Buchhandelspreis: EURO 22,-
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| Als Komplementärtext zu dieser satirischen Campuserzählung hat der Autor die hochschulpolitische Streitschrift veröffentlicht: ›Die Universität als Lebensform und Reformopfer. Eine Bilanz nach 32 Lehrstuhljahren‹. Näheres unter Fenster ›Sachbücher‹/›Sektion Wissenschafts- und Universitätspolitik‹ in diesem WALHTARI-Portal sowie Leseproben unter Fenster ›Wissenschaftsforum‹ / ›Aus dem akademischen Leben‹. |
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Hochschulsatire mit echtem Hintergrund
Vier Jahre nach seinem letzten Roman ›Namenlose Überfahr legt der
Münchweilerer Autor Erich Dauenhauer einen Prosaband unter dem Titel
›Silberhändchen – Erzäh-lung aus den Grauzonen‹ vor. Es handelt
sich um eine Satire auf die Hochschule, die der Autor in einer Niedergangsphase
sieht. Dauenhauer weiß wovon er spricht und schreibt: Fast 33 Jahre
hatte er an einer Pfälzischen Universität einen Lehrstuhl für
Wirtschaftswissenschaft inne, kennt sowohl als Professor, Fakultätsdekan
und Senats-mitglied das Innenleben der hohen Schule aus langer Erfahrung.
Auch als Emeritus hält er immer noch Vorlesungen und blickt auf die
wundervolle - und die dunkle Seite der Hochschule. Genau diese Doppelsicht
schildert er in ›Silberhändchen‹, worin al-lerdings besonders die
Schattenseiten satirisch aufgespießt werden. Seine stark ver-fremdeten
Erfahrungen packt er in eine biographische Professorengeschichte von atemberaubender
Spannung und Erheiterung. Auch Bildungspolitiker bekommen ihr Fett ab,
weil sie in völliger Verkennung des Universitätslebens - darüber
hat der Autor vor drei Jahren eine bundesweit beachtete Streitschrift mit
dem Titel ›Die Universität als Lebensform und Reformopfer‹ verfaßt
- eine der Hauptfiguren mit naiven Fragen bedrängen. Und so lässt
Professor Eckenrodt die Volksvertreter in einem parlamentari-schen Untersuchungsausschuß
prompt auflaufen. Gegenspieler Eckenrodts ist der Rek-tor, den man Silberhändchen
nennt... Er hat... ein raffiniertes Netzwerk aufgebaut, mit dem Intrigen
und Rechtswidrigkeiten gedeckt werden. Wie es die Leser bei Dauenhau-er
gewohnt sind, werden die Szenen aus mehreren Perspektiven an- und ausgeleuchtet.
Am heitersten sind wohl die inneren Monologe des Fahrers und der Sekretärin
Silber-händchens.
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Leseprobe
| Silberhändchen
V Das ist Vorschrift. Der Gärtner hat in solchen Fragen sogar das gleiche Stimmrecht wie ein Professor. So will es das Hochschulgesetz. Nur wenn Forschung und Lehre berührt werden, entscheidet die Stimmenmehrheit der Professoren. An die Kollegen Abgeordneten gewandt: Das war sicherlich vom Gesetzgeber so nicht gewollt. Oder täusch' ich mich da? Immerhin liegt die diesbezügliche Parlamentsdebatte schon einige Jahre zurück. Abgeordneter Wechselberg: Herr Vorsitzender, alle Fraktionen des Hohen Hauses hielten es damals für einen demokratischen Fortschritt, die verkurstete Professorenherrschaft zu brechen. Daher sollten ausnahmslos alle Mitglieder einer Hochschule, auch ein Gärtner, am Willensbildungsprozeß beteiligt werden. Eine Laienmitwirkung lag durchaus im Sinne des Parlaments, wenn mir dieser Hinweis erlaubt ist. Abgeordneter Rotbein: Dazu steht meine Fraktion auch heute noch! Ob Gärtner oder Sekretärin, sie besitzen nicht weniger gesunden Menschenverstand als ein Akademischer Rat oder ein Professor. Und darauf kommt es doch wohl in erster Linie an, wenn Notenständer anzuschaffen sind, nicht