| 20. März 2008
Bemerkenswerte Zitate
Teil 20
August 2007
»Für mich ist nicht belegt, dass es einen
generellen Schießbefehl gab.«
Lothar Bisky, ehem. Chef der ›Linke‹, über ein Dokument zum
Schießbefehl für Stasi-Truppen an der innerdeutschen Grenze,
im August 2007, zitiert in: FAS Nr. 5/2008, S. 9.
»Die Terroristin mit dem Heiligenschein«
NZZ über Ulrike Meinhof am 25. Febr. 2008, S. 29.
Heide-Simonis-Syndrom
»Wenn Ypsilanti die Linke jetzt erstmals im Westen
in den Rang eines Quasi-Koalitionspartners hebt, stärkt sie die Linke.
Sie tut das übrigens auch deswegen, weil sie unbedingt Ministerpräsidentin
werden will, weil auch sie am Heide-Simonis-Syndrom (›Und wo bin ich dann?‹)
leidet. Der Parteichef Beck hat endgültig ein gewaltiges Glaubwürdigkeitsproblem.
Beck ist für Ypsilantis Hierarchie von Versprechen und Lüge mitverantwortlich.
«
Kurt Kister in: SZ Nr. 55/2008, S. 4
Verlust der Glaubwürdigkeit
»Die Mehrheit der Parteitagsdelegierten und wohl
auch der Bundestagsfraktion hielt zu dem Zeitpunkt den Embryonenschutz
für höherrangig als den Spielraum der Forscher. Mutmaßlich
sechzig bis siebzig Prozent der Delegierten hatten eine andere Meinung
als Frau Schavan und hielten diese Frage für eine der seltenen Proben
auf der ›C‹ im Parteinamen. Diese Mehrheit erst zerfließen zu lassen,
indem die Parteitagsregie zusah, wie rund 350 Delegierte vorzeitig zum
vergnüglichen Abend abschwirrten (die Busse wären aufzuhalten
gewesen), und dann den Rest in die Enge zu treiben, indem nach den Gegnern
eine geballte Riege von Stichtagsverschiebern das Wort erhielt und schließlich
die Kanzlerin mit einer angeblichen, in sich widersprüchlichen Kompromißformel
das Wort nahm, war ein dramaturgisches Meisterstück.«
Georg-Paul Hefty in: FAS Nr. 49/2007, S. 12
»Merkel hat sich durchgesetzt, aber der CDU die
fast letzte Möglichkeit genommen, das C zu rechtfertigen.«
Georg-Paul Hefty in: FAS Nr. 49/2007, S. 12
Parteiwille vor Abgeordnetengewissen
»Man muß auch festhalten, daß der Bundesvorsitzende
Kurt Beck jede Glaubwürdigkeit bei der Frage verloren hat, ob er sich
mit den Stimmen der Linkspartei zum Bundeskanzler wählen läßt.
Nicht einmal ich würde es ihm abnehmen, wenn er das jetzt noch verneint.«
Jürgen Walter in: SZ Nr. 55, S. 5.
April
»Berlin ist mir eine Spur zu hoch. Ich habe immer
das Gefühl, dass alles so unehrlich und übertrieben ist. «
Roswitha Beck, Ehefrau von SPD-Chef Kurt Bek, in: FAS Nr. 52/2007,
S. 8..
Judenvertreibung in Polen 1968
»Erst jetzt, vierzig Jahre nach dem sozialistischen
Pogrom, will Polen den Juden die Staatbürgerschaft zurückgeben.
Aber nicht alle brauchen sie jetzt mehr. Die jüdischen Emigranten
von 1968 haben bedeutende wissenschaftliche Karrieren auf der ganzen Welt
gemacht. Sie haben die Kulturen der Länder bereichert, in denen sie
leben – verloren hat allein Polen.«
Leo Kantor in: FAS Nr. 11/2008, S. 9.
Folterverbot versus Tötungsverbot
»Das Folgerverbot wiegt in der Tat schwerer als
das Tötungsverbot, weil die Folter eine zentrale Struktur der modernen
Gesellschaft berührt. Mit Tötungen dagegen muß jede Gesellschaft
fertig werden... Die Norm ist wichtiger als die Unversehrtheit
des Körpers und das genetische Programm wichtiger als das individuelle
Leben. Beides hat mit Moral nichts zu tun. Aber es stößt den
Höchstwert des Lebens so deutlich vom Sockel seiner Einzigartigkeit,
daß man nicht mehr zu fragen braucht, was Leben eigentlich ist. Jedenfalls
geben Bibel und Anthropologie dem baden-württembergischen Polizeigesetz
gegen das Bundesverfassungsgericht recht.«
Gerd Roellecke in: FAZ Nr. 280/2007, S. 35.
Öffentliches Interesse am Rechtsbruch
»Aber oft besteht auch ein finanzielles Interesse
der öffentlichen Hand am Rechtsbruch. Das gilt vor allem für
die Länder. Überaktiv zeigen sich auch die Zollbeamten, die seit
dem Wegfall der Grenzkontrollen Aufgaben im Bereich Arbeitsstrafrecht übernommen
haben, zum Beispiel für die Durchsetzung des Entsendegesetzes. Sie
verfolgen solche Vorgänge wie kriminelles Unrecht... Die Belange
der Arbeitgeber werden fast immer ignoriert.«
Alexander Ignor in: FAZ Nr. 4/2008, S. C 2..
Politiker gegen Verfassungsrichter
»Alle grundrechtlich geschützten Bereiche
enden irgendo. Wo diese Grenzen sind, wie man die gegensätzlichen
Interessen abgrenzt, ist Sache des Gesetzgerber. Ich verstehe, daß
manche Verfassungsrichter gern Ratschläge geben würden. Dazu
sind sie aber nicht demokratisch legitimiert. Sie haben – und das ist genauso
wichtig – zu entscheiden, ob rechtliche Regeln eingehalten werden. Wenn
sich alle an diese Begrenzungen der Kompetenzen halten, ist es ein fruchtbares
Miteinander.«
Wolfgang Schäuble in: WaS Nr. 3/20089, S. 4
Lafontaine lobte Honecker
»›Man wird Erich Honecker nicht zum Partner haben
können, wenn man ihn als Kommunisten nicht respektieren kann‹, schrieb
Lafontaine über den SED-Chef, der ›beim Volk nicht einmal unbeliebt‹
sei.«
Zitiert in: FAS Nr. 11/2008, S. 3.
Bildung und Qualifizierung
»Bildung und Qualifizierung – das ist moderne Sozialpolitik.
Nur so ist Gerechtigkeit für alle Talente jeglicher Herkunft zu gewährleisten.
Aber dazu brauchen wir Parteien, erst recht die großen, die sehr
viel tatkräftiger, mutiger und für neue Lösungen offener
an die großen Herausforderungen herangehen, als es die derzeitigen
tun.«
Wolfgang Clement in: WaS Nr. 11/2008, S. 6.
Wähler als Mittel zum Zweck
»Nein, die sozialdemokratischen Abgeordneten fühlen
sich nicht Wählern, sondern Zielen verpflichtet – die sie ohnehin
verfolgen. Die Wähler sind nur das Mittel zum Zweck. Da hat der Wortbruch
›viele Facetten‹ (Ypsilanti).«
Volker Zastrow in: FAS Nr. 11/2008, S. 14.
Sozialdemokratisch geprägte Bildungskette
»Wir haben in Rheinland-Pfalz eine Bildungskette,
die sozialdemokratisch geprägt ist und im Vorschulalter beginnt.«
Dr. Matthias Krell, SPD-Abgeordneter im Landtag von Rheinland-Pfalz
in: Staatsanzeiger für Rheinland-Pfalz Nr. 9/2008, S. 3.
»Nemo potentes aggredi tutus potest.«
Niemand kann die Mächtigen ungefährdet angreifen.
Seneca in: Medea 430.
©WALTHARI® – Aus: www.walthari.com
Wird fortgesetzt.
19. März 2008
Bemerkenswerte Zitate
Teil 19
Deutscher Feminismus
»Der deutsche Feminismus hat keine Sprache für
Liebesbeziehungen zu Männern, und auch keine für das Muttersein.
Ganze Universitätsseminare widmen sich in den ›Gender Studies‹ dem
Versuch, den Geschlechtsunterschied aus der Welt zu hüsteln, indem
man ihn als ›soziale Konstruktion‹ hinstellt. ›Zwangsheterosexualität‹
lautet das Verdikt, wenn der kleine Unterschied ins Spiel gebracht wird.«
Mariam Lau in: WaS Nr. 3/2008, S. 11.
Opfer und Täterin
»Mehr Frauen als Männer setzen Gewalt gegen
ihren Partner ein – mehr Männer als Frauen habe schon Gewalt durch
ihre Partnerin erlebt.«
Quelle: www. manndat.de
Männergesundheit? Unwichtig!
»Eine Auswertung von 3.000 medizinischen Zeitschriften
im Index Medicus ergab, dass auf 23 Artikel über die Gesundheit von
Frauen ein einziger kommt, der die Gesundheit von Männern zum Thema
hat.«
Quelle: www. manndat.de
Islamische Missionierung
»Sie meinen, die Scharia setzt sich auch bereits
in den Parallelgesellschaften in Deutschland durch? – Ja. Seit dem
Regierungswechsel 2003 haben Erdogan und seine AKP die Aufsichtsbehörde
für Religion, die Diyanet, zu einer Missionsbehörde des Islams
umgeformt. Die Anstalt verfügt jetzt über ein Budget von fast
einer Milliarde Euro und beschäftigt mehr Beamten und Vorbeter, als
es Hochschullehrer gibt in der Türkei. Allein in Deutschland beten
und leben über 800 von der Türkei bezahlte Vorbeter in den Moscheen.«
Necla Kelek in: NZZ Nr. 42/2008, S. 26.
Homogene deutsche Volksnation ade
»Die homogene deutsche Volksnation ist Geschichte.«
Birand Bingül, Kommentator der Tagesthemen, zum
Thema Integration.
Zitiert in: WaS Nr. 11/2008, S. 2
»Warum fällt es so schwer, zu begreifen, dass
man mehrere Identitäten haben – und trotzdem Deutscher sein kann«
Aliertan Toppak, Generalsekretär der Aleviten in
Deutschlend.
Zitiert in: WaS Nr. 11/2008, S. 2
Deutsches Nationalgefühl
»Wenn der Franzose sein ›Vive la France‹, der Amerikaner
sein ›God Bless America‹ oder der Engländer sein ›Rule Britannia‹
anstimmt, kann der Deutsche nur betreten schweigen. Sein Nationalgefühl
kennt keine großen Ereignisse, die man feiern könnte. Stattdessen
setzt es hauptsächlich Bedrückung und schlechtes Gewissen frei.
