Walthari


Erinnerte Texte


 
20. März 2008

Bemerkenswerte Zitate
Teil 20

August 2007
»Für mich ist nicht belegt, dass es einen generellen Schießbefehl gab.«
Lothar Bisky, ehem. Chef der ›Linke‹, über ein Dokument zum Schießbefehl  für Stasi-Truppen an der innerdeutschen Grenze, im August 2007, zitiert in: FAS Nr. 5/2008, S. 9.

»Die Terroristin mit dem Heiligenschein«
NZZ über Ulrike Meinhof am 25. Febr. 2008, S. 29.

Heide-Simonis-Syndrom
»Wenn Ypsilanti die Linke jetzt erstmals im Westen in den Rang eines Quasi-Koalitionspartners hebt, stärkt sie die Linke. Sie tut das übrigens auch deswegen, weil sie unbedingt Ministerpräsidentin werden will, weil auch sie am Heide-Simonis-Syndrom (›Und wo bin ich dann?‹) leidet. Der Parteichef Beck hat endgültig ein gewaltiges Glaubwürdigkeitsproblem. Beck ist für Ypsilantis Hierarchie von Versprechen und Lüge mitverantwortlich. «
Kurt Kister in: SZ Nr. 55/2008, S. 4

Verlust der Glaubwürdigkeit
»Die Mehrheit der Parteitagsdelegierten und wohl auch der Bundestagsfraktion hielt zu dem Zeitpunkt den Embryonenschutz für höherrangig als den Spielraum der Forscher. Mutmaßlich sechzig bis siebzig Prozent der Delegierten hatten eine andere Meinung als Frau Schavan und hielten diese Frage für eine der seltenen Proben auf der ›C‹ im Parteinamen. Diese Mehrheit erst zerfließen zu lassen, indem die Parteitagsregie zusah, wie rund 350 Delegierte vorzeitig zum vergnüglichen Abend abschwirrten (die Busse wären aufzuhalten gewesen), und dann den Rest in die Enge zu treiben, indem nach den Gegnern eine geballte Riege von Stichtagsverschiebern das Wort erhielt und schließlich die Kanzlerin mit einer angeblichen, in sich widersprüchlichen Kompromißformel das Wort nahm, war ein dramaturgisches Meisterstück.«
Georg-Paul Hefty in: FAS Nr. 49/2007, S. 12

»Merkel hat sich durchgesetzt, aber der CDU die fast letzte Möglichkeit genommen, das C zu rechtfertigen.«
Georg-Paul Hefty in: FAS Nr. 49/2007, S. 12

Parteiwille vor Abgeordnetengewissen
»Man muß auch festhalten, daß der Bundesvorsitzende Kurt Beck jede Glaubwürdigkeit bei der Frage verloren hat, ob er sich mit den Stimmen der Linkspartei zum Bundeskanzler wählen läßt. Nicht einmal ich würde es ihm abnehmen, wenn er das jetzt noch verneint.«
Jürgen Walter in: SZ Nr. 55, S. 5.

April
»Berlin ist mir eine Spur zu hoch. Ich habe immer das Gefühl, dass alles so unehrlich und übertrieben ist. «
Roswitha Beck, Ehefrau von SPD-Chef Kurt Bek, in: FAS Nr. 52/2007, S. 8.. 

Judenvertreibung in Polen 1968
»Erst jetzt, vierzig Jahre nach dem sozialistischen Pogrom, will Polen den Juden die Staatbürgerschaft zurückgeben. Aber nicht alle brauchen sie jetzt mehr. Die jüdischen Emigranten von 1968 haben bedeutende wissenschaftliche Karrieren auf der ganzen Welt gemacht. Sie haben die Kulturen der Länder bereichert, in denen sie leben – verloren hat allein Polen.«
Leo Kantor in: FAS Nr. 11/2008, S. 9.

Folterverbot versus Tötungsverbot
»Das Folgerverbot wiegt in der Tat schwerer als das Tötungsverbot, weil die Folter eine zentrale Struktur der modernen Gesellschaft berührt. Mit Tötungen dagegen muß jede Gesellschaft fertig werden...    Die Norm ist wichtiger als die Unversehrtheit des Körpers und das genetische Programm wichtiger als das individuelle Leben. Beides hat mit Moral nichts zu tun. Aber es stößt den Höchstwert des Lebens so deutlich vom Sockel seiner Einzigartigkeit, daß man nicht mehr zu fragen braucht, was Leben eigentlich ist. Jedenfalls geben Bibel und Anthropologie dem baden-württembergischen Polizeigesetz gegen das Bundesverfassungsgericht recht.«
Gerd Roellecke in: FAZ Nr. 280/2007, S. 35.

Öffentliches Interesse am Rechtsbruch
»Aber oft besteht auch ein finanzielles Interesse der öffentlichen Hand am Rechtsbruch. Das gilt vor allem für die Länder. Überaktiv zeigen sich auch die Zollbeamten, die seit dem Wegfall der Grenzkontrollen Aufgaben im Bereich Arbeitsstrafrecht übernommen haben, zum Beispiel für die Durchsetzung des Entsendegesetzes. Sie verfolgen solche Vorgänge wie kriminelles Unrecht...  Die Belange der Arbeitgeber werden fast immer ignoriert.«
Alexander Ignor in: FAZ Nr. 4/2008, S. C 2..

Politiker gegen Verfassungsrichter 
»Alle grundrechtlich geschützten Bereiche enden irgendo. Wo diese Grenzen sind, wie man die gegensätzlichen Interessen abgrenzt, ist Sache des Gesetzgerber. Ich verstehe, daß manche Verfassungsrichter gern Ratschläge geben würden. Dazu sind sie aber nicht demokratisch legitimiert. Sie haben – und das ist genauso wichtig – zu entscheiden, ob rechtliche Regeln eingehalten werden. Wenn sich alle an diese Begrenzungen der Kompetenzen halten, ist es ein fruchtbares Miteinander.«
Wolfgang Schäuble in: WaS Nr. 3/20089, S. 4

Lafontaine lobte Honecker
»›Man wird Erich Honecker nicht zum Partner haben können, wenn man ihn als Kommunisten nicht respektieren kann‹, schrieb Lafontaine über den SED-Chef, der ›beim Volk nicht einmal unbeliebt‹ sei.«
Zitiert in: FAS Nr. 11/2008, S. 3.

Bildung und Qualifizierung
»Bildung und Qualifizierung – das ist moderne Sozialpolitik. Nur so ist Gerechtigkeit für alle Talente jeglicher Herkunft zu gewährleisten. Aber dazu brauchen wir Parteien, erst recht die großen, die sehr viel tatkräftiger, mutiger und für neue Lösungen offener an die großen Herausforderungen herangehen, als es die derzeitigen tun.«
Wolfgang Clement in: WaS Nr. 11/2008, S. 6.

Wähler als Mittel zum Zweck
»Nein, die sozialdemokratischen Abgeordneten fühlen sich nicht Wählern, sondern Zielen verpflichtet – die sie ohnehin verfolgen. Die Wähler sind nur das Mittel zum Zweck. Da hat der Wortbruch ›viele Facetten‹ (Ypsilanti).«
Volker Zastrow in: FAS Nr. 11/2008, S. 14.

Sozialdemokratisch geprägte Bildungskette
»Wir haben in Rheinland-Pfalz eine Bildungskette, die sozialdemokratisch geprägt ist und im Vorschulalter beginnt.«
Dr. Matthias Krell, SPD-Abgeordneter im Landtag von Rheinland-Pfalz in: Staatsanzeiger für Rheinland-Pfalz Nr. 9/2008, S. 3.

»Nemo potentes aggredi tutus potest.« 
Niemand kann die Mächtigen ungefährdet angreifen.
Seneca in: Medea 430.

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Wird fortgesetzt.


19. März 2008

Bemerkenswerte Zitate
Teil 19

Deutscher Feminismus
»Der deutsche Feminismus hat keine Sprache für Liebesbeziehungen zu Männern, und auch keine für das Muttersein. Ganze Universitätsseminare widmen sich in den ›Gender Studies‹ dem Versuch, den Geschlechtsunterschied aus der Welt zu hüsteln, indem man ihn als ›soziale Konstruktion‹ hinstellt. ›Zwangsheterosexualität‹ lautet das Verdikt, wenn der kleine Unterschied ins Spiel gebracht wird.«
Mariam Lau in: WaS Nr. 3/2008, S. 11.

Opfer und Täterin
»Mehr Frauen als Männer setzen Gewalt gegen ihren Partner ein – mehr Männer als Frauen habe schon Gewalt durch ihre Partnerin erlebt.«
Quelle: www. manndat.de

Männergesundheit? Unwichtig!
»Eine Auswertung von 3.000 medizinischen Zeitschriften im Index Medicus ergab, dass auf 23 Artikel über die Gesundheit von Frauen ein einziger kommt, der die Gesundheit von Männern zum Thema hat.«
Quelle: www. manndat.de

Islamische Missionierung
»Sie meinen, die Scharia setzt sich auch bereits in den Parallelgesellschaften in Deutschland durch? – Ja. Seit dem Regierungswechsel 2003 haben Erdogan und seine AKP die Aufsichtsbehörde für Religion, die Diyanet, zu einer Missionsbehörde des Islams umgeformt. Die Anstalt verfügt jetzt über ein Budget von fast einer Milliarde Euro und beschäftigt mehr Beamten und Vorbeter, als es Hochschullehrer gibt in der Türkei. Allein in Deutschland beten und leben über 800 von der Türkei bezahlte Vorbeter in den Moscheen.«
Necla Kelek in: NZZ Nr. 42/2008, S. 26.

Homogene deutsche Volksnation ade
»Die homogene deutsche Volksnation ist Geschichte.«
Birand Bingül, Kommentator der Tagesthemen, zum Thema Integration. 
Zitiert in: WaS Nr. 11/2008, S. 2

»Warum fällt es so schwer, zu begreifen, dass man mehrere Identitäten haben – und trotzdem Deutscher sein kann«
Aliertan Toppak, Generalsekretär der Aleviten in Deutschlend.
Zitiert in: WaS Nr. 11/2008, S. 2

Deutsches Nationalgefühl
»Wenn der Franzose sein ›Vive la France‹, der Amerikaner sein ›God Bless America‹ oder der Engländer sein ›Rule Britannia‹ anstimmt, kann der Deutsche nur betreten schweigen. Sein Nationalgefühl kennt keine großen Ereignisse, die man feiern könnte. Stattdessen setzt es hauptsächlich Bedrückung und schlechtes Gewissen frei. Jedes Kind kann sagen, warum: wegen einer Vergangenheit, die niemals vergehen soll. Diese historische Befangenheit lähmt unser Volk, zwingt es zu einer verzerrten Perspektive seiner selbst und übrigens auch zu einer Verleugnung seiner eigenen Geschichte. Während viele Jahrhunderte voll kultureller und wissenschaftlicher Errungenschaften in Vergessenheit geraten, werden immer neue Museen, Denkmäler und Gedenkstätten eröffnet, um an das eine schuldbeladene Jahrzehnt zu erinnern.«
Hans Olaf Henkel in: FAS Nr. 52/2007, S. 17. 

BRD-Vokal
»Neiddiskussion – bis zur Aushebelung des Rechtsstaates. Ehemaliger BRD-Botschafter zum Steuerzwist Berlin – Vaduz.«
Frank Elbe in: NZZ Nr. 48/2008, S. 37

Direkte Demokratie und Steuerehrlichkeit
»Verschiedene empirische Studien haben gezeigt, dass ein positiver Zusammenhang zwischen Bürgernähe des Staates und Steuermoral besteht. So ist die Bereitschaft, Steuern korrekt zu zahlen, in der direktdemokratischen und föderalen Schweiz höher als im zentralistischen Deutschland. Wie die letzte und die derzeit laufende Föderalismus-Reform in Deutschland gezeigt haben, fehlt allerdings die Bereitschaft, den untergeordneten Gebietskörperschaften mehr finanzielle Autonomie und damit den Bürgern direkteren Einfluß und Identifikationsmöglichkeit zu geben.«
NZZ Nr. 47/2008, S. 9.

Überholte Vorstellungen der Vergangenheit
»Ich bin fest davon überzeugt, daß wir unsere offene nationale Frage nicht lösen können, wenn wir überholten Vorstellungen der Vergangenheit nachhängen und darüber die Zukunft vergessen; diese Zukunft – das ist meine feste Überzeugung – wird eine Lösung für die deutsche Frage bringen, wenn wir sie auf der Basis von Freiheit, Menschenrechten und Selbstbestimmung für alle Europäer und damit auch für alle Deutschen verwirklichen. Diesen europäischen Weg zur Einheit in Freiheit weist uns schon die Präambel des Grundgesetzes.«
Dorothee Wilms, ehemalige Bundesministerin,  in: Deutschlandpolitische Bilanz, Bonn, Januar 1989.

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25. Dezember 2007

Bemerkenswerte Zitate
Teil 18

Volkes Stimme
Quod omnes tangit, debet ab omnibus approbari.
Was alle berührt, muß auch von allen gebilligt werden
Codex Justinianus, 5,59,5,2.

Ökodiktatur
»Man muß heute in Deutschland eher von einer Ökodiktatur sprechen als von einer Demokratie.«
Hans Penner, 76351 Linkenheim-Hochstetten, in einem mailverteilten, also offenen Brief an Frau Bundeskanzler Dr. Angela Merkel  v. 18.12.2007, hanspenner@gmx.de

Gesellschaftszerfall
»Wir werden alles gleichzeitig haben: Verelendung, Dritte Welt in Deutschland und daneben einen obszönen Reichtum und Luxus. Die Gesellschaft wird sich spalten oder zerfallen. Es wird Menschen geben, die zwar im gleichen Land leben, aber nicht in der gleichen Welt. Aushalten (aufhalten?) wird man das nur, wenn man die Gründe versteht. Deshalb brauchen wir präzise Analysen.«
Herwig Birg, in: FAZ Nr. 199/2006, S. 33.

Becks Reden
»Becks Reden basieren auf dem Karteikartenprinzip. Dem Vernehmen nach schreibt er sie selbst. Seine Freunde fürchten seine Reden, weil sie nicht wissen, ob die gewagten Satzkonstruktionen zu einem gütlichen Ende gebracht werden. Seine Sätze scheinen nie zu enden. Subjekt, Prädikat, Objekt werden umgeben mit einer Fülle von verschachtelten Parenthesen, deren Inhalt zumeist auch noch ohne Belang ist. Doch Beck hat das nicht geschadet. Die Leute im Saal fanden immer noch Stellen, bei denen sie klatschten.«
Günter Bannas in: FAZ Nr. 256/2007, S. 10.

