18. Mai 2012
Verlag Ferdinand
Schöningh, Paderborn u.a. 2011, 719 Seiten, 88,- Euro
I. Der Mißerfolg der Freihandpolitik (1902-1904)
II.
Kontinentalbund als Alternative: Die erste
Marokkokriese 1905/06
III.
Im Zeichen fortschreitender Isolation
(1906-1908)
IV.
Politik der Stärke: Die Bosnische
Annexionskrise 1908/09
V.
Ausgleichsversuche: Die europäische und die
weltpolitische Dimension (1909-1911)
VI.
Doppelte Offensive: Die zweite Marokkokrise
1911
VII.
Chancen und Illusionen im Verhältnis zu
England (1912-1914)
VIII.
Permanente Spannung im Osten (1913/14)
Schmerzlich vermißt wird ein Stichwortverzeichnis.
Wer sich nicht auskennt, wird lange suchen müssen, bis er z.B. die Seiten zur
Julikrise findet.
©
Univ.-Prof. Dr. E. Dauenhauer, ausgenommen die Originalzitate. Aus: www.walthari.com
Religion und Bildung in Kirche und Gesellschaft
Echter Verlag, Würzburg
2011, 457 Seiten, 55,90 Euro
1.
Religion
2.
Bildung
3.
Religion und Bildung sowie
4.
Felder religiöser Bildung.
Allein schon die Lektüre der Aufsatztitel läßt
ahnen, welcher geistige Sprengstoff hier angeboten wird. Dazu einige Beispiele:
Neurowissenschaftliche Herausforderungen an die
Praktische Theologie – nur ein Hirngespinst? (Thobias Kläden) – Dialog – Trialog
– oder mehr? Islam in Deutschland und die Zukunft der Theologien in
praktisch-theologischer Perspektive (Martina Blasberg-Kuhnke) – Religion und
Erfahrungen der Empörung (Hadwig Müller) – Bildung und Aufklärung (Werner Simon)
‒ Bildung und Religion, ein Verhältnis in Kontakt und Distanz (Gottfried Bitter
cssp) – „Für eine dienende und arme Kirche“. Der Katakombenpakt als subversives
Vermächtnis des II. Vaticanums (Norbert Arntz) ‒ Norbert Mette als
Befreiungstheologe (Bert Roebben). Zum
Warmlaufen empfiehlt sich der Eingangstext von Karl Gabriel über den langen Abschied
der Sekularisierungsthese, die seit Max Weber die Diskussion beherrscht. Der
Autor differenziert wohltuend und bietet erstaunliche Einsichten, darunter:
»Die anwachsenden Phänomene einer alternativen Religiosität haben ihren Ort
nicht jenseits, sondern primär im Umfeld der Kirchen. Wo die kirchliche
Religion geschwächt ist, findet auch die alternative Religiosität keinen
Nährboden. Dies ist eine der Schlussfolgerungen, die sich aus der Entwicklung
von Religiosität und Kirchlichkeit in den Neuen Bundesländern nach 1989 ziehen
lässt. Die von vielen erwartete breite Rückkehr zu den Kirchen fand nach 1989
nicht statt. Es gab aber auch keine nennenswerte Hinwendung zu Formen alternativer
Religiosität. In Westdeutschland sind Phänomene alternativer Religiosität in
signifikant höherem Maße zu beobachten als in Ostdeutschland« (S. 23).
Als Laie sehe ich allerdings große Realisierungschwierigkeiten
seiner These, wonach Religion »nicht jenseits der Moderne zu verorten« ist.
Sind die »Spannungen zwischen Religion und Moderne« wirklich nur »typisch
moderne Phänomene«? Im Modell der »multiplen Moderne« sind Tradition und
Religion zweifellos partielle implementiert, schon rein im Zeitverlauf, doch
bleiben beide immer auch nicht integrierbare Fremdlinge, die querstehen und nur
so ihre spezifische Wirkung erzielen. Das Fremdsein zeigt sich bei den beiden
Bewegungskräften der Moderne, bei der globalisierenden Wirtschaft und Technik,
in deren Welten Tradition und Religion nur spurenhaft vorhanden sind. Beide
dominierenden Lebensbereiche spart der Sammelband aus, hingegen nicht die
Literatur. In den Texten Thomas Hürlimanns glaubt Erich Garhammer »den Versuch
einer narrativen Rettung des katholischen Kosmos« (S. 112), allerdings auch
hier weitab von der ökonomisch-technischen Lebensrealität. Auf andere Weise
verwunderlich ist der Beitrag von E.
Berning über die »Herausforderungen der Literatur an die Theologie« am Beispiel
Italo Svevo. Nicht die Romane des Italieners, es sind die Ableitungen des
Beiträgers auf den Seiten 361 ff., die erstaunen und kritikbedürftig sind. Ist
die Armutszuwendung eine Glaubwürdigkeitsbedingung der Kirche? Wer den Beitrag
über den »Katakombenpakt als subversives Vermächtnis des II. Vaticanums« liest,
findet ein Ja bestätigt. Doch auch hier wird das Transformationsproblem
ausgespart, es sei denn, man hält Armut für geeignet, zur Glaubensanimation
beizutragen. Nicht nur die Kirche, auch die Theologie verschließt sich noch
zu sehr den »profanen Stimmen« der Gesellschaft und Wirtschaft.
©
Univ.-Prof. Dr. E. Dauenhauer, ausgenommen die Originalzitate. Aus: www.walthari.com