Jedes Kind kann sagen, warum: wegen einer Vergangenheit, die niemals vergehen
soll. Diese historische Befangenheit lähmt unser Volk, zwingt es zu
einer verzerrten Perspektive seiner selbst und übrigens auch zu einer
Verleugnung seiner eigenen Geschichte. Während viele Jahrhunderte
voll kultureller und wissenschaftlicher Errungenschaften in Vergessenheit
geraten, werden immer neue Museen, Denkmäler und Gedenkstätten
eröffnet, um an das eine schuldbeladene Jahrzehnt zu erinnern.«
Hans Olaf Henkel in: FAS Nr. 52/2007, S. 17.
BRD-Vokal
»Neiddiskussion – bis zur Aushebelung des Rechtsstaates.
Ehemaliger BRD-Botschafter zum Steuerzwist Berlin – Vaduz.«
Frank Elbe in: NZZ Nr. 48/2008, S. 37
Direkte Demokratie und Steuerehrlichkeit
»Verschiedene empirische Studien haben gezeigt,
dass ein positiver Zusammenhang zwischen Bürgernähe des Staates
und Steuermoral besteht. So ist die Bereitschaft, Steuern korrekt zu zahlen,
in der direktdemokratischen und föderalen Schweiz höher als im
zentralistischen Deutschland. Wie die letzte und die derzeit laufende Föderalismus-Reform
in Deutschland gezeigt haben, fehlt allerdings die Bereitschaft, den untergeordneten
Gebietskörperschaften mehr finanzielle Autonomie und damit den Bürgern
direkteren Einfluß und Identifikationsmöglichkeit zu geben.«
NZZ Nr. 47/2008, S. 9.
Überholte Vorstellungen der Vergangenheit
»Ich bin fest davon überzeugt, daß wir
unsere offene nationale Frage nicht lösen können, wenn wir überholten
Vorstellungen der Vergangenheit nachhängen und darüber die Zukunft
vergessen; diese Zukunft – das ist meine feste Überzeugung – wird
eine Lösung für die deutsche Frage bringen, wenn wir sie auf
der Basis von Freiheit, Menschenrechten und Selbstbestimmung für alle
Europäer und damit auch für alle Deutschen verwirklichen. Diesen
europäischen Weg zur Einheit in Freiheit weist uns schon die Präambel
des Grundgesetzes.«
Dorothee Wilms, ehemalige Bundesministerin, in: Deutschlandpolitische
Bilanz, Bonn, Januar 1989.
©WALTHARI® – Aus: www.walthari.com
25. Dezember 2007
Bemerkenswerte Zitate
Teil 18
Volkes Stimme
Quod omnes tangit, debet ab omnibus approbari.
Was alle berührt, muß auch von allen gebilligt
werden
Codex Justinianus, 5,59,5,2.
Ökodiktatur
»Man muß heute in Deutschland eher von einer
Ökodiktatur sprechen als von einer Demokratie.«
Hans Penner, 76351 Linkenheim-Hochstetten, in einem mailverteilten,
also offenen Brief an Frau Bundeskanzler Dr. Angela Merkel v. 18.12.2007,
hanspenner@gmx.de
Gesellschaftszerfall
»Wir werden alles gleichzeitig haben: Verelendung,
Dritte Welt in Deutschland und daneben einen obszönen Reichtum und
Luxus. Die Gesellschaft wird sich spalten oder zerfallen. Es wird Menschen
geben, die zwar im gleichen Land leben, aber nicht in der gleichen Welt.
Aushalten (aufhalten?) wird man das nur, wenn man die Gründe versteht.
Deshalb brauchen wir präzise Analysen.«
Herwig Birg, in: FAZ Nr. 199/2006, S. 33.
Becks Reden
»Becks Reden basieren auf dem Karteikartenprinzip.
Dem Vernehmen nach schreibt er sie selbst. Seine Freunde fürchten
seine Reden, weil sie nicht wissen, ob die gewagten Satzkonstruktionen
zu einem gütlichen Ende gebracht werden. Seine Sätze scheinen
nie zu enden. Subjekt, Prädikat, Objekt werden umgeben mit einer Fülle
von verschachtelten Parenthesen, deren Inhalt zumeist auch noch ohne Belang
ist. Doch Beck hat das nicht geschadet. Die Leute im Saal fanden immer
noch Stellen, bei denen sie klatschten.«
Günter Bannas in: FAZ Nr. 256/2007, S. 10.
Über Georges Bataille
»Man kann beobachten, daß Monsieur Bataille
einen geradezu delirierenden Verbrauch an Adjektiven hat: besudelt, senil,
ranzig, unfähig, zotig, schwachsinnig – und daß diese Wörter
ihm nicht etwa zur Beschreibung unerträglicher Dinge dienen, sondern
daß er mit ihnen aufs Lyrischste sein Wohlbehagen ausdrückt.«
André Breton
Über Johannes R. Becher
»Klar: Rosegger! Heimatkunst, der natürliche
Geruch, die berühmte ›Scholle‹. Ich meine leider weder Rosegger noch
Ganghofer! Was die natürliche proletarische Sprache anlangt, so habe
ich von dem Vers: ›O du Strahlender, Herrlicher, Glühender, Gläubiger‹
schon genug, und der hymnische Quarkkäse von Johannes R. Becher, alias
kantiger Härte, reizt auch nicht meinen Appetit.«
Alfred Döblin
Frankreichs Algerienkrieg
»Im Algerienkrieg 1954 bis 1961 haben französische
Truppen anderthalb Millionen Zivilisten umgebracht. Ganze Dörfer wurden
von der französischen Armee massakriert. Bis heute wurde keiner dieser
Mörder angeklagt.
Am 17. Oktober 1961 wurden mitten in Paris friedliche
algerische Demonstranten von der Polizei massakriert. Über 200 Menschen
wurden ermordet. Bis heute wurde keiner dieser Mörder angeklagt«.
D. Perinic in: FAZ Nr. 296/2007, S. 38.
Islamische Eroberung Europas
»Libyens Staatschef Muhammad al Kadhdhafi kündigt
in einer von einem arabischen Fernsehsender auf Video aufgezeichneten Rede
anläßlich einer Islamtagung in Timbuktu die ›islamische Eroberung
Europas ohne einen abgefeuerten Schuß und ohne Kanonen binnen einiger
Dekaden‹ an.«
Muhammed al Kadhdhafi, Staatschef Libyens, am 10. April 2006 in
Timbuktu (von einem WALTHARI-Leser eingesandt).
Literaturpreise
»Ich glaube nicht, daß Preise etwas mit Literatur
zu tun haben. Sie haben mit Marketing zu tun, nicht mit Literatur. Mir
gefällt das nicht.«
Jonathan Littell
Gar kein Deutschland mehr
»Es gibt kein ›besseres‹ Deutschland, wir wollen
kein ›antifaschistisches‹, kein ›antirassistisches‹, kein ›antisexistisches‹
Deutschland – gar kein Deutschland ist unser Ziel.«
›göttinger drucksache‹, Nr. 552 v. 29. Sept. 2006, S. 1.
Öffentlich-rechtliche Sender
»Sie tun buchstäblich, was sie wollen, und
behaupten auch noch, allein sie seien in der Lage, ein Medienangebot mit
›Public Value‹, soll heißen: mit Gemeinwohlwert, zu schaffen, ganz
so, als gebe es die freie, unabhängige Presse nicht.«
Michael Hanfeld über die öffentlich-rechtlichen Sender
in: FAZ Nr. 268//2007, S. 1.
Zweierlei Verbrechen
»Verbrechen gegen die Menschlichkeit werden von
Deutschen begangen, Verbrechen für die Menschlichkeit werden an Deutschen
begangen.«
Carl Schmitt
Die Grünen
»Die Grünen sind ihrem Ursprung nach (und
im Kern immer noch) eine linke, sogar linksradikale Bewegung.«
Günther Nonnenmacher, in: FAZ Nr. 274/2007, S. 1.
Nationale Selbstachtung der Deutschen
»Wer in seinem nationalen Gedächtnis nur noch
ein einziges Ereignis speichert, auf das alles ausgerichtet ist, nämlich
den Holocaust, der hat gar kein Gedächtnis mehr, sondern nur noch
eine Obsession. Wer die Kollektivschuld totalisiert und Ausnahmen nicht
mehr gelten läßt, der beleidigt nicht nur die echten Widerständler
und entlastet die wahrhaft Schuldigen – er zerstört auch jene nationale
Selbstachtung, ohne die Schuldbekenntnisse wertlos werden. Wer nämlich
sagt, ich nehme alle Schuld auf mich, ohne weiteres Ansehen, der nimmt
nichts auf sich. Erst die Verlängerung des empirischen Ichs ins Über-Ich
der Staatsästhetik mit ihren Gedächtnis- und Repräsentanzanforderungen
macht den Menschen zum Zoon politikon, man kann auch sagen: zum Bürger,
zum Citoyen.«
Gustav Seibt in einer Laudatio über Karl Hein Bohrer, abgedruckt
in: ›Sinn und Form‹ Juli/August 2007, S. 562.
Liebdiener
»Wie kann einer, der sich nicht oft in den Vorzimmern
der Großen aufhält, sich nicht in ihrem Gefolge befindet, keine
Loblieder singt, wie kann der dasselbe erreichen, wie der, der das alles
tut? Du bist unbillig und anspruchsvoll, wenn du, ohne jene Auszeichnungen
mit diesen Diensten zu erkaufen, sie umsonst empfangen willst.«
Epiktet in: ›Handbüchlein der Moral und Unterredungen‹.
Freie Märkte
»Denn Millionen Bürger unseres Landes haben
allein deshalb einen Arbeitsplatz, weil es freie Märkte gibt.«
Ronald Pofalla, Generalsekretär der CDU, allen Ernstes über
die ›Neue Mitte‹ seiner Partei, in: FAZ Nr. 290/2007, S. 10.
Die EU als Waschanlage
»Die größte Gefahr besteht darin, daß
Europa dank des Euro zur größten Waschanlage von Schwarzgeld
wird.«
Leoluca Orlando, ehemaliger Bürgermeister von Palermo.
Blogcencus: die neue Öffentlichkeit
Rund 140.000 Weblogs gibt es in Deutschland, die aktiv
betrieben werden, neuerdings auch von Unternehmen, die ihren Mitarbeitern
eine Plattform bieten. Die fünf führende Blog-Dienstleister beherrschen
zusammen die Hälfte des Marktes. Rund 200.000 Blogger sind in Deutschland
in der Szene aktiv, in anderen Ländern weit mehr. Weblogs animieren
in Zukunft zur Herdenbildung, etwa als Protestforum von Wählern und
Verbrauchern. Eine US-amerikanische Plattform schafft es bis zu 250.000
Stimmen täglich, um Firmen an den Pranger zu stellen. Diese anschwellende
Bürgerbewegung bereitet insbesondere den Parteien heute schon großes
Unbehagen.
