Glossen
15. Februar 2008
Rentabler Opfermythos
Es muß unsäglich schwierig sein, aus einem
über Jahrzehnte gepflegten Opfermythos auszusteigen. Der fiktionale
Überschuß an dieser eingelebten Haltung versperrt bekanntlich
den Blick auf die Gegenwart und auf das eigene Schuldkonto. Die klassischen
Nachkriegsbeispiele dafür sind Polen und die Tschechei, die unter
den Nazijahren schwer gelitten haben, aber durch verbrecherische Vertreibungen
von zwölf Millionen Deutschen schwere Schuld auf sich selber geladen
haben, zu der sie sich bis heute nur halbherzig (Polen) oder gar nicht
(Tschechien) bekennen. Es war über ein halbes Jahrhundert bequem und
politisch durchaus einträglich, sich als reines Opfer zu präsentieren.
Auf die Frage, ob es nicht an der Zeit wäre, vom
Opfermythos endlich Abschied zu nehmen, antwortete dieser Tage der polnische
Filmemacher Andrzej Wajda: »Ich glaube, das muss tatsächlich
sein.« Aber sogleich wird eingeschränkt: »Dieser Mythos
stammt aus der Zeit der polnischen Teilungen und Diktaturen. Heute ist
Polen ein normales Land.« Wirklich? Hatte nicht die Staatsanwaltschaft
in Krakau ein Verfahren gegen den polnischen Autor Jan Tomasz Gross wegen
Beleidigung des Polentums eingeleitet, weil er an die schlimmen antisemitischen
Tendenzen seiner Landsleute nach dem Zweiten Weltkrieg erinnert hatte?
In seinem Buch ›Angst‹ beschreibt er die mörderischen Pogrome in Kielce,
Krakau und Rzessow. Auch Regisseur Wajda hängt immer noch an einer
historischen Unwahrheit, wenn er meint: »Hinter dem, was Hitler getan
hat, stand das (!) deutsche Volk,«
Doch der Opfermythos ist keineswegs eine singuläre
Spezialität vieler Polen. Tschechien läßt sich die Spitzenposition
seit einem halben Jahrhundert darin nicht nehmen. Aber auch in Dänemark,
Belgien, Holland, Frankreich, Slowenien und sogar in Österreich sowie
in dem mitfaschistischen Italien geht ein Raunen durch das Land, wenn auf
das eigene Schuldkonto hingewiesen wird. Frankreich hatte sein Vichy usw.
An den Ausdruck Tyske svin, deutsches Schwein, wurde in Dänemark
jüngst wieder erinnert, als Knud Romer seinen Roman ›Wer blinzelt,
hat Angst vor dem Tod‹ vorlegte, in welchem ein Klima des Hasses auf die
Deutschen beschrieben wird, das weit über die Zeit 1945 anhielt. Die
Romanheldin traute sich noch 1950 kaum auf die Straße, »so
feindselig« war die Stimmung. Der Romanautor resigniert: »Wenn
177 Seiten Prosa skandalisiert werden, kann man als Autor nur weinen.«
© Univ.-Prof. Dr. E. Dauenhauer. Aus:www.walthari.com
Interpretationen
25. März 2008
Gigantische Volksbetrügereien
Es gibt laute und leise Volksbetrügereien. Die laute
Sorte bediente sich vor der Erfindung des Buchdrucks häufig der Kanzel
als Propagandainstrument (so bei der Vorbereitung der Kinderkreuzzüge),
danach der Flugschrift und der Zeitung. Im 20. Jahrhundert kamen das Radio
(man denke an seine Rolle im Zweiten Weltkrieg) und das Fernsehen hinzu.
Wer dem Volk was vormachen will, rührt meist die Trommel zur Propagandaschlacht.
Das war beim Irakkrieg nicht anders als beim Europa-Imperialismus Napoleons.
Es gibt aber auch die leise Sorte von Volksbetrügereien.
