Walthari
 
 

Aus dem akademischen Leben
Literatur:
Dauenhauer, E.:  Die Universität als Lebensform und Reformopfer,
Münchweiler 2002
Bibliographische Angaben unter Fenster Sachbücher


31. März 2008

Zu einem neuen, schleichenden Totalitarismus an deutschen Universitäten
Von Univ.-Prof. Dr. Walter Slaje

Unausgesprochene Prämissen des vor sich gehenden Systemzwangs durch Vernetzung, Einzelfächern ihre etablierten Identitäten zu rauben, sind: 
1) Geisteswissenschaftliche Erkenntnis sei vorhersehbar, ihre Erzielung plan- und organisierbar, die beste aller wissenschaftlichen Organisationsformen sei das Kollektiv. 
2) Masse kompensiere Klasse. 
3) Eigenverantwortlich selbstbestimmte Einzelforschung sei überholt. 

1) Geisteswissenschaftliche Erkenntnis sei vorhersehbar, ihre Erzielung plan- und organisierbar, die beste aller wissenschaftlichen Organisationsformen sei das Kollektiv 
Fächervielfalt, die sogenannten ‚Kleinen Fächer’ explizit miteingeschlossen, gilt ökonomiegesteuerten Wissenschafts-Effizienzprogrammen als widersetzlich. 
Hinter solchen Systemzwängen verbirgt sich wissenschaftsfeindlicher Zeitgeist. Diese Systeme bilden in erster Linie ökonomische Interessen, aber keine freie und selbstbestimmte Wissenschaft ab. Vernetzungen ohne innere fachliche Berechtigung werden aufoktroyiert, in der Folge auch neue und kürzere Studiengänge, einfach, weil man sie „neu“ und „kürzer“, vor allem aber „billiger“ (im doppelten Sinn des Wortes) haben will. Was Ecken und Kanten hat, individuell ist oder vorkragt, wird zurechtgestutzt, bis es in das geplante, vorgegebene Muster paßt. Oder eben weggemacht. Totalitaristische Ansprüche(1) wurden nach außen hin immer schon durch verharmlosenden Sprachgebrauch entschärft, um die Tatsache zu verschleiern, daß Freiheit unterdrückt werden soll. An die Stelle von autonom ausgestalteter Forschungs und Lehrentwicklung (in dieser Reihenfolge) sollen jetzt die zentralistische Forschungslenkung: der ‚neue Studiengang’ als kategorischer Imperativ, der Methodenzwang: ‚interdisziplinäre Modulbildungen’ sowie in Gestalt der ‚erweiterten Präsenzpflicht’ die behördliche Forschungsaufsicht treten. Dazu bedient man sich einer a priori Hierarchisierung zweier unterschiedlicher Kategorien: Die bloße Organisationsform 'Vernetzung’ wird als Kategorie zu einer völlig anderen, der des geisteswissenschaftlichen 'Fachs’, in Beziehung gesetzt und über letztere gestellt. Damit werden Organisationsstrukturen geschaffen, die zwar ohne inneren Bezug zu den einzelnen Wissenschaften stehen, diese aber dominieren. Die damit verabsolutiert einhergehende, apodiktisch vorgetragene Superiorität der 'Vernetzung’ ist im Bereich der Geisteswissenschaften unbewiesen und bleibt unbeweisbar. Ihre Erzwingung stellt ein unumkehrbares Experiment durch Hochschulfunktionäre dar. Man kann, sollte es sich nicht bewähren, es nicht mehr rückgängig machen. Es gibt weder Versuchs- noch Erprobungsphasen, um im Falle des Scheiterns des theoretischen Modells zu den bewährten Formen zurückzukehren. Ein Irrtum der Planer ist nicht vorgesehen(2). Vorwärts! Dieser bundesweite Vorgang ist völlig irrational, denn man beruft sich auf dogmatisierte Mehrheitsmeinungen, nicht auf Erfahrung, nicht auf gesichertes Wissen. In der Wissenschaft sind mehrheitsfähige Abstimmungsprinzipien hinsichtlich der richtigen Richtung aber nicht möglich. Die Geschichte des Wissens zeigt, daß über wissenschaftlich Richtiges und Falsches weder demokratisch abgestimmt noch machtpolitisch bestimmt werden kann. Weder Masse (Mehrheitsmeinung und Kollektiv) noch Macht (Universitätsleitung und Dienstherr) sind brauchbare Indikatoren für richtig oder falsch. Freie Wissenschaft verträgt keine Steuerung und kein Dogma. Die gegenwärtig doktrinär gesteuerte Wissenschaftsorganisation ist ein Rückfall in die Irrationalität vorwissenschaftlicher Glaubensinhalte. Interdisziplinarität wurde zum dogmatischen Leitbegriff unserer Tage erhoben. Aus freien Stücken gesucht, ist sie ein möglicher Weg wie andere Wege auch. Mehr nicht. 
Dazu paßt, daß mit „Exzellenz“-Rhetorik angereicherte, hochschulpolitisch konfektionierte Forschungsprogramme das Wohlgefallen derer finden, die den Willen und die Macht zur Wissenschaftsregulierung haben. Von daher das öffentliche Bekenntnis zur Förderung dessen, was zeitgeistigkonformen Kriterien entspricht – und gefällt. Das Etikett der beispiellosen Unübertrefflichkeit wird angeheftet, noch ehe die behauptete Exzellenz überhaupt Gelegenheit hatte, sich zu beweisen. Mithin wird das Prädikat im Vorfeld verliehen, auf der Grundlage überlegener Antragsformulierungen. Das öffentlichkeitserprobte Prinzip, Verpackungen Gütesiegel ungeachtet ihres Inhalts aufzudrücken, da dieser ohnehin erst später ans Licht kommt, hat man offenbar Strategien der Werbebranche nachempfunden. In der Wissenschaft ist so etwas einfach grotesk. Man kann derlei aber doch irgendwie als puren Verzweiflungsakt nachvollziehen: Wenn nach mehr als 30 Jahren die Ergebnisse der dereinst erzwungen angestoßenen Hochschulreform nun so zutage treten, daß der deutschen Universität die ersehnte internationale Anerkennung versagt wird, heftet man sich den Kleinstaat-Orden der Binnen-Exzellenz eben selbst an die Brust. 
Daß mit den angeblich innovativen, kollektiven Organisationsformen in Wahrheit das kommunistische Wissenschaftskollektiv Wiederauferstehung feiert, wird dabei überwiegend mit Begriffen verschleiert, die zur Netz-Semantik gehören. Die verräterische Metapher läßt sich passend weiterspinnen: Mit Netzen wird gefangen, oder man verfängt sich darin. Keines von beiden kann im Interesse freier Wissenschaft liegen. 
Wissenschaftliche Systeme lassen sich nicht durch einflußnehmende Steuerung von außen optimieren. Freie Geisteswissenschaft braucht kein Generalkommando von Führungsfunktionären, die in der Regel und vorwiegend auf Verdienste in der Wis senschaftsadministration pochen können. Sie optimiert sich selbst und ganz von allein durch methodisch unbehinderte Bemühung und freie Entfaltung der geistigen Kräfte aller Fachvertreter – um nicht den Begriff des Hochschul-Lehrers im Munde führen zu müssen, der den wesentlichsten Aspekt wissenschaftlichen Bemühens, nämlich den der Forschung, auf dreiste Weise ausblendet. Ergebnisse unabhängiger Forschung stellen sich auf nicht planbare und unvorhersehbare Weise ein, als Summe aller frei wirkenden Kräfte. 