©WALTHARI® – Aus: www.walthari.com
Inflationsprognose
Im Monatsbericht Dezember 2007 der Deutschen Bundesbank
kann man auf Seite 17 lesen: »Die Teuerungsrate... dürfte im
Durchschnitt des Jahres 2008 wie schon im laufenden Jahr... 2,3 % betragen.«
Man muß kein Finanzwissenschaftler sein, um über diese Prognose
den Kopf zu schütteln. Nicht allein die enorm gestiegenen Rohstoff-
und Energiepreise, auch die vielen hundert Milliarden leichtes Geld, das
die Zentralbanken bereitgestellt haben, um die Bankenkrise abzuwehren,
werden die Inflation hochtreiben. Und dazu die anstehenden Lohnforderungen,
die erstmals seit Jahren kräftig auf die Unternehmenskosten durchschlagen
werden. Auch die Bundesbank denkt manchmal zu politisch. Man wird
sie im Dezember 2008 an ihre (Fehl-)Prognose erinnern müssen. Bereits
gegenüber der kriminellen Staatsverschuldung war sie allzu lange halb
blind.
© Univ.-Prof. Dr. E. Dauenhauer. Aus: www.walthari.com
2. Dezember 2007
Zum Lachen
Sie: Vieles reizt zum Schmunzeln.
Er: Eigentlich alles. Und nicht nur zum
Schmunzeln.
Sie: Du meinst, alles sei zum Lachen?
Er: Fast alles. Im Leben wie in der Kunst.
Sie: Besonders in der Politik.
Er: Die gehört zum Leben wie ein Hustenreiz
im Konzertsaal. Oder beim Küssen.
Sie: Sie stört also beim Glücklichsein.
Er: Nicht nur dabei. Sie verstört
das ganze Leben, wenn man zu lachen vergißt.
Sie: Wenigstens zerstört sie bei uns
nicht mehr Leib und Leben.
Denn bei diesem
Zerstören und danach gibt’s nicht mehr zu lachen.
Er: Wohin führst du mich?
Sie: Zu einem Soldatenfriedhof. An diesem Ort
vergeht dir das Lachen.
Er: Dir etwa nicht?
Sie: Manche Mütter haben nach dem Heldentod
ihrer jungen Söhne durchgedreht und im Wahnsinn gelacht.
Er: Du siehst, das Lachen kennt keine Grenzen
und spart keinen Ort aus.
Sie: Dann wäre es ja gleichgültig, wohin
wir gehen?
Er: Ja, denn alles ist Komödie.
© Erich Dauenhauer. Aus: www.walthari.com
Aus: ›Im Garten der Ironie. Stich-Worte zwischen Lachen
und Lächeln‹, in: WALTHARI-Heft 28/1997, S. 29.
29. Oktober 2003
Sprachseparatistisches Schweizerdeutsch
Das Schwyzerdütsch ist auf dem Wege, sich von seinen
letzten Bindungen am Hochdeutschen zu verabschieden. Das ist durchaus die
Absicht vieler Eidgenossen in der deutschsprachigen Schweiz, die eine Abtrennung
auch öffentlich begrüßen und vermehrte Dialektsendungen
in Rundfunk und Fernsehen fordern. Neben dem Röschtigraben zur welschen
Schweiz hebt man an der Grenze zu Deutschland eifrig einen Sprachgraben
aus, der mit den Dialektunterschieden zwischen dem Bayerischen und Schwäbischen,
Pfälzischen und Hessischen usw. nicht vergleichbar ist. Die Sprachgräber
buddeln aus politischer Trennungsgesinnung und haben die Abschottung bereits
soweit getrieben, daß sich innerschweizerischer Widerstand gegen
das völlige Ausklinken aus der am Hochdeutschen orientierten Sprachgemeinschaft
regt. Die Trenntendenzen haben bisher kaum die Schriftsprache erfaßt,
nach wie vor erscheinen die Zeitungen in Basel, Zürich usw. in hochdeutscher
Fassung (mit landesspezifischen Einsprengeln). Doch auch beim Gedruckten
sind Trennungsansätze zu beobachten: Homer wird in Berndütsch
(Bernerdeutsch) angeboten, und zwar mit der umwerfenden Begründung,
dem Berndütsch sei der Hexameter eingeboren. Den Trennungsprozeß
vollzogen hat längst die gesprochene Sprache im Alltag und im Geschäftsleben,
in Schulen und in den Funkmedien, welche zügige Schrittmacherdienste
vollziehen. Für einen Großteil der Jungschweizer südlich
des Bodensees ist das Hochdeutsche bereits eine Art Fremdsprache geworden.
Schüler und Arbeitnehmer, die hochdeutsch reden, werden gemobbt, und
zwar regelhaft, berichten die Medien. Wer in der Schweiz heimisch werden
will, muß sich dialektsprachlich unterwerfen.
© Univ.-Prof. Dr. E. Dauenhauer. Aus:www.walthari.com
Bemerkenswerte Zitate
Teil 17
Verbotsgesellschaft
»Jedenfalls treibt die kleinbürgerliche Auseinandersetzung
um Verbote aller Art bereits seltsamste Blüten. So wird derzeit im
Kanton Bern (wo ein weitreichendes Werbeverbot in Kraft getreten ist) ernsthaft
darüber diskutiert, ob Frau Meier und Herr Müller künftig
noch ihren alten Sonnenschirm mit der Bierwerbung auf den Balkon stellen
dürfen. Im vergangenen Sommer wurde auf der Höhe der Feinstaub-Hysterie
nicht minder ernsthaft ein landesweites Cheminéefeuer-Verbot erwogen.
In einigen Städten wird künftig verzeigt, wer unachtsam einen
Zigarettenstummel oder einen Kaugummi wegwirft, und in Basel kann bereits
gebüßt werden, wer sich zu lange in einem Parkhaus aufhält.«
NZZ Nr. 76/2007, S. 33.
Bürgerentmündigung
»Unter dem Vorwand, es sei doch nur zu ihrem Besten,
mischt sich der moderne Staat in alles ein, und zwar auch gegen den ausdrücklichen
Willen der Untertanen. Vorsorge und Fürsorge sind jedoch nur fadenscheinige
Versprechen. Der Staat ist weder ein Hort der Sittlichkeit noch eine moralische
Anstalt. Er hütet kein Gemeinwohl und ist auch keine Quelle väterlicher
Geborgenheit. Der Staat ist eine Einrichtung zur Beherrschung der Bürger.
Mit dem Umfang der Registraturen und der Zahl der Staatsdiener nimmt die
Freiheit der Bürger ab. Fern jedes moralischen Fortschritts kennt
die Entwicklung des Staates nur eine Richtung: Vorwärts in der Entmündigung
und Enteignung der Bürger! Die Gerechtigkeit, die er zu verwirklichen
vorgibt, benötigt immer mehr Gesetze, die Gesetze benötigen immer
mehr Bedienstete, und die Bediensteten benötigen immer mehr Geld von
den Untertanen, die sich von den Bediensteten zu Unrecht immer mehr Gerechtigkeit
erhoffen.«
Wolfgang Sofsky in FAS Nr. 33/2007, S. 9.
Über Minister Sigmar Gabriel
»Unter Fachleuten herrscht die Meinung vor, daß
Ihre Sachkenntnisse nicht ausreichen, um ein Ministerium zum Wohle der
Bevölkerung führen zu können. Allerdings verlangt die SPD
für die Verleihung eines Ministerpostens nicht einmal einen Hauptschulabschluß.«
Hans Penner in einem mailverteilten, also offenen Brief an Umweltminister
S. Gabriel v. 24.08.2007, hanspenner@gmx.de
Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse
»Aus meiner Sicht ist die im Grundgesetz postulierte
Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse ein realitätsferner Hemmschuh
für Wettbewerb und Vielfalt. Wir müssen die föderalen Anreizstrukturen
so ausgestalten, daß sich Leistung wieder lohnt und starke wie schwache
Länder gleichermaßen von ihren Anstrengungen profitieren.«
Oswald Metzger, MdL, finanzpolitischer Sprecher der GRÜNEN
im Landtag von Baden-Württemberg.
Mafia-Morde
»Einer der Camorra-Bosse von Mondragone ist Psychoanalytiker,
ein Experte für Freud und Lacan. Er hat sechzig Leute auf dem Gewissen.
Um die Ausbreitung von Aids in seiner Gegend zu stoppen, hat er eine Todesliste
mit HIV-Infizierten zusammengestellt. Sie wurden alle umgebracht.«
Roberto Saviano, Autor des Buches ›Gomorrha‹, 2007.
Hobbesmaxime
»Homo homini lupus est.«
Thomas Hobbes in: ›Leviathan‹, entlehnt dem Plautustück ›Asinaria‹.
Scherbenhaufen der Immigrationspolitik
»Man braucht, verdammt noch mal, kein Überlebender
des Holocaust zu sein, um mit bürgerlichem Selbstbewußtsein
den nach wie vor in linken Denkschablonen steckenden Multikulti-Illusionisten,
xenophilen Einäugigen und Appeasement-Doktrinären couragiert
die Stirn zu bieten... Vor uns liegt der Scherbenhaufen einer Immigrationspolitik.
Ralph Giordano in FAS Nr. 32/2007, S. 13.
Feigheit
»Es gibt Fälle, in denen vernünftig sein
feig sein heißt.«
Marie von Ebner-Eschenbach.
MP Erdogan
»Tatsche ist, daß der türkische Ministerpräsident
noch 1997 wegen öffentlicher demokratiefeindlicher, islamistischer
Äußerungen vom Sicherheitsgericht in Diyarbakir zu vier Monaten
Gefängnis verurteilt wurde. Auf einer Wahlkampfveranstaltung im südanatolischen
Sürt hatte er aus einem Gedicht des Poeten Ziya Gökalp
zitiert: ›Die Demokratie ist nur der Zug, auf den wir aufsteigen, bis wir
am Ziel sind. Die Moscheen sind unsere Kasernen, die Minarette unsere Bajonette,
die Kuppeln unsere Helme und die Gläubigen unsere Soldaten.‹ Erdogan
war damals bereits 43 Jahre alt und Oberbürgermeister der Zwölf-Millionen-Metropole
Istanbul.«
Dr. Rainer Rothfuß in FAZ Nr. 194/2007, S. 15
Vollbeschäftigung
»Jedem, der dies wünscht, soll die Möglichkeit
zur Erwerbstätigkeit gegeben sein. Dieses Vollbeschäftigungsziel
ist Wirtschaftspolitik und Arbeitsmarktpolitik gemeinsam.«
Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung Walter Arendt 1974
in: ›Perspektiven der Arbeitsmarktpolitik‹, S. 7.
Demokratie-Export
»Ich glaube, es ist ganz falsch, Afghanistan oder
dem Irak die Demokratie bringen zu wollen. Man weiß dort nichts von
Demokratie, es gibt keine demokratische Tradition.«
Literaturnobelpreisträger Imre Kertész in NZZ Nr. 155/2007,
S. 25.
Die Kaczinskys
»Die Kaczinskys sind allerdings keine Verrückten,
wie im Ausland oft geglaubt wird, sondern katholische Fundamentalisten.
