| 24. März 2008
Weisheitsexistenziale: Indirektheit »Die Wissenschaft kann nun an Tausenden von Fällen nachweisen: Nicht allein im geistig-sozialen Bereich, auch in der naturwissenschaftlichen Erfahrungswelt sind uns Tat-Sachen immer nur indirekt, d.h. über die Mittler Apriori und Interpretation gegeben. Nur durch die kontingente ›Tat‹ dieser Mittler erscheinen uns die Sachen, und sie er-scheinen uns sofort anders, wenn neue Mittler ins Spiel gebracht werden. Tatsachen werden also nicht einfürallemal objektiv erkannt; was als Tatsache gelten kann, darüber entscheiden bestimmte Voraussetzungen und Übersetzungsmechanismen. Welche weltumgängliche Lehren sind aus dem Erkenntnisschock zu ziehen? Wie können wir uns die Frei-Räume zunutze machen? Hier sollen nicht die Konsequenzen für die Wissenschaft dargestellt werden, sondern allein die Folgen für die Lebenspraxis.
© WALTHARI® – Aus: www.walthari.com [Aus: Dauenhauer, E.: Wege und Irrwege ins 3. Jahrtausend. Ein Breviar für anspruchsvolle Entscheider, 7. Auflage, Münchweiler 1999]
22. Februar 2008 Epochengestalten Arthur Schopenhauer
Vertreter der pessimistisch gestimmten Willensmetaphysik.
Leben heißt für den Danziger vornehmlich Leiden. 1818 erschien
›Die Welt als Wille und Vorstellung‹. Zentraler Satz: »Die Haupt-
und Grundtriebfeder im Menschen wie im Tier ist der Egoismus, das heißt
der Drang zum Dasein und Wohlsein.« Damit werden Verstand und Vernunft
sekundär. Der unruhige Egoismus neigt zur Selbstzerstörung infolge
seiner Gier nach ständig Neuem. Um den destruktiven Willenstrieb zu
entlasten, gibt es drei Abhelfer: die Kunst, das Mitleiden und die Resignation.
Mitleid wird nicht moralisch gesehen, sondern als eine Form der Selbstfindung.
Hinter dem »Schleier der Maja« wird der »Schmerz der
ganzen Welt« sichtbar. Der Mitleidende erkennt, daß alles Streben
nichtig ist.
»So ist die wahre Lebensweisheit, daß man überlege,
wieviel man unumgänglich wollen müsse,
24. Mai 2007 Unternehmer-Eid und Bürgergesellschaft Von Univ.-Prof. Dr. E. Dauenhauer Das Ansehen ›der‹ Wirtschaft ist trotz der guten Konjunktur schlecht, in Teilen sogar sehr schlecht. Es wäre allzu einfach, dafür nur das wilde Treiben mancher Hedge- und Geier-Fonds verantwortlich zu machen, die mit renditebesessener Strategie ganze Unternehmen und zahlungsunfähige Entwicklungsländer ausschlachten. So hat nach Zeitungsberichten der New Yorker Milliardär Paul Singer einen hohen peruanischen Schuldentitel zum Minderpreis von 20 Mio. Dollar gekauft und danach auf dem Klagewege 58 Mio. Dollar eingetrieben. Das Bild der Wirtschaft wird auch von Konzernen verschmutzt, die mit überhöhten Managergehältern, Optionszuteilungen und Abfindungen den Eindruck ausbeuterischen Verhaltens ›der Bosse‹ verstärken. Während eines Gesprächs zwischen Kardinal Lehmann und dem BASF-Vorsitzenden Hambrecht ergab sich jüngst ein peinlicher Vergleich: Der Kardinal gab seine Monatsvergütung mit 3.800 Euro Netto an, der Chemie-Manager mit vier Millionen als Jahreseinnahmen. Obschon die Welle der Standortverlagerung deutscher Firmen ins Ausland abnimmt und eine Repatriierung zu beobachten ist, bleibt bei Arbeitnehmern das Trauma massenhafter Arbeitsplatzverluste bestehen. Gewiß sind die komplizierten Vorgänge der Globalisierung (vgl. meine Vorlesung in diesem Sommersemester) nicht auf einen einheitlichen Nenner zu bringen. Es muß auch anerkannt werden, dass die positiven Globalisierungseffekte die negativen übertreffen, doch im ›Freifeld‹ der rasenden Finanz-, Fusionswelt usw. sind nicht allein massenhaft Verlierer zu beobachten, denen der ganzheitliche Nutzenüberschuß wenig bringt (nicht nur in Entwicklungsländern), es sind auch Abläufe zu beobachten, die das Wirtschaftsbild einschwärzen und ethisch unterminieren. Daneben existiert eine Grauzone von Ineffektivitäten, die von Großinstitutionen wie der Weltbank und dem IWF zu vertreten sind. Die wenigen Erfolge in