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Sonderdruck 2008

 25.  Jg. 
 49/2008



  ISSN 0930-3279         www.walthari.com 
»Das Elsaß ist wie ein zerbrochener Spiegel.«
    Redewendung unter Elsässern

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Heft 49/2008

 25.  Jg. 
 49/2008



  ISSN 0930-3279         www.walthari.com 
     
    Aus dem Inhalt
     
  •  Zu diesem Heft
  • WALTHARI-Rückblende
  • Alles
  • Über die Unhintergehbarkeit des Religiösen im Literarischen
  • Weltwägung nach dem Aussterben des Homo sapiens naturalis
  • Zur weltgeschichtlichen Krise und Wiederkehr der Religion
  • Gestörte Sprachverwandtschaften
  • Gewißheit und Zweifel
  • Eine religionsphilosophische Anfrage
  • Christliche Weltliteratur
  • Bisher erstellte Verzeichnisse
  • Verzweckungen und andere religiöse Verlustanzeigen
  • Theaterwelten – Exzentrik schlägt Normalität 
  • Die elsässische Doppeltragödie
  • Tagebuchnotizen im Halbjahr der Selbsttäuschungen
  • Buch- und Medienbesprechungen
  • Tagebuchstichwörter der Hefte 21 - 49
  • Namensverzeichnis
  • Stichwortverzeichnis

Einzelpreis: EUR 10,00,-  zzgl. Versandkosten
117 Seiten,  flexibler Einband
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Leseprobe


20. Oktober 2007

EINE RELIGIONSPHILOSOPHISCHE ANFRAGE

Sehr geehrter Robert Spaemann,

die gewiß zu grobe Skizze, die Sie als Anlage zu diesem Schreiben finden, könnte man zunächst, ganz im Sinne Hegels, religionsphilosophisch so verstehen, dass es genügt, »die Vernunft der Religion zu zeigen«. Kant hatte bekanntlich gefordert, daß es in aufgeklärten Zeiten der Philosophie erlaubt sein müsse, den »Ursprüngen (der Religion) mit kritischer Bedenklichkeit nachzuspüren«, da nur dasjenige »unverstellte Achtung« beanspruchen könne, was »ihre (der Vernunft) freie und öffentliche Prüfung... aushalten« kann (KrV, XI, Anmerkung). Doch fehlt es nicht mehr, so scheint es mir nach über zweihundert Jahren scharfer Religionskritik, an harten Prüfungen. Religionskritische Schriften füllen ganze Bibliotheken und halten übergekippte Spätaufklärer mit historischen Zitaten bei kritischer Laune: Religion sei nichts weiter als »Schwärmerei« (d’Holbach) oder eine entlastende »universelle Zwangsneurose« (Freud). Die intellektuelle Gegenwehr war schwach und kam mit der psychoanalytischen Deutungshoheit über Dichtung und Religion, sogar das Strafrecht nicht ausgenommen, ins klägliche Hintertreffen. Die kirchlich-dogmatische und auch die theologische Gegenrede bot kein angemessenes Argumentenarsenal, um im intellektuellen Meinungsbetrieb für Gegenunruhe zu sorgen. Die Probe ist handkehrum anzustellen: Jeder halbwegs Gebildete hat mehrere religionskritische Zitate bei der Hand, aber kaum eines aus dem Widerlager.
Wenn sich nun das Szenario zu wandeln beginnt (s. Anlage), so hat das offensichtlich zwei Ursachen, die am wenigsten den christlichen Religionseliten zu verdanken sind. Was derzeit schockiert...
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