Wir erleben derzeit die schärften Angriffe der vergangenen 20 Jahre.
Die beiden Brüder würden die Gewerkschaften am liebsten zerschlagen.«
Bojan Stanislawski, Chefredakteur einer polnischen Gewerkschaftszeitung,
in: ›metallzeitung‹ Nr. 9/2007, S. 3.
Professoren
»Manche Professoren tragen an ihren vielendigen
Ehrengeweihen so schwer, daß sie im Dickicht ihres Disziplingeländes
nicht mehr recht vorankommen.«
Waltharius, 2007.
Krankheiten wachhalten
»Die Pharmabranche läßt es sich enorme
Summen kosten, die Angst vor Krankheiten wachzuhalten und unsere Blicke
auf immer neue Symptome zu lenken. Keine andere Branche verdient so gigantische
Summen, in keinem anderen Wirtschaftszweig sind die Absatzmärkte derart
lukrativ. Allein 2004 erzielten die zehn führenden Pharmaunternehmen
mit verschreibungspflichtigen Medikamenten einen Umsatz von 205 Milliarden
Dollar.«
Melanie Mühl in FAZ Nr. 214/2007, S. 41.
Pakistanische Parallelgesellschaft
»In Norwegen blüht die pakistanische Parallelgesellschaft.
Sobald die Kinder schulreif sind, werden sie nach Pakistan in die Koranschule
geschickt. Little Norway wird die Gegend genannt, aus der sie stammen.
Der Integrationsminister staunte, als er die Little Norway Tausende Schüler
mit norwegischem Paß vorfand, die ihr Norwegisch vergessen hatten.
Wenn sie als Halbwüchsige zurückkehren, sind sie norwegischen
Verhältnissen entfremdet.«
Aldo Keel in NZZ Nr. 180/2007, S. 24.
Abrißbirne
»Abrißbirne sozialdemokratischer Programmatik.«
Andrea Nahles als Juso-Vorsitzende 1997 über Gerhard Schröder,
zitiert in ›Politiker beschimpfen Politiker‹, S. 177. A. Nahles wurde auf
dem SPD-Parteitag in Hamburg (Okt. 2007) zur stellvertretenden Vorsitzenden
gewählt.
Sollen Politiker auf Stimmungen reagieren?
»Natürlich müssen sie reagieren, sie
sollen es sogar mit Feingefühl tun. Aber doch bitte nicht so vordergründig
wie der Parteivorsitzende der SPD, Kurt Beck. Sich ein kleines Problem
herauszugreifen wie das Arbeitslosengeld für alte Arbeitslose und
das zur sozialen Frage hochzustilisieren ist schon zynisch. Beck gaukelt
Lösungen vor, die keine sind in dieser Welt.«
Guy Kirsch, Schweizer Politökonom in FAS Nr. 43/2007, S. 37.
Bemerkenswerte Zitate
Teil 16
Tour de France
»Wer einen Hang zum Kriminellen hat, der soll sich
die Tour anschauen. Denn kriminell zu kriminell, das hat im Leistungssport
schon Jahrzehnte gepasst. Man kann sich die Tour ja ansehen wie einen Dokumentations-Krimi.
Geboten wird eine Aufzeichnung von kriminellen Taten, manches, was man
sich wünscht, sieht man bis jetzt zwar noch nicht, etwa was so im
Hintergrund läuft.«
Prof. W. Franke am 30. 06. 2007.
»Lug und Betrug gehört zur Tour de France wie
der Eifelturm zu Paris.«
Henning Peitsmeier, in FAZ Nr. 173/2007, S. 2.
EU-Identität
»Europa hatte ja einmal sehr nationale Traditionen.
Im 20. Jahrhundert gerieten diese jedoch wegen blutiger, nationalistisch
motivierter Kriege in Verruf. Jetzt bemüht man sich, eine ›europäische
Identität‹ zu basteln; sie ist aber ziemlich inhaltsleer.«
Francis Fukuyama in: WamS Nr. 14/07, S. 68.
›Pofalla-Deutsch und Prinzipienverlust‹
Unter dieser Überschrift führt der Chefredakteur
des Handelsblattes (HB) aus: »Die Sätze dieses Programms mischen
sich zu einer Sprache, die ihre drei Hauptquellen niemals verbergen kann:
das kirchliche Erweckungsbrevier, die bürokratische Umlaufmappe und
den linken Soziologenjargon. Aus dem Brevier stammen theologische Plattweisheiten
wie ›Jeder Mensch ist Irrtum und Schuld ausgesetzt‹. Aus der Habermas-Kiste
kommen solche Unwörter wie ›Generationenbeziehungen‹ oder ›Lebensumwelt‹.
Aus den Tischvorlagen der Beamten stammen solche Ungetüme wie ›Zuwanderungs-
und Aufnahmebedingungen‹.«
Bernd Ziesemer, Chefredakteur, HB v. 22.05.07, S. 11.
Deutscher Kulpismus
»Das ist eine einzigartige und erschreckende Desavouierung
der gesamten deutschen Versöhnungspolitik gegenüber Polen seit
Willy Brandt. Indessen ist noch keineswegs sicher, ob nach dieser ›Brüsseler
Lektion‹ den Protagonisten des deutschen Kulpismus, die von Anfang an die
erste Geige spielten im Stück, endlich zu dämmern beginnt, welchen
Bärendienst sie nicht allein Deutschland, sondern Europa im Ganzen
geleistet haben, als sie das Verschweigen der kategorialen Dimension der
massenmörderischen Deutschenvertreibung als Epochenverbrechen und
dessen fraglose Hinnahme im Wiedervereinigungsprozess durch die ›schuldigeren‹
Deutschen zur puren historischen Selbstverständlichkeit herunterdeklarierten.
Es scheint, hier muss auch innerhalb unserer Republik etwas neu und anders
als bisher verhandelt werden.«
Andreas Gizewski, in: FAZ Nr. 151/07, S. 8.
›L’Etat, c’est Sarkozy‹
Unter dieser Überschrift des Aufmachers in der
NZZ Nr. 137/2007 war zu lesen: »Der französische Präsident
verfügt über eine beispiellose Machtfülle. Mit einer sicheren
Mehrheit im Parlament wird er zu einer Art Sonnenkönig auf Zeit. Diese
Allmacht ist verfassungsrechtlich gesehen nicht unproblematisch. Von einer
echten Gewaltenteilung kann kaum mehr die Rede sein. Regierung und Parlament
sind nicht viel mehr als dem Präsidenten zuarbeitende Organe. Angesichts
der Energie und des legendären Ehrgeizes von Nicolas Sarkozy wird
dessen Macht sogar noch konzentrierter sein als gewöhnlich in dieser
Konstellation.«
Sarkozy und die Presse
»Nicht von ungefähr lassen sich französische
Politiker gern mit Journalistinnen ein. Die Kumpanei beider Sphären
bietet Gewähr, dass nichts nach außen dringt. Fast ein Drittel
der Pariser Minister ist offiziell mit Journalistinnen liiert. Auch Sarkozy
tröstete sich laut Bloggern vor zwei Jahren mit einer Frau vom ›Figaro‹.
Damals war Cécilia mit einem Werbemanager durchgebrannt.«
FTD v. 19.06.07, S. 28.
Nochmals Sarkozy
»Unangenehm wird es, wenn man Sarkozy im Weg steht.
Das hat sich herumgesprochen, daher legen sich französische Politiker,
Journalisten und beamte schon jetzt vorsorglich bäuchlings auf den
Boden, wenn irgendwo auch nur sein hektisch fuchtelnder Schatten erscheint.
Weshalb einer, der selbst das Gegenteil eines solchen Verhaltens kultiviert,
diese Servilität goutieren soll, ist ein Rätsel.«
FAS Nr. 19/2007, S. 36.
Homosexuellen-Rente
»Warum soll es zu den staatlichen Solidaritätspflichten
der Kinder einer katholischen Familie gehören, die Hinterbliebenenrente
des überlebenden Partners einer homosexuellen Lebensgemeinschaft zu
erarbeiten?«
Philosoph Peter Koslowski in: FAZ v. 11.11.06, S. 15.
Entwicklungshilfe
»Die Afrikaner haben nur die Mechanismen der Entwicklungshilfe
durchschaut und machen sie sich zunutze. Entwicklungshilfe ist die einzige
Industrie auf der Welt, die keine Rechenschaftsberichte ablegen muss. Das
Erfolgskriterium ist oft nur, ob der Mittelabfluss geklappt hat oder nicht.
Was dabei wirklich herauskommt, ist unwichtig.«
Thomas Scheen, in: FAZ Nr. 129/2007, S. 6.
Modekrieg
»Die Modewelt ist keine schöne Welt. Mode
ist Krieg..., es geht nur um Verdrängung.«
Wolfgang Joob, in: HB Nr. 65/2007; S. 2.
Politische Todeszone
Die »politische Todeszone ist in den vergangenen
Jahren immer größer geworden, denn zwischen ›rechts‹ und ›rechtsextrem‹
wird in der Debatte immer seltener unterschieden. Die Linke in diesem Lande
hat es unter Ausnutzung ihrer Diskursüberlegenheit dahin gebracht,
dass selbst brave CDU-Mitglieder nur dann nicht vor dem Attribut ›rechts‹
zurückschrecken, wenn sie die Unschuld ihrer Gesinnung durch die Beteiligung
an einer der vielen Kampagnen ›gegen rechts‹ beweisen können.«
Berthold Kohler, Mitherausgeber der FAZ, am 24. Mai 2007-07-28.
Oskar Lafontaine
»So einer ist kein linker Befreier, sondern ein
Helfershelfer der Taliban, dem es egal ist, ob die Leute in Afghanistan
gefoltert und unterdrückt werden.«
Sigmar Gabriel, SPD-Bundesumweltminister, in: FAS Nr. 21/2007, S.
8, über seinen ehemaligen Genosse Vorsitzenden.
Ökonomische Bildung
»Politiker in Deutschland haben meist keine wirtschaftliche
Bildung und verschließen die Ohren für Expertenrat«.
Bernd Ziesemer, Chefredakteur, HB Nr. 26/2007, S. 9.
Gedächtnispflege
»... schreibt man auf die Grabstätte, was
einer gesündigt hat? Steht auf Stalins oder Churchills Grab, wie viele
auf ihren Befehl zu Tode kamen? Welche Vergehen oder Irrtümer, welche
Schuld schreibt man den Millionen deutscher Frauen und Kinder zu, die im
Kriege und oft erst lange danach umkamen? Zwölf Millionen Menschen
wurden aus ihrer Heimstätten vertrieben, weil sie deutscher Sprache
waren, etwa vier Millionen kamen dabei um – die größte Vertreibung,
die die Weltgeschichte je gesehen hat. Das Gedächtnis an all diese
Toten zu erhalten, das ist die Aufgabe der Gedächtnisstätte.