Über Georges Bataille
»Man kann beobachten, daß Monsieur Bataille einen geradezu delirierenden Verbrauch an Adjektiven hat: besudelt, senil, ranzig, unfähig, zotig, schwachsinnig – und daß diese Wörter ihm nicht etwa zur Beschreibung unerträglicher Dinge dienen, sondern daß er mit ihnen aufs Lyrischste sein Wohlbehagen ausdrückt.«
André Breton 

Über Johannes R. Becher
»Klar: Rosegger! Heimatkunst, der natürliche Geruch, die berühmte ›Scholle‹. Ich meine leider weder Rosegger noch Ganghofer! Was die natürliche proletarische Sprache anlangt, so habe ich von dem Vers: ›O du Strahlender, Herrlicher, Glühender, Gläubiger‹ schon genug, und der hymnische Quarkkäse von Johannes R. Becher, alias kantiger Härte, reizt auch nicht meinen Appetit.«
Alfred Döblin 

Frankreichs Algerienkrieg
»Im Algerienkrieg 1954 bis 1961 haben französische Truppen anderthalb Millionen Zivilisten umgebracht. Ganze Dörfer wurden von der französischen Armee massakriert. Bis heute wurde keiner dieser Mörder angeklagt. 
Am 17. Oktober 1961 wurden mitten in Paris friedliche algerische Demonstranten von der Polizei massakriert. Über 200 Menschen wurden ermordet. Bis heute wurde keiner dieser Mörder angeklagt«.
D. Perinic in: FAZ Nr. 296/2007, S. 38.

Islamische Eroberung Europas
»Libyens Staatschef Muhammad al Kadhdhafi kündigt in einer von einem arabischen Fernsehsender auf Video aufgezeichneten Rede anläßlich einer Islamtagung in Timbuktu die ›islamische Eroberung Europas ohne einen abgefeuerten Schuß und ohne Kanonen binnen einiger Dekaden‹ an.«
Muhammed al Kadhdhafi, Staatschef Libyens, am 10. April 2006 in Timbuktu (von einem WALTHARI-Leser eingesandt).

Literaturpreise
»Ich glaube nicht, daß Preise etwas mit Literatur zu tun haben. Sie haben mit Marketing zu tun, nicht mit Literatur. Mir gefällt das nicht.«
Jonathan Littell 

Gar kein Deutschland mehr
»Es gibt kein ›besseres‹ Deutschland, wir wollen kein ›antifaschistisches‹, kein ›antirassistisches‹, kein ›antisexistisches‹ Deutschland – gar kein Deutschland ist unser Ziel.«
›göttinger drucksache‹, Nr. 552 v. 29. Sept. 2006, S. 1.

Öffentlich-rechtliche Sender
»Sie tun buchstäblich, was sie wollen, und behaupten auch noch, allein sie seien in der Lage, ein Medienangebot mit ›Public Value‹, soll heißen: mit Gemeinwohlwert, zu schaffen, ganz so, als gebe es die freie, unabhängige Presse nicht.«
Michael Hanfeld über die öffentlich-rechtlichen Sender in: FAZ Nr. 268//2007, S. 1.

Zweierlei Verbrechen
»Verbrechen gegen die Menschlichkeit werden von Deutschen begangen, Verbrechen für die Menschlichkeit werden an Deutschen begangen.«
Carl Schmitt 

Die Grünen
»Die Grünen sind ihrem Ursprung nach (und im Kern immer noch) eine linke, sogar linksradikale Bewegung.«
Günther Nonnenmacher, in: FAZ Nr. 274/2007, S. 1.

Nationale Selbstachtung der Deutschen
»Wer in seinem nationalen Gedächtnis nur noch ein einziges Ereignis speichert, auf das alles ausgerichtet ist, nämlich den Holocaust, der hat gar kein Gedächtnis mehr, sondern nur noch eine Obsession. Wer die Kollektivschuld totalisiert und Ausnahmen nicht mehr gelten läßt, der beleidigt nicht nur die echten Widerständler und entlastet die wahrhaft Schuldigen – er zerstört auch jene nationale Selbstachtung, ohne die Schuldbekenntnisse wertlos werden. Wer nämlich sagt, ich nehme alle Schuld auf mich, ohne weiteres Ansehen, der nimmt nichts auf sich. Erst die Verlängerung des empirischen Ichs ins Über-Ich der Staatsästhetik mit ihren Gedächtnis- und Repräsentanzanforderungen macht den Menschen zum Zoon politikon, man kann auch sagen: zum Bürger, zum Citoyen.«
Gustav Seibt in einer Laudatio über Karl Hein Bohrer, abgedruckt in: ›Sinn und Form‹ Juli/August 2007, S. 562.

Liebdiener
»Wie kann einer, der sich nicht oft in den Vorzimmern der Großen aufhält, sich nicht in ihrem Gefolge befindet, keine Loblieder singt, wie kann der dasselbe erreichen, wie der, der das alles tut? Du bist unbillig und anspruchsvoll, wenn du, ohne jene Auszeichnungen mit diesen Diensten zu erkaufen, sie umsonst empfangen willst.«
Epiktet in: ›Handbüchlein der Moral und Unterredungen‹.

Freie Märkte
»Denn Millionen Bürger unseres Landes haben allein deshalb einen Arbeitsplatz, weil es freie Märkte gibt.«
Ronald Pofalla, Generalsekretär der CDU, allen Ernstes über die ›Neue Mitte‹ seiner Partei, in: FAZ Nr. 290/2007, S. 10.

Die EU als Waschanlage
»Die größte Gefahr besteht darin, daß Europa dank des Euro zur größten Waschanlage von Schwarzgeld wird.«
Leoluca Orlando, ehemaliger Bürgermeister von Palermo.

Blogcencus:  die neue Öffentlichkeit
Rund 140.000 Weblogs gibt es in Deutschland, die aktiv betrieben werden, neuerdings auch von Unternehmen, die ihren Mitarbeitern eine Plattform bieten. Die fünf führende Blog-Dienstleister beherrschen zusammen die Hälfte des Marktes. Rund 200.000 Blogger sind in Deutschland in der Szene aktiv, in anderen Ländern weit mehr. Weblogs animieren in Zukunft zur Herdenbildung, etwa als Protestforum von Wählern und Verbrauchern. Eine US-amerikanische Plattform schafft es bis zu 250.000 Stimmen täglich, um Firmen an den Pranger zu stellen. Diese anschwellende Bürgerbewegung bereitet insbesondere den Parteien heute schon großes Unbehagen. 
©WALTHARI® – Aus: www.walthari.com

Inflationsprognose
Im Monatsbericht Dezember 2007 der Deutschen Bundesbank kann man auf Seite 17 lesen: »Die Teuerungsrate... dürfte im Durchschnitt des Jahres 2008 wie schon im laufenden Jahr... 2,3 % betragen.« Man muß kein Finanzwissenschaftler sein, um über diese Prognose den Kopf zu schütteln. Nicht allein die enorm gestiegenen Rohstoff- und Energiepreise, auch die vielen hundert Milliarden leichtes Geld, das die Zentralbanken bereitgestellt haben, um die Bankenkrise abzuwehren, werden die Inflation hochtreiben. Und dazu die anstehenden Lohnforderungen, die erstmals seit Jahren kräftig auf die Unternehmenskosten durchschlagen werden. Auch die Bundesbank denkt manchmal zu politisch. Man wird sie im Dezember 2008 an ihre (Fehl-)Prognose erinnern müssen. Bereits gegenüber der kriminellen Staatsverschuldung war sie allzu lange halb blind.
© Univ.-Prof. Dr. E. Dauenhauer. Aus: www.walthari.com


2. Dezember 2007

Zum Lachen
Sie: Vieles reizt zum Schmunzeln.
Er:  Eigentlich alles. Und nicht nur zum Schmunzeln.
Sie: Du meinst, alles sei zum Lachen?
Er:  Fast alles. Im Leben wie in der Kunst.
Sie: Besonders in der Politik.
Er:  Die gehört zum Leben wie ein Hustenreiz im Konzertsaal. Oder beim Küssen.
Sie: Sie stört also beim Glücklichsein.
Er:  Nicht nur dabei. Sie verstört das ganze Leben, wenn man zu lachen vergißt.
Sie: Wenigstens zerstört sie bei uns nicht mehr Leib und Leben. 
        Denn bei diesem Zerstören und danach gibt’s nicht mehr zu lachen.
Er:  Wohin führst du mich?
Sie: Zu einem Soldatenfriedhof. An diesem Ort vergeht dir das Lachen.
Er:  Dir etwa nicht?
Sie: Manche Mütter haben nach dem Heldentod ihrer jungen Söhne durchgedreht und im Wahnsinn gelacht.
Er:  Du siehst, das Lachen kennt keine Grenzen und spart keinen Ort aus.
Sie: Dann wäre es ja gleichgültig, wohin wir gehen?
Er:  Ja, denn alles ist Komödie. 
© Erich Dauenhauer. Aus: www.walthari.com
Aus: ›Im Garten der Ironie. Stich-Worte zwischen Lachen und Lächeln‹, in: WALTHARI-Heft 28/1997, S. 29.


29. Oktober 2003

Sprachseparatistisches Schweizerdeutsch

Das Schwyzerdütsch ist auf dem Wege, sich von seinen letzten Bindungen am Hochdeutschen zu verabschieden. Das ist durchaus die Absicht vieler Eidgenossen in der deutschsprachigen Schweiz, die eine Abtrennung auch öffentlich begrüßen und vermehrte Dialektsendungen in Rundfunk und Fernsehen fordern. Neben dem Röschtigraben zur welschen Schweiz hebt man an der Grenze zu Deutschland eifrig einen Sprachgraben aus, der mit den Dialektunterschieden zwischen dem Bayerischen und Schwäbischen, Pfälzischen und Hessischen usw. nicht vergleichbar ist. Die Sprachgräber buddeln aus politischer Trennungsgesinnung und haben die Abschottung bereits soweit getrieben, daß sich innerschweizerischer Widerstand gegen das völlige Ausklinken aus der am Hochdeutschen orientierten Sprachgemeinschaft regt. Die Trenntendenzen haben bisher kaum die Schriftsprache erfaßt, nach wie vor erscheinen die Zeitungen in Basel, Zürich usw. in hochdeutscher Fassung (mit landesspezifischen Einsprengeln). Doch auch beim Gedruckten sind Trennungsansätze zu beobachten: Homer wird in Berndütsch (Bernerdeutsch) angeboten, und zwar mit der umwerfenden Begründung, dem Berndütsch sei der Hexameter eingeboren. Den Trennungsprozeß vollzogen hat längst die gesprochene Sprache im Alltag und im Geschäftsleben, in Schulen und in den Funkmedien, welche zügige Schrittmacherdienste vollziehen. Für einen Großteil der Jungschweizer südlich des Bodensees ist das Hochdeutsche bereits eine Art Fremdsprache geworden. Schüler und Arbeitnehmer, die hochdeutsch reden, werden gemobbt, und zwar regelhaft, berichten die Medien. Wer in der Schweiz heimisch werden will, muß sich dialektsprachlich unterwerfen. 
© Univ.-Prof. Dr. E. Dauenhauer. Aus:www.walthari.com



Bemerkenswerte Zitate
Teil 17

Verbotsgesellschaft
»Jedenfalls treibt die kleinbürgerliche Auseinandersetzung um Verbote aller Art bereits seltsamste Blüten. So wird derzeit im Kanton Bern (wo ein weitreichendes Werbeverbot in Kraft getreten ist) ernsthaft darüber diskutiert, ob Frau Meier und Herr Müller künftig noch ihren alten Sonnenschirm mit der Bierwerbung auf den Balkon stellen dürfen. Im vergangenen Sommer wurde auf der Höhe der Feinstaub-Hysterie nicht minder ernsthaft ein landesweites Cheminéefeuer-Verbot erwogen. In einigen Städten wird künftig verzeigt, wer unachtsam einen Zigarettenstummel oder einen Kaugummi wegwirft, und in Basel kann bereits gebüßt werden, wer sich zu lange in einem Parkhaus aufhält.«
NZZ Nr. 76/2007, S. 33.

Bürgerentmündigung
»Unter dem Vorwand, es sei doch nur zu ihrem Besten, mischt sich der moderne Staat in alles ein, und zwar auch gegen den ausdrücklichen Willen der Untertanen. Vorsorge und Fürsorge sind jedoch nur fadenscheinige Versprechen. Der Staat ist weder ein Hort der Sittlichkeit noch eine moralische Anstalt. Er hütet kein Gemeinwohl und ist auch keine Quelle väterlicher Geborgenheit. Der Staat ist eine Einrichtung zur Beherrschung der Bürger. Mit dem Umfang der Registraturen und der Zahl der Staatsdiener nimmt die Freiheit der Bürger ab. Fern jedes moralischen Fortschritts kennt die Entwicklung des Staates nur eine Richtung: Vorwärts in der Entmündigung und Enteignung der Bürger! Die Gerechtigkeit, die er zu verwirklichen vorgibt, benötigt immer mehr Gesetze, die Gesetze benötigen immer mehr Bedienstete, und die Bediensteten benötigen immer mehr Geld von den Untertanen, die sich von den Bediensteten zu Unrecht immer mehr Gerechtigkeit erhoffen.«
Wolfgang Sofsky in FAS Nr. 33/2007, S. 9.

Über Minister Sigmar Gabriel
»Unter Fachleuten herrscht die Meinung vor, daß Ihre Sachkenntnisse nicht ausreichen, um ein Ministerium zum Wohle der Bevölkerung führen zu können. Allerdings verlangt die SPD für die Verleihung eines Ministerpostens nicht einmal einen Hauptschulabschluß.«
Hans Penner in einem mailverteilten, also offenen Brief an Umweltminister S. Gabriel v. 24.08.2007, hanspenner@gmx.de

Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse
»Aus meiner Sicht ist die im Grundgesetz postulierte Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse ein realitätsferner Hemmschuh für Wettbewerb und Vielfalt. Wir müssen die föderalen Anreizstrukturen so ausgestalten, daß sich Leistung wieder lohnt und starke wie schwache Länder gleichermaßen von ihren Anstrengungen profitieren.«
Oswald Metzger, MdL, finanzpolitischer Sprecher der GRÜNEN im Landtag von Baden-Württemberg.

Mafia-Morde
»Einer der Camorra-Bosse von Mondragone ist Psychoanalytiker, ein Experte für Freud und Lacan. Er hat sechzig Leute auf dem Gewissen. Um die Ausbreitung von Aids in seiner Gegend zu stoppen, hat er eine Todesliste mit HIV-Infizierten zusammengestellt. Sie wurden alle umgebracht.«
Roberto Saviano, Autor des Buches ›Gomorrha‹, 2007.

Hobbesmaxime
»Homo homini lupus est.«
Thomas Hobbes in: ›Leviathan‹, entlehnt dem Plautustück ›Asinaria‹.

Scherbenhaufen der Immigrationspolitik
»Man braucht, verdammt noch mal, kein Überlebender des Holocaust zu sein, um mit bürgerlichem Selbstbewußtsein den nach wie vor in linken Denkschablonen steckenden Multikulti-Illusionisten, xenophilen Einäugigen und Appeasement-Doktrinären couragiert die Stirn zu bieten...  Vor uns liegt der Scherbenhaufen einer Immigrationspolitik.
Ralph Giordano in FAS Nr. 32/2007, S. 13.

Feigheit
»Es gibt Fälle, in denen vernünftig sein feig sein heißt.«
Marie von Ebner-Eschenbach.