2) Masse kompensiere Klasse 
Auch die angebliche Superiorität der Vielzahl gegenüber der Einzahl ist im Kontext qualitativ zu bewertender Forschung nichts anderes als ein von Gläubigen – mit der für sie charakteristischen Inbrunst – vertretener Glaubenssatz. 
Zwar soll Sport im Verein am schönsten sein, und nicht wenige sind bekanntlich der Meinung, das verhalte sich genau so auch beim Sparen. Aber neuerdings flieht sich sogar der deutsche Wissenschaftler zunehmend, vielleicht, weil ihn die eigene Kreativität geflohen hat, in die Vereinswissenschaft, sein Heil in geteilter Verantwortung suchend. Eine Gruppe kann nicht besser sein als ihr schwächstes Glied. Der Minderleistungstransfer auf alle anderen ist solchen Organisationsformen immanent. Das wiederum widerspricht dem vielbeschworenen Wettbewerbsprinzip. Eigenverantwortung wird auf diese Weise verschleiert. Die Universität ist keine Einrichtung zur Förderung wissenschaftlicher Sozialfälle. Ihre Aufgaben im Bereich der Geisteswissenschaften definieren sich über Wahrheitsfindung. Wahrheiten sind nicht mehrheitsfähig, daher auch nicht hierarchisierbar. Sie entziehen sich als Erkenntnisobjekt dem Einfluß von Macht und Mehrheiten. Wer die prinzipielle Superiorität von geisteswissenschaftlicher Mehrheitsforschung vertritt, setzt letztlich auf die Kompensation der Einfallslosigkeit durch Masse. 
Hinter dem Glauben an die Organisierbarkeit geisteswissenschaftlicher Erkenntnisse verbirgt sich ein sehr naiver und vor allem auch sehr realitätsferner Glaube, wonach es sich hierbei um Quantitäten handle, die sich – additiv – doch als Qualitäten darstellen lassen müßten. Wenn die Summe aus „1 schmackhafter Apfel“ + „1 schmackhafter Apfel“ nicht nur „2 schmackhafte Äpfel“ ergibt, sondern das Geschmacksprädikat von „gut“ zu „sehr gut“ verbessern würde, dann wollen wir doch gleich noch einen weiteren dazugeben, um auf „sehr, sehr gut“ zu kommen, und durch Ausweitung dieser Methode schließlich unnachahmlich traumhaften Wohlgeschmack zu erzielen, etwa durch Verzehr einer Tonne von Äpfeln. Zehn Maler malten wohl ein zehnfach schöneres Bild als nur einer? Kein Mozart käme gegen die höhere Qualität einer Komposition an, wenn nur ausreichend viele Komponisten sich zugleich daran versucht hätten? Von einer fünfzigköpfigen Forschergruppe wäre dann tatsächlich zu erwarten, eine qualitativ fünfzigfach höhere geisteswissenschaftliche Leistung zu erbringen oder eine wahrere Wahrheit zutage zu fördern als ein Einzelkämpfer alten Stils es je vermocht hätte? Seltsamerweise stammen die großen Würfe, bahnbrechenden Einsichten und Werke immer von unabhängigen, freien Köpfen. Was waren denn die universitären Bedingungen, die die deutsche Geisteswissenschaft so prosperieren ließen, daß sie sich einen Weltruf sichern konnte, von dem sie heute immer noch zehrt? Wie die Wissenschaftsgeschichte zeigt, sicher nicht die organisierte Rudelbildung, und sicher nicht der Pferch geisteswissenschaftlicher Zwangskollektive. Es waren unabhängige Einzelforscher, die sich Steuerungsmaßnahmen, wie sie heute zentralistisch vorgedacht und verordnet werden, mit Sicherheit ganz energisch verbeten hätten. Geisteswissenschaft ist ein schöpferischer, aber kein im Sinne industrieller Herstellung produktiver Prozeß. Das ist eben der Unterschied zwischen Schaffen und Produzieren. Die Universität ist kein produzierendes Gewerbe, ein Professor kein gewinnspannenorientierter Krämer, seine Wissenschaft nicht Bauchladenware, die er konsumierenden Studenten feilschend feilhält. Wer Geisteswissenschaft aber mit solcher verwechselt, teilt sich seine Begabung für Wissenschaft mit der Grazie des Elefanten, Ballet zu tanzen. 
Das nämlich teilt die Geisteswissenschaft sich mit der Kunst, daß auch sie auf Inspiration und Kreativität angewiesen ist, auf Muße zum Nachdenken, wie sie durch planwissenschaftliche Maßnahmen nicht mit Notwendigkeit herbeigeführt werden kann. Neue, noch nicht gekannte Einsichten, lassen sich schwerlich planvoll herbeiorganisieren, denn dazu müßte man sie ja bereits vorher kennen. Was außerhalb der Vorstellungskraft auch des besten Theoretikers liegt und damit seinen Horizont überschreitet, kann auch er nicht als ein einzuholendes Forschungsergebnis vorherplanen. Die natürliche Beschränkung aller Planwissenschaft ist, daß sie immer nur Modi des Bekannten planen kann. Planerisches ist Vorhersehbares und in erkenntniswissenschaftlichem Sinne daher nie wirklich 'neu’. Die geplante ?Innovation’ verdient den Namen nicht unbedingt. Von Theorie und Wirklichkeit als zwei entgegengesetzten Kategorien taugt die erste vielleicht zur Erklärung der zweiten, aber gewiß nicht dazu, die Wirklichkeit, und damit eben auch die Wirklichkeit der Forschung, nach ihren diskursiven Denkstrukturen zu gestalten. Die Wirklichkeit liegt ihrer Theorie voraus, nicht umgekehrt. Wer unbedingt möchte, daß es anders wäre, bei dem ist Hybris die Mutter des Gedankens. Und er könnte gleich fortfahren zu fordern, daß die Meteorologen, da sie vom Wetter, seinen Gründen und Zusammenhängen theoretisch wüßten und auch so davon redeten, es doch am besten gleich selbst machen sollten ... 
John Steinbeck hatte bereits 1952 die versuchte Erstickung freier Geister durch das gesellschaftliche Kollektiv hellsichtig diagnostiziert. Damals fand er allerdings noch keinen Grund, dies etwa auch auf die Geisteswissenschaft münzen zu sollen. Heute ist ein solcher Grund längst eingetreten. Und deshalb, eben weil derselbe Wahn nun auch in diesem Segment sein Unwesen nicht nur ungehemmt, sondern unter Billigung und Förderung des Staates treiben darf, sei an Steinbecks ahnungsvolle Worte im Auszug erinnert: 
„It is true that two men can lift a bigger stone than one man. A group can build automobiles quicker and better than one man, and bread from a huge factory is cheaper and more uniform. When our food and clothing and housing are all born in the complication of mass production, mass method is bound to get into our thinking and to eliminate all other thinking. In our time mass or collective production has entered our economics, our politics, and even our religion [...]. This in my time is the danger. [...] Our species is the only creative species, and it has only one creative instrument, the individual mind and spirit of man. Nothing was ever created by two men. There are no good collaborations, whether in music, in art, in poetry, in mathematics, in philosophy. Once the miracle of creation has taken place, the group can build and extend it, but the group never invents anything. The preciousness lies in the lonely mind of man. And now the forces marshaled around the concept of the group have declared a war of extermination on that preciousness, the mind of man. [...] And this I believe: that the free, exploring mind of the individual human is the most valuable thing in the world. And this I would fight for: the freedom of the mind to take any direction it wishes, undirected. And this I must fight against: any idea, religion, or government which limits or destroys the individual.”(3)

3) Eigenverantwortlich selbstbestimmte Einzelforschung sei überholt 
Der von handwerklich solider Arbeit begleitete, allmählich heranreifende, zündende Gedanke, die große Idee – sie widersetzen sich jeder planerischen Organisation, weil sie derselben Voraussetzungen wie ein künstlerischer Geist bedürfen: bedingungsloser Freiheit. Die Organisation kann der Idee nicht befehlen, sich rechtzeitig einzustellen. Die Chancen, daß ein ergebnisoffen neugierig forschender Empiriker in Zonen des noch nicht Gesehenen, noch Ungedachten vordringt, sind bei diesem in höherem Maße gegeben als bei jemandem, den man ins Korsett des Vorverständnisses seiner Planer geschnürt hat, und von dem man die fristgerechte Erbringung gemeinschaftlich geplanter und vereinbarter Ziele erwartet. 
Die Universität muß für die Pflege der Geisteswissenschaften daher nicht mehr tun, als ein schöpferisches, geistig entspanntes Klima zu erzeugen. Sie soll, da sie die entsprechende Bezeichnung trägt, Weltwissen fördern, die universale Fächervielfalt bejahen und inspirative Bedingungen für methodologisch unbehindertes Forschen schaffen. Der Fachvertreter allein verantwortet sein Fach. Dieses Maß an Vertrauen und Freiheit ist ihm – nach Bewährung auf einem langen Qualifikationsweg – einzuräumen. Versagensrisiken werden immer bleiben, aber genau das ist der Preis der Freiheit. Wer kontrolliert, fürchtet die Freiheit. Wer an Universitäten die Geisteswissenschaften kontrolliert, fürchtet deren geistige Freiheit. Es ist der Sauerteig an Universitäten, den man hier, statt ihn aufgehen zu lassen, kollektiv erstickt. Durchaus bemerkenswert ist dabei allerdings, daß es vor allem Exponenten einer ihrem eigenen Selbstverständnis nach kritischen Geisteswissenschaft sind, die sich inzwischen entweder artig wie die Lämmlein lenken lassen, gelegentlich noch ein schwaches Blöken von sich gebend, oder aber aus eigenem mit vernehmlich lautem Grunzen über morastige Pfade zu den pekuniären Forschungsfuttertrögen drängen, die sie locken. 