wahr? Vorsitzender: Wie meinen Sie das, Herr Kollege? Im Falle der Anschaffung von Notenständern könnte sich nämlich ein Gärtner fragen, was besser ist: Blumensamen oder eben Notenständer? Das wäre doch eine vernünftige Abwägung. Daher sage ich: Was vor Jahren richtig war, kann heute nicht falsch sein! Abgeordneter Rußriegel: Meine Fraktion hatte seinerzeit gewisse Vorbehalte, wenn Sie sich erinnern wollen. Nur schweren Herzens stimmten wir dem neuen Hochschulgesetz zu, um in Wahlkämpfen nicht als Anti-Demokraten abgestempelt zu werden. Vorsitzender: Herr Professor Eckenrodt, wir haben Sie als Sachverständigen vor den Ausschuß geladen, um von der Basis etwas über die Auswirkungen der Hochschulreform zu erfahren. Sie als Mann der Kunst und Wissenschaft haben vielleicht ganz andere Erfahrungen gemacht als Philosophieprofessoren an großen Universitäten. Sehe ich das richtig? Darf ich, um meine Ausführungen besser veranschaulichen zu können, den Damen und Herren Abgeordneten etwas vorschlagen? Könnten Sie zu dieser Ausschuß-Sitzung einen Ihrer Parlamentsportiers und eine Fraktionssekretärin hinzuziehen? Mit vollem Frage- und Stimmrecht, meine ich, als Vertreter ihrer Gruppen im Parlamentsgebäude? Vorsitzender: Wollen Sie uns auf den Arm nehmen? Zwischen einer Hochschule und der Legislative bestehen Unterschiede. Sie verkennen den besonderen Auftrag des Parlaments! Ganz und gar nicht, Herr Vorsitzender, ich denke nur an die von Ihnen so geschätzte Laienmitwirkung und an den gesunden Menschenverstand. Was für Hochschulen richtig ist, kann doch für Parlamente nicht falsch sein. Auch nicht für Ministerien, scheint mir. Unglaublich, so was von einem Hochschullehrer zu hören. Allgemeines Nicken. Ich fordere Sie auf, endlich mit Ihrem Referat zu beginnen. Ich bitte um Nachsicht, aber zwischen dem gesunden Menschenverstand einer Fraktionssekretärin und demjenigen eines Hochschulgärtners erkenne ich keinen Unterschied. Ich rufe Sie zur Ordnung! Sprechen Sie bitte zum Thema! Und unterlassen Sie unpassende Vergleiche! Worin sich ein vom Volk gewählter Abgeordneter von einem Professor unterscheidet, weiß doch jedes Kind! Ich dachte nur, was sich eine Hochschule von einem Portier oder Gärtner versprechen darf, sollte sich ein Parlamentsausschuß nicht entgehen lassen. In puncto Mitbestimmung sind an Hochschulen alle mit von der Partie: Gärtner, Sekretärinnen, Kopierer... So kommen wir nicht weiter! Sie wollen, wenn auch unpassend, sagen, daß die Herren Professoren von den gesetzlichen Mitbestimmungsrechten nicht viel halten. Sie fühlen sich offenbar dadurch beeinträchtigt. Doch allenfalls in der Forschung. Nicht nur dort. Ein Zwischenrufer: Der mißachtet das Parlament! Dem Vorsitzenden gelingt es nur unter Mühen, den Ausschuß zu beruhigen. Er betätigt mehrfach eine Glocke. Mein Vater hat mir als Junge beigebracht, daß Reformer ihre Fortschrittsideen bevorzugt an anderen ausprobieren. Mein Vater war Arbeiter. Wir wollen mal ausnahmsweise nicht so empfindlich sein, meine Damen und Herren Kollegen. Es geht Herrn Eckenrodt offensichtlich nur darum, uns seine Meinung drastisch vor Augen zu führen, nicht wahr? Abgeordneter Rotbein: Wollten Sie mit Ihrem Vorschlag demonstrieren, daß demokratische Prinzipien für Hochschulen nichts taugen? Sie sind für Hochschulen so tauglich wie für Parlamente. Oder wie für Ministerien. Vorsitzender: Aber mit Ihren Vergleichen liegen Sie doch total schief! Das sollten Sie doch endlich einsehen. Sie selbst haben zugestanden, daß bei speziellen Fragen der