Walthari


Grundsatztexte

 
27. Juni 2008

Doppelbödiger Enthusiasmus und kritischer Bürgersinn

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28. Dezember 2007

Ein neues Sklavenheer

Von Erich Dauenhauer

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17.  November  2007

Weltprobleme
Globalisierungsutopien: 
Weltstaat, Weltgesellschaft, Weltkultur
- Zweite Ergänzung -

1. Weltgemeinschaft  ist ein geläufiger und wenig hinterfragter Ausdruck im Politik- und Medienbetrieb. Wenn ein Politiker oder Leitartikler seiner Meinung besonderes Gewicht verleihen will, bemüht er die Formel »im Interesse der Weltgemeinschaft«. Die aktuell heißlaufende Klimadebatte liefert dafür täglich Beispiele. Obschon zweifellos gemeinsame Interessen aller sechseinhalb Milliarden Menschen bestehen, lassen sich diese Interessen erkennbar nicht durchsetzen. Der Klimawandel liefert dafür beste Beispiele. Es genügt nämlich nicht zu sagen, an sauberer Luft, an sauberem Trinkwasser usw. sind alle Menschen interessiert. Sobald es an die Umsetzung geht, bricht der Grundkonsens zumeist auseinander. Ein strenger Klimaschutz ging zumindest während einer langen Übergangsphase auf Kosten von Arbeitsplätzen, so etwa in der Autoindustrie. Arbeitsplatzinteressen geraten in Konflikt mit dem Weltklima. Es ist also recht gewagt, von einem einheitlichen Bild einer Weltgemeinschaft auszugehen. 

2. Die Weltwirtschaftsordnung  dient als weitere Vorlage für den Ehrgeiz, eine Weltrepublik anzustreben. Doch selbst auf dem so nüchternen und datenharten Feld der Weltwirtschaft unterlaufen Partialinteressen immer wieder den vereinbarten Ordnungsrahmen. Wer die Geschichte der Welthandelskonferenzen (WTO) kennt, hat unzählige Beispiele dafür parat, daß ein stabiler globaler Ordnungsrahmen für wirtschaftliches Handeln eine Utopie ist. Unentwegt prallen die Interessen aufeinander, so daß die hier unbestreitbar fruchtbaren Wohlstandsmehrungsstrategien (z.B. durch Arbeitsteilung) mißachtet werden. Die aktuellen Turbulenzen in der globalen Finanzwirtschaft führen dies vor aller Augen. 

3. Was auf der Werte- und Wirtschaftsebene nur bruchstückhaft gelingt, soll auf der politischen und kulturellen Ebene angeblich leichter sein. Der bekannte Philosoph Otfried Höffe beschrieb in einem ganzseitigen Beitrag in der ›Süddeutschen Zeitung‹ (Nr. 143/2000, S. I) seine Utopie von der »Weltrepublik«. Die Unterzeile der großen Überschrift ›Auf dem Weg zur Weltrepublik‹. lautete: ›Weil in Zeiten der Globalisierung die Einzelstaaten an Bedeutung verlieren und herkömmliche demokratische Muster versagen, werden wir bald nicht mehr nur Deutsche oder Franzosen, sondern Weltbürger sein.‹ Die so leichtgängigen Vokabeln Weltbürger und Weltbürgertum verleiten selbst geschulte Denker zu abenteuerlichen Vorstellungen. Höffe schrieb tatsächlich Sätze wie diese: »Es braucht also eine Weltrechtsordnung und für sie eine demokratische Organisation, eine Weltdemokratie, die sich ihrerseits auf die Menschenrechte und die Gewaltenteilung verpflichtet. Deshalb erscheint diese Antwort auf das Zeitalter der Globalisierung als zwingend: die Einrichtung einer liberalen, sozialen und partizipatorischen Weltdemokratie, einer Weltrepublik.« Allein der Hinweis auf die weltweiten Demokratie- und Menschenrechtsdefizite, die zu heilen sich niemand vorstellen kann, belegt die Entfernung von jeglicher Realisierungsmöglichkeit, ganz abgesehen von den Bürgerentmündigungen, die selbst bei allerorten herrschenden Demokratieverhältnissen, die einen Weltstaat ermöglichen könnten, unvermeidlich wären. 

4. Am gefährlichsten sind die Träume von einer einheitlichen Weltkultur. Im Unterschied zu den harten Fakten der Weltwirtschaft kann auf dem kulturellen Feld sanktionslos spekuliert werden. Im Juli 2007 fand auf der Insel Reichenau eine Tagung mit dem Titel ›Globalisierung der Kultur(en) – Wahrnehmung, Vereinheitlichung und Differenz‹. statt. Die meisten Teilnehmer kamen zu einem negativen Ergebnis. Und in der Tat: Nicht einmal auf elementaren Rechtsgebieten als kulturelle Basis bewegt sich die sog. Weltgemeinschaft konsensual, man denke an das Vertragsrecht, das bei zwei Drittel aller Länder nur mit Korruptionsbeigaben funktioniert. Wie sollten das islamische und westliche Familienrecht in Übereinstimmung gebracht werden? Die Geschichte lehrt: Kulturen vereinheitlichen zu wollen läuft auf schwerste Konflikte hinaus, weil es um gewachsene Identitäten geht. Eine Weltkultur gelingt nicht einmal im Rahmenteil und wäre als Einheitskultur ganz und gar nicht wünschenswert. Was sich auf dem Niveau Cola, Burger & Co. abspielt, hat zu einem Einheitsbrei geführt, der...

5. Bleiben noch die Kultsektoren Weltwissenschaft und Weltkunst als letzte Hoffnung der säkularisierten Globalkirchengemeinde. Wissenschaftler kooperieren