Nicht Gedanken der Schuld und einer ›historischen Aufarbeitung‹ ist sie
gewidmet, ebenso wenig der Vergeltung, sondern allein dem liebenden und
ehrenden Gedächtnis der Toten und ihrer Leiden.«
Prof. Dr. Theodor Schmidt-Kaler am 18. Juli 2007 in: FAZ Nr. 164/2007,
S. 17.
Bemerkenswerte Zitate
Teil 15
Deutschlandflüchtlinge
»Es ist geradezu peinigend absurd: Deutsche Spitzenkräfte
wandern zunehmend ab, und ausländische Spitzenkräfte machen immer
deutlicher einen Bogen um dieses Land. Die Zuwanderer, die unter dem Schutz
unserer Gesetze kommen und die wir uns nicht aussuchen können, entsprechen
in ihren beruflichen Profilen oft nicht unserem Bedarf.«
Klaus J. Bade, Historiker an der Universität Osnabrück.
Vermögenspreisinflation
»Die Chancen, daß die Geldpolitiker den Weg
zurück zum stabilern Geld finden, stehen leider nicht gut. Sie wollen
nur die Konsumentenpreise stabil halten und ignorieren de facto die Vermögenspreisinflation.
Vor allem aber dürften die Geldpolitiker vor unpopulären Schritten
zurückschrecken.«
Thorsten Polleit, Finanzexperte.
Schweizer Rosinenpickerei
»Tatsächlich sind die Schweizer begabte Rosinenpicker,
dahinter steckt ein kühles Kalkül. Schließlich war die
Schweizer Außenpolitik schon immer hauptsächlich Außenwirtschaftspolitik.
Der Beitritt bringt dem Land ökonomisch nicht viel, der Nutzen ist
zumindest geringer, als es die Kosten sind. Man müßte nicht
nur etwa drei Milliarden nach Brüssel überweisen, sondern letztlich
auch den Franken mit seinen niedrigen Zinsen opfern.«
Konrad Mrusek, Journalist.
Geld
»Alles, was die Sozialisten von Geld verstehen,
ist die Tatsache, daß sie es von anderen haben wollen.«
Konrad Adenauer, ehemaliger Bundeskanzler.
»Die Rücknahme des Euro wäre die ideale
Lösung.«
Prof. Dr. Wilhelm Hankel im Telebörse-Interview
Goethe-Institute
»Die Goethe-Institute sind auch deshalb beliebte
Partner, weil sie so nett sind. Sie fordern nämlich nicht viel. Womöglich,
weil wir Deutschen erst allmählich unbefangen mit der Frage umgehen,
wer wir sind oder sein wollen. Unsere Kulturvertreter im Ausland müssen
früher, als die Mittel noch reichlich flossen, ein sehr merkwürdiges
Bild abgegeben haben: In den entlegensten Winkeln der Weltkugel lehrten
sie eine Sprache, die sie sich nicht zu lieben trauten, und erzählten
von einem Land, dessen sie sich vorauseilend so bereitwillig schämten,
als hätte es vor Hitler und nach Hitler keine deutsche Geschichte
gegeben.«
Paul Ingendaay, Journalist.
Konfliktfähigkeit
»Wir bekommen seit frühester Jugend das Prinzip
›Konsens durch Kompromiß‹ vermittelt. Wir haben kulturell einen Mangel
an Konfliktfähigkeit. Die Engländer lernen in Debattierklubs,
mit Konflikten umzugehen. Bei uns zeigt man in Verhandlungen oft von vornherein
eine Haltung, mit der dann nur der kleinste gemeinsame Nenner erreicht
wird. Auch das erschwert Veränderungen. Das gilt für unsere gesamte
Gesellschaft.«
Paul Achleitner, Finanzvorstand
Streit
»Nicht jene, die streiten, sind zu fürchten,
sondern jene, die ausweichen.«
Marie von Ebner-Eschenbach, Dichterin.
Parteigeklingel
»Themen wie Schule, Armutsdebatte oder Steuergerechtigkeit
– das alles können Sie sehr kompetent jenseits von ausschließlich
parteipolitischem Geklingel und Geklungel diskutieren.«
Günther Jauch, Fernsehmoderator
Familiendiskriminierung
»Frauen sollen durch das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz
(AGG) zwar vor Diskriminierung geschützt werden – nicht aber die Familie.
Da stimmt was nicht in einem Land, das angeblich mehr Kinder will. Das
sage ich nicht nur als Anwalt, sondern auch als dreifacher Familienvater.
Ein Urteil des Landesarbeitsgerichts (LAG) Berlin (Aktenzeichen 2 Sa 1776/06)
macht das jetzt deutlich. Denn Familie spielt in der Begründung keine
Rolle.«
Marc Steffek, Anwalt.
Über Deutschland
»Sowohl der Arbeitsmarkt als auch die Finanzmärkte
sind in verheerendem Zustand. Die Mitbestimmung, der Kündigungsschutz
– all das ist schädlich... Schauen Sie sich doch diese typisch
europäische Rachsucht gegenüber dem Arbeitgeber an, der unternehmerisch,
visionär und zuversichtlich genug ist, einen Menschen einzustellen
und eine Chance zu geben, dessen Projekt aber fehlschlägt, so daß
er wieder entlassen muß und im Saldo ein paar Monate lang jemandem
ein Gehalt gezahlt hat – das ist einfach bösartig. Es ist feindselig
gegenüber dem Unternehmertum.«
Edmund Phelps, Wirtschaftsnobelpreisträger 2006
Am Wähler vorbei
»Die grundlegende Veränderung der ›terms of
peace‹ vollzieht sich am Souverän vorbei. Zwar werden, etwa in Deutschland,
Militäreinsätze ›out of area‹ letztlich vom Parlament entschieden,
die Entscheidungsgründe bleiben jedoch für die Wählerinnen
und Wähler vage. Wer sich vor Augen führt, mit welchen Argumenten
das Publikum, egal, von welcher Partei, zur Rechtfertigung der entsprechenden
Beschlüsse abgespeist worden ist, wird hier eher eine außerpolitische
Ideologie erkennen, hinter der sich jegliche harte Interessen verbergen
und durchsetzen könnten. Oder will jemand ernsthaft behaupten, daß
die
Rede des ehemaligen Außenministers Fischer über die Bedeutung
von ›Auschwitz‹ für seine Biographie auch nur den Hauch einer Begründung
für einen konkreten Militäreinsatz liefern könnte? Hat der
deutsche Politiker, der das Bonmot von der Verteidigung Deutschlands am
Hindukusch in die Welt gesetzt hat, auch nur einmal den konkreten Nachweis
führen müssen, welche terroristischen Aktivitäten durch
die deutschen Soldaten in Afghanistan von Deutschland abgehalten wurden?«
Wieland Elfferding, Publizist.
Radarfalle
»In der Schweiz, dieser Hochburg der Raubritter,
schiebt, als wäre die Kaffee- und Tobleronepause beim Transit ans
Mittelmeer nicht schon teuer genug, der heimtückische Lichtschrankenwärter
bereits eifrig Dienst.«
Andreas Rossmann, Journalist.
Verbrechenspolitik I
»Die Verbrechen kommunistischer Diktaturen im
20. Jahrhundert sind noch nicht aufgearbeitet worden. Dieser Ansicht
ist der deutsch-französische Publizist und Politologe Alfred Grosser
(Paris). Als bedenklich bezeichnet er im Magazin ›Cicero‹ (Potsdam) die
Tatsache, dass ›die Millionen Toten, die die Verbrechen Stalins und Maos
hervorgebracht haben, bis heute verniedlicht werden.‹ Hier gebe es erstaunliche
Interessengemeinschaften zwischen ehemaligen Kommunisten und jüdischen
Organisationen, schreibt der Jude Grosser. ›Beide treffen sich in der
Intention, es solle nur ‚Auschwitz’ da sein.‹ Bis heute schienen viele
nicht zu wissen oder nicht wissen zu wollen, ›welches Ausmaß die
Verbrechen Stalins und Maos gehabt haben. So habe die PDS im Europarat
in Straßburg verhindert, dass eine Resolution über die Notwendigkeit
einer Verurteilung der Verbrechen kommunistischer totalitärer Regime
verabschiedet wird.« (Hervorhebungen im Original)
Redaktionszitat in ACP-Information Nr. 1/2007, S. 14(APC = Arbeitskreis
für christliche Publizisten)
Verbrechenspolitik II
»Der Herrscher macht sich gewissermaßen zum
Mitschuldigen an dem Verbrechen, das er nicht bestraft.«
Friedrich der Große, Politisches Testament (1752).
Bemerkenswerte Zitate
Teil 14
Abstoßender Maoismus
»Abstoßend ist es, wenn man heute, auch nach
der schonungslosen Enthüllung Maos als der Welt größter
Massenmörder (rund 70 Mio. Opfer), in Peking westliche Touristen weiterhin
ein Souvenir mit Mao-Bild oder eine Kleinausgabe des roten Büchleins
kaufen sieht und die kichernden Käufer dies offensichtlich noch ganz
originell finden. Man stelle sich vor, dasselbe würde in Berlin mit
Hitler-Memorabilien geschehen. Noch fragwürdiger ist allerdings, dass
von all den 68ern, die vor vierzig Jahren an westlichen Universitäten
die Mao-Bibel schwenkten und ihre Unterstützung für die ›Kulturrevolution‹
skandierten, kaum ein Wort der Reue zu hören ist. Es wird die damalige
Mao-Verehrung als ein Element des allgemeinen Zeitgeists gesehen, so ähnlich
wie die poppige Mao-Ikone von Andy Warhol... Im Rückblick muß
zudem auffallen, wie leichtfertig die einstige Mao-Begeisterung bei vielen
westlichen Intellektuellen dem kollektiven Vergessen und Verdrängen
überantwortet wurde
Urs Schoettli in: NZZ Nr. 214/06, S. 25.
Kunst als Firlefanz
»Und angesichts der Tatsache, daß wir dauernd
von Geld, das wir nicht haben, Dinge kaufen, die uns nicht gefallen, um
damit Leute zu beeindrucken, die wir nicht leiden können, lohnt es
sich ja vielleicht doch, gerade beim Kunstkauf noch einmal darüber
nachzudenken: Keinen Firlefanz, nichts, was andere schon besser gemacht
haben, nichts, was man sich eigentlich gar nicht leisten kann – und vor
allem: nur das, was einem selber wirklich zusagt, egal ob alle anderen
das für Schwach-, Wahn- oder Irrsinn halten.«
Peter Richter, in: FAZ Nr. 253/2006, Beilage ›Kunstmarkt‹
Islamisches Europa
»Der libysche Staatschef Muammar Gaddafi: ›Einige
Menschen glauben, Mohammed sei lediglich der Prophet der Araber oder Moslems.