Zum Schluß: Spezialisierungsschelte 
'Spezialisierung’ ist ein relativer Begriff und unterschiedlich definierbar. Eine Professur für ein halbes Buch ist sicher anders spezialisiert als eine auf Kulturräume von kontinentaler Größe (geographisch, historisch und systematisch) ausgerichtete. Was 6 
dem einen aus der Außenperspektive als verengende Spezialisierung erscheinen mag, ist dem anderen die notwendige Erweiterung seines gegenständlichen Gesichtskreises. Die oft bemühten 'Tellerränder’, über die der engstirnige Forscher angeblich nicht hinausblickt, sind als Vergleich nur sehr bedingt brauchbar, weil sie mit verallgemeinernden begrifflichen Abstraktionen arbeiten, die die unterschiedlichen Perspektiven der Wirklichkeit nicht adäquat abbilden. In einem bloß diskursiven Rahmen erscheint das Allgemeine in Zusammenhängen stimmig, büßt diese Stimmigkeit aber dann ein, wenn die Konkreta an ihre Stelle treten. Konkret nun liegt der Rand einer Mokka-Untertasse seinem Mittelpunkt doch erheblich näher als der Orbis einer gedachten Weltscheibe. Indien z.B. ist eine Welt für sich, und ähnlich verhält es sich mit anderen außereuropäischen Zivilisationen. Zwangsvernetzung führt aber dazu, daß die Fachvertreter sich in die Randzonen ihrer akademischen Disziplinen begeben müssen, um Übergänge zu schaffen. Besonders bei Kleinen Fächern mit sehr wenigen oder nur einem einzigen Fachvertreter müssen dann die Kernbereiche als eigentliche Aufgabe zugunsten der Peripherie – und in diesem Sinne oft auch nur peripherer Probleme – vernachlässigt werden. Die Kernaufgabe solcher Professuren ist es aber gerade, die Erforschung dieser Felder abzudecken, die an den personell schwach ausgestatteten Randzonen europäischer Forschung liegen. Ein Beispiel: Ersetzen wir gedanklich alle Professuren einer Universität, die sich in unterschiedlichen Systematiken alle auf den europäischen Kulturraum in seiner Geschichte und Gegenwart beziehen, durch eine einzige. Der Gedanke wäre so schon absurd genug. Aber nun lassen wir an diesen einzigen Fachvertreter für Europa, einen ?Europäisten’, die Aufforderung ergehen, doch endlich seine Spezialisierung sein zu lassen, über den engen Tellerrand zu blicken, der heute gebotenen Inter-Disziplinarität nachzukommen, die Zukunft liege nämlich an der Peripherie. Welche Antwort würde der fiktive Kollege wohl bereithalten? Würden alle nur dem – im übrigen bereits inflationäre Ermattung zeigenden – Imperativ des „Inter“ in jedem einzelnen Fall nachgeben, wo blieben dann noch die fachlichen Eckpfeiler, die überhaupt zueinander in Beziehung gesetzt werden könnten? Die Konturen verschwimmen. Die Erosion wäre allenfalls hinzunehmen, wenn Erfordernisse aus innerfachlicher Perspektive von sich aus derlei Maßnahmen geboten erscheinen lassen. Sie dürfen aber nicht zwangsweise eingeführt werden durch wissenschaftsfremde und regulierungswütige Bürokratie. Doch genau das ist der Fall. 

***
Das Fach Indologie etwa vertritt den Kulturraum des indischen Subkontinents, was historisch und systematisch nur mit einer kulturgeschichtlichen ?Gesamteuropäistik’, und zwar von der Antike bis zum Ende der Neuzeit, vergleichbar wäre. Insofern ist dieses Fach intrinsisch intradisziplinär angelegt. Wissenschaftlich haltbare Befunde lassen sich hier überhaupt nur ermitteln auf der Grundlage des Edierens der Quellen und des Herstellens von Zusammenhängen von innerindischen Teildisziplinen (Recht, Religion, Theologie, Philosophie, Literatur, Linguistik, einheimische Wissenschaft, etc. – alles stets im Plural). Einem fachfern von oben angestoßenen Prozeß zur strukturellen Steuerung wissenschaftlicher Forschung auf Zuruf nachzukommen, wäre hier absurd. Kooperationsverordnungen, die weder inneren Fragestellungen noch der intrinsischen Dynamik der Fächer entspringen, zwingen auch die indologische Forschung in Randzonen, um in Erfüllung planerischer Aufträge dort periphere Schnittstellen aufzuspüren. Doch besonders in Einrichtungen mit leider nur einer einzigen Lehrstuhlvertretung müßten dann Hauptaufgaben wie die Arbeit an zentralen Fragestellungen und die Beschäftigung mit den eigentlichen Kernbereichen der indologischen Disziplin vernachlässigt oder sogar aufgegeben werden. Im Fächerkanon der Wissenschaften ist die Indologie ein vergleichsweise junges Fach. Aus diesem Grunde ist es immer noch auf solide Grundlagenforschung angewiesen, um die Primärquellen sichern und unter Anwendung philologischer Methoden verläßliches Datenmaterial erheben zu können. Mit Werner Jäger ist „Philologie [...] das historischgenetische Erkennen der antiken Kultur durch Interpretation der Überlieferung und Rekonstruktion der fehlenden Glieder in der Kette des Werdens.“(4). Neben dem Erkennen vormoderner Kulturen in ihrem geistigen Wandel hat die Philologie aber auch die wichtige Funktion, aus der Einsicht in die Notwendigkeit, universalgeschichtlich herausragende Leistungen menschlichen Geistes mit bleibendem Wert in ihrer ursprünglichen Gestalt zu bewahren und ihr unmittelbares Verständnis den Menschen immer wieder in der originalen Ausdrucksform nahezubringen, ganz wie Schöpfungen der bildenden Kunst oder der Musik. 