MP Erdogan
»Tatsche ist, daß der türkische Ministerpräsident noch 1997 wegen öffentlicher demokratiefeindlicher, islamistischer Äußerungen vom Sicherheitsgericht in Diyarbakir zu vier Monaten Gefängnis verurteilt wurde. Auf einer Wahlkampfveranstaltung im südanatolischen Sürt  hatte er aus einem Gedicht des Poeten Ziya Gökalp zitiert: ›Die Demokratie ist nur der Zug, auf den wir aufsteigen, bis wir am Ziel sind. Die Moscheen sind unsere Kasernen, die Minarette unsere Bajonette, die Kuppeln unsere Helme und die Gläubigen unsere Soldaten.‹ Erdogan war damals bereits 43 Jahre alt und Oberbürgermeister der Zwölf-Millionen-Metropole Istanbul.«
Dr. Rainer Rothfuß in FAZ Nr. 194/2007, S. 15

Vollbeschäftigung
»Jedem, der dies wünscht, soll die Möglichkeit zur Erwerbstätigkeit gegeben sein. Dieses Vollbeschäftigungsziel ist Wirtschaftspolitik und Arbeitsmarktpolitik gemeinsam.«
Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung Walter Arendt 1974 in: ›Perspektiven der Arbeitsmarktpolitik‹, S. 7.

Demokratie-Export
»Ich glaube, es ist ganz falsch, Afghanistan oder dem Irak die Demokratie bringen zu wollen. Man weiß dort nichts von Demokratie, es gibt keine demokratische Tradition.«
Literaturnobelpreisträger Imre Kertész in NZZ Nr. 155/2007, S. 25.

Die Kaczinskys
»Die Kaczinskys sind allerdings keine Verrückten, wie im Ausland oft geglaubt wird, sondern katholische Fundamentalisten. Wir erleben derzeit die schärften Angriffe der vergangenen 20 Jahre. Die beiden Brüder würden die Gewerkschaften am liebsten zerschlagen.«
Bojan Stanislawski, Chefredakteur einer polnischen Gewerkschaftszeitung, in: ›metallzeitung‹ Nr. 9/2007, S. 3.

Professoren
»Manche Professoren tragen an ihren vielendigen Ehrengeweihen so schwer, daß sie im Dickicht ihres Disziplingeländes nicht mehr recht vorankommen.«
Waltharius, 2007.

Krankheiten wachhalten
»Die Pharmabranche läßt es sich enorme Summen kosten, die Angst vor Krankheiten wachzuhalten und unsere Blicke auf immer neue Symptome zu lenken. Keine andere Branche verdient so gigantische Summen, in keinem anderen Wirtschaftszweig sind die Absatzmärkte derart lukrativ. Allein 2004 erzielten die zehn führenden Pharmaunternehmen mit verschreibungspflichtigen Medikamenten einen Umsatz von 205 Milliarden Dollar.«
Melanie Mühl in FAZ Nr. 214/2007, S. 41.

Pakistanische Parallelgesellschaft
»In Norwegen blüht die pakistanische Parallelgesellschaft. Sobald die Kinder schulreif sind, werden sie nach Pakistan in die Koranschule geschickt. Little Norway wird die Gegend genannt, aus der sie stammen. Der Integrationsminister staunte, als er die Little Norway Tausende Schüler mit norwegischem Paß vorfand, die ihr Norwegisch vergessen hatten. Wenn sie als Halbwüchsige zurückkehren, sind sie norwegischen Verhältnissen entfremdet.«
Aldo Keel in NZZ Nr. 180/2007, S. 24.

Abrißbirne
»Abrißbirne sozialdemokratischer Programmatik.«
Andrea Nahles als Juso-Vorsitzende 1997 über Gerhard Schröder, zitiert in ›Politiker beschimpfen Politiker‹, S. 177. A. Nahles wurde auf dem SPD-Parteitag in Hamburg (Okt. 2007) zur stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. 

Sollen Politiker auf Stimmungen reagieren?
»Natürlich müssen sie reagieren, sie sollen es sogar mit Feingefühl tun. Aber doch bitte nicht so vordergründig wie der Parteivorsitzende der SPD, Kurt Beck. Sich ein kleines Problem herauszugreifen wie das Arbeitslosengeld für alte Arbeitslose und das zur sozialen Frage hochzustilisieren ist schon zynisch. Beck gaukelt Lösungen vor, die keine sind in dieser Welt.«
Guy Kirsch, Schweizer Politökonom in FAS Nr. 43/2007, S. 37.
 
 



Bemerkenswerte Zitate
Teil 16
Tour de France
»Wer einen Hang zum Kriminellen hat, der soll sich die Tour anschauen. Denn kriminell zu kriminell, das hat im Leistungssport schon Jahrzehnte gepasst. Man kann sich die Tour ja ansehen wie einen Dokumentations-Krimi. Geboten wird eine Aufzeichnung von kriminellen Taten, manches, was man sich wünscht, sieht man bis jetzt zwar noch nicht, etwa was so im Hintergrund läuft.«
Prof.  W. Franke am 30. 06. 2007.

»Lug und Betrug gehört zur Tour de France wie der Eifelturm zu Paris.«
Henning Peitsmeier, in FAZ Nr. 173/2007, S. 2.

EU-Identität 
»Europa hatte ja einmal sehr nationale Traditionen. Im 20. Jahrhundert gerieten diese jedoch wegen blutiger, nationalistisch motivierter Kriege in Verruf. Jetzt bemüht man sich, eine ›europäische Identität‹ zu basteln; sie ist aber ziemlich inhaltsleer.« 
Francis Fukuyama in: WamS Nr. 14/07, S. 68.

›Pofalla-Deutsch und Prinzipienverlust‹
Unter dieser Überschrift führt der Chefredakteur des Handelsblattes (HB) aus: »Die Sätze dieses Programms mischen sich zu einer Sprache, die ihre drei Hauptquellen niemals verbergen kann: das kirchliche Erweckungsbrevier, die bürokratische Umlaufmappe und den linken Soziologenjargon. Aus dem Brevier stammen theologische Plattweisheiten wie ›Jeder Mensch ist Irrtum und Schuld ausgesetzt‹. Aus der Habermas-Kiste kommen solche Unwörter wie ›Generationenbeziehungen‹ oder ›Lebensumwelt‹. Aus den Tischvorlagen der Beamten stammen solche Ungetüme wie ›Zuwanderungs- und Aufnahmebedingungen‹.«
Bernd Ziesemer, Chefredakteur,  HB v. 22.05.07, S. 11.

Deutscher Kulpismus
»Das ist eine einzigartige und erschreckende Desavouierung der gesamten deutschen Versöhnungspolitik gegenüber Polen seit Willy Brandt. Indessen ist noch keineswegs sicher, ob nach dieser ›Brüsseler Lektion‹ den Protagonisten des deutschen Kulpismus, die von Anfang an die erste Geige spielten im Stück, endlich zu dämmern beginnt, welchen Bärendienst sie nicht allein Deutschland, sondern Europa im Ganzen geleistet haben, als sie das Verschweigen der kategorialen Dimension der massenmörderischen Deutschenvertreibung als Epochenverbrechen und dessen fraglose Hinnahme im Wiedervereinigungsprozess durch die ›schuldigeren‹ Deutschen zur puren historischen Selbstverständlichkeit herunterdeklarierten. Es scheint, hier muss auch innerhalb unserer Republik etwas neu und anders als bisher verhandelt werden.«
Andreas Gizewski, in: FAZ Nr. 151/07, S. 8.

›L’Etat, c’est Sarkozy‹
Unter dieser Überschrift des Aufmachers in der NZZ Nr. 137/2007 war zu lesen: »Der französische Präsident verfügt über eine beispiellose Machtfülle. Mit einer sicheren Mehrheit im Parlament wird er zu einer Art Sonnenkönig auf Zeit. Diese Allmacht ist verfassungsrechtlich gesehen nicht unproblematisch. Von einer echten Gewaltenteilung kann kaum mehr die Rede sein. Regierung und Parlament sind nicht viel mehr als dem Präsidenten zuarbeitende Organe. Angesichts der Energie und des legendären Ehrgeizes von Nicolas Sarkozy wird dessen Macht sogar noch konzentrierter sein als gewöhnlich in dieser Konstellation.«

Sarkozy und die Presse
»Nicht von ungefähr lassen sich französische Politiker gern mit Journalistinnen ein. Die Kumpanei beider Sphären bietet Gewähr, dass nichts nach außen dringt. Fast ein Drittel der Pariser Minister ist offiziell mit Journalistinnen liiert. Auch Sarkozy tröstete sich laut Bloggern vor zwei Jahren mit einer Frau vom ›Figaro‹. Damals war Cécilia mit einem Werbemanager durchgebrannt.«
FTD v. 19.06.07, S. 28.

Nochmals Sarkozy
»Unangenehm wird es, wenn man Sarkozy im Weg steht. Das hat sich herumgesprochen, daher legen sich französische Politiker, Journalisten und beamte schon jetzt vorsorglich bäuchlings auf den Boden, wenn irgendwo auch nur sein hektisch fuchtelnder Schatten erscheint. Weshalb einer, der selbst das Gegenteil eines solchen Verhaltens kultiviert, diese Servilität goutieren soll, ist ein Rätsel.«
FAS Nr. 19/2007, S. 36.

Homosexuellen-Rente
»Warum soll es zu den staatlichen Solidaritätspflichten der Kinder einer katholischen Familie gehören, die Hinterbliebenenrente des überlebenden Partners einer homosexuellen Lebensgemeinschaft zu erarbeiten?«
Philosoph Peter Koslowski in: FAZ v. 11.11.06, S. 15.

Entwicklungshilfe
»Die Afrikaner haben nur die Mechanismen der Entwicklungshilfe durchschaut und machen sie sich zunutze. Entwicklungshilfe ist die einzige Industrie auf der Welt, die keine Rechenschaftsberichte ablegen muss. Das Erfolgskriterium ist oft nur, ob der Mittelabfluss geklappt hat oder nicht. Was dabei wirklich herauskommt, ist unwichtig.«
Thomas Scheen, in: FAZ Nr. 129/2007, S. 6.

Modekrieg
»Die Modewelt ist keine schöne Welt. Mode ist Krieg..., es geht nur um Verdrängung.«
Wolfgang Joob, in: HB Nr. 65/2007; S. 2.

Politische Todeszone
Die »politische Todeszone ist in den vergangenen Jahren immer größer geworden, denn zwischen ›rechts‹ und ›rechtsextrem‹ wird in der Debatte immer seltener unterschieden. Die Linke in diesem Lande hat es unter Ausnutzung ihrer Diskursüberlegenheit dahin gebracht, dass selbst brave CDU-Mitglieder nur dann nicht vor dem Attribut ›rechts‹ zurückschrecken, wenn sie die Unschuld ihrer Gesinnung durch die Beteiligung an einer der vielen Kampagnen ›gegen rechts‹ beweisen können.«
Berthold Kohler, Mitherausgeber der FAZ, am 24. Mai 2007-07-28.

Oskar Lafontaine
»So einer ist kein linker Befreier, sondern ein Helfershelfer der Taliban, dem es egal ist, ob die Leute in Afghanistan gefoltert und unterdrückt werden.«
Sigmar Gabriel, SPD-Bundesumweltminister, in: FAS Nr. 21/2007, S. 8, über seinen ehemaligen Genosse Vorsitzenden.

Ökonomische Bildung
»Politiker in Deutschland haben meist keine wirtschaftliche Bildung und verschließen die Ohren für Expertenrat«.
Bernd Ziesemer, Chefredakteur,  HB Nr. 26/2007, S. 9.

Gedächtnispflege
»... schreibt man auf die Grabstätte, was einer gesündigt hat? Steht auf Stalins oder Churchills Grab, wie viele auf ihren Befehl zu Tode kamen? Welche Vergehen oder Irrtümer, welche Schuld schreibt man den Millionen deutscher Frauen und Kinder zu, die im Kriege und oft erst lange danach umkamen? Zwölf Millionen Menschen wurden aus ihrer Heimstätten vertrieben, weil sie deutscher Sprache waren, etwa vier Millionen kamen dabei um – die größte Vertreibung, die die Weltgeschichte je gesehen hat. Das Gedächtnis an all diese Toten zu erhalten, das ist die Aufgabe der Gedächtnisstätte. Nicht Gedanken der Schuld und einer ›historischen Aufarbeitung‹ ist sie gewidmet, ebenso wenig der Vergeltung, sondern allein dem liebenden und ehrenden Gedächtnis der Toten und ihrer Leiden.«
Prof. Dr. Theodor Schmidt-Kaler am 18. Juli 2007 in: FAZ Nr. 164/2007, S. 17. 


Bemerkenswerte Zitate
Teil 15

Deutschlandflüchtlinge
»Es ist geradezu peinigend absurd: Deutsche Spitzenkräfte wandern zunehmend ab, und ausländische Spitzenkräfte machen immer deutlicher einen Bogen um dieses Land. Die Zuwanderer, die unter dem Schutz unserer Gesetze kommen und die wir uns nicht aussuchen können, entsprechen in ihren beruflichen Profilen oft nicht unserem Bedarf.«
Klaus J. Bade, Historiker an der Universität Osnabrück.

Vermögenspreisinflation
»Die Chancen, daß die Geldpolitiker den Weg zurück zum stabilern Geld finden, stehen leider nicht gut. Sie wollen nur die Konsumentenpreise stabil halten und ignorieren de facto die Vermögenspreisinflation. Vor allem aber dürften die Geldpolitiker vor unpopulären Schritten zurückschrecken.« 
Thorsten Polleit, Finanzexperte.

Schweizer Rosinenpickerei
»Tatsächlich sind die Schweizer begabte Rosinenpicker, dahinter steckt ein kühles Kalkül. Schließlich war die Schweizer Außenpolitik schon immer hauptsächlich Außenwirtschaftspolitik. Der Beitritt bringt dem Land ökonomisch nicht viel, der Nutzen ist zumindest geringer, als es die Kosten sind. Man müßte nicht nur etwa drei Milliarden nach Brüssel überweisen, sondern letztlich auch den Franken mit seinen niedrigen Zinsen opfern.«
Konrad Mrusek, Journalist.

Geld
»Alles, was die Sozialisten von Geld verstehen, ist die Tatsache, daß sie es von anderen haben wollen.«
Konrad Adenauer, ehemaliger Bundeskanzler.

»Die Rücknahme des Euro wäre die ideale Lösung.«
Prof. Dr. Wilhelm Hankel im Telebörse-Interview

Goethe-Institute
»Die Goethe-Institute sind auch deshalb beliebte Partner, weil sie so nett sind. Sie fordern nämlich nicht viel. Womöglich, weil wir Deutschen erst allmählich unbefangen mit der Frage umgehen, wer wir sind oder sein wollen. Unsere Kulturvertreter im Ausland müssen früher, als die Mittel noch reichlich flossen, ein sehr merkwürdiges Bild abgegeben haben: In den entlegensten Winkeln der Weltkugel lehrten sie eine Sprache, die sie sich nicht zu lieben trauten, und erzählten von einem Land, dessen sie sich vorauseilend so bereitwillig schämten, als hätte es vor Hitler und nach Hitler keine deutsche Geschichte gegeben.«
Paul Ingendaay, Journalist.