Hierbei haben es die Mächtigen genau auf das Gegenteil angelegt: je
unbemerkter, um so besser. Ja nicht auf den Vorgang in seiner Schwere aufmerksam
machen. Dazu rechnet die millionenfache, ungesteuerte Immigration von zumeist
ungelernten Arbeitskräften aus Ländern mit völlig verschiedener
Kultur. Es waren vor allem die Konzerne, die auf diese billigen Arbeitskräfte
setzten, ohne die sozialpolitischen Folgen verantworten zu müssen.
Einmalig dabei: Ideologische Gegner arbeiteten darin Hand in Hand.
Denn ins Konzept der linken Meinungsführerschaft (von der 68er-strammen
taz über linke Qualitätsblätter bis zur politisch korrekten
Tönung in den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten) paßt(e)
die Multikulti-Illusion so gut wie das Kostendenken der Dax- und M-Dax-Manager,
deren Honorierungen davon nicht wenig profitieren. Die schwerwiegenden
sozialpolitischen Lasten (Sozialdotierung, Parallelgesellschaft, Kriminalität
usw.), die vorhersehbar waren (vgl. die zahlreichen WALTHARI-Beiträge),
wurden der Allgemeinheit angelastet. Dazu zwei Beispiele: Seit Jahren sind
prozentual doppelt so viele Ausländer arbeitslos als Deutsche (2006:
23,6 % gegenüber 11,0 %). Rechnet man Deutsche mit Migrationshintergrund
ein, lautet das Verhältnis sogar 3:1. Die ›Stütze‹ für Immigrantenfamilien
übertrifft in manchen Städten diejenige für Deutsche um
das Vielfache (auch in absoluten Zahlen). Beispiel zwei: Nach Angaben des
›Vereins Deutsche Sprache‹ (VDS) leben in Deutschland eine Million (!)
junger Menschen aus dem Immigrantenmilieu ohne auch nur annähernd
ausreichende Kenntnisse der deutschen Sprache. Der VDS: »Eine Millionenstadt
voller sprachloser Menschen im allerbesten Alter.« Man lese dazu
das Urteil des Berliner Arbeitsgerichts vom 29.9.2007 (Az 14 Ca 10356/07)
oder den windigen BIBB-Report 4/08 über ›Migrantinnen und Migranten‹.
Fragt man Bezieher unterer und mittlerer Einkommen sowie
Rentner, was sie vom Euro im Vergleich zur DM halten, bekommt man regelmäßig
zu hören: Volksbetrug. Kein Wunder, wenn man auf die geschwundene
Kaufkraft schaut. Ein Rentner mit ehemals 1.400 DM konnte gut leben. Mit
seinen umgerechnet etwas mehr als 700 Euro ist er in die Armutsfalle geraten.
Rechnet man den Kaufkraftverlust makroökonomisch hoch, so ist, bezogen
auf ein Volkseinkommen von derzeit rund 1.800 Mrd. Euro, ein gigantischer
Wertverlust des Geldes zu verzeichnen: Mindestens fünfzig Milliarden
Euro waren es im Jahr 2007; seit der Währungsumstellung sind weit
mehr als 200 Milliarden Euro an Wertverlust zu verzeichnen. Schon
tägliche Preisvergleiche bestätigen es schlagend: An die Stelle
der alten DM-Preise sind sehr häufig gleichhohe Europreise getreten,
was nichts anderes bedeutet, als daß mit einem Euro nicht mehr
gekauft werden kann als früher mit einer Mark. Dennoch bejubeln die
Mächtigen in den Parteien, Medien und Konzernen den Währungsaustausch
und suchen jede Kritik zu unterlaufen. Schon vor Jahren wurde in diesem
WALTHARI-Portal
das Trügerische im HVPI (Harmonisierter Verbraucher-Preis-Index) der
EZB (Europäische Zentral-Bank) aufgezeigt. Eine Inflationsrate von
2,7 Prozent amtlich auszuweisen, klingt in den Ohren von Millionen von
Rentnern und Geringverdienern wie Hohn.
© Univ.-Prof. Dr. E. Dauenhauer. Aus:www.walthari.com
Tagebuchnotizen
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