***

Jedem verantwortungsvollen Fachvertreter sollte daher entschieden daran gelegen sein, sein Fach auch weiterhin in völlig autonomer Ausgestaltung allein nach methodischen Grundsätzen und wissenschaftlichen Zielsetzungen zu vertreten, wie sie sich aus seinen eigenen Reflexionen über dasselbe ergeben. Offenheit für strukturelle Neuschnitte wird nur bei solchen Forschungszusammenhängen sinnvoll sein, wo innere Anlage und Profil anderer beteiligter Fächer eine aus sachlich-systematischen Gründen fruchtbringende Kooperation verheißen. Die Zufälligkeiten der an einer Universität eingerichteten Fächerlandschaft allein sind kein zureichendes Kriterium für die Bildung größerer Verbünde(5). Man sollte sich nicht freiwillig zu Zusammenschlüssen oder neu zu konstruierenden Studiengängen verstehen, die den wissenschaftsfernen Intentionen von Hochschulplanern oder administrativen Vereinfachungsvorlieben geschuldet sind und die den Fachvertretern ohne jegliche objektivierbare Plausibilität aufgenötigt werden. 
Die planvolle Vermassung der Universitäten war bekanntlich nicht ohne Vermassung auch des Personals zu haben gewesen. Es war vorhersehbar. Auch, daß damit alle universitär errichteten Dämme gegen den Einzug des akademischen Mittelmaßes gebrochen werden mußten – oder besser: werden sollten. Im Ergebnis nehmen heute Exponenten und Absolventen genau dieses Maßes nun Maß an sich selbst für alle anderen. Nach ihrem Bilde, ihrer Norm geformt, teilhaftig der ungebetenen Segnungen des Kollektivs, soll allein den Angehörigen eines solchen das Prädikat projektierter 'Exzellenz’ zukommen dürfen, verliehen von Brigaden wissenschaftlicher Produktionsaufsichtsgemeinschaften. Es versteht sich, daß, um unter diesen Umständen den papieren konzipierten Erfolg als gutachterlich bestätigten herbeizuorganisieren, die an unfreien Universitäten bevormundeten Fachvertreter einem entsprechenden Steuerungs- und Controlling-Prozeß unterworfen werden müssen, der nicht anders als ganz fest in den Händen der Hochschulplaner liegen kann. 

„Aus eignem Schoß ringt los sich der Barbar, 
Der, wenn erst ohne Zügel, alles Große, 
Die Kunst, die Wissenschaft, den Staat, die Kirche, 
Herabstürzt von der Höhe, die sie schützt, 
Zur Oberfläche eigener Gemeinheit, 
Bis alles gleich, ei ja, weil alles niedrig.“(6)
 
 

(1) Ralf Dahrendorf, „Versuchungen der Unfreiheit. Erasmus-Intellektuelle im Zeitalter des Totalitaris-mus.“ Rüdiger vom Bruch, „Mit der Fackel der Erkenntnis voran oder Angeführte des Zeitgeistes?“. In: Glanzlichter der Wissenschaft 2005 – Ein Almanach. Stuttgart 2005.
(2) „Was mit der Zwangsabschaffung der alten Studiengänge aber bewirkt wird, ist nichts anderes als die Vernichtung der Kontrollgruppe. Damit wird es in der Zukunft unmöglich, festzustellen, ob die Beibehaltung (ausschließlich oder parallel) der alten Abschlüsse nicht doch besser gewesen wäre. Dies passiert ohne Not. Man darf sich daher fragen, wieso dieser Weg dennoch mit derartiger Vehemenz eingeschlagen wird. Die meines Erachtens überzeugendste Erklärung ist in der wirtschaftswissenschaftlichen Theorie des rationalen Herdenverhaltens zu finden.“ Stefan Winter, „Man könnte auch irren! Die Elimination von Kontrollgruppen als Gestaltungsprinzip der Hochschulpolitik.“ Forschung & Lehre 12 (2005): 643.
(3) John Steinbeck, East of Eden. London: Penguin Classics 2002: 133f. 
(4) Philologie und Historie, 1914, S. 8. 
(5) „... was da zwischen Flensburg und Passau, Dresden und Aachen unter dem Zwang der lokalen Ressourcen zusammengebastelt wird, kann extern kaum noch auf allgemeine Disziplinstrukturen und Qualifikationskriterien bezogen werden.“ Ulrich Herrmann, „Falsche Ziele zur falschen Zeit am falschen Ort.“ Forschung & Lehre 12 (2005): 646. 
(6) Franz Grillparzer: Ein Bruderzwist in Habsburg, III. Aufzug. 

Alle Rechte bei:
© Prof. Dr. Walter Slaje, Professor 
Seminar für Indologie
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Emil-Abderhalden-Str. 9
D-06099 Halle (Saale)
Aus: www.walthari.com


7. März 2008

Eine nicht gehaltene Laudatio 
anläßlich des 65. Geburtstags und der Entpflichtung von 
Univ.-Prof. Dr. Dr. hc. Hermann Stever, 
Universität in Landau

Lieber Herr Kollege Stever,

Ende März 2008, wenige Tage nach Ihrem 65. Geburtstag, werden Sie der Bolognabetriebsamkeit entkommen sein und können von  draußen voller Staunen auf unsere modul- und bürokratiegeplagte Alma mater blicken, der wir beide über Jahrzehnte gedient haben. Unzählige Male trafen wir uns auf Sitzungen und unterhielten uns privat über die Wunderlichkeiten der Gelehrtenrepublik in der Provinz. Einige Male agierten wir auch gemeinsam vor Studierenden, Sie als Mathematiker und ich als Wirtschaftswissenschaftler, um gemeinsam ein Oberseminar zu bestreiten, in welchem traditionell der Blick über die Fachgrenzen gewagt wird, unter großer Mitwirkung der Studierenden. Solche modulfreie Veranstaltungen soll es kaum noch geben, weil ja alles zu evaluieren ist, um die Universität zur gewünschten effektiven Wissensfabrik umzuformen. Daran werden Sie wohl gedacht haben, als Sie sich entschieden, nicht bis zur Vollendung des 68. Lebensjahres im Dienst zu bleiben, wie es Ihnen möglich gewesen wäre. Wer könnte Ihnen das verdenken!

Als wir uns in den siebziger Jahren zum erstenmal begegneten, konnte man noch mit gutem Gewissen von der Freiheit der Forschung und Lehre sprechen. Es gab noch die Möglichkeit zur déformation professionelle, zu jener freiheitlichen Fachsouveränität mit Kauzigkeitslizenz, aus der bekanntlich die besten Ideen entspringen. Davon berichten viele Hilbert-Anektoden, die Sie als Mathematiker wohl allermeist kennen, vielleicht aber noch nicht die folgende: Als David Hilbert (1862-1943) mal wieder über den Campus lief, wurde er von einem Studenten angesprochen und um eine Hilfe für die Lösung eines mathematischen Problems gebeten. Der große Königsberger Denker ging bereitwillig darauf ein. Nachdem das Gespräch beendet war, fragte Hilbert: »Aus welcher Richtung haben Sie mich kommen sehen?« Der Student zeigte auf den Weg. »Ah«, sagte Hilbert, »dann habe ich noch nicht gegessen« und lief in Richtung Mensa.

Nein, so vergeßlich habe ich Sie in all den Jahren nicht erlebt, wohl aber gelegentlich im Training einer geistigen Absence bei geöffneten Augen, wenn eine Fachbereichsratsitzung langweilig oder zu lang ausfiel. Selbstschutz nennt man das, wozu Mathematiker offenbar fähiger sind als andere Wissenschaftler. Denn in mathematischen Köpfen sollen nach glaubhaften gehirnphysiologischen Untersuchungen stets mindestens fünf Problemcluster rumoren. Tag und Nacht. Daher die vielen mathematischen Innenschauen mit Absencefolgen. Als Ökonom bewundere ich diese Kompetenz, die in Schulen leider noch nicht zum Kompetenztrainingsprogramm gehört, wie ich mir habe sagen lassen. Was als Selbstschutzmaßnahme sich an Universitäten bewährt hat, müßte auch gegen verfehlte Schulreformen tauglich sein. 

Einmal, als sich eine kontrollierende Oberbehörte an der Tür geirrt hatte, erbaten Sie meine kollegiale Hilfe zur Abwehr eines falschen Begehrens. Sie waren offenbar der Meinung, daß Mathematiker zwar mit Zahlen am besten vertraut sind, Ökonomen aber besser zählen können. So unbestritten der erste Teil Ihrer Überzeugung, so fragwürdig das Zählzutrauen über Ihre Fachgrenze hinweg. Es ging denn auch gottseidank bei dem irrenden Behördengang nicht um das Durchnumerieren von Akten, sondern um deren rechtsökonomischen Status, wozu ich einiges beitragen konnte. 