Das ist ein Irrtum. Wir haben 50 Millionen Moslems in Europa. Es gibt Anzeichen,
dass Allah dem Islam den Sieg über Europa schenken wird. Ohne Schwert,
ohne Gewehre, ohne Eroberung wird Europa moslemisch‹.... ›Es ist einem
Moslem verboten, jemandem, der nicht an Allah und seinen Propheten glaubt,
ein loyaler Freund zu sein.‹ Aus einem Unterrichtsbuch diverser moslemischer
Länder«
Aus: ACP Nr. 4/2006, S. 22.
Scheren im Kopf
Ȇberall in der westlichen Welt schnappen
die Scheren der Zensur, der kollektiven Selbstzensur säkularer Demokratien
zu: ›Idomeneo‹ in Berlin, das Gesetz über die Leugnung des Völkermords
an den Armeniern in Frankreich – überall hört man das metallische
Zischen im Blätterwald.«
Philip Blom in: FAZ Nr. 241/2006, S. 39.
Schiefer Vergleich
Frage: »Rechtfertigt der Islam Gewalt?«
Antwort des Integrationsministers von Nordrhein-Westfalen, Armin Laschet:
»Nein, der Koran hat Stellen, die Gewalt legitimieren, aber die Bibel
hat sie auch. Doch das Christentum hat die Aufklärung hinter sich,
und die steht dem Islam in weiten Teilen noch bevor. Die Geschichte des
Christentums ist eine viele zu kriegerische, als daß man sagen könnte,
das Christentum sei die friedliebendere Religion.«
Aus: FAZ Nr. 234/06, S. 4.
Gewaltfreier Islam?
»Die Behauptung, daß ein gewaltfreier Islam
der ›eigentliche‹ Islam sei, steht im globalen Maßstab derzeit gegen
die Behauptung derer, die sich auf den Koran berufen, wenn sie Frauen knechten
oder Bomben zünden. Daß Menschenrechte die Praxis der Religion
bestimmen und nicht etwa umgekehrt, dieser Universalismus hat nur dort
eine Chance, theologisch fundiert zu werden, wo die heiligen Bücher
der Religion sich der historisch-kritischen Methode öffnen.«
Christian Geyer in: FAZ Nr. 248/06, S. 43.
Thomas Bernhards Dichterschelte
»Es gibt ja fast nur opportunistische Schriftsteller.
Entweder hängen sie sich rechts an oder links, marschieren dort oder
da, und so, und davon leben sie ja. Das ist halt unangenehm, warum soll
man das nicht sagen, der eine arbeitet mit seiner Krankheit und seinem
Tod und kriegt seine Preise, und der andere rennt für den Frieden
herum und ist im Grunde ein gemeiner blöder Kerl, also was soll’s?«
Thomas Bernhard in FASZ Nr. 42/22. Okt. 06, S. 25.
Berüchtigte Frauenfrage
Rheinischer Merkur: »Seit neun Monaten leiten
Sie als Beiratsvorsitzende die strategischen Geschicke der Würth-Gruppe.
Es gibt nicht viele Frauen an der Spitze von Großunternehmen. Waran
liegt es?«
Bettina Würth: »O je, darüber
habe ich noch nie nachgedacht. Für mich ist die berüchtigte Frauenfrage
überhaupt kein Thema!«
RM Nr. 48/06, S. 12.
Schweizer Schlaumeier
»Auch wenn die Schweizer nun mehrere Male hintereinander
mit Ja gestimmt haben, so war dies doch keineswegs das große Ja zu
Europa. Es war immer eine kühlkalkulierte Entscheidung. Die Bürger
wollen den Beitritt nicht, sie werden den bilateralen Weg so weit gehen,
solange er begehbar ist, sprich, solange eine Union von 25 oder 27 Staaten
bereit ist, mit dem Schweizer Sonderling spezielle Verträge zu schließen,
etwa bei der Öffnung des Strommarktes oder beim Freihandel mit landwirtschaftlichen
Produkten. Der Beitritt würde all dies vereinfachen, doch er wäre
teurer für das Land. Man müßte nicht nur Milliarden nach
Brüssel überweisen, sondern auch den Franken mit seinen niedrigeren
Zinsen opfern.«
Konrad Mrusek in: FAZ Nr. 278/29. Nov. 2006, S. 10.
Wüstenbildung in Europa
»Es gibt Regionen, wo die Auswirkungen dramatisch
sind, die Wüstenbildung in Europa wird ein echtes Thema.«
DWD Gerhard Adrian in: FAZ Nr. 280/06, S. 37
Zwei Drittel menschlicher Klimaeinfluß
»Als zu mindestens 90 Prozent gesichert gelten
... der Rückgang von kühlen Tagen und Nächten und die Zunahme
von warmen Tagen und Nächten über den Landmassen seit den 1960er
Jahren. Dies wird mit über 66 Prozent Wahrscheinlichkeit auf menschlichen
Einfluß zurückgeführt.«
Heidi Blattmann in: NZZ Nr. 254/06, S. 29.
Süssmuths eiliges Buch
»Zahllose Wiederholungen von Allgemeinplätzen,
Quellenangaben, die der Überprüfung nicht standhalten, und die
Wiedergabe weitverbreiteter, aber falscher Behauptungen (so hat die Lehrerschaft
der Berliner ›Rütli-Schule‹ im Februar 2006 nicht die Auflösung
ihrer Schule gefordert) sind Hinweise auf die Eile, in der das Buch erarbeitet
wurde.«
Stefan Luft über ein neues Buch von Rita Süssmuth, in:
FAZ Nr. 284/06, S. 8.
Bemerkenswerte Zitate
Teil 13
Taube Regierungen
»Wir Regierenden wirken zunehmend so, als würden
wir nicht mehr auf unsere Völker hören. Das ist der eigentliche
Grund aller EU-Müdigkeit.«
Griechenlands Präsident Karolos Papoulias in: FASZ Nr. 37/2006,
›Politik‹ S. 7.
Große Koalition I
»Die Große Koalition ist Gift für die
Demokratie. Wollen Union und SPD verhindern, dass die Unterstützung
für das politische System und damit ihre eigene Legitimation weiter
schwindet, müssen sie Macht an die Bürger abgeben. Nur so können
überzogene Erwartungen an die Politik und an die Große Koalition
gebremst werden.«
Leo Klimm in: FTD 22. Nov. 2006, S. 30.
Große Koalition II
»Eine große Koalition hat in unserer Demokratie
denselben Stellenwert wie ein Putsch in Thailand. Beides kommt gelegentlich
vor. Meist ist es unblutig. Es gibt zu jeder Zeit Befürworter in der
Bevölkerung und in den Medien, die glauben, die Probleme des Landes
seien nur so zu lösen. Und der Ausnahmezustand hält zum Glück
nicht sehr lange an.«
Wolfang Münchau in FTD 27. Sept. 2006, S. 30.
Schröder und Merkel als »Deformer«
»Angela Merkel setzt fort, was Gerhard Schröder
begonnen hat. Das ist ein fürchterlicher Satz, denn er stimmt. Dabei
war Schröder ein Springinsfeld, seine fahrige Regierung endete mit
einem ausgeschüttelten Zettelkasten namens Agenda 2010. Frau Merkel
hatte hingegen ein Konzept vor Beginn. Hatte! Schröder nahm der SPD
und dem Land in seinem Abwahlkampf jenen Reformmut, den er zuvor selbst
gemacht hatte. Er hat ihn auch Frau Merkel genommen. Sie beide sehen sich
als Reformer, zeigten sich aber – er zum Schluß, sie zum Start –
als Deformer. Schröder hatte zu spät begriffen, daß es
grundfalsch war, ›nicht alles anders, aber vieles besser‹ machen zu wollen.
Diese Regierung hat das nicht begriffen. Sie ist schlecht für Deutschland.«
Wulf Schmiese in FASZ Nr. 40/2006, ›Meinung‹ S. 14.
Werbeanzeige
»Die 3000 Jahre alte Stadtgeschichte in Metz reicht
von galloromanischen Ruinen über den italienischen Einfluß im
Mittealter bis zum Kaiser-Viertel, das die deutsche Besatzung 1871 – 1918
hinterließ.«
Aus einer Werbeanzeige des lothringischen Touristenverbandes in
Deutschland, in: WamS vom 27. Aug. 2006.
Teure Kunstwerke
»175.000 Euro zahlt der Bundestag jedes Jahr für
Kunstwerke. Doch er verzichtet darauf, den Künstlern auch ihre Verwertungsrechte
abzukaufen.«
Sebastian Heiser in: SZ Nr. 207/2006, S. 11.
Kinderlose Politiker...
»... wird der Kinderlosenanteil in Politik und
Medien immer dominanter!...
Davon will die Politik deshalb nichts hören, weil
in Deutschland inzwischen 75 Prozent der Haushalte kinderlos sind... Hinzu
kommt die Tatsache, daß das politische Gewicht der Gruppe lebenslang
Kinderloser noch weit höher als ihr Bevölkerungsanteil ist. In
den Parteivorständen der CDU, der SPD, der FDP und der Grünen
waren sie im Jahr 2004 zum Beispiel mit 34, 30, 46 und 41 Prozent vertreten
und mittlerweile entstammen sogar die letzten zwei Bundeskanzler ihren
Reihen. Noch höher ist ihr Anteil in den Medien, wie Zahlen belegen,
denen zufolge Journalistinnen und Medienschaffende zu gut 60 Prozent kinderlos
bleiben (RBS 2006).«
Dr. Jürgen Borchert, Richter am Landessozialgericht Darmstadt,
in: Infobrief Nr. 16/06 der Pro Conscientia.
Utopische Vollbeschäftigung
»Zum ersten Mal nimmt jemand, der diese Republik
über Jahrzehnte an führender Stelle mitgestaltet hat, Abschied
von dem ›Goldenen Kalb‹, um das die Wirtschaftspolitik immer noch tanzt:
In der globalisierten technisierten Welt ist ›Vollbeschäftigung‹ in
einem Hochlohnland, dessen demographische Pyramide sich sukzessive und
unaufhaltsam auf den Kopf stellt, reine Utopie – und solange die ›machtversessene
und machtvergessene‹ (O-Ton Weizsäcker vor 15 Jahren) politische Klasse
sich das nicht offen eingesteht, sind sämtliche Subventionen,
Strukturmaßnahmen und Umschulungen schlichtweg Veruntreuung von Steuergeldern.«
Christian W. Röhl, in: ZJ-Magazin Nr. 30/06, S. 16.
Deutsches Zukunftsszenario
»Wenn heute zwei produktive Menschen einen älteren
unterstützen müssen, dann werden es 2050 eben nicht mehr zwei
sein, sondern einer. Das geht nur, wenn dieser eine mindestens doppelt
so produktiv und bereit ist, über die soziale Umverteilung ein viel
größeres Stück von seinem Einkommen an andere Menschen
abzugeben als heute. Es müßte eine Solidaritätsexplosion
stattfinden in diesem Land, von der das Christentum nicht einmal zu träumen
wagte. Und ich vermute, daß das nicht passieren wird...«.