Konfliktfähigkeit
»Wir bekommen seit frühester Jugend das Prinzip ›Konsens durch Kompromiß‹ vermittelt. Wir haben kulturell einen Mangel an Konfliktfähigkeit. Die Engländer lernen in Debattierklubs, mit Konflikten umzugehen. Bei uns zeigt man in Verhandlungen oft von vornherein eine Haltung, mit der dann nur der kleinste gemeinsame Nenner erreicht wird. Auch das erschwert Veränderungen. Das gilt für unsere gesamte Gesellschaft.«
Paul Achleitner, Finanzvorstand

Streit
»Nicht jene, die streiten, sind zu fürchten, sondern jene, die ausweichen.«
Marie von Ebner-Eschenbach, Dichterin.

Parteigeklingel
»Themen wie Schule, Armutsdebatte oder Steuergerechtigkeit – das alles können Sie sehr kompetent jenseits von ausschließlich parteipolitischem Geklingel und Geklungel diskutieren.«
Günther Jauch, Fernsehmoderator

Familiendiskriminierung
»Frauen sollen durch das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) zwar vor Diskriminierung geschützt werden – nicht aber die Familie. Da stimmt was nicht in einem Land, das angeblich mehr Kinder will. Das sage ich nicht nur als Anwalt, sondern auch als dreifacher Familienvater. Ein Urteil des Landesarbeitsgerichts (LAG) Berlin (Aktenzeichen 2 Sa 1776/06) macht das jetzt deutlich. Denn Familie spielt in der Begründung keine Rolle.«
Marc Steffek, Anwalt.

Über Deutschland
»Sowohl der Arbeitsmarkt als auch die Finanzmärkte sind in verheerendem Zustand. Die Mitbestimmung, der Kündigungsschutz – all das ist schädlich...  Schauen Sie sich doch diese typisch europäische Rachsucht gegenüber dem Arbeitgeber an, der unternehmerisch, visionär und zuversichtlich genug ist, einen Menschen einzustellen und eine Chance zu geben, dessen Projekt aber fehlschlägt, so daß er wieder entlassen muß und im Saldo ein paar Monate lang jemandem ein Gehalt gezahlt hat – das ist einfach bösartig. Es ist feindselig gegenüber dem Unternehmertum.«
Edmund Phelps, Wirtschaftsnobelpreisträger 2006

Am Wähler vorbei
»Die grundlegende Veränderung der ›terms of peace‹ vollzieht sich am Souverän vorbei. Zwar werden, etwa in Deutschland, Militäreinsätze ›out of area‹ letztlich vom Parlament entschieden, die Entscheidungsgründe bleiben jedoch für die Wählerinnen und Wähler vage. Wer sich vor Augen führt, mit welchen Argumenten das Publikum, egal, von welcher Partei, zur Rechtfertigung der entsprechenden Beschlüsse abgespeist worden ist, wird hier eher eine außerpolitische Ideologie erkennen, hinter der sich jegliche harte Interessen verbergen und durchsetzen könnten. Oder will jemand ernsthaft behaupten, daß die Rede des ehemaligen Außenministers Fischer über die Bedeutung von ›Auschwitz‹ für seine Biographie auch nur den Hauch einer Begründung für einen konkreten Militäreinsatz liefern könnte? Hat der deutsche Politiker, der das Bonmot von der Verteidigung Deutschlands am Hindukusch in die Welt gesetzt hat, auch nur einmal den konkreten Nachweis führen müssen, welche terroristischen Aktivitäten durch die deutschen Soldaten in Afghanistan von Deutschland abgehalten wurden?«
Wieland Elfferding, Publizist.

Radarfalle
»In der Schweiz, dieser Hochburg der Raubritter, schiebt, als wäre die Kaffee- und Tobleronepause beim Transit ans Mittelmeer nicht schon teuer genug, der heimtückische Lichtschrankenwärter bereits eifrig Dienst.«
Andreas Rossmann, Journalist.

Verbrechenspolitik I
»Die Verbrechen kommunistischer Diktaturen im 20. Jahrhundert sind noch nicht aufgearbeitet worden. Dieser Ansicht ist der deutsch-französische Publizist und Politologe Alfred Grosser (Paris). Als bedenklich bezeichnet er im Magazin ›Cicero‹ (Potsdam) die Tatsache, dass ›die Millionen Toten, die die Verbrechen Stalins und Maos hervorgebracht haben, bis heute verniedlicht werden.‹ Hier gebe es erstaunliche Interessengemeinschaften zwischen ehemaligen Kommunisten und jüdischen Organisationen, schreibt der Jude Grosser. ›Beide treffen sich in der Intention, es solle nur ‚Auschwitz’ da sein.‹ Bis heute schienen viele nicht zu wissen oder nicht wissen zu wollen, ›welches Ausmaß die Verbrechen Stalins und Maos gehabt haben. So habe die PDS im Europarat in Straßburg verhindert, dass eine Resolution über die Notwendigkeit einer Verurteilung der Verbrechen kommunistischer totalitärer Regime verabschiedet wird.« (Hervorhebungen im Original) 
Redaktionszitat in ACP-Information Nr. 1/2007, S. 14(APC = Arbeitskreis für christliche Publizisten)

Verbrechenspolitik II
»Der Herrscher macht sich gewissermaßen zum Mitschuldigen an dem Verbrechen, das er nicht bestraft.«
Friedrich der Große, Politisches Testament (1752).


Bemerkenswerte Zitate
Teil 14

Abstoßender Maoismus
»Abstoßend ist es, wenn man heute, auch nach der schonungslosen Enthüllung Maos als der Welt größter Massenmörder (rund 70 Mio. Opfer), in Peking westliche Touristen weiterhin ein Souvenir mit Mao-Bild oder eine Kleinausgabe des roten Büchleins kaufen sieht und die kichernden Käufer dies offensichtlich noch ganz originell finden. Man stelle sich vor, dasselbe würde in Berlin mit Hitler-Memorabilien geschehen. Noch fragwürdiger ist allerdings, dass von all den 68ern, die vor vierzig Jahren an westlichen Universitäten die Mao-Bibel schwenkten und ihre Unterstützung für die ›Kulturrevolution‹ skandierten, kaum ein Wort der Reue zu hören ist. Es wird die damalige Mao-Verehrung als ein Element des allgemeinen Zeitgeists gesehen, so ähnlich wie die poppige Mao-Ikone von Andy Warhol...  Im Rückblick muß zudem auffallen, wie leichtfertig die einstige Mao-Begeisterung bei vielen westlichen Intellektuellen dem kollektiven Vergessen und Verdrängen überantwortet wurde
Urs Schoettli in: NZZ Nr. 214/06, S. 25.

Kunst als Firlefanz 
»Und angesichts der Tatsache, daß wir dauernd von Geld, das wir nicht haben, Dinge kaufen, die uns nicht gefallen, um damit Leute zu beeindrucken, die wir nicht leiden können, lohnt es sich ja vielleicht doch, gerade beim Kunstkauf noch einmal darüber nachzudenken: Keinen Firlefanz, nichts, was andere schon besser gemacht haben, nichts, was man sich eigentlich gar nicht leisten kann – und vor allem: nur das, was einem selber wirklich zusagt, egal ob alle anderen das für Schwach-, Wahn- oder Irrsinn halten.« 
Peter Richter, in: FAZ Nr. 253/2006, Beilage ›Kunstmarkt‹

Islamisches Europa
»Der libysche Staatschef Muammar Gaddafi: ›Einige Menschen glauben, Mohammed sei lediglich der Prophet der Araber oder Moslems. Das ist ein Irrtum. Wir haben 50 Millionen Moslems in Europa. Es gibt Anzeichen, dass Allah dem Islam den Sieg über Europa schenken wird. Ohne Schwert, ohne Gewehre, ohne Eroberung wird Europa moslemisch‹.... ›Es ist einem Moslem verboten, jemandem, der nicht an Allah und seinen Propheten glaubt, ein loyaler Freund zu sein.‹ Aus einem Unterrichtsbuch diverser moslemischer Länder«
Aus: ACP Nr. 4/2006, S. 22.
 

Scheren im Kopf
»Überall in der westlichen Welt schnappen die Scheren der Zensur, der kollektiven Selbstzensur säkularer Demokratien zu: ›Idomeneo‹ in Berlin, das Gesetz über die Leugnung des Völkermords an den Armeniern in Frankreich – überall hört man das metallische Zischen im Blätterwald.«
Philip Blom in: FAZ Nr. 241/2006, S. 39.

Schiefer Vergleich
Frage: »Rechtfertigt der Islam Gewalt?«  Antwort des Integrationsministers von Nordrhein-Westfalen, Armin Laschet:  »Nein, der Koran hat Stellen, die Gewalt legitimieren, aber die Bibel hat sie auch. Doch das Christentum hat die Aufklärung hinter sich, und die steht dem Islam in weiten Teilen noch bevor. Die Geschichte des Christentums ist eine viele zu kriegerische, als daß man sagen könnte, das Christentum sei die friedliebendere Religion.«
Aus: FAZ Nr. 234/06, S. 4.

Gewaltfreier Islam?
»Die Behauptung, daß ein gewaltfreier Islam der ›eigentliche‹ Islam sei, steht im globalen Maßstab derzeit gegen die Behauptung derer, die sich auf den Koran berufen, wenn sie Frauen knechten oder Bomben zünden. Daß Menschenrechte die Praxis der Religion bestimmen und nicht etwa umgekehrt, dieser Universalismus hat nur dort eine Chance, theologisch fundiert zu werden, wo die heiligen Bücher der Religion sich der historisch-kritischen Methode öffnen.«
Christian Geyer in: FAZ Nr. 248/06, S. 43.

Thomas Bernhards Dichterschelte
»Es gibt ja fast nur opportunistische Schriftsteller. Entweder hängen sie sich rechts an oder links, marschieren dort oder da, und so, und davon leben sie ja. Das ist halt unangenehm, warum soll man das nicht sagen, der eine arbeitet mit seiner Krankheit und seinem Tod und kriegt seine Preise, und der andere rennt für den Frieden herum und ist im Grunde ein gemeiner blöder Kerl, also was soll’s?«
Thomas Bernhard in FASZ Nr. 42/22. Okt. 06, S. 25.

Berüchtigte Frauenfrage
Rheinischer Merkur: »Seit neun Monaten leiten Sie als Beiratsvorsitzende die strategischen Geschicke der Würth-Gruppe. Es gibt nicht viele Frauen an der Spitze von Großunternehmen. Waran liegt es?«
Bettina Würth: »O je, darüber habe ich noch nie nachgedacht. Für mich ist die berüchtigte Frauenfrage überhaupt kein Thema!«
RM Nr. 48/06, S. 12.

Schweizer Schlaumeier
»Auch wenn die Schweizer nun mehrere Male hintereinander mit Ja gestimmt haben, so war dies doch keineswegs das große Ja zu Europa. Es war immer eine kühlkalkulierte Entscheidung. Die Bürger wollen den Beitritt nicht, sie werden den bilateralen Weg so weit gehen, solange er begehbar ist, sprich, solange eine Union von 25 oder 27 Staaten bereit ist, mit dem Schweizer Sonderling spezielle Verträge zu schließen, etwa bei der Öffnung des Strommarktes oder beim Freihandel mit landwirtschaftlichen Produkten. Der Beitritt würde all dies vereinfachen, doch er wäre teurer für das Land. Man müßte nicht nur Milliarden nach Brüssel überweisen, sondern auch den Franken mit seinen niedrigeren Zinsen opfern.«
Konrad Mrusek in: FAZ Nr. 278/29. Nov. 2006, S. 10.

Wüstenbildung in Europa
»Es gibt Regionen, wo die Auswirkungen dramatisch sind, die Wüstenbildung in Europa wird ein echtes Thema.«
DWD Gerhard Adrian in: FAZ Nr. 280/06, S. 37

Zwei Drittel menschlicher Klimaeinfluß
»Als zu mindestens 90 Prozent gesichert gelten ... der Rückgang von kühlen Tagen und Nächten und die Zunahme von warmen Tagen und Nächten über den Landmassen seit den 1960er Jahren. Dies wird mit über 66 Prozent Wahrscheinlichkeit auf menschlichen Einfluß zurückgeführt.«
Heidi Blattmann in: NZZ Nr. 254/06, S. 29.

Süssmuths eiliges Buch
»Zahllose Wiederholungen von Allgemeinplätzen, Quellenangaben, die der Überprüfung nicht standhalten, und die Wiedergabe weitverbreiteter, aber falscher Behauptungen (so hat die Lehrerschaft der Berliner ›Rütli-Schule‹ im Februar 2006 nicht die Auflösung ihrer Schule gefordert) sind Hinweise auf die Eile, in der das Buch erarbeitet wurde.«
Stefan Luft über ein neues Buch von Rita Süssmuth, in: FAZ Nr. 284/06, S. 8.


Bemerkenswerte Zitate
Teil 13

Taube Regierungen
»Wir Regierenden wirken zunehmend so, als würden wir nicht mehr auf unsere Völker hören. Das ist der eigentliche Grund aller EU-Müdigkeit.«
Griechenlands Präsident Karolos Papoulias in: FASZ Nr. 37/2006, ›Politik‹ S. 7.

Große Koalition I
»Die Große Koalition ist Gift für die Demokratie. Wollen Union und SPD verhindern, dass die Unterstützung für das politische System und damit ihre eigene Legitimation weiter schwindet, müssen sie Macht an die Bürger abgeben. Nur so können überzogene Erwartungen an die Politik und an die Große Koalition gebremst werden.«
Leo Klimm in: FTD 22. Nov. 2006, S. 30.

Große Koalition II
»Eine große Koalition hat in unserer Demokratie denselben Stellenwert wie ein Putsch in Thailand. Beides kommt gelegentlich vor. Meist ist es unblutig. Es gibt zu jeder Zeit Befürworter in der Bevölkerung und in den Medien, die glauben, die Probleme des Landes seien nur so zu lösen. Und der Ausnahmezustand hält zum Glück nicht sehr lange an.«
Wolfang Münchau in FTD 27. Sept. 2006, S. 30.

Schröder und Merkel als »Deformer«
»Angela Merkel setzt fort, was Gerhard Schröder begonnen hat. Das ist ein fürchterlicher Satz, denn er stimmt. Dabei war Schröder ein Springinsfeld, seine fahrige Regierung endete mit einem ausgeschüttelten Zettelkasten namens Agenda 2010. Frau Merkel hatte hingegen ein Konzept vor Beginn. Hatte! Schröder nahm der SPD und dem Land in seinem Abwahlkampf jenen Reformmut, den er zuvor selbst gemacht hatte. Er hat ihn auch Frau Merkel genommen. Sie beide sehen sich als Reformer, zeigten sich aber – er zum Schluß, sie zum Start – als Deformer. Schröder hatte zu spät begriffen, daß es grundfalsch war, ›nicht alles anders, aber vieles besser‹ machen zu wollen. Diese Regierung hat das nicht begriffen. Sie ist schlecht für Deutschland.«
Wulf Schmiese in FASZ Nr. 40/2006, ›Meinung‹ S. 14.
 

Werbeanzeige
»Die 3000 Jahre alte Stadtgeschichte in Metz reicht von galloromanischen Ruinen über den italienischen Einfluß im Mittealter bis zum Kaiser-Viertel, das die deutsche Besatzung 1871 – 1918 hinterließ.«
Aus einer Werbeanzeige des lothringischen Touristenverbandes in Deutschland, in: WamS vom 27. Aug. 2006.