Im nachhinein kommen mir solche Vorfälle geradezu als erfrischend vor. Denn sie trugen unfreiwillig dazu bei – wie der Student bei Hilbert –, daß wir uns klar wurden, wo wir uns eigentlich befanden. Und mit wem wir es auf bürokratischer Ebene zu tun hatten. Im alten Preußen, das für seine Verwaltungstüchtigkeit berühmt war, galt der Beamtensatz: Die Akte läuft, wenn sie ruht. Davon wollen Oberbehörden erklärtermaßen nie etwa gehört haben, denn sie sind stets darauf bedacht, Akten am Laufen zu halten. Weshalb nichts ordentlich läuft. Aber das ist ein weites Feld, auf dem man sich gewaltig verirren kann – wie jene sagenbildenden neuen Bolognesen, die ihre Universität, eine der ältesten Institutionen Europas, neu erfinden wollen. Wir beide können die Irrläufe, die sich mittlerweile bis Landau verlaufen haben, natürlich nicht mehr von ihrer Umgängerei abhalten. Denn ich selbst bin bereits entpflichtet und Sie werden es in wenigen Tagen sein. Sie werden hoffentlich Ihrem kollegialen Nachwuchs einige Tipps für periodische Absencen gegeben haben. Wenn nicht, wäre das ein bedauerliches Versäumnis. Lebt doch unsere Alma mater auch davon, daß man an ihrem Busen zwischendurch mal einschlafen darf. So einen  Busenschlaf halte ich für die Bedingung der Möglichkeit für gute Forschung. Aber das ist schon wieder – naja, Sie wissen schon.

Sie wollen, haben Sie mir jüngst anvertraut, allenfalls nur noch scheue Blicke von Ihren Bienenständen in Richtung Universität werfen. Immerhin noch Blicke, wenn auch scheue. Den Honig der Erkenntnis aus der Natur statt aus Modulen fließen zu lassen ist gewiß eine löbliche, aber durchaus auch riskante Alternative. Man kommt nämlich leicht ins Schwärmen, mit unabsehbaren Folgen. Als Imker wissen Sie, welche unmöglichen Landeplätze die Stockausreißer zuweilen auswählen. Ich werde mir erlauben, von Zeit zu Zeit bei Ihnen vorbeizuschauen, um mir ein Bild davon zu machen, wie es sich ohne die Wissenschaft leben läßt. Eine Art kollegiale Nachsorge, um Ortsdefizite partiell auszugleichen. 

»Apes debemus imitari«, empfiehlt Seneca in seinen Epistolae morales (84,4). Ein guter Lebensrat.

In diesem Sinne und mit heiteren Grüßen
Ihr
Erich Dauenhauer, Emeritus a.i.p.

©Univ.-Prof. Dr. E. Dauenhauer. Aus: www.walthari.com


13. Februar 2008

Universitäten im irrwitzigen Bologna-Prozeß
Teil 29 der Rundschau

Von Univ.-Prof. Dr. E. Dauenhauer

Die Veröffentlichungen über den Niedergang der deutschen Universitäten sind nicht mehr zu überblicken. Allein in den letzten sechs Monaten habe ich rund einhundert kritische Beiträge in mein Archiv aufgenommen. Sie bestätigen ausnahmslos, was schon in den neunziger Jahren des 20. Jh.s abzusehen war, aber kaum jemand auszusprechen wagte. Worauf ich in Vorartikeln immer wieder hingewiesen habe: Die überwiegende Mehrheit der Professoren in Deutschland duckt sich weg und hat protestlos zugesehen, wie ihre Alma mater in den Ruin getrieben wurde und weiter wird. Niemand unter ihnen kann sich damit herausreden, den desaströsen Prozeß unterschätzt zu haben. Für meine Kritiken ab den frühen 90er Jahren habe ich manche Unannehmlichkeiten hinnehmen müssen. In MittHV, Heft 4/1993 (S. 272 f.) hatte ich z.B. auf die »bürokratischen Reformmittel« hingewiesen, aus denen sich »genau jener fremdbestimmte, überverwaltete Professorentyp« herausschäle, »dem sein Fachbereich vorschreibt, was er zu lehren, dem das Prüfungsamt vorgibt, was genau er zu prüfen, dem eine ›Controlling-Stelle‹ sagt, wie eine ›sachgerechte Nutzung vorhandener Ressourcen‹ aussieht und dem eine ›Leistungskriterien‹-Abfrage vor Augen hält, wie seine Lehre zu bewerten ist. Dies alles hält der Minister offenbar für eine ›Stärkung der Lehre‹, und er nimmt inkauf, daß die so gewollte ›Stärkung bestimmter Handlungsebenen (sic!) in der Hochschule‹ mit der ›Freiheit‹ des Professors zur ›Abhaltung von Lehrveranstaltungen und deren inhaltlichen (!) und methodischen Gestaltung‹ (Rh.Pf.-HochSchG § 3 Abs. 3 Satz 1) kaum vereinbar ist.«
Wie sehr sich die Lage inzwischen verschärft hat, erfährt jeder aktive Kollege im Hochschulalltag, den die Wissenschaften zum bürokratischen Vollzugs-, Prüfungs- und Evaluationsgeschäft denaturiert und der die Professorenschaft auf tiefstes Frustrationsniveau befördert hat. Im Februarheft 2008 des Hochschulverbandes kann man den verspäteten Aufschrei und die Hilferufe (immer noch anonym) von Professoren lesen, die bis zum Hals im Regulierungssumpf stecken: »Wir ersticken!« »Helfen sie uns!«

Dennoch geht die Zerstörung einer der kostbarsten Traditionseinrichtungen der abendländischen Kultur unverdrossen weiter. Obschon mittlerweile schlimme Schleifungsergebnisse (Abschaffung bewährter Studienabschlüsse, massive Eingriffe in die grundgesetzlich garantierte Lehr- und Forschungsfreiheit u.a.m.) zu besichtigen sind und der Chor der Kritiker anschwillt, lohnt es sich, der Tragödie weitere Warnsignale beizumischen. Denn das Versagen der Professoren gegenüber von ›Reformern‹, denen die Universität ein Schwarzer Kasten ist, mit dem man beliebig spielen zu können glaubt, wird in späteren Jahren zu ähnlich schweren Vorwürfen führen wie im Nachgang zu den 68er Wirren. Auch damals haben nur wenige Kollegen mutig dagegengehalten.

Ist schon alles gesagt? Selbst wenn es so wäre, hätte schweigendes Zusehen noch schlimmere Folgen. 

»Etikettenschwindel«: Man lese dazu die scharfe Abrechnung der FAZ-Redakteurin Heike Schmoll in Heft 2/2008 von ›Forschung & Lehre‹ (F & L). Sie spricht von einem »nahezu totalitären Charakter« bei der sog. Forschungsförderung, vom Sprachimperialismus des Englischen, von täuschender Antragsexcellenz statt wirklicher Ergebnisexzellenz, von Verschulung, vom Verlust der Bildung u.a.m. – mehrheitlich verspätet vorgetragene Kritikpunkte, die sich weitgehend lesen, als handle es sich um eine Zusammenfassung meiner Veröffentlichung ›Die Universität als Lebensform und Reformopfer‹ aus dem Jahre 2002  (Näheres unter Sachbücher in diesem WALTHARI-Portal). Heike Schmoll tritt auch meinem Vorwurf an die Kollegen bei: »Viele Hochschulprofessoren haben sich allzu willfährig...« Und beschämend der Fußtritt von außen: »Die Professoren müssen selbst dafür kämpfen...«

»Lehrsklaven«: Jürgen Kaube macht auf »neue Lehrkräfte als universitäre ›Mindestlohnreserve‹« und auf Lehrprofessuren als »Sozialarbeiter des reformierten Universitätssystems« aufmerksam (FAZ Nr. 276/07, S. 43). »Denn die Folgen der Bachelor-Reform machen sich jetzt an den Universitäten mit großer Geschwindigkeit bemerkbar. Und je mehr sie es tun, desto weniger wird sich der eigentliche Charakter dieser Reform leugnen lassen: Eine riesige komplizierte Sparmaßnahme zu sein.« 

Studentisches: Stiche ins Wespennetz auch hier, wenn man darauf hinweist, daß rund ein Drittel der Studierenden nicht studienreif ist (zeigt sich schlagartig bei Ganzschriftanforderungen); daß wohl ebenfalls ein Drittel seine Studienwahl falsch trifft und immense Umweg- und Abbruchkosten verursacht (fast 30 Prozent verlassen die Hochschule ohne Abschluß, was über sieben Milliarden Euro jährlich als Verlust zu verbuchen ist); daß allein in Rheinland-Pfalz 999 staatsanwaltliche Verfahren wegen Bafög-Betrugs in Arbeit sind; daß Textbetrug keine Randerscheinung mehr ist, worauf Suchrechner angesetzt werden müssen usw. Juristen mit beiden Examen werden in manchen Kanzleien auf Hartz IV-Niveau bezahlt. Frauen meiden trotz bester Berufsaussichten ingenieurwissenschaftliche Studiengänge. Die Universität als weitgehend anonymer Supermarkt: mit rd. 900 Studiengangsangeboten, mit einer Prof-Stud-Relation, die zum Kultushimmel schreit usw. 

