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Glossen
6. Januar 2012
Archäus.
Für Paracelsus war er der spiritus vitae, der Geist des Lebens und
die »innerliche Haupt-Ursache… Im menschlichen Leib ists das principium
vitale, welches alle functiones verrichtet« (Werke, Bd. V, Basel
2010, S. 410). Das entspricht dem chinesischen Chi-Begriff, mit dem man
seit alters die Lebensenergie bezeichnet. Darüber hinaus geht allerdings
Paracelsus mit dem quantenpragmatisch anmutenden Satz: »Ebenso
wie ein Bildschnitzer ein Holz nimmt und schnitzt daraus, was er in Gedanken
hat, ebenso schafft die Imagination mit der Lebenskraft.« Eine
geradezu sensationell anmutende Hellsicht, die seit der Antike immer mal
wieder aufblitzte, aber erst mit der Quantenphysik (vgl. Dürr u.a.)
festen Boden unter den Füßen hat. »Der Geist ist der
Herr, die Imagination das Werkzeug und der Körper der bildsame Stoff«
(Paracelsus). Daß man das Archäus-Phänomen esoterisch und
okkultisch mißbrauchte, schmälert nicht seinen salutogenetischen
Status.
Was lehrt die
Wulff-Affäre? Betrachtet
man die Wulff-Affäre strukturell statt im Hin-und-Her-Gewürge,
so bestätigt sie dem aufgeklärten Bürger, was er schon lange
weiß: 1. Das parteipolitische Spitzenpersonal in Deutschland ist
miserabel (aufgrund anpasserischer Aufstiegskuren und autistischer Lebensferne).
2. Die letzte Macht in der Republik beanspruchen die Medien; stellt man
dieses postdemokratische Postulat infrage, mutieren selbst sog. Qualitätszeitungen
zu Kampagneblättern und verlangen ihr Opfer; nicht die Parlamente
oder die Justiz haben Wulff auf Bewährung verurteilt, sondern die
mediengräfliche Oberklasse und die Boulevardpresse. 3. Das Bürgerurteil
läßt man in Umfragen versanden. 4. Die eingespielte Rangordnung…
5. Am auffälligsten ist freilich, daß…
Eurodesaströse
Nachhut. Täglich
melden sich blamierte Großbaumeister der eingestürzten Währungsbaus
zu Wort, um bei der Besichtigung des Trümmerhaufens (Rechtsbrüche
und Staatskrisen in Serie u.v.a.) …
Waldrassismus.
Das Deutsche Historische Museum in Berlin stellt in seiner Ausstellung
›Unter Bäumen – Die Deutschen und der Wald‹ den Baumwuchs in Deutschland
unter schweren Verdacht. Er habe, so zu denken kann sich der Besucher animiert
fühlen, mit seinem Charme zu einem waldhaften Nationalcharakter geführt
und im übersteigerten Mythos den rassistischen Kahlschlag der Nazi
mitzuverantworten. Nicht einmal Bäume verschont man hierzulande vom
Ideologieverdacht. Die Ausstellung verleitete die NZZ (Nr. 292/2011, S.
21) zu der bösnachbarlichen Volte, dass die Waldschwärmerei zwar
auch in Österreich und der Schweiz zu beobachten sei, aber »nirgendwo
war die Angst vor dem Waldsterben… größer als beim nördlichen
Nachbarn«. Beim Waldsterben im Amazonasgebiet darf ebenfalls anders
gedacht werden. Deutschsein ist eben ein Dauermakel und ein Lustsujet für…
Erich Dauenhauer
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