Teure Kunstwerke
»175.000 Euro zahlt der Bundestag jedes Jahr für Kunstwerke. Doch er verzichtet darauf, den Künstlern auch ihre Verwertungsrechte abzukaufen.«
Sebastian Heiser in: SZ Nr. 207/2006, S. 11.

Kinderlose Politiker...
»... wird der Kinderlosenanteil in Politik und Medien immer dominanter!...
Davon will die Politik deshalb nichts hören, weil in Deutschland inzwischen 75 Prozent der Haushalte kinderlos sind... Hinzu kommt die Tatsache, daß das politische Gewicht der Gruppe lebenslang Kinderloser noch weit höher als ihr Bevölkerungsanteil ist. In den Parteivorständen der CDU, der SPD, der FDP und der Grünen waren sie im Jahr 2004 zum Beispiel mit 34, 30, 46 und 41 Prozent vertreten und mittlerweile entstammen sogar die letzten zwei Bundeskanzler ihren Reihen. Noch höher ist ihr Anteil in den Medien, wie Zahlen belegen, denen zufolge Journalistinnen und Medienschaffende zu gut 60 Prozent kinderlos bleiben (RBS 2006).«
Dr. Jürgen Borchert, Richter am Landessozialgericht Darmstadt, in: Infobrief Nr. 16/06 der Pro Conscientia.

Utopische Vollbeschäftigung
»Zum ersten Mal nimmt jemand, der diese Republik über Jahrzehnte an führender Stelle mitgestaltet hat, Abschied von dem ›Goldenen Kalb‹, um das die Wirtschaftspolitik immer noch tanzt: In der globalisierten technisierten Welt ist ›Vollbeschäftigung‹ in einem Hochlohnland, dessen demographische Pyramide sich sukzessive und unaufhaltsam auf den Kopf stellt, reine Utopie – und solange die ›machtversessene und machtvergessene‹ (O-Ton Weizsäcker vor 15 Jahren) politische Klasse sich  das nicht offen eingesteht, sind sämtliche Subventionen, Strukturmaßnahmen und Umschulungen schlichtweg Veruntreuung von Steuergeldern.«
Christian W. Röhl, in: ZJ-Magazin Nr. 30/06, S. 16.

Deutsches Zukunftsszenario
»Wenn heute zwei produktive Menschen einen älteren unterstützen müssen, dann werden es 2050 eben nicht mehr zwei sein, sondern einer. Das geht nur, wenn dieser eine mindestens doppelt so produktiv und bereit ist, über die soziale Umverteilung ein viel größeres Stück von seinem Einkommen an andere Menschen abzugeben als heute. Es müßte eine Solidaritätsexplosion stattfinden in diesem Land, von der das Christentum nicht einmal zu träumen wagte. Und ich vermute, daß das nicht passieren wird...«.  »Wir werden alles gleichzeitig haben: Verelendung, Dritte Welt in Deutschland und daneben einen obszönen Reichtum und Luxus. Die Gesellschaft wird sich spalten oder zerfallen. Es wird Menschen geben, die zwar im gleichen Land leben, aber nicht in der gleichen Welt...«
Prof. Dr. Herwig Birg am 28. August 2006 (in: FAZ Nr. 199/06, S. 32).

Literarisches Schwadronieren
»Im Eifer des Schwadronierens hatte Menasse bei seinem Überblick über die Entwicklung von Begriff und Praxis des Engagements darauf vergessen, den Erfinder dieses Begriffs, Jean-Paul Sartre, und dessen hervorragendsten Praktikanten, Albert Camus, auch nur zu erwähnen.«
Leopold Federmair über Robert Menasses Poetikvorlesung in Frankfurt/Main 2006. (in: NZZ Nr. 146/2006, S. 27).

Uniformierte Räuber
»In Afghanistan, wo ich mich in diesem Jahr zweimal aufgehalten habe, hauptsächlich in ländlichen Gebieten der Provinz Herat, wird die afghanische Polizei anders apostrophiert. Die Leute sagen: ›Früher hatten wir Räuber, heute haben wir Räuber in Uniform.‹ An den Checkpoints kann man es erkennen, alle Passanten werden ausnahmslos ausgenommen. Wer nicht zahlt, wird geschlagen, auch alte Leute, auch schwangere Frauen. Wenn die uniformierten Räuber sehen, daß ein Ausländer dabei ist, ändern sie gleich ihre Taktik. Unser afghanischer Grünhelme-Teamleiter berichtet von überall denselben Erscheinungen. Es werden an den Checkpoints sogar Handys konfisziert, wenn es den uniformierten Räubern so gefällt.« 
Rupert Neudeck in: FAZ Nr. 204/06, S. 8.

Verfassungswidrige Länderhaushalte
»Im Länderfinanzausgleich sind inzwischen 11 von 16 Bundesländern zu Nehmerländern geworden, 12 der 16 Bundesländer haben verfassungswidrige Haushalte. Schon lange hat kein Bundesland (mit Ausnahme Bayerns im Jahr 2006) mehr einen ausgeglichenen Haushalt zu Stande gebracht. Nach dem Saarland und Bremen will sich nun auch Berlin vor dem Bundesverfassungsgericht zusätzliche Finanzhilfen erstreiten (was scheiterte, W.). Spätestens wenn sich die Einsicht durchsetzt, dass auch das Bundesverfassungsgericht kein Geld hat, wird man um eine Neuordnung der Finanzverfassung nicht herumkommen.«
Hans-Olaf Henkel in HB Nr. 146/06, S. 9.

Überall Schiffbruch
»Wenn du es recht betrachtest, ist überall Schiffbruch.«
Petronius Arbiter (11 – 66 n. Chr.


Bemerkenswerte Zitate
Teil 12 

Große Kolalition
»Der Wahnsinn dieser Koalition liegt gerade darin, dass das Streben nach einem Konsens stets mit neuen staatlichen Leistungen erkauft wird und dass es letztlich CDU und CSU sind, die sich dazu hergeben. So wird just im bürgerlichen Lager die sogenannte Reichensteuer als die normalste Sache der Welt betrachtet, und man findet dort nichts dabei, dass auch im Gesundheitsbereich, wo man hart um Reformen ringt, von einer finanziellen Entlastung nicht die Rede sein kann.«
NZZ Nr. 101/06, S. 3.

Sepp Blatter
»Sepp Blatter beherrscht dieses Spiel von Freundschaft und Verrat, von Rivalität und Täuschung meisterlich.«
Peter Hartmann in: NZZ Folio Nr. 5/06, S. 30.

Habermas-Adepten
»Deutschland und Europa, lendenlahm und feige geworden, stehen einer vitalistischen Kultur gegenüber, die schon lange nicht mehr vor den Toren Europas steht, sondern in den vergreisenden europäischen Metropolen in den nächsten Jahrezehnten die Bevölkerungsmehrheit stellen wird. Die ›Ethnomorphose‹ (Irenäus Eibl-Eibesfeld) Europas, einst als bizarres Hirngespinst rechter Populisten abgetan, dämmert nun unerbittlich über dem Kontinent herauf. Der politisch-geistigen Klasse, die noch bis vor kurzem Warnungen vor dieser Entwicklung höhnisch verächtlich gemacht und der volkspädagogischen Aufsicht von Verfassungsschutzämtern unterstellt hat, rutscht das Herz in die Hose. Jetzt will man es nicht gewesen sein, der diesen Schlamassel herbeigeführt hat. Der Leichengeruch der eigenen Kultur zieht durch die Straßen, während die Morgenröte des Islam anbricht. Verdutzt sehen die Habermas-Adepten der morbiden ›Zivilgesellschaft‹ auf eine Parallelwelt mit kraftvollen Werten.«
Dieter Stein in: JF Nr. 8/06, S.1.

Tatoo
»Bemalung und Punktierung des Körpers ist eine Rückkehr zur Tierheit.«
Goethe, Sprüche in Prosa, Ziff. 1.26.

Parteien
»Solange die Parteien sich nicht für Quereinsteiger öffnen, solange also dem Abgeordneten-Mandat eine Jahrelange Ochsentour durch Ortsvereins-Hinterzimmer und innerparteiliche Kungelrunden vorangeht (und die kann sich eben in der Regel nur jemand leisten, dessen Arbeitgeber diese politischen Ambitionen unterstützt!), wird der ›unabhängige Abgeordnete‹ ein frommer Wunschtraum puristischer Demokraten bleiben, ebenso wie das von der politischen Klasse gern beschworene, de facto aber nicht gewollte ›Parlament der Fachleute‹.«
Reinhard Röhl in: ZJ Magazin Nr. 27/06, S. 15.

Staatsverschuldung
»Der Befund ist eindeutig: Das Grundgesetz ist in der jetzigen Form nicht geeignet, die Staatsverschuldung wirkungsvoll einzudämmen. Die Regeln sind an dieser Stelle zu diffus und lassen der Politik zu viele Hintertürchen offen.«
Dieter Engels in: WiWo Nr. 14/06, S. 30.

»Fiskalische Räuber«
»In einem Staat, in dem das Subsidiaritätsprinzip ernst genommen wird, gerät der Bürger nicht so leicht unter die fiskalischen Räuber... Mit ausufernden Krediten jedoch hat die Politik – nicht nur, aber auch in Deutschland – sich auf eine Weise ›steuerunabhängig‹ gemacht, die mit dem Grundsatz der Nichtwidmung nichts zu tun hat. Getrieben von schlechter Politik, wird so der Staat in die kaum mehr zu kontrollierende Freiheit freihändiger Mittelbeschaffung entlassen.«
H. D. Barbier in: FAZ Nr. 155/06, S. 13.

Gleichbehandlungsgesetz
»Fest steht nur, die Großkoalitionäre haben das Ende der Vertragfreiheit beschlossen und hierfür den unverdächtigen Namen ›Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz‹ erfunden. Fürs Protokoll sei festgehalten: In der Opposition hatten CDU und CSU die rot-grüne Attacke auf die Privatautonomie noch scharf verurteil. Heute – als Regierung – will man davon nichts mehr wissen. Auch möchte die Kanzlerin Angela Merkel nicht mehr an ihr Versprechen erinnert werden, Brüsseler Regelungswut im deutschen Übereifer nicht mehr überbieten zu wollen.«
Holger Seltzner in: FAZ Nr. 156/06, S. 11.

Deutsches Volk
»Ich glaube, dass das Volk auseinander bricht. Es gibt nichts, was es zusammenhält, um ein Problem wie die aktuelle Wirtschaftskrise zu überleben. Das macht Deutschland so unerfreulich. Es hat keine nationale Identität.«
Markus Lüpertz in: Die Zeit Nr. 216/06, S. 57.

Deutscher EU-Botschafter
»Die Deutschen selbst sind die schlimmsten Feinde der deutschen Sprache. Das wird auch aus dem Beitrag des ungarischen Germanisten Csaba Földes deutlich, der von einer Beschwerde des EU-Botschafters in Budapest berichtet. Dieser EU-Botschafter ist Deutscher und erhält von einem Kollegen von Földes einen Brief auf deutsch. Worauf der Botschafter in der Universität anrufen läßt und sich beschwert, daß er auf deutsch angeschrieben worden wäre; man hätte Briefe an den Botschafter auf Englisch einzureichen.«
Walter Krämer in: SN Nr. 3/06, S. 26.

Wehners große sozialistische Einheitsfront
»In der illegalen KPD und später in den vier düsteren Moskauer Jahren von 1937 bis 1941 wollte er schon das, was er gleich nach 1945, anders zwar, auch wieder wollte: die große Einheitsfront, die mit sich versöhnte sozialistische Partei. Geistig offensichtlich schon auf dem Absprung, funktionierte er doch noch – und recht fleißig – im Moskauer System wechselseitiger Bespitzelung und Denunziation zur Zeit der mörderischen Schauprozesse.«
Thomas Schmid in: FAS Nr. 25/06, S. 10.

»Lebenslüge unserer politischen Klasse«
»In Wahrheit entscheiden nicht die Bürger, wer ins Parlament kommt, sondern die politischen Parteien. Wen sie auf einen sicheren Listenplatz platzieren oder in einem sicheren Wahlkreis aufstellen, dem können die Wähler nichts mehr anhaben...  Auf diese Weise wird der Verfassungsgrundsatz, dass Abgeordnete unmittelbar vom Volk zu wählen sind, unterlaufen. Solche Abgeordneten sind deshalb in Wirklichkeit keine Repräsentanten des Volkes, sondern Parteifunktionäre...   Der Verfassungsgrundsatz des freien Mandats steht nur noch auf dem Papier....  Die angebliche Verantwortlichkeit der Abgeordneten gegenüber ihren Wählern erweist sich als Lebenslüge unserer politischen Klasse.«
H. H. v. Arnim in: NJW Nr. 24/06, S. 1715.

Kopftuch und Judenstern
»Das Kopftuch ist die Flagge des Islamismus. Das Kopftuch ist das Zeichen, das die Frauen zu den anderen, zu Menschen zweiter Klasse macht. Als Symbol ist es eine Art ›Branding‹, vergleichbar mit dem Judenstern.«
Alice Schwarzer in: FAZ Nr. 152/06, S. 45.

Kurt Beck
»In einer biederen Rede reihte er Gemeinplatz an Gemeinplatz und würdigte noch einmal ausführlich die Errungenschaften des deutschen Sozialmodells, das unmittelbar zuvor Platzeck in dieser Form für obsolet erklärt hatte. Ob Mitbestimmung, Kündigungsschutz oder Verzicht auf Studiengebühren – Beck sprach den Anhängern der traditionellen Sozialdemokratie aus dem Herzen. Der Parteitag dankte es ihm mit einem Wahlergebnis von 95 Prozent Zustimmung.« 
Seite-1-Kommentar in NZZ Nr. 111/06, anläßlich der Wahl Becks zum SPD-Vorsitzenden.

Bonner Vertreibungsausstellung
»Dem Besucher werden zum Beispiel die bereits vor der Potsdamer Konferenz von der polnischen Miliz erlassenen und brutal durchgeführten Vertreibungsbefehle vorenthalten, die Gewalttätigkeiten der Sieger einschließlich der Massenvergewaltigungen nicht thematisiert und das menschenunwürdige Zusammentreiben und anschließende Abtransportieren von mehreren Millionen Ostdeutschen in Viehwaggons nicht näher beleuchtet. Jedenfalls kann sich mittels der Schau ein Unbeteiligter kein wahres Bild von der größten Vertreibung in der Menschheitsgeschichte verschaffen.«
Harald Dierig in: FAZ Nr. 130/06, S. 8.

»Männer müssen untergehen«
»Und wer überlebte nun auf der ›Titanic‹? Die wichtigste Frage, die zuerst gestellt werden muß, ist diejenige nach dem Geschlecht. Falls es sich um einen weiblichen Passagier handelte, wurde die Frage nach der Klasse zur Überlebensfrage. Falls es sich um männliche Passagiere handelte, wurde die Frage ›Kind oder Erwachsener‹ zur wichtigsten Überlebensfrage: Alle männlichen Kinder der ersten und zweiten Klasse überlebten. Als erwachsener Mann war dagegen die Frage, in welcher Klasse man befördert wurde, zweitrangig.«
Thomas Härter in: NZZ Nr. 149/06, S. 15 bei der Erläuterung von ›Entscheidungsbäumen als ›praktische Hilfe bei Investitionsfragen‹.
 