Jürgen Mittelstraß (renommierter Philosoph an der Universität Konstanz): »Mit Bologna wird die Universität weitgehend zur Fachhochschule... An die Stelle des Paradigmas Universität im Humboldt’schen Sinne tritt das Paradigma Schule... (Damit) verliert die Universität ihr Wesen« (FAZ Nr. 11/08, S. 7).

Universitätspräsidenten: Ein Romanist, Jürgen Trabant, FU Berlin, kritisiert: »Für den Erfolg machen Universitätspräsidenten alles, ihre wissenschaftlichen Überzeugungen sind nichts wert, wenn sie nur beim nächsten Hype dabei sind.«

Rankingwahn: Universitäten unter Ferner-liefen empfinden sich als gefühlte Volkshochschule. »Regionalklitschen« - ein böses Wort macht die Runde.


14. Februar 2008

Universitäten im irrwitzigen Bologna-Prozeß
Teil 30 der Rundschau

Von Univ.-Prof. Dr. E. Dauenhauer

Falsche Versprechungen: BA sollte die Studienzeit verkürzen und den Berufseinstieg erleichtern. Das Controlling der FU Berlin meldet: Nicht einmal ein Drittel schließt mit der Regelstudienzeit ab (Newsletter 12/07 des DHV).

Politikerprosa: CDU-Fraktionschef Christian Baldauf im Mainzer Landtag: Die Landesregierung in Mainz »vernachlässigt seit vielen Jahren schon die Hochschullandschaft auf den Rücken der Studierenden und der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter« (in: ›StaatsZeitung‹ Nr. 18/06, S. 4). Professoren als Mitarbeiter – verräterische Parlamentariersicht.

›Professor Untat‹: So der Buchtitel eines Pamphlets, das rund die Hälfte aller Hochschullehrer der Faulheit bezichtigt. Die beiden Autoren leiden unter Wahrnehmungsschwäche. Nicht faul, sondern resignativ verbringen Hochschullehrer ihre lange Wochenarbeitszeit als Lehr- und Prüfungssklaven. Wes Geistes Kind die luftige Reportage ist, geht aus der Meinung hervor, Vorlesungen seien überflüssig. Die Universität als Lernfabrik: genau darauf berufen sich Hochschulpolitiker. 

»Wer seine Studenten duzt, gibt ungern schlechte Zensuren« (Rheinischer Merkur, Nr. 7/07, S. 18).

»Zu viel Einzelforschung. Das saß. Meine Arbeitsweise hatte ihren Stempel weg...« Unter der Überschrift ›Lob der Einzelforschung‹ verteidigte der bekannte Philosoph Martin Seel in der ›Neuen Rundschau‹ (Heft 2/06, S. 41-53) eine Form wissenschaftlicher Tätigkeit, die mittlerweile geradezu als Sündenfall gilt. Im postmodernen Wissenschaftsbetrieb zählen nur namensangehäufte Netzbruderschaften. 

»Erhöhter Konformismus«: »In Deutschland sorgt der ›Bologna-Prozeß‹ vor allem für erhöhten Konformismus«, schreibt Joachim Güntner in der NZZ 330/06, S. 25. Eine alles beherrschende Nomenklatura aus Akkrediteuren, Planern, Bildungsberatern und anderen Räten habe die Universität unter der Aufsicht der Ministerien fest im Griff.

Trauergesang: In seinem Erinnerungsbuch ›Mit dem anderen Auge‹ fällt Peter Wapnewski in tiefe Trauer, wenn er an die Bildungskraft der alten Universität denkt. Da waren noch Begeisterung und Selbstverantwortung am Werk.

Bachelor-Master-System: »Bisher waren Medizin und Jura die beiden Wissenschaften, die man mit gutem Grund von diesem Verdummungsprozeß freihalten wollte. Aber so die beiden Justizminister: ›Der Bologna-Prozess kann nicht aufgehalten werden.‹ Das erinnert mich immer an Erich Honeckers goldenen Satz: ›Den Sozialismus in seinem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf.‹...  Die Bachelors des Rechts, mikrowellenartig erhitzte Vierteljuristen, die man nach sechs Semestern aus der Universität jagt, werden ein pseudo-akademisches Proletariat darstellen, das mangels jeglicher fundierter Ausbildung, niemand brauchen kann: ihm steht, wenn es mit dem Job in der Gerichtskantine nichts wird, nur noch eine Karriere in einer der politischen Parteien offen« (Prof. Dr. Rainer Zaczyk, Bonn; Hervorhebung: E.D.).

Clemens Albrecht, Uni Koblenz-Landau: »Ein neuer Typus entsteht in der Wissenschaft: der außengeleitete Charakter« (in: F&L Nr. 8/07, S. 455).

»Bologna-Irrsinn«: Unter diesem Stichwort sieht der Soziologe Stefan Kühl (Uni Bielefeld), auch die »Verregelung der Universität«, welche die Professoren permanent zu »Regelverletzungen« zwinge. »Der Arbeitstag eines Professors besteht heutzutage aus einer einzigen Aneinanderreihung von Regelverletzungen: man läßt Studenten zu Veranstaltungen zu, die man eigentlich nicht zulassen darf, man gibt eingescannte Blankounterschriften für Mitarbeiter aus, um nicht einen (Unter-)Schreibkrampf zu bekommen, datiert Reisekostenanträge zurück, um Fristen zu wahren, manipuliert an den Verbuchungen von Ausgaben herum, um seinen Haushalt auszugleichen oder schreibt Zweitgutachten für Arbeiten, die man nicht gelesen hat und übernimmt dabei blind die Note des Erstgutachters. Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen« (F & L 12/07, ‚S. 720). 

Landauer »Schildbürgerstreich«: Nein, nicht die Karnevaleske vor der Wahl des Oberbürgermeisters dieser Stadt nahm die FAZ Nr. 219/07 (S. 2 !) ins ironische Visier, sondern den von der FDP beantragten Armutsbericht. »Untersucht werden sollten auf Steuerzahlers Kosten unter anderem ›Umfang und Ursachen der Armut, Entwicklung der Armut in den letzten fünf Jahren und spezifische Angebote für einkommensschwächere Bevölkerungsgruppen‹. – Auf Anregung des am 2. September zum Oberbürgermeister gewählten SPD-Kommunalpolitikers Hans-Dieter Schlimmer hatte sich der Stadtrat zuvor wissenschaftlichen Sachverstand zur Klärung der Armutsfrage von zwei Professoren der Universität Koblenz-Landau geholt. Wie gute deutsche Handwerker machten die Sozial- und Wirtschaftswissenschaftler Thomas Müller-Schneider und Werner Sesselmeier dem Stadtrat Anfang Juni ein Angebot samt Kostenvoranschlag, die Armut in Landau statistisch zu erfassen und zu analysieren. Zum ›Selbstkostenpreis‹ von 10.000 Euro sollte der vorhandene Datenbestand über Arbeitslosen- und Sozialhilfeempfänger gesichtet und aufbereitet werden.« Der alte OB im FAZ-Zitat: »‹Es sei ... zu bezweifeln, dass grundlegend neue Erkenntnisse aus dem Bericht gewonnen werden könnten.« Das Projekt wurde gestoppt.