»Wir werden alles gleichzeitig haben: Verelendung, Dritte Welt in
Deutschland und daneben einen obszönen Reichtum und Luxus. Die Gesellschaft
wird sich spalten oder zerfallen. Es wird Menschen geben, die zwar im gleichen
Land leben, aber nicht in der gleichen Welt...«
Prof. Dr. Herwig Birg am 28. August 2006 (in: FAZ Nr. 199/06, S.
32).
Literarisches Schwadronieren
»Im Eifer des Schwadronierens hatte Menasse bei
seinem Überblick über die Entwicklung von Begriff und Praxis
des Engagements darauf vergessen, den Erfinder dieses Begriffs, Jean-Paul
Sartre, und dessen hervorragendsten Praktikanten, Albert Camus, auch nur
zu erwähnen.«
Leopold Federmair über Robert Menasses Poetikvorlesung in Frankfurt/Main
2006. (in: NZZ Nr. 146/2006, S. 27).
Uniformierte Räuber
»In Afghanistan, wo ich mich in diesem Jahr zweimal
aufgehalten habe, hauptsächlich in ländlichen Gebieten der Provinz
Herat, wird die afghanische Polizei anders apostrophiert. Die Leute sagen:
›Früher hatten wir Räuber, heute haben wir Räuber in Uniform.‹
An den Checkpoints kann man es erkennen, alle Passanten werden ausnahmslos
ausgenommen. Wer nicht zahlt, wird geschlagen, auch alte Leute, auch schwangere
Frauen. Wenn die uniformierten Räuber sehen, daß ein Ausländer
dabei ist, ändern sie gleich ihre Taktik. Unser afghanischer Grünhelme-Teamleiter
berichtet von überall denselben Erscheinungen. Es werden an den Checkpoints
sogar Handys konfisziert, wenn es den uniformierten Räubern so gefällt.«
Rupert Neudeck in: FAZ Nr. 204/06, S. 8.
Verfassungswidrige Länderhaushalte
»Im Länderfinanzausgleich sind inzwischen
11 von 16 Bundesländern zu Nehmerländern geworden, 12 der 16
Bundesländer haben verfassungswidrige Haushalte. Schon lange hat kein
Bundesland (mit Ausnahme Bayerns im Jahr 2006) mehr einen ausgeglichenen
Haushalt zu Stande gebracht. Nach dem Saarland und Bremen will sich nun
auch Berlin vor dem Bundesverfassungsgericht zusätzliche Finanzhilfen
erstreiten (was scheiterte, W.). Spätestens wenn sich die Einsicht
durchsetzt, dass auch das Bundesverfassungsgericht kein Geld hat, wird
man um eine Neuordnung der Finanzverfassung nicht herumkommen.«
Hans-Olaf Henkel in HB Nr. 146/06, S. 9.
Überall Schiffbruch
»Wenn du es recht betrachtest, ist überall
Schiffbruch.«
Petronius Arbiter (11 – 66 n. Chr.
Bemerkenswerte Zitate
Teil 12
Große Kolalition
»Der Wahnsinn dieser Koalition liegt gerade darin,
dass das Streben nach einem Konsens stets mit neuen staatlichen Leistungen
erkauft wird und dass es letztlich CDU und CSU sind, die sich dazu hergeben.
So wird just im bürgerlichen Lager die sogenannte Reichensteuer als
die normalste Sache der Welt betrachtet, und man findet dort nichts dabei,
dass auch im Gesundheitsbereich, wo man hart um Reformen ringt, von einer
finanziellen Entlastung nicht die Rede sein kann.«
NZZ Nr. 101/06, S. 3.
Sepp Blatter
»Sepp Blatter beherrscht dieses Spiel von Freundschaft
und Verrat, von Rivalität und Täuschung meisterlich.«
Peter Hartmann in: NZZ Folio Nr. 5/06, S. 30.
Habermas-Adepten
»Deutschland und Europa, lendenlahm und feige geworden,
stehen einer vitalistischen Kultur gegenüber, die schon lange nicht
mehr vor den Toren Europas steht, sondern in den vergreisenden europäischen
Metropolen in den nächsten Jahrezehnten die Bevölkerungsmehrheit
stellen wird. Die ›Ethnomorphose‹ (Irenäus Eibl-Eibesfeld) Europas,
einst als bizarres Hirngespinst rechter Populisten abgetan, dämmert
nun unerbittlich über dem Kontinent herauf. Der politisch-geistigen
Klasse, die noch bis vor kurzem Warnungen vor dieser Entwicklung höhnisch
verächtlich gemacht und der volkspädagogischen Aufsicht von Verfassungsschutzämtern
unterstellt hat, rutscht das Herz in die Hose. Jetzt will man es nicht
gewesen sein, der diesen Schlamassel herbeigeführt hat. Der Leichengeruch
der eigenen Kultur zieht durch die Straßen, während die Morgenröte
des Islam anbricht. Verdutzt sehen die Habermas-Adepten der morbiden ›Zivilgesellschaft‹
auf eine Parallelwelt mit kraftvollen Werten.«
Dieter Stein in: JF Nr. 8/06, S.1.
Tatoo
»Bemalung und Punktierung des Körpers ist
eine Rückkehr zur Tierheit.«
Goethe, Sprüche in Prosa, Ziff. 1.26.
Parteien
»Solange die Parteien sich nicht für Quereinsteiger
öffnen, solange also dem Abgeordneten-Mandat eine Jahrelange Ochsentour
durch Ortsvereins-Hinterzimmer und innerparteiliche Kungelrunden vorangeht
(und die kann sich eben in der Regel nur jemand leisten, dessen Arbeitgeber
diese politischen Ambitionen unterstützt!), wird der ›unabhängige
Abgeordnete‹ ein frommer Wunschtraum puristischer Demokraten bleiben, ebenso
wie das von der politischen Klasse gern beschworene, de facto aber nicht
gewollte ›Parlament der Fachleute‹.«
Reinhard Röhl in: ZJ Magazin Nr. 27/06, S. 15.
Staatsverschuldung
»Der Befund ist eindeutig: Das Grundgesetz ist
in der jetzigen Form nicht geeignet, die Staatsverschuldung wirkungsvoll
einzudämmen. Die Regeln sind an dieser Stelle zu diffus und lassen
der Politik zu viele Hintertürchen offen.«
Dieter Engels in: WiWo Nr. 14/06, S. 30.
»Fiskalische Räuber«
»In einem Staat, in dem das Subsidiaritätsprinzip
ernst genommen wird, gerät der Bürger nicht so leicht unter die
fiskalischen Räuber... Mit ausufernden Krediten jedoch hat die Politik
– nicht nur, aber auch in Deutschland – sich auf eine Weise ›steuerunabhängig‹
gemacht, die mit dem Grundsatz der Nichtwidmung nichts zu tun hat. Getrieben
von schlechter Politik, wird so der Staat in die kaum mehr zu kontrollierende
Freiheit freihändiger Mittelbeschaffung entlassen.«
H. D. Barbier in: FAZ Nr. 155/06, S. 13.
Gleichbehandlungsgesetz
»Fest steht nur, die Großkoalitionäre
haben das Ende der Vertragfreiheit beschlossen und hierfür den unverdächtigen
Namen ›Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz‹ erfunden. Fürs Protokoll
sei festgehalten: In der Opposition hatten CDU und CSU die rot-grüne
Attacke auf die Privatautonomie noch scharf verurteil. Heute – als Regierung
– will man davon nichts mehr wissen. Auch möchte die Kanzlerin Angela
Merkel nicht mehr an ihr Versprechen erinnert werden, Brüsseler Regelungswut
im deutschen Übereifer nicht mehr überbieten zu wollen.«
Holger Seltzner in: FAZ Nr. 156/06, S. 11.
Deutsches Volk
»Ich glaube, dass das Volk auseinander bricht.
Es gibt nichts, was es zusammenhält, um ein Problem wie die aktuelle
Wirtschaftskrise zu überleben. Das macht Deutschland so unerfreulich.
Es hat keine nationale Identität.«
Markus Lüpertz in: Die Zeit Nr. 216/06, S. 57.
Deutscher EU-Botschafter
»Die Deutschen selbst sind die schlimmsten Feinde
der deutschen Sprache. Das wird auch aus dem Beitrag des ungarischen Germanisten
Csaba Földes deutlich, der von einer Beschwerde des EU-Botschafters
in Budapest berichtet. Dieser EU-Botschafter ist Deutscher und erhält
von einem Kollegen von Földes einen Brief auf deutsch. Worauf der
Botschafter in der Universität anrufen läßt und sich beschwert,
daß er auf deutsch angeschrieben worden wäre; man hätte
Briefe an den Botschafter auf Englisch einzureichen.«
Walter Krämer in: SN Nr. 3/06, S. 26.
Wehners große sozialistische Einheitsfront
»In der illegalen KPD und später in den vier
düsteren Moskauer Jahren von 1937 bis 1941 wollte er schon das, was
er gleich nach 1945, anders zwar, auch wieder wollte: die große Einheitsfront,
die mit sich versöhnte sozialistische Partei. Geistig offensichtlich
schon auf dem Absprung, funktionierte er doch noch – und recht fleißig
– im Moskauer System wechselseitiger Bespitzelung und Denunziation zur
Zeit der mörderischen Schauprozesse.«
Thomas Schmid in: FAS Nr. 25/06, S. 10.
»Lebenslüge unserer politischen Klasse«
»In Wahrheit entscheiden nicht die Bürger,
wer ins Parlament kommt, sondern die politischen Parteien. Wen sie auf
einen sicheren Listenplatz platzieren oder in einem sicheren Wahlkreis
aufstellen, dem können die Wähler nichts mehr anhaben...
Auf diese Weise wird der Verfassungsgrundsatz, dass Abgeordnete unmittelbar
vom Volk zu wählen sind, unterlaufen. Solche Abgeordneten sind deshalb
in Wirklichkeit keine Repräsentanten des Volkes, sondern Parteifunktionäre...
Der Verfassungsgrundsatz des freien Mandats steht nur noch auf dem Papier....
Die angebliche Verantwortlichkeit der Abgeordneten gegenüber ihren
Wählern erweist sich als Lebenslüge unserer politischen Klasse.«
H. H. v. Arnim in: NJW Nr. 24/06, S. 1715.
Kopftuch und Judenstern
»Das Kopftuch ist die Flagge des Islamismus. Das
Kopftuch ist das Zeichen, das die Frauen zu den anderen, zu Menschen zweiter
Klasse macht. Als Symbol ist es eine Art ›Branding‹, vergleichbar mit dem
Judenstern.«
Alice Schwarzer in: FAZ Nr. 152/06, S. 45.
Kurt Beck
»In einer biederen Rede reihte er Gemeinplatz an
Gemeinplatz und würdigte noch einmal ausführlich die Errungenschaften
des deutschen Sozialmodells, das unmittelbar zuvor Platzeck in dieser Form
für obsolet erklärt hatte. Ob Mitbestimmung, Kündigungsschutz
oder Verzicht auf Studiengebühren – Beck sprach den Anhängern
der traditionellen Sozialdemokratie aus dem Herzen. Der Parteitag dankte
es ihm mit einem Wahlergebnis von 95 Prozent Zustimmung.«
Seite-1-Kommentar in NZZ Nr. 111/06, anläßlich der Wahl
Becks zum SPD-Vorsitzenden.