 


Bemerkenswerte Zitate
Teil 11

Kein Vertrauen in den Parteienstaat
»Nie zuvor in der Geschichte der Bundesrepublik war die Glaubwürdigkeit der politischen Klasse ähnlich erschüttert, das Vertrauen in den Parteienstaat vergleichbar marode. 86 Prozent der Deutschen gehen mittlerweile davon aus, dass Politik käuflich ist. Nur noch 17 Prozent vertrauen den Parteien.«
Rudolf Augstein im ›Spiegel‹ Nr. 7/2000, S. 25.

Fernsehen gefährdet geistige Gesundheit 
»Eigentlich müßte in jedem TV-Programm ständig ein Untertitel laufen: Vorsicht, Fernsehen gefährdet ihre geistige Gesundheit.«
Rüdiger Safranski im ›Handelsblatt‹ Nr. 249/2005, S. 17.

Arbeitslosigkeit in 20 Jahren
»Das Basisszenario: Alles geht so weiter wie bisher, dann haben wir in 20 Jahren eine Arbeitslosenquote von 17 Prozent.«
Randolf Rodenstock im ›Handelsblatt‹ Nr. 6/2006, S. 2.

Neuer Gesellschaftsvertrag
»Aus der einst nahezu absoluten Sicherheit ist eine relative Sicherheit geworden. Für den modernen Staat, der seine Legitimität nicht zuletzt daraus herleitet, daß er seine Bürger zu schützen imstande ist, hat dies weitreichende Konsequenzen. Die Regierungen müssen ihrer Bevölkerung einen neuen Gesellschaftsvertrag abringen. Sie müssen eingestehen, daß sie ihre Bürger im Zeitalter von Terrorismus und Massenvernichtungswaffen nicht mehr allumfassend schützen können«.
Michael Rühle, in: FAZ Nr.27/2006, S. 6.

Schröders Ethos
»Schröders behender Griff nach dem Job des Verwaltungsratschefs eines russisch dominierten Gaspipeline-Unternehmens ist eine hochpolitische Angelegenheit, die auch dann brisant wäre, wenn es sich nicht um den eben erst abgetretenen Bundeskanzler handelte. Da Schröder aber jahrelang eine veritable Frère-et-Cochon-Politik mit seinem russischen Präsidentenfreund Putin betrieb und dieser nun den wohl recht lukrativen Deal für seinen Kumpan eingefädelt hat, liegen Fragen nach Ethos und Moral solchen Tuns auf der Hand.«
Kommentar in der NZZ Nr. 294/2005, S. 3.

Frevler und Rachegöttin
»Raro antecedentem scelestum deseruit pede Poena plaudo. – Nur selten läßt vom Frevler, der vorauseilt, die Rachegöttin ab, trotz ihres lahmen Fußes.«
Horzaz: Oden und Epoden, Carmina, 2,31 f.

Bad Simple English
»Wissen Sie, welcher Autobauer zur Zeit in Deutschland die meisten Fehler produziert? Die alte Traditionsmarke Mercedes-Benz! ... Denn nicht zufällig nehmen diese Qualitätsmängel erst seit der Einführung von BSE (Bad Simple English) als Konzernsprache im Jahr 1999 so dramatisch zu...  Seitdem man dort nicht mehr die deutsche Sprache pflegt, hat der Börsenwert des Unternehmens um 20 Milliarden Euro abgenommen, das entspricht dem jährlichen Sozialprodukt von Luxemburg.«
Prof. Dr. Walter Krämer,  in: ›Sprachnachrichten‹ Nr. 1/2006, S. 2.

Multikulti in Deutschland
»Da sitzen sie nun, 30 Kinder: 5 deutscher Herkunft, 15 moslemische aus der Türkei, 2 Sintis aus dem Kosovo, 5 Rußlanddeutsche aus Kasachstan, 1 moslemischer Tunesier und 2 Kosovaren. Die Zuwanderer müssen sich mühsam an das ›Sie‹ gewöhnen, gemeinsame kulturelle Voraussetzungen gibt es nicht. Da trifft es sich gut, daß die Deutschen auch keine Ahnung haben. Ob irgend jemand bei den Schulreformen der 70er Jahre daran gedacht hat, was noch alles auf uns zukommen würde? Durch das Umkippen der Bevölkerungsstruktur – nicht die der Alterpyramide –, sondern die des Mentalitäts-Umschwungs, verliert Deutschland jede Bedeutung im internationalen Wettbewerb. Wer will für welche ›Deutschen‹ noch eintreten, wenn sie zu einem Drittel oder bald zur Hälfte aus Anatolien stammen?«
Aus: ›Mittwissen Mittun‹ Nr. 15/2005, S. 20.

Polen und die EU
»Die Polen interessiert, was mit Polen geschieht, und nicht die Zukunft der gesamten EU.«
Der polnische Staatspräsident Kaczynski im Februar 2006 in Paris (zit. in FAZ Nr. 48/2006, S. 4).

Bedrohung der Schweiz
»Wir sind derzeit und wohl auf längere Zeit hinaus nicht von anderen Armeen bedroht, sondern von Bedrohungen ›unterhalb der Kriegsschwelle‹, namentlich durch den Terrorismus.«
Bundesrat Samuel Schmid, in: NZZ Nr. 16/2006, S. 35.

Kultusministerielle Staatsverwechslung
»Wir haben inzwischen eine Demokratie. Wohl hat auch sie ihre Staatsräson. Aber die kann nicht darin bestehen, daß sechzehn Kultusminister – amtlich also noch immer: eine Hand voll – sich mit dem Staat verwechseln. Sie fordert keineswegs, daß sie die Mehrheit des Volkes für dumm verkaufen. Übrigens auch nicht, daß die Ministerpräsidenten, wie vorauszusehen, nichts Besseres wissen, als ihnen hinterherzulaufen. Die Staatsräson scheint mir im Gegenteil zu gebieten, daß die Kultusminister das praktizieren, was unser Staat so dringend nötig hat, nämlich Ehrlichkeit und Bereitschaft zu Reformen, vermutlich auch etwas Schneid. Es ist ja wohl auch ein akutes Problem, das verlorengegangene Vertrauen in die Politik zu restabilisieren.«
Althistoriker Prof. Dr. Christian Meier, in: FAZ vom 27. Febr. 2006, S. 39.

Globalisierung
»Ein Kilogramm Spargel, aus Mexiko eingeflogen, verbraucht über vier Liter Kerosin. Gleiches gilt für Bohnen aus Südafrika, Artischocken aus Kalifornien oder Frischfisch aus Oman. Selbst ein so unscheinbares Ding wie ein Erdbeerjoghurt ist heutzutage weit herumgekommen: Erdbeeren aus Polen, Milch aus Südengland, der Plastikbecher aus Portugal und der Aluminiumdeckel aus Norwegen. Allein die Bestandteile haben so bereits eine Strecke von 7695 Kilometern zurückgelegt.«
Michel Baeriswyl, in: ›Universitas‹ Nr. 8/2005, S. 895.

Karachis Kessel
»Karachi ist keine Stadt vor dem Infarkt, es ist eine Stadt nach dem Infarkt. Ich habe keine Ahnung, wohin das am Ende führen wird. Das Aggressionspotential, das sich zwangsweise in einem solchen Kessel ansammelt, entlädt sich in den bürgerkriegsartigen Unruhen, die in der Stadt regelmäßig ausbrechen. Wenn wieder einmal eine Militärregierung im Amt ist, dann ist es eine Zeit lang ruhig. Aber sobald man den Topfdeckel ein bißchen hochhebt, kocht alles über.«
Ruth Pfau, in: ›Liebe und tu, was du willst‹, S. 105.

Schäubles Islam
»Wir Deutsche sollten uns immer wieder klarmachen, daß der Islam keine Bedrohung für uns ist.«
Innenminister Wolfgang Schäuble, in: FAS Nr. 10/2006, S. 4.

Apparatschik Westerwelle
»Nach innen ist Westerwelle ein Partei-Apparatschik reinsten Wassers – eine Art liberaler Müntefering.«
Martin Noé, in: Handelblatt Nr. 90/2002, S. 12. 

Rivalitätsdenken der Frauen
»Frauen haben ein ausgeprägtes Rivalitätsdenken – das rührt schon von der Evolution und dem Kampf um den Mann her. Diese Rivalität schließt jede Art von Koexistenz aus.«
Prof. Dr. Sonja Bischoff, zitiert in ›Handelsblatt‹ v. 5./6. Juli 2004, Beilage „Karriere & Management“, S. 1.

Verfassungsverletzungen
»Man kann wohl sagen, daß sich die Massen, wenigstens bei uns zulande, in einem Zustand befinden, in dem sie Verfassungsverletzungen kaum noch wahrnehmen. Wo dieses Bewußtsein einmal verloren gegangen ist, wird es künstlich nicht wieder hergestellt.«
Ernst Jünger, in: ›Der Waldgang‹, S. 71.


Bemerkenswerte Zitate
Teil 10

Politikerprivilegien
»Daß selbst verfassungswidrige Steuerprivilegien von Abgeordneten und Parteien über Jahrzehnte fortbestehen, liegt daran, daß Verfassungsgerichte nur auf Antrag tätig werden. Einen Antrag könnten aber nur Politiker und Parteien selbst stellen, nicht auch ein steuerzahlender Bürger. Wir haben hier also die absurde Situation, daß die, die klagen könnten, nicht wollen, und die, die wollen, nicht können.«
H. H. v. Arnim in: FAZ Nr. 208/2005, S. 39.

Reichwerden
»König Archelaos von Makedonien lud Sokrates zu sich ein und versprach, ihn reich zu machen. Da ließ ihm der Philosoph mitteilen, daß man in Athen vier Liter Getreide um einen Obolos kaufen könne, und außerdem laufe überall Wasser aus den Brunnen.«
Stobaios: Anthologie, 4. Buch, 33,28.

»Man fragte Sokrates, wie jemand reich werden könne. Er antwortete: ›Wenn er arm wird an Wünschen.‹«
Stobaios: Anthologie, 3. Buch, 17,30.

Darsteller
»Zur Eigenart unserer Zeit gehört die Verknüpfung bedeutender Auftritte mit unbedeutenden Darstellern.«
»Jeder Komfort muß bezahlt werden. Die Lage des Haustiers zieht die des Schlachttiers nach. Die Katastrophen prüfen, in welchem Maße Menschen und Völker noch original gegründet sind. Ob wenigstens noch ein Wurzelstrang unmittelbar das Erdreich aufschleißt – daran hängen Gesundheit und Lebensaussicht jenseits der Zivilisation und ihrer Versicherung.«
Ernst Jünger: Der Waldgang, S. 22; 27.

Heiner Geißler
»Raufbold der Regierung.«
Johannes Rau (1984), zitiert in: Politiker beschimpfen Politiker, S. 54.

»Ein Hetzer ist er, seit Goebbels der schlimmste Hetzer in diesem Land.«
Willy Brand (1985), dito, S. 55.

»Geißler wird nicht Verteidigungsminister, eher wird Rita Süßmuth deutsche Schönheitskönigin.«
Franz Josef Strauß (1987), dito, S. 55.

Gesetz und Gesittung
Quid leges sine moribus? – Was nützen Gesetze ohne Gesittung?
Horzaz: Oden und Epoden, Carmina, 24,35.

Berliner Käseglocke
»Mehr als die Hälfte der Deutschen wohnt immer noch in Gemeinden mit weniger als 50 000 Einwohnern, fast 30 Prozent in Gemeinden unter 30 000. Diese Tatsache gerät in manch abgehobener Reformdebatte unter der Berliner Käseglocke aus dem Blickfeld. Wenn in Gemeinden zuerst das einzige Lebensmittelgeschäft, dann die Schule, das eigene Rathaus und dann auch die Kirche geschlossen oder wegrationalisiert werden, geht immer auch ein Stück örtliche Identität verloren – und damit die Basis für bürgerschaftliches Engagement.«
Reiner Brüderle: Bürgerliche Werte, FAZ Nr. 295/2005, S. 8.

Weibliche Regierungsspitze
»Stehen Frauen an der Spitze der Regierung, so ist der Staat in Gefahr.«
G.W.F. Hegel: Grundlinien der Philosophie des Rechts, 1821, § 166, S.s 247.

Entnapoleonisierung
»187 Jahre nach Waterloo braucht Frankreich eine Entnapoleonisierung... In keinem anderen Land der Welt wird ein Personenkult betrieben, wie ihn Frankreich um Napoleon inszeniert. Er ist der blinde Fleck seines kollektiven Erinnerns.«
Le Temps (Genf) v. 5./6. Okt. 2002.

Swiss finish – Schweizernutzen
»Vor diesem Hintergrund machte sich Bundesrat Blocher dafür stark, die allen internationalen Abkommen und Standards eigenen Interpretationsspielräume voll zum eigenen Vorteil auszunutzen und auf unnötige Perfektion in der Umsetzung zu verzichten. Damit rückt auch der Magistrat von der hierzulande gepflegten Musterknaben-Philosophie ab – das sogenannte ›Swiss finish‹, die Orientierung am maximal Machbaren...«
NZZ Nr. 253/2005, S. 15.

Universitätsoligarchen
»Die akademischen Gremien haben kaum noch Kompetenzen. Die Hochschulleitungen und Dekanate werden gestärkt. Das wissenschaftliche Personal empfängt hochschulinterne statt staatliche Weisungen und Zuweisungen. Die Präsidenten und Dekane verteilen die Mittel und schließen Ziel- und Leistungsvereinbarungen mit den Ministerien ab, ohne daß die zur Ausführung Berufenen daran mitwirken. Das Verwaltungspersonal empfindet sich schon jetzt vielfach nur als Serviceleister für die Präsidien, nicht für die Wissenschaftler und Studierenden.«
Hans Peter Bull: Autonomie oder Planung, in: FAZ, Nr. 5/2006, S. 34.

Olympische Spiele dienten nicht der Völkerverständigung
»Keinem Hellenen wäre im Traum eingefallen, sich mit einem Barbaren – wie sich die Nicht-Griechen nennen lassen mußten – auf eine Stufe zu stellen und sei es nur beim Stadionlauf. Im übrigen war die ›Nationalität‹ nicht die einzige Zulassungsbeschränkung, die heute als krasse Diskriminierung gelten würde: Es durften nur Männer, nur Freie und nur Griechen an den Olympischen Spielen teilnehmen. Verheirateten Frauen erlaubte man nicht einmal das Zuschauen, sollten sie es trotzdem wagen, sich bei den Spielen zu vergnügen, mußten sie sogar mit der Todesstrafe rechnen. Das Verbot galt aber nicht für unverheiratete Mädchen. Warum, ist unbekannt. Sklaven zählten nicht als Menschen, sondern als ›beseelte Werkzeuge‹«. 
Lexikon der Fitness-Irrtümer, S. 390.

Fußball im Fernsehen schadet niemandem
Holland, 22. Juni 1996: »Am Tag des Spiels (gegen Frankreich) gab es 50 Prozent mehr Tote durch Herzinfarkt und Schlaganfall als sonst. Die Forscher sahen sich in ihrer Vermutung bestätigt, daß seelische Erregung diese Ereignisse auslösen kann.«
Lexikon der Fitness-Irrtümer, S. 162.