»In Indien ist das Studium am günstigsten.« So titelte allen Ernstes die Financial Times Deutschland vom 1. September 2006 auf Seite A 5. Das günstige Angebot werde von »künftigen Führungskräften erst langsam« entdeckt. Man wohnt »auf einem abgezäunten Campus wie im Hotel...«.
© WALTHARI® – ausgenommen die Originalzitate. Aus:www.walthari.com

Wird fortgesetzt
u.a. mit einer Betrachtung über den Schavanismus










1. November 2007

Universitärer Kältetod

Nehmen wir an, jemand schriebe einen Campusroman, in welchem das folgende Szenario geschildert würde. Eine Universitätspräsidentin, eingerahmt von ihrem Stellvertreter und dem Kanzler sowie ausgestattet mit gesetzlichen Weisungs- und Befugnisrechten, wie es sich ein Theodor Litt nach der letzten Restitution der Humboldtprinzipien nicht mehr hätte vorstellen können, die Unipräsidentin also  hätte die Lehrenden (Forschende gäbe es in dem Roman nicht mehr) und die Studentenschaft zu einer Veranstaltung eingeladen, um ihre Entscheidungen zur Behebung eines Notstandes bekannt zu geben. Der Notstand, so die Präsidentin mit Zahlen, bestehe darin, daß ihr Haus »strukturell hoffnungslos unterausgestattet« sei und der studentische Andrang sie daher dazu zwinge, hiermit anzuordnen...
Der Romanautor ließe Theodor Litt im Grabe sich umwälzen. Er würde diese  gespenstische Unterszene dadurch abzumildern versuchen, daß er einige mutige Studierende beiderlei Geschlechts als Zwischenrufer figurierte, wodurch die versammelten Anordnungsempfänger jeweils zum Beifallklatschen und zu leisen Pfiffen veranlaßt würden – Professoren ausgenommen.
Denn deutsche Professoren protestieren nicht, auch dann nicht, wenn man sie studienrätlich herabmodelliert hat. 
Der Romanautor würde dann sogar, so nehmen wir an, die Umdrehgeschwindigkeit im Grabe Theodor Litts erhöhen, was gewiß geschmacklos wäre,  aber diese Geschmacklosigkeit erschiene ihm der Lage angemessen.
»Reine Planwirtschaft unter dem Oktroi der...« 
In »Notfächern«, so von präsidialer Seite in die Versammlung gesprochen, müsse die Teilnehmerzahl in Seminaren auf siebzig erhöht werden.
Zwischenfrage von studentischer Seite: Ob denn...
Stürmischer Beifall.
Vom Podium her: Notfalls seien die Module zeitlich zu strecken.
Protestierender Einwand aus der Versammlung: »Die Universitäten sind 700 Jahre ohne die Modulei ausgekommen!«
Präsidiale Erwiderung: »Die Universitäten kamen 700 Jahre lang auch ohne Rechner aus.«
Buhrufe.
Diesem Romanautor müßte man eine schlechte Phantasie bescheinigen, insbesondere dann, wenn er sich noch zu dem völlig realitätsfernen Einfall verleiten ließe, im Kanzleistil den Studierenden bekannt zu geben: Es werde gerade ein standardisierter Fragebogen entworfen, auf dem jeder Studierende seine Beschwerde...
Ein Gelächter in der ganzen Runde wäre dann hinzuzufügen.
Kundige Literaturkritiker würden, wenn unser Autor von seinem unmöglichen, weil schlecht ausgedachten Vorhaben nicht abließe, zurecht vorhalten, er kenne nicht die ganzen Campusrealitäten. Sie seien nämlich hinter den Kulissen viel schlimmer, als es in...
© Univ.-Prof. Dr. E. Dauenhauer. Aus: www.walthari.com

Fortsetzung folgt.




 
Erich Dauenhauer
 
 

Die Universität
als
Lebensform
und Reformopfer

Eine Bilanz nach 
zweiunddreißig Lehrstuhljahren 
 
 
 
 

2002
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

WALTHARI

 

Einführung

Wer als Universitätslehrer auf fünfundsechzig Semester zurückblicken kann, darf sich wohl Urteile über eine der ältesten, zugleich komplexesten und sensibelsten Institutionen der abendländischen Kultur erlauben – mit aller Vorsicht und Differenzierung natürlich, wie es einem Homo scientiae geziemt. Zwar konnte ich meine Erfahrungen lediglich an einer vergleichsweise kleinen Hochschule in der (pfälzischen) Provinz sammeln, aber selbst die bukolische Weinlandschaft vor den Toren meiner Alma Mater hat eifernde Reformer nicht davon abhalten können, das universitäre Leben immer wieder in Schieflagen zu bringen. Eine Universität, die sich ihrer geschichtlich gewachsenen Strukturidee und ihres verfassungsrechtlich geschützten Auftrags bewußt ist, hat nichts notwendiger als wache und mutige Hochschullehrer, die wissen, daß es nicht genügt, nur exzellente Forschung und Lehre betreiben zu wollen. Ist doch die deutsche Universität seit ihren Anfängen im 15. Jahrhundert ein ständiges Objekt wissenschaftsfremder Begierden von innen und von außen – heute mehr denn je. Innerhalb ihrer Mauern sind der Gremienbetrieb, die Quotenprivilegien, die zentralistische Verwaltung und der Ämterehrgeiz mancher Wissenschaftler ihre größten Feinde. Von außen fühlt sich die Gemeinschaft der Lehrenden und Lernenden gesetzlich und ideologisch so sehr eingeschnürt, daß sie ihre originären Aufgaben, nämlich Erkenntnisgewinnung und -vermittlung sowie Persönlichkeitsbildung, zum betriebswirtschaftlichen Durchlaufproblem von Massen verkommen sieht. Den Großbetrieb namens Universität halten Kapazitätsverordnungen, detaillierte Studien- und Prüfungsordnungen, Evaluationspraktiken und zahlreiche andere Vorgaben in Atem – sichtlich zum Wohlgefallen vieler Universitätspolitiker in Verbänden, Parteien, Parlamenten und Ministerien, die primär anderes im Sinn haben als die Pflege der Wissenschaften. Weder die inneruniversitären Funktionäre und Quotenüberwacher noch die externen ›Reform‹-Antreiber werden je begreifen, was Wissenschaft als ethosgeleiteter Beruf (Max Weber) bedeuten kann und welche Bildungschancen sie der studierenden Jugend durch wuchernden Reformeifer vorenthalten. Vornehme Zurückhaltungen der berufenen Vertreter der Wissenschaft sind völlig fehl am Platz... 

Landau, Wintersemester 2002/03

Direktpreis: EURO 23,00  zzgl. Versandkosten / Buchhandelspreis: EURO 33,00
209 Seiten, Fadenbindung, flexibler Einband
Direktbezug über: WALTHARI, Postfach 100019, 66979 Münchweiler  oder E-Mail: 
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Inhaltsverzeichnis

Einführung 9
Binnenleben - Universitäres Leben: Selbstverständnis 
und akademische Spiel-Regeln 11
Universitäres Selbstverständnis? 11 ? Gemeinschaft der Lehrenden 
und Lernenden 11 – Selbstbehauptung des Geistes 12 - Kulturelle Barbarei 12 – Akademische Spiel-Regeln 13 – Emergentes Großunternehmen 13 – Kollegialitätsprinzip 14 – Mitbestimmung 15 - Reformtagungen 16 – Einheit von Forschung und Lehre 16 – Universitas 17 – Universität und Staat 18 – Zynischer Geist 20 – Akademischer Klein-Bürger 20 – Jobmentalität 20 – Wehmütige Erinnerung 21 – Grußworte und Prominentenreden 23 – Talarzynismus 23

Zwischentext 1
Zur Humboldt’schen Bildungs- und Universitätsidee 25

Autonomie - Gefesselte Wissensriesen: Wie autonom 
sind noch Universitäten? 28
Faktische Autonomiebeschränkung 28 - ›Undemokratische‹ Wissenschaft? 28 – Gibt es eine Alternative zur Budgetierung? 28 - ›Schließt die Hochschulreferate!‹ 29 - Deklaration 30 – Teilautonome Universitäten 30 – Vertreibung der Eliten 31 – Leistungsbezogene Finanzdotierung 31 – Unter Ahnungslosen 32 – Wissenschaftsverlierer 32 – Hochschulen als Wissenskonzerne? 33 – Finanzautonomie und Sponsorenblindheit 33 – Arbeitsklima 34 – Mentaler Autonomieverlust 35 – Gesetz der Wissenschaft 35 