Afrika z.B. können nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Hilfsmilliarden mehrheitlich in den Sand gesetzt wurden und sogar Schaden anrichteten. »Wer Afrika helfen will, darf den Afrikanern nicht sagen, wie man an (Entwicklungs-) Geld kommt«, kommentierte unlängst der hochrangige Kenianer James Shikwati (in FAZ Nr. 80/07, S. 13). Die Weltbank beschäftigt 10.000 Mitarbeiter, und nicht nur bei ihr kann der Eindruck einer selbstreferenziellen Entwicklungsindustrie aufkommen. Generell gilt, was ich in dem soeben erschienenen Buch ›Aktive Bürgergesellschaft in einem gebändigten Staat‹ geschrieben habe: je größer und damit anonymer die politischen und wirtschaftlichen Abläufe, umso ineffizienter und korruptionsanfälliger werden sie. Ein Mittel der Gegensteuerung ist die Selbstverpflichtung von Wirtschaftsführern. Am 29. Mai 2004 wurde zu diesem Zweck in diesem WALTHARI-Portal ein Managerei vorgeschlagen, der eine gesellschaftliche Verantwortung zum Ausdruck bringt und damit eine Brücke zur Bürgergesellschaft schlägt. 5.000 Unternehmen gehören der CSR (Corporate Social Responsibility) an, wobei sich herausgestellt hat, dass es die profitabelsten sind. Sie haben erkannt, dass eine bürgergesellschaftliche Verankerung ihres Unternehmens nicht allein den immateriellen, sondern auch den Materiellen Firmenwert erhöht. »So erwarten 50 Prozent der Manager von gesellschaftlich aktiven Unternehmen steigende Gewinne und Stellenzuwächse. Unter den passiven Firmen waren es dagegen nur 42 Prozent«, schreibt der Präsident des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft, Arend Oetker (HB Nr. 48/07, S. 8). Der Eintrag im WALTHARI-Portal am 29. Mai 2004 lautete: Wirtschaftsethische Selbstverpflichtung für Führungskräfte Was der hippokratische Eid für Ärzte (niedergeschrieben etwa 400 v. Chr., in aktualisierter Fassung: vgl. Deutsches Ärzteblatt 1/2/94, S. B 39), das sollte eine wirtschaftsethische Selbstverpflichtung für Führungskräfte sein. Beiden Eliten ist ein jeweils hohes Gut anvertraut: den Ärzten die Gesundheit und den Managern die Wohlstandsbereitung. Führungskräfte sollten sich stets bewußt bleiben, daß es bei ihrer Aufgabenerfüllung nicht allein auf materielle Leistungen, sondern auch auf moralische und kulturelle Standards ankommt, die zu mißachten schwere Schäden beim Einzelnen, bei der Betriebsgemeinschaft und auch in der Gesellschaft verursacht. Ein Managereid käme zudem einem persönlichen Qualitätssiegel gleich und besäße eine Ansporn- und Zähmungsfunktion zugleich. Angesichts des anhaltenden Ansehensverlustes von Managern wäre ein Verhaltenskodex, wie er im folgenden Eidestext zum Ausdruck kommt, für alle Seiten von unschätzbarem Wert: Er trägt letztlich zum sozialen Frieden bei und regt zum Vorbildverhalten an, so daß Unternehmenswohl und Gemeinwohl sich nicht fremd bleiben. Wenn Selbstverpflichtungen einmal zur Ehrensache geworden sind, erhält die Fortentwicklung von der reinen Leistungsgesellschaft zur solidarischen Kulturgemeinschaft eine wirkliche Chance. Bekanntlich sind Vertrauen, Motivation und Solidarität die wichtigsten Aktivposten in der betrieblichen Sozialkapital-Bilanz, die auf die Qualität der Arbeit einwirkt. In Zeiten zunehmender parteien- und staatsdirigistischer Eingriffe können moralisch integre Führungskräfte die bedrohten unternehmerischen Freiheiten besser verteidigen als ›Profitbosse‹, denen es an Glaubwürdigkeit gebricht. Ein hohes betriebliches und gesellschaftliches Ansehen der Führungskräfte läge schließlich in ihrem eigenen Interesse, mindert es doch nachweislich die körperlichen und psychischen Belastungen, steigert die Arbeitsfreude u.v.m. Managereid
§ 1 Generalklausel § 2 Oberste Handlungsziele § 3 Fordern und fördern § 4 Leistungs- und Unternehmenskultur § 5 Unternehmens- und Gemeinwohl § 6 Schonender Ressourcenverbrauch § 7 Ehrlicher Makler © Univ.-Prof. Dr. E. Dauenhauer. Aus:www.walthari.com |