Der weise Aristoteles
»Als Aristoteles hörte, jemand verleumde ihn, sagte er: ›Wenn ich nicht dabei bin, kann er mich meinetwegen verprügeln.‹«
Diogenes Laertios: Leben und Meinungen berühmter Philosophen, 5. Buch, S. 18.


Bemerkenswerte Zitate
Teil 9

Große Koalition 
»... man (hat) es schon vier Wochen nach der Wahl geschafft, die gut gepolsterten Sessel der Minister, Staatssekretäre und Parlamentspräsidenten mit genau den Protagonisten zu besetzen, die im Hinblick auf drängende Zukunftsfragen wie Parteibuch, Geschlecht oder Zugehörigkeit zu bestimmten Landesverbänden und Netzwerken die profundeste Qualifikation aufweisen. Kein Wunder also, dass es auf der konstituierenden Sitzung des frisch gewählten Bundestages fast so ausgelassen zuging wie einst auf der Titanic.«
Christan W. Röhl am 23. Oktober 2005.

»Ich habe nicht das Gefühl, daß sie bald auseinanderbricht. Beide großen Parteien haben fast jedes Wahlversprechen gebrochen. Deshalb ist ihre Angst vor dem Wähler so groß, daß es für eine volle Legislaturperiode reichen könnte.«
Guido Westerwelle am 20. November 2005.

»Hätte jemand bei Aufnahme der ersten Sondierungsgespräche das Regierungsprogramm der schwarz-roten Koalition so prognostiziert, wie es jetzt beschlossen wurde, dann hätte man ihn der üblen Vorrede beschuldigt. Höhere Mehrwertsteuer, Reichensteuer, Unternehmenssteuerreform als Merkposten für bessere Zeiten; Sozialreformen vertagt, dafür aber ein beherztes Bekenntnis zum Verfassungsverstoß bei der Kreditaufnahme in der Haushaltsplanung; betriebsindividuelle Lohn- und Beschäftigungsvereinbarungen nur mit Genehmigung des Tarifkartells, dafür aber eine einladend breite Türöffnung für Mindestlohnvereinbarungen mit Allgemeinverbindlichkeit. Das alles hat sich nicht ein ökonomisch gebildeter Kabarettist ausgedacht.«
Hans D. Barbier am 18. November 2005.

Zum Urteil des Bundesverfassungsgerichts anläßlich der Vertrauensfrage im Bundestag
»Was realiter als eine Seilschaft organisierter Verantwortungslosigkeit bezeichnet werden muß, verharmlost das Gericht ›... als System der gegenseitigen Kontrolle...‹, dem ›das Grundgesetz vertraut‹. Nähern wir uns der Verfassungswirklichkeit der DDR?
Heinrich Wehner, in: FAZ Nr. 213/2002, S. 9. 

Zum Rücktritt Franz Münteferings als SPD-Vorsitzender
»Die Herren Jüttner, Gabriel und Schreiner sowie die Damen Vogt und Nahles waschen derweil ihre Hände in Krokodilstränen. Niemand habe damit gerechnet, daß Müntefering nicht wieder als Vorsitzender antrete, wenn sein Vorschlag abgelehnt würde. Diese Beteuerungen gleichen den Entschuldigungen halbreifer Jugendstraftäter vor Gericht: Man hab doch nicht wissen können, daß man mit Kugeln einen Menschen wirklich umbringen kann.«
Andreas Platthaus, in: FAZ Nr. 255/2005, S. 39.

Schröderiaden
»Es ist nicht zu erwarten, dass Deutschland nun über Nacht dem Extremismus anheim fällt, auch wenn sich die SPD von ihrem populistischen Rausch nach dem unerwarteten Wahlresultat erst noch erholen muß. Wenn Schröder öffentlich die Beherrschung verliert und sich wie Napoleon selber zum Kanzler krönen will, obwohl seine Partei eine der schlimmsten Niederlagen ihrer Geschichte erlitten hat, so ist das zumindest Ausdruck eines getrübten Demokratieverständnisses.«
Kommentar in der NZZ Nr. 222/2005, S. 3.

»In der SPD hat die Seligsprechung für den früher ungeliebten Machtpolitiker ohnehin schon begonnen.«
Andreas Rinke, in: HB Nr. 196/2005, S. 12.

»Unser Polittyrann spielt sich als Wahlsieger auf, obwohl er der Verlierer ist.«
Alice Schwarzer, in FAS Nr. 38/2005, S. 7.

Wählerbetrug
»Der Wähler steht vor der Klemme, daß er zur freien Entscheidung eingeladen wird durch eine Macht, die sich ihrerseits nicht an die Spielregeln zu halten gedenkt. Es ist die gleiche Macht, die ihm Eide abfordert, während sie selbst von Eidbrüchen lebt. Er leistet also einen guten Einsatz bei einer betrügerischen Bank.« 
Ernst Jünger, in: Der Waldgang, S. 16.

Edelgard Bulmahn als Vorsitzende des Wirtschaftssausschusses des Bundestages
Daß sie Vorsitzende des »Wirtschaftsausschusses wurde, ist eine interessante Fußnote der Geschichte. Schließlich hat Bulmahn mit 21, unmittelbar nach dem Abitur, ein Jahr in Israel im Kibbuz Bror Chail verbracht – um eine Gesellschaft zu erleben, in der es kein Privateigentum gibt und in der sie für ihre Arbeit nicht mit Geld belohnt wurde.«
Nico Fickinger, in: FAZ Nr. 268/2005, S. 16.

Verrücktspielen
»Dulce est disipere in loco« (hübsch ist es, zur rechten Zeit verrückt zu spielen).
Horaz, Carmina, IV, 12,28. 

Multikulturalismus
»Das Ideal einer multikulturellen Gesellschaft darf nicht dazu führen, dass wir unsere Werte auf dem Altar der Völkerverständigung opfern. Wir müssen unsere zivilisatorischen Errungenschaften verteidigen und die Integration fördern, wenn nötig mit Druck. Es existieren Grenzen der Toleranz.«
Per Olov Enquist, schwedischer Schriftsteller, in: NZZ Nr. 235/2005, S. 49.

»In Frankreich lernen die nihilistischen Brandstifter, daß stark ist, wer Schaden anrichtet... Eine ähnliche  nihilistische Politik wütet im Inneren. Beispiele für erpresserisches Verhalten gibt es im Überfluß. Die rechtsfreien Räume sind schmierige Ölflecken in Frankreich geworden – für die oberen ebenso wie für die unteren Schichten.«
André Glucksmann am 20. November 2005.

Über Helmut Kohl
»Sie sind ein unchristlicher Zitatenfälscher.«
Helmut Schmidt, SPD, 1980. Aus: ›Politiker beschimpfen Politiker‹, hrsg. v. J. Falke u. U. Kaspar, Leipzig 1998, S. 84.

»Mann mit pausbäckigen Dummheiten.«
Horst Ehmke, SPD, 1980. Aus: ›Politiker beschimpfen Politiker‹ hrsg. v. J. Falke u. U. Kaspar, Leipzig 1998, S. 84.

Achtundsechziger
»Der psychosoziale Kern dieser politischen Generation besteht in einer hysterischen Identifikation mit den Ermordeten – und dem damit verknüpften Anspruch, in ihrem Namen anklagend das Wort zu ergreifen...  Die persönliche Aufladung der historischen Erbschaft zum Gestus der Dauerbetroffenheit und das Schwelgen in der ›erborgten‹ Schuld gehören ebenso zum festen Repertoire dieser Generationsgestalt wie der aus der Opferidentifikation hergeleitete Anspruch einer unangreifbaren moralischen Überlegenheit...«
Christian Schneider, in: Mittelweg, Nr. 4/2005, S. 68. 

Berliner Regierung
»Das seit längerer Zeit anhaltende Drama der deutschen Bundespolitik nimmt seinen Lauf. Nach den turbulenten letzten Monaten der rot-grünen Regierung Schröder und dem unglücklichen Wahlresultat vom 18. September zeigt sich nun mit drastischer Deutlichkeit, wie schmal die Basis für die Regierungsarbeit in Berlin geworden ist.«
Aus: Kommentar der NZZ Nr. 256/2005, S. 3.

Franz Müntefering
»Ein Chamäleon als Vizekanzler« (Überschrift): »Fast so häufig wie die Posten wechselte er die Überzeugungen. Forderte er Ende 2002 noch, die Privathaushalte sollten beim Konsum sparen und dafür höhere Steuern zahlen, mutierte er bald darauf zum unbedingten Verteidiger der von Bundeskanzler Schröder verkündeten Reformagenda. Ein Jahr später, Müntefering hatte inzwischen den Parteivorsitz übernommen, fiel er Schröder in den Rücken. Er verglich ausländische Investoren mit Ungeziefer und präsentierte sich als Vertreter eines Wirtschaftsverständnisses, das näher bei Karl Marx als bei Ludwig Erhard angesiedelt zu sein schien. Während Schröder seine Reformen durchboxte, förderte Müntefering gezielt den linken Parteiflügel.«
Aus: Kommentar der NZZ Nr. 240/2005, S. 4.

Türkei in der EU
»Die EU-Mitgliedschaft der Türkei wird die Tendenz zum Islam nicht untergraben – sie könnte den Islamismus sogar stimulieren. In der EU müßten auch die Türken ihre Identität herausstellen, sie werden sich fragen müssen: ›Wie unterscheiden wir uns von den anderen Ländern in der EU?‹«
Samuel S. Huntington, in: FAS Nr. 43/2005, S. 28.

Deutsche Sprache
»Unser Heil in diesem so heillosen Land ist unsere deutsche Sprache. Sie ist differenziert, genau, subtil, liebevoll, scharf und behutsam zugleich. Sie ist reich. Sie ist der einzige Reichtum in diesem Land, das sich reich glaubt und es nicht ist. Sie ist all das, was dieses Land nicht mehr ist, noch nicht wieder ist, vielleicht nie mehr sein wird.«
Wim Wenders, zitiert in: Deutsche Sprache Nr. 4/2005, S. 18.

Altathenischer Bürgersinn
»Wir lieben das Schöne in Schlichtheit, lieben Wissen und Bildung, aber frei von Weichlichkeit. Reichtum ist bei uns zum Gebrauch in der rechten Weise, aber nicht zum Geprahl mit Worten da. Armut einzugestehen bringt keinem Schande, sondern nicht tätig aus ihr fortzustreben ist schlimmere Schande... im einzelnen aber will mir scheinen, daß jeder bei uns sich gleichzeitig auf den verschiedensten Gebieten anmutig und mit vollendeter Sicherheit als ganze, auf sich selbst gestellte Persönlichkeit erweist.«
Thukydides, in: Die Geschichte des Peloponnesischen Krieges, 2, 37 ff.

Universitäten
»Vielmehr ist der skandalöse Unwille, in Bildung mit Verstand zu investieren, genauer: die riesige Dummheit der Länder, auch der unionsregierten, blind an den Segen der neuen Studiengänge (Bachelor und Master) und ihre studienzeitverkürzenden Wirkungen zu glauben, die einzige Konstante der jüngeren Hochschulpolitik.«
Jürgen Kaube, in: FAZ Nr. 247/2005, S. 35.

»Die Wissenschaftler dort (in den USA) konzentrieren sich ausschließlich auf die Forschung und Lehre in ihren Fachgebieten. Allein das fachliche Renommee zählt, die Gespräche kreisen ständig um Fragen der Wissenschaft, man ist interessiert, an welchem Buch oder Thema jemand arbeitet, nicht daran, ob er irgendwo einen ›Antrag‹ durchgebracht, gerade wieder einen neuen Evaluationsbericht oder aber die zehnte Neufassung einer Studienordnung geschrieben hat. Wie soll ein deutscher Professor, der von Bürokratie und Politik in und außerhalb der Universität mehr und mehr daran gehindert wird, seine eigentliche Arbeit in Forschung und Lehre zu tun, mit dieser Art höchst professioneller Wissenschaftlichen noch konkurrieren? Dabei ist die Antwort so einfach, und so unbequem zugleich: Es fehlt an unseren Universitäten an Freiheit.«
Univ.-Prof. Dr. Klaus Antoni, Tübingen am 20. November 2005.

Historische Narren
»Ich habe nun schon hundert Mal befohlen, daß gesiegt werden soll, und es geschieht doch nicht.«
Der deutsche Kaiser Wilhelm II. am 24. Oktober 1914 als oberster Kriegsherr, der mit einem Hofstab von mehreren tausend Personen die Front im Westen besuchte.

»Ich brachte Hitlers Person in Zusammenhang mit Gandhi, weil mir beide, so drückte ich mich aus, wie kaum voneinander unterscheidbare Exemplare der gleichen Ausländer-Gattung in ihrem Privatleben wie verrückte Mullahs vorkamen: Sie waren Nichtraucher, Anti-Alkoholiker, Vegetarier, sie ritten nicht und lehnten den Jagdsport ab.«
Arnold J. Toynbee,englischer Historiker, nach einem Besuch bei Hitler 1936.

»Zivilisationen werden nicht umgebracht, sie begehen Selbstmord.«
Arnold J. Toynbee.

Arnulf Barings Warnungen
»Ich halte es durchaus für möglich, daß es mit Deutschland in diesem Jahrhundert zu Ende geht… Ohne Patriotismus wird unser Land nicht optimistisch und zukunftsfähig werden.« 
In: HB Nr. 181/2005, S. 2. 


Bemerkenswerte Zitate
Teil 8

Rot-grüne Regierungsbilanz: »eine einzige Katastrophe« 
»... ist es schon bemerkenswert, wie sich der gutgelaunte Kanzler als großer Friedensstifter und Sozialreformer geben kann, obwohl seine Bilanz nach sieben Jahren eine einzige Katastrophe ist. Wenn Schröder jetzt mit dem Vorsatz durchs Land tingelt, die SPD wolle mit einem Sieg die Fortführung der Reformen sicherstellen, so müßte schon jemand die Frage stellen, welche Reformkunststücke die rot-grünen Konkursverwalter denn überhaupt noch im Ärmel haben. Eine ehrliche Antwort würde lauten: ›Keine‹.«
NZZ Nr. 193/2005, S. 1.

Staatliche Insolvenz
»Wir fahren mit offenen Augen in die staatliche Insolvenz.«
BDJ-Chef Jürgen Thumann, zitiert in: FAZ Nr. 236/2005, S. 11. 
Vgl. dazu die WALTHARI-Beiträge über ›kriminelle Staatsverschuldung‹. 

Bankrott des Sozialstaates
»In unserer Nationalgeschichte zeigt sich leider immer wieder, dass die Deutschen im Zweifelsfall die Freiheit immer zu Gunsten der Gleichheit aufgeben... In Deutschland wurde daraus – bis in die Gegenwart – die soziale Gleichheit, die auf die Rechtsgleichheit der Menschen pfeift... Welche Bedeutung die öffentlichen Finanzen wirklich haben, rückt erst jetzt, angesichts des Bankrotts des Sozialstaates, ins Bewusstsein.«
Götz Aly in: HB Nr. 153/2005, S. 5.