Zwischentext 2
Nietzsches Bildungs- und Universitätsverständnis 36

Studieninhalte - Dringliche Erwartungen: 
Wissensgebote und Erkenntnispfade 43
Lehrangebot und späteres Berufsfeld 43 – Strukturlernen 44 – Pfade durch’s Wissensdickicht 44 – Harte Fächer, weiche Fächer? 45 – Inhaltsbeschwörung des Wissenschaftsrats 46 – Lehrfreiheit vor Firmenschutz 47 – Studium generale 48 – Unternehmerisches Denken? 48 – Potemkinsche Blendwerke 49

Zwischentext 3
Max Weber: Akademisches Leben - »ein wilder Hasard« 50

Studienabschlüsse - Masterblüten: Akademische 
Titelwirtschaft  55
Diplom und Magister ade? 55 – Ministerielle Aushebelungen 56 – 
Vom Abitur zum Aditur 57 – Studienabbrecher 57 – Zielvereinbarungen 58 – Gleichwertigkeit als Inhaltsschimäre 58 – MBA-Schelmereien 59 – Entprofessionalisierte Lehramtsstudiengänge 59 – Getürkte Europafähigkeit 62 

Zwischentext 4
Eleganter Unsinn: Über wissenschaftliche Scharlatanerie 63

Reformen - Meist schneidiger Aktivismus: 
Die Universität als Reformopfer 65
Warum universitäre Großreformen meist scheitern 65 – Grundpfeiler einer fortwirkenden Universitätsreform 67 – Personalstruktur und -status 68 – Kleine Änderung mit großer Wirkung 69 – Statthaltertum 69 – Eulenspiegeleien 70 – Landesherrlich 70 – Jahresberichte des Präsidenten 71 – Hochschulrektorenkonferenz 71 – Reformsaldo 72 - Lehrstück für Reformopfer 72 – Alt bleibt neu 73 – Syndikalistische Großreformer 74 – Dezentralisierung 75 - »Feinde der Universitäten« 76

Zwischentext 5
Didaktische Überdosis: Der Furor pädagogischer Fürsorge 77

Evaluation - Mit der Meßlatte unterwegs: Qualitätsmanagement in Forschung und Lehre 81
Was evaluierbar ist 81 – Evaluations-›Industrie‹ 82 – HRK-Evaluationsideen 83 – Unerwünschte Evaluationseffekte 83 – Bildungscontrolling 84 – Die Vorlesung als Fertiggericht 84 - »Gar nicht erst ignorieren« 85 – Studentische Lehrwünsche 85 – Ansehens-Messungen 86 – Sancta ira doctrinae 87 – Lehranreize 88 – Diener seines Faches 88 – Lehrberichte 89 – Wer rettet die Wissenschaft vor REFA-Experten? 89 – Lehrportfolio 90 – Gymnasialisierung der Universitäten 90 – Hochschulreformpapiere 92 – Bummel-Studium 92 - Folienprofis 93 – Merkmale guter Lehre 93 

Zwischentext 6
Die Vorlesung: Ein akademischer Meisterpfad jenseits 
der Ächtung 95

Professoren - Oh je, die liebe Kollegenschaft: 
Professoren zwischen Ängstlichkeit und Pflichterfüllung  100
Professorenschelte 100 – Libido sciendi  101 - Professorenberatung 103 – Präsenzpflicht 104 - ›Pisa‹-Professoren 105 – Werden Professoren durch Drittmitteleinwerbung kriminalisiert? 107 – Wissenschaftsfreiheit 108 – Betrogene Studenten, genarrte Professoren 111 – Promotionsnavigator 112 – Ambulante Lehre 112 – Hausberufungen 113 – Wundersame Lehrstuhlvermehrung 113 – Grauenvoll 114 - Seniorprofessoren 115 – Emeritusschweif 115

Zwischentext 7
Innovationsüberlastung: Ein reformskeptisches Erinnerungsstück 116

Mittelbau - Wackere Helfer: Betrachtungen zum Mittelbau 119
Uni-Flüchter 119 – Förderung und Fürsorge 119 – Institutsstil 120 – Hurtiger Corpsgeist 121 – Schlechte Manieren 122 – Mitarbeiter und Nestflüchter 122 - »Von des Orts Beschaffenheit zu Universitäten« 123

Zwischentext 8
Radikalkur: »Schafft die staatlichen Universitäten ab!« 124

Studierende - Strebsame Luxusgeneration: 
eine bildungspolitische Manövriermasse 127
Studentsein heute 127 – Der Student als Universitätskunde 127 – Hochschul-Reife? 128 – Zum Studentenbild der Professoren 129 – Der Teilzeitstudent 129 – Animationsklima 130 – Stipendiennot 130 – Studiengebühren 131 – Mehr Maus als Buch 132 – Der Wohnort der Großmutter als Auswahlkriterium 133 – NC-Bürokratisierung 133 – Ausländische Studenten 134 – Studieren in fremden Landen 135 – Kriminalistische Suchmaschinen 135 – Gewalt und Disziplin 136 – Arbeitgeberklagen 137 – Hochschulen als arbeitsmarktpolitische Parkstation 138 – Seniorstudenten 138 

Zwischentext 9
Universitätsberater: Bestellte Legitimationsbereiter 139

Universitätsverwaltung  Mal so, mal so: 
Die Universität als Behörde 142
Gestufte Hochschulverwaltung 142 – Präpotente Verwaltung 143 – Verwaltungsvereinfachung 143 – Teilprivatisierung der Hochschulverwaltung 144 – Universitäres Sozialkapital 144 – Ängstliche Verwalter 146 – Basisferne 146 – Die HRK als Überverwalter 147

Zwischentest 10
Formelschön: »Der Capitalwerth des Menschen« 148

Imagepflege - Die Alma Mater am Schmink- und 
Spieltisch: Arbeiten am Mythos der Universität  150
Alma Mater? 150 – Bildverschönerungen 150 – Arbeiten am 
Mythos Universität 152 - 

Zwischentext 11
Sprachverlust heißt Erkenntnis- und Weltverlust: Muttersprachliche Defizite 155

Vermarktung - Die Mähr vom Elfenbeinturm:
Universität und Gesellschaft  159
Universität und Beschäftigungssystem 159 – Marktanpassungen 160 – 
Universität als Teil der Ordnungspolitik 161 – Profilbildung 162 – Moderatorenmodell 163 - Kontaktstudium 163 – Subventionierte Wirtschaftskooperationen 163 – Wissensgesellschaft 164 – Pflicht zur Drittmitteleinwerbung 164 – Gemachte Wissenschaftler 164 – Universitäten als Mahner und Wegweiser 165 – Universität und Gesellschaft 166 – Wissenschaftstourismus 167 – Absolventenbücher 167 – Corporate Universities 168 – Gehorsamst zu Diensten 169

Zwischentext 12
Kategorialanalysen: ein einheitsstiftender Anker der 
Wissenschaften  170

Wissenschaftspolitik - Beste Grüße aus Amerika: 
Über universitäre Wissenschafts- und Fachpolitik 172
Universitäre Politikfelder und Durchgriffsorganisation 172 – Fürsorglichkeitsdiktatur der Hochschulpolitiker 172 – Zerbrochene Einheit der Wissenschaften  173 - Demokratisierungsideologien 174 – Jahresgutachten zur Lage der Universitäten 176 – Syndikalistische Aufräumer 176 – Fachidole 176 – Vergessene Disziplinmeister 177 

Literarischer Diskurseifer  Buchrezensionen 178

Abkürzungsverzeichnis  190
Literaturhinweise 192
Themeneinschlägige Veröffentlichungen des Verfassers 200
Stichwortverzeichnis 202