Bonner Vertreibungsausstellung
»Dem Besucher werden zum Beispiel die bereits vor
der Potsdamer Konferenz von der polnischen Miliz erlassenen und brutal
durchgeführten Vertreibungsbefehle vorenthalten, die Gewalttätigkeiten
der Sieger einschließlich der Massenvergewaltigungen nicht thematisiert
und das menschenunwürdige Zusammentreiben und anschließende
Abtransportieren von mehreren Millionen Ostdeutschen in Viehwaggons nicht
näher beleuchtet. Jedenfalls kann sich mittels der Schau ein Unbeteiligter
kein wahres Bild von der größten Vertreibung in der Menschheitsgeschichte
verschaffen.«
Harald Dierig in: FAZ Nr. 130/06, S. 8.
»Männer müssen untergehen«
»Und wer überlebte nun auf der ›Titanic‹?
Die wichtigste Frage, die zuerst gestellt werden muß, ist diejenige
nach dem Geschlecht. Falls es sich um einen weiblichen Passagier handelte,
wurde die Frage nach der Klasse zur Überlebensfrage. Falls es sich
um männliche Passagiere handelte, wurde die Frage ›Kind oder Erwachsener‹
zur wichtigsten Überlebensfrage: Alle männlichen Kinder der ersten
und zweiten Klasse überlebten. Als erwachsener Mann war dagegen die
Frage, in welcher Klasse man befördert wurde, zweitrangig.«
Thomas Härter in: NZZ Nr. 149/06, S. 15 bei der Erläuterung
von ›Entscheidungsbäumen als ›praktische Hilfe bei Investitionsfragen‹.
Bemerkenswerte Zitate
Teil 11
Kein Vertrauen in den Parteienstaat
»Nie zuvor in der Geschichte der Bundesrepublik
war die Glaubwürdigkeit der politischen Klasse ähnlich erschüttert,
das Vertrauen in den Parteienstaat vergleichbar marode. 86 Prozent der
Deutschen gehen mittlerweile davon aus, dass Politik käuflich ist.
Nur noch 17 Prozent vertrauen den Parteien.«
Rudolf Augstein im ›Spiegel‹ Nr. 7/2000, S. 25.
Fernsehen gefährdet geistige Gesundheit
»Eigentlich müßte in jedem TV-Programm
ständig ein Untertitel laufen: Vorsicht, Fernsehen gefährdet
ihre geistige Gesundheit.«
Rüdiger Safranski im ›Handelsblatt‹ Nr. 249/2005, S. 17.
Arbeitslosigkeit in 20 Jahren
»Das Basisszenario: Alles geht so weiter wie bisher,
dann haben wir in 20 Jahren eine Arbeitslosenquote von 17 Prozent.«
Randolf Rodenstock im ›Handelsblatt‹ Nr. 6/2006, S. 2.
Neuer Gesellschaftsvertrag
»Aus der einst nahezu absoluten Sicherheit ist
eine relative Sicherheit geworden. Für den modernen Staat, der seine
Legitimität nicht zuletzt daraus herleitet, daß er seine Bürger
zu schützen imstande ist, hat dies weitreichende Konsequenzen. Die
Regierungen müssen ihrer Bevölkerung einen neuen Gesellschaftsvertrag
abringen. Sie müssen eingestehen, daß sie ihre Bürger im
Zeitalter von Terrorismus und Massenvernichtungswaffen nicht mehr allumfassend
schützen können«.
Michael Rühle, in: FAZ Nr.27/2006, S. 6.
Schröders Ethos
»Schröders behender Griff nach dem Job des
Verwaltungsratschefs eines russisch dominierten Gaspipeline-Unternehmens
ist eine hochpolitische Angelegenheit, die auch dann brisant wäre,
wenn es sich nicht um den eben erst abgetretenen Bundeskanzler handelte.
Da Schröder aber jahrelang eine veritable Frère-et-Cochon-Politik
mit seinem russischen Präsidentenfreund Putin betrieb und dieser nun
den wohl recht lukrativen Deal für seinen Kumpan eingefädelt
hat, liegen Fragen nach Ethos und Moral solchen Tuns auf der Hand.«
Kommentar in der NZZ Nr. 294/2005, S. 3.
Frevler und Rachegöttin
»Raro antecedentem scelestum deseruit pede Poena
plaudo. – Nur selten läßt vom Frevler, der vorauseilt, die Rachegöttin
ab, trotz ihres lahmen Fußes.«
Horzaz: Oden und Epoden, Carmina, 2,31 f.
Bad Simple English
»Wissen Sie, welcher Autobauer zur Zeit in Deutschland
die meisten Fehler produziert? Die alte Traditionsmarke Mercedes-Benz!
... Denn nicht zufällig nehmen diese Qualitätsmängel erst
seit der Einführung von BSE (Bad Simple English) als Konzernsprache
im Jahr 1999 so dramatisch zu... Seitdem man dort nicht mehr die
deutsche Sprache pflegt, hat der Börsenwert des Unternehmens um 20
Milliarden Euro abgenommen, das entspricht dem jährlichen Sozialprodukt
von Luxemburg.«
Prof. Dr. Walter Krämer, in: ›Sprachnachrichten‹ Nr.
1/2006, S. 2.
Multikulti in Deutschland
»Da sitzen sie nun, 30 Kinder: 5 deutscher Herkunft,
15 moslemische aus der Türkei, 2 Sintis aus dem Kosovo, 5 Rußlanddeutsche
aus Kasachstan, 1 moslemischer Tunesier und 2 Kosovaren. Die Zuwanderer
müssen sich mühsam an das ›Sie‹ gewöhnen, gemeinsame kulturelle
Voraussetzungen gibt es nicht. Da trifft es sich gut, daß die Deutschen
auch keine Ahnung haben. Ob irgend jemand bei den Schulreformen der 70er
Jahre daran gedacht hat, was noch alles auf uns zukommen würde? Durch
das Umkippen der Bevölkerungsstruktur – nicht die der Alterpyramide
–, sondern die des Mentalitäts-Umschwungs, verliert Deutschland jede
Bedeutung im internationalen Wettbewerb. Wer will für welche ›Deutschen‹
noch eintreten, wenn sie zu einem Drittel oder bald zur Hälfte aus
Anatolien stammen?«
Aus: ›Mittwissen Mittun‹ Nr. 15/2005, S. 20.
Polen und die EU
»Die Polen interessiert, was mit Polen geschieht,
und nicht die Zukunft der gesamten EU.«
Der polnische Staatspräsident Kaczynski im Februar 2006 in
Paris (zit. in FAZ Nr. 48/2006, S. 4).
Bedrohung der Schweiz
»Wir sind derzeit und wohl auf längere Zeit
hinaus nicht von anderen Armeen bedroht, sondern von Bedrohungen ›unterhalb
der Kriegsschwelle‹, namentlich durch den Terrorismus.«
Bundesrat Samuel Schmid, in: NZZ Nr. 16/2006, S. 35.
Kultusministerielle Staatsverwechslung
»Wir haben inzwischen eine Demokratie. Wohl hat
auch sie ihre Staatsräson. Aber die kann nicht darin bestehen, daß
sechzehn Kultusminister – amtlich also noch immer: eine Hand voll – sich
mit dem Staat verwechseln. Sie fordert keineswegs, daß sie die Mehrheit
des Volkes für dumm verkaufen. Übrigens auch nicht, daß
die Ministerpräsidenten, wie vorauszusehen, nichts Besseres wissen,
als ihnen hinterherzulaufen. Die Staatsräson scheint mir im Gegenteil
zu gebieten, daß die Kultusminister das praktizieren, was unser Staat
so dringend nötig hat, nämlich Ehrlichkeit und Bereitschaft zu
Reformen, vermutlich auch etwas Schneid. Es ist ja wohl auch ein akutes
Problem, das verlorengegangene Vertrauen in die Politik zu restabilisieren.«
Althistoriker Prof. Dr. Christian Meier, in: FAZ vom 27. Febr. 2006,
S. 39.
Globalisierung
»Ein Kilogramm Spargel, aus Mexiko eingeflogen,
verbraucht über vier Liter Kerosin. Gleiches gilt für Bohnen
aus Südafrika, Artischocken aus Kalifornien oder Frischfisch aus Oman.
Selbst ein so unscheinbares Ding wie ein Erdbeerjoghurt ist heutzutage
weit herumgekommen: Erdbeeren aus Polen, Milch aus Südengland, der
Plastikbecher aus Portugal und der Aluminiumdeckel aus Norwegen. Allein
die Bestandteile haben so bereits eine Strecke von 7695 Kilometern zurückgelegt.«
Michel Baeriswyl, in: ›Universitas‹ Nr. 8/2005, S. 895.
Karachis Kessel
»Karachi ist keine Stadt vor dem Infarkt, es ist
eine Stadt nach dem Infarkt. Ich habe keine Ahnung, wohin das am Ende führen
wird. Das Aggressionspotential, das sich zwangsweise in einem solchen Kessel
ansammelt, entlädt sich in den bürgerkriegsartigen Unruhen, die
in der Stadt regelmäßig ausbrechen. Wenn wieder einmal eine
Militärregierung im Amt ist, dann ist es eine Zeit lang ruhig. Aber
sobald man den Topfdeckel ein bißchen hochhebt, kocht alles über.«
Ruth Pfau, in: ›Liebe und tu, was du willst‹, S. 105.
Schäubles Islam
»Wir Deutsche sollten uns immer wieder klarmachen,
daß der Islam keine Bedrohung für uns ist.«
Innenminister Wolfgang Schäuble, in: FAS Nr. 10/2006, S. 4.
Apparatschik Westerwelle
»Nach innen ist Westerwelle ein Partei-Apparatschik
reinsten Wassers – eine Art liberaler Müntefering.«
Martin Noé, in: Handelblatt Nr. 90/2002, S. 12.
Rivalitätsdenken der Frauen
»Frauen haben ein ausgeprägtes Rivalitätsdenken
– das rührt schon von der Evolution und dem Kampf um den Mann her.
Diese Rivalität schließt jede Art von Koexistenz aus.«
Prof. Dr. Sonja Bischoff, zitiert in ›Handelsblatt‹ v. 5./6. Juli
2004, Beilage „Karriere & Management“, S. 1.
Verfassungsverletzungen
»Man kann wohl sagen, daß sich die Massen,
wenigstens bei uns zulande, in einem Zustand befinden, in dem sie Verfassungsverletzungen
kaum noch wahrnehmen. Wo dieses Bewußtsein einmal verloren gegangen
ist, wird es künstlich nicht wieder hergestellt.«
Ernst Jünger, in: ›Der Waldgang‹, S. 71. |