Wissenschaft und Kunst allein die Mehrheit der Professoren maßgebend ist. Dann möchte ich den Damen und Herren Abgeordneten ein anderes Beispiel bringen. Bitte nicht! Mit Beispielen sind wir genug eingedeckt! Oder haben Sie einen aktuellen Fall parat? Hab' ich. Einen brandaktuellen sogar. Im letzten Semester schrieben wir eine Stelle für Musikwissenschaft aus. Gewünschter Schwerpunkt: helles Blech. Zumindest ein Helltöner sollte es sein. Abgeordneter Wechselberg: Was es alles gibt! Zur Kandidatenvorstellung war auch der Gärtner einzuladen. Schon wieder der Gärtner! Er wirkt im Berufungsausschuß als Vertreter der Gruppe nichtkünstlerisches Personal mit. Vermutlich war er von seiner Gruppe deshalb in den Ausschuß gewählt worden, weil er im städtischen Spielmannszug die große Tragtrommel schlägt... Copyright by WALTHARI®
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Republikanisch-satirische
Essays
WALTHARI |
Aus dem Inhalt
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Buchhandelspreis: EURO 8,-
92 Seiten, flexibler Einband
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Leseprobe
| Republikanisch-satirische Skizzen: An
freien deutschen Hochschulen
Bild 3 (1978)
Das Auswechseln von Termini kann listiges Vergnügen bereiten: Fachbereich statt Fakultät und so fort. List und Vergnügen im Amt sind ihm fremd. Sein wacher Stundenaufguß in den Nächten ist seit der Wende angefüllt mit Rundschreiben, die ihm das Dekanat in das Postfach legt. Man verlangt, daß er Lehrkapazitäten berechnet und die Studienordnung seines Faches nach vorgegebener Dezimalklassifikation formalisiert; daß er mündliche Prüfungen nach einem Einheitsprotokoll standardisiert und stets seine Urlaubsanschrift beim Dekanat hinterläßt. Gelegentlich reichen die Büros fehlerhaft ausgefüllte Papiere an ihn zurück, mit Sichtvermerken rechts oben. Er gibt sich Mühe. Das Einheften der Senats-, Fachbereichs- und anderer Beschlüsse in die Ordner besorgt er selbst. Es herrscht eine buchhalterische Ordnung, die Gremienleiter sind stolz darauf und können ohne Sorge einer Prüfung des Landesrechnungshofes entgegensehen. Auf dem Weg zur Bibliothek trifft er des öftern Kollegen oder Büroangehörige. Sie fragen, ob er sich zurechtfinde, und loben seine gesunde Gesichtsfarbe. Er erkundigt sich nach den allerneuesten Beschlüssen. Vor Jahren hat man ihn von der Zugehörigkeit fast aller Gremien überredend entlastet, und nun muß er Rundschreiben und Protokolle besonders sorgfältig studieren und auf dem Weg zur Bibliothek die letzten Auskünft einholen. Er geht häufig nur aus diesem Grunde zur Bibliothek. Darüber kann er seine gewohnten Lesestunden an den Dienstag- und Freitagnachmittagen vergessen. Die Gespräche vor den Leseräumen sind notwendiger geworden als das Studium der wissenschaftlichen Zeitschriften. Es geht das Wort vom Altersfleiß der alten Herren. Sogar der Herr Präsident hat sich unlängst, bei der Verabschiedung eines noch älteren Kollegen, des Wortes bedient und ein allgemeines Lob ausgesprochen: Man beobachte mit Anerkennung, ja Bewunderung, wie aktiv die verehrten älteren Kollegen noch am akademischen Leben teilnähmen und die erforderlichen Reformen mittrügen. Noch zwei Jahre bis zur Emeritierung. In den wachen Aufgußstunden bespricht er mit seiner Frau, ob er früher dem Amte entsagen solle, um der Pensionierung und dem anderen zuvorkommen. Seit der Wende hat er keinen neuen Text veröffentlicht. Rechnungshöfe fragen danach nicht. Copyright by WALTHARI®
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