Große Koalition
»Die erste große Koalition hat Staatsdefizite salonfähig gemacht. Es wäre schon ein Wunder, wenn die zweite sie halbierte.«
Prof. Dr. M. J. M. Neumann, Universität Bonn, am 28. Sept. 2005. 

Polittyrann Gerhard Schröder
»Unser Polittyrann spielt sich als Wahlsieger auf, obwohl er der Verlierer ist...  Und seine ganze Politfamilie klatscht dazu. Denn das ist die Logik solcher geschlossenen Systeme: der Tyrann macht das Gesetz...  Nicht nur der überraschend knappe Sieg, auch Schröders Pöbeleien haben Angela Merkel angefaßt. Und vorgeführt. Denn es liegt in der Logik des Tyrannen-Systems, daß die Schwächeren von ihm fasziniert sind...  Schröders Motiv ist unübersehbar Verachtung, ja Haß auf die Frau, die ihm gewachsen sein könnte.«
Alice Schwarzer in: FAS Nr. 38/2005, S. 7.

Rechtsbeugung
»Die Politik versucht, das Recht für ihre Zwecke zurecht zu biegen.«
Heribert Prandl in: SZ Nr. 220/2005, S. 4, über den Mißbrauch des Art. 68 GG durch Gerhard Schröder u.a.

Die Stümper zum Teufel jagen
»Was soll man von einem Lande denken, das seit 20 Jahren einen Fehlgriff nach dem anderen begeht, und das nicht einmal sieht? Und die Stümper nicht zum Teufel jagt?«
Wilhelm Röpke, zitiert in: ›Ein Leben in der Brandung‹ von H. J. Hennecke, Stuttgart 2005.

Phantasterei
»Die politische, kulturelle, soziale, mentale und historische Schnittmenge ist für eine Mitgliedschaft nicht groß genug. Und die Versöhnung zwischen dem Westen und dem Islam, welche eine Mitgliedschaft der Türkei erbringen und die das neue europäische Leitmotiv sein soll, ist Phantasterei.« 
K.-D. Frankenberger in: FAS Nr. 39/2005, S. 14.

Histrio
»Soziale Bindungsunsicherheit und die Inszenierungsgesellschaft zusammen formen den modernen Sozialcharakter: Den Histrio, bestens erzogen für ein ständiges Eindrucksmanagement in der postindustriellen Dienstleistungsgesellschaft. Seine Gefühle sind schnell erregt, flach, theatralisch und wenig differenziert. Sein Denken ist egozentrisch, wenig strukturiert und impressionistisch. Er neigt zu einer romantischen Weltsicht und zu schwärmerischen Idealisierungen. Sein Verhalten ist durch Interesse für alles Lebhafte, emotional Aufgeladene und Provozierende gekennzeichnet, das er schnell imitiert. Er füllt sich innere Leere mit aufregenden äußeren Ereignissen und beschäftigt sich intensiv mit seiner körperlichen Attraktivität.«
Peter Winterhoff-Spurk in: Forschung & Lehre, Nr. 10/2005, S. 524.
 
 


Bemerkenswerte Zitate
Teil 7

Täglicher Krieg der Parteien gegen die Bürger 
»Wer verstehen will, warum unsere Parteien so maßlos geldgierig geworden sind, muß verstehen, daß sie einen tagtäglichen Krieg führen – alle, ohne jeden Unterschied, gegen uns, ›die Menschen draußen im Lande‹. Jeden einzelnen möchte man einfangen, damit er da sein Kreuz hinsetzt, wo es hingehört. Nur in der Skrupellosigkeit der Mittelbeschaffung zur Auffüllung der Kriegskasse unterscheiden sich unsere Parteien allenfalls noch ein wenig. In diesem Krieg hat es auch schon Tote gegeben: Uwe Barschel und Möllemann auf jeden Fall. Die Blessierten – seit Lambsdorff, Kiep, Kohl und unzähligen anderen steigt ihre Zahl von Skandal zu Skandal.«
Prof. Dr. Wilhelm Hennis, Universität Freiburg, am 9. Febr. 2004.

Erschütterte Rationalität demokratischer Verfahren
»Es sind die zerfaserten Mechanismen der Macht, mit denen sich die Legislative ihren Wählern entfremdet hat und ständig an Glaubwürdigkeit verliert. Das Vertrauen in die Festigkeit politischer Entscheidungen und in die Rationalität demokratischer Verfahren ist erschüttert... Die Mehrheit der direkt vom Wähler legitimierten Volksvertreter im Bundestag und noch stärker in den Landtagen schaut gelähmt dabei zu, wie Entscheidungen von einem kleinen Grüppchen bei viel Kaffee und geschlossenen Türen in den frühen Morgenstunden getroffen werden. Der Vermittlungsausschuß hat den Charakter eines Geheimkabinetts.«
Prof. Peter Klotz, ehemals Generalsekretär der SPD, Universität St. Gallen, am 11. Nov. 2003. 

Bilanz nach sieben Jahren Rot-Grün »eine einzige Katastrophe«
»Es ist schon bemerkenswert, wie sich ein gut gelaunter Kanzler als großer Friedensstifter und Sozialreformer geben kann, obwohl seine Bilanz nach sieben Jahren eine einzige Katastrophe ist.«
NZZ vom 20. Aug. 2005.

Ellenbogen-Rabulistik
»Barings Ellenbogen-Rabulistik umlügen in jenes von Schirrmacher phantasierte Bürgertum, das sich heute noch als gesellschaftliche Gruppe versteht, welche zu den Pflichten eines Gesellschaftsvertrages steht...  Denn das Ziel seines ›unruhigen bürgerlichen Temperaments‹ (Schirrmacher) ist nicht der Aufstand der Zivilgesellschaft. Ziel des Barrikadenbaus ist die präsidentielle Notverordnung. Utopie ist nicht der Kommunitarismus, sondern die Endphase der Weimarer Republik. Der Bourgeois verkleidet sich als Citoyen und erklimmt die Barrikade – damit der Staat es richte.«
Jürgen Trittin, langjähriger Umweltminister, am 23. Dez. 2002.

Gewerkschaftliche Übermacht
»Solange den Gewerkschaften nicht der Platz zugewiesen wird, der ihnen als Interessenvertretung einer Minderheit zukommt – sie vertritt gerade einmal ein Fünftel der arbeitenden Menschen dieses Landes -, ist es beinahe unmöglich, die Stagnation zu überwinden.«
Prof. Dr. Meinhard Miegel, Direktor des Instituts für Wirtschaft und Gesellschaft, Bonn, am 6. Dez. 2002.

Fehlende Leistungsträger
»Der politische Apparat, im und außerhalb des Parlaments, ist nicht von den Leistungsträgern in diesem Land geprägt, sondern von jenen, die den Marsch durch die Institutionen gemacht haben.«
Stefan Aust, ›Der Spiegel‹, am 9. Dez. 2002.

Angst vor dem Volk
»Allerdings haben Politiker Angst vor demVolk.«
Dieter Salomon, OB von Freiburg/Br., am 8. Dez. 2002.

Entrechtete deutsche Bürger 
»Staat und Politik sind insgesamt in einem Zustand, von dem nur noch Berufsoptimisten oder Heuchler behaupten können, er sei aus dem Willen der Bürger hervorgegangen. Jeder Deutsche hat die Freiheit, Gesetzen zu gehorchen, denen er niemals zugestimmt hat; er darf die Erhabenheit des Grundgesetzes bewundern, dessen Geltung er nie legitimiert hat; er ist frei, Politikern zu huldigen, die kein Bürger je gewählt hat, und sie üppig zu versorgen – mit seinen Steuergeldern, über deren Verwendung er niemals befragt wurde. Die Deutschen dürfen die Hälfte ihres Einkommens als Steuern und Sozialabgaben in die große öffentliche Hand legen, ohne dazu jemals ihr Einverständnis gegeben zu haben, und damit einen Staat finanzieren, der nicht einmal seine Kernfunktion voll erfüllt – wie Sicherheit, Rechtsschutz und Verteilungsgerechtigkeit.« 
Prof. Dr. H. H. v. Arnim, in: ›Das System‹.

Gerhard Schröder: »dieser unverbesserliche Spieler«
»Gerhard Schröder und sein Bündnis haben eine Wahl nach der anderen verloren. Statt den Bettel hinzuschmeißen, nach der Wahl in Nordrhein-Westfalen schlicht zurückzutreten, hat dieser unverbesserliche Spieler in einer Mischung von Walhall und Herostrat noch einmal ein dolles Ding versucht. Aus dem Staub hinauf zu den Sternen! Das Kunststück wird nicht gelingen, und für eine ›Richtungswahl‹ ist dieser Kandidat nun wirklich untauglich.«
Prof. Dr. W. Hennis, Universität Freiburg/Br., am 27. Juni 2005, kurz vor der Entscheidung des Bundespräsidenten über das getürkte Mißtrauensvotum im Bundestag.

»Gesetzlose im Parlament«
»Während sich ein kleiner Beamter nicht mal die Bratwurst spendieren lassen darf, nutzen Parlamentarier üppige Beraterverträge – alles ganz legal, nach selbst gemachtem Recht.
Hans Mundorf am 30. Juli 2002 im ›Handelsblatt‹.

Generalverdacht
»Denn in Wahrheit hat der Staat seinen Bürgern schleichend das Mißtrauen erklärt und stellt jeden unter Generalverdacht. Der Bürger muß sich rechtfertigen, kontrollieren lassen, muß beantragen, nachweisen – ob als Unternehmer oder Arbeitsloser, Anleger oder Stifter, Hausbauer, Vermieter oder Forscher. Der Staat traut jedem alles Böse zu. Als Gegenleistung für seine Fürsorge verlangt er Kontrolle. Dem Wohlfahrtsstaat wohnt daher die Tendenz zum Überwachungsstaat inne.«
Romanus Otte am 10. Juli 2005 in der ›Welt am Sonntag‹.

Freies Abgeordnetenmandat?
»Simmert selbst erhielt zwei Tage vor der Abstimmung einen Anruf des Bundestagspräsidenten. Er wolle doch nicht etwa mit einem ›Nein Verantwortung für einen Regierungssturz tragen‹, hielt Thierse dem Abgeordneten vor. Simmert reagierte fassungslos. ›Wie konnte der Bundestagspräsident versuchen, auf eine Gewissensentscheidung frei gewählter Abgeordneter Einfluß zu nehmen?‹«
Jochen Staadt in seiner Rezension vom 2. Okt. 2002 des Buche von Christian Simmert (›Die Grüne‹): ›Die Lobby regiert das Land‹.


Bemerkenswerte Zitate
Teil 1

Wozu noch Opposition? 
»Sich selber machen sie es damit leicht, den Bürgern aber nicht. Wo alle ungefähr dasselbe wollen, wird es für die Wähler immer schwerer, eine verantwortliche Entscheidung darüber zutreffen, wer regieren soll. Wozu wählen, wenn man die Dinge eh nicht mehr versteht, wohl auch nicht mehr verstehen soll? Nachdem sich der von der Verfassung gewollte Gegensatz zwischen Regierung und Parlament weit gehend abgeschliffen hat, scheint sich nun auch der Antagonismus zwischen Regierungs- und Oppositionspartei zu verlieren.«
Konrad Adam in: Die Welt vom 19. Mai 2001, S. 8.

Mehr Autonomie und mehr Wettbewerb 
»Auch die ›Affären‹ tun es, die bei aller Verschiedenheit im Einzelnen sich darin gleichen, dass die Parteien sich nicht mehr als die privaten Vereine verstehen, die sie sind, sondern als Inhaber politischer Macht, die sich nicht rechtfertigen zu müssen meint. Als einzelne Partei oder als Parteienkartell haben sie sich in Einrichtungen eingenistet, die in einem freiheitlichen Verständnis von Demokratie der parteipolitischen Durchdringung entzogen bleiben sollten: dem öffentlichen Dienst in Bund, Ländern und Gemeinden, den Institutionen der Rechtsprechung, und dies nicht nur in den Obersten Bundesgerichten, dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk, Chefarztstellen in Kreiskrankenhäusern, den Vorständen staatseigener Betriebe, Landesbanken und Sparkassen, der Volksbildung und kulturell tätigen Kuratorien.«
Günther Gillessen, in: FAZ vom 29. März 2000, S. 52.

Multikulturelle Gesellschaft? 
»Der große Propagator dieses Schlagwortes war Heiner Geißler: multikulturelle Gesellschaft. Ich habe das Konzept immer für falsch gehalten. Ich glaube nicht, daß wir mit Fleiß weitere religiöse Minderheiten oder ideologisch-religiöse Minderheiten in unser Land ziehen sollten, weil offensichtlich unsere Gesellschaft damit nicht gut fertig wird. – An der Propagierung einer multikulturellen Gesellschaft würde ich mich nicht beteiligen wollen, ganz im Gegenteil.«
Helmut Schmidt, Altbundeskanzler, zitiert in: Arbeitskreis Christlicher Publizisten, Nr. 1/2000, S. 6.

»Das Vertrauen in die politische Klasse ist heute geringer als je zuvor, von ihr geht weder politische noch moralische Führung aus... Eine Politik ohne Grundwerte ist zwangsläufig gewissenlos, sie ist eine Politik der moralischen Beliebigkeit und tendiert zum Verbrechen.«
Helmut Schmidt, Altbundeskanzler, in: tv, Hören und Sehen vom 15. Januar 2000, S. 8.

50 Jahre Grundgesetz – Verfassungsentwicklung in europäischer Perspektive 
»Erwähnenswert ist immerhin, ob für Verfassungsänderungen nicht grundsätzlich die unmittelbare Zustimmung des Volkes im Wege eines Volksentscheides erforderlich sein sollte.... Grundsätzlich wäre es ... ein Vorteil für die Demokratie, wenn wir auf diese Weise die Möglichkeit schaffen würden, Sachentscheidungen unmittelbar durch das Volk herbeizuführen. Wer in dem Zusammenhang, und das geschieht ja bisweilen, auf die schlechten Erfahrungen der Weimarer Republik verweist, der, glaube ich, hat die Geschichte der Weimarer Republik nicht richtig studiert.«
Otto Schily, Bundesminister des Innern, in: Bulletin der Bundesregierung vom 15. Juli 1999, S. 471.

Wie steht es um die öffentliche Moral?
»Und um noch ein Wort zum neuen Politikertypus zu sagen: Ich habe mich schon des öfteren gefragt, ob ein Politiker wie Konrad Adenauer angesichts der Medienmacht heute noch eine Chance hätte.... Dabei weiß nahezu jeder, dass dieses Land eigentlich in eine Reparaturwerkstätte gehörte.«
Joachim C. Fest, ehemaliger Mitherausgeber der FAZ, in: Welt am Sonntag vom 19. Dezember 1999, S. 36. 

Zahlmeister Deutschland 
»Wir sind ziemlich willkommen, wenn es irgendwo brennt und sich unsere Politiker mit deutschem Geld förmlich aufdrängen, ohne dafür konkrete Gegenleistungen zu erwarten – ganz im Gegensatz etwa zu den Amerikanern... Wir nehmen ganz freiwillig immer neue Lasten auf uns. Wenn jetzt zum Beispiel die Ost-Erweiterung der Europäischen Union auf uns zukommt, dann sehe ich schon unsere Politi