungen
einmal zur Ehrensache geworden sind, erhält die Fortentwicklung
von der reinen Leistungsgesellschaft zur solidarischen Kulturgemeinschaft
eine wirkliche Chance. Bekanntlich sind Vertrauen, Motivation und Solidarität
die wichtigsten Aktivposten in der betrieblichen Sozialkapital-Bilanz,
die auf die Qualität der Arbeit einwirkt. In Zeiten zunehmender parteien-
und staatsdirigistischer Eingriffe können moralisch integre Führungskräfte
die bedrohten unternehmerischen Freiheiten besser verteidigen als ›Profitbosse‹,
denen es an Glaubwürdigkeit gebricht. Ein hohes betriebliches und
gesellschaftliches Ansehen der Führungskräfte läge schließlich
in ihrem eigenen Interesse, mindert es doch die körperlichen
und psychischen Belastungen, steigert die Arbeitsfreude u.v.m.
Manager-Eid
§ 1 Generalklausel
§ 2 Oberste Handlungsziele
§ 3 Fordern und fördern
§ 5 Unternehmens- und Gemeinwohl
§ 6 Schonender Ressourcenverbrauch
§ 7 Ehrlicher Makler
15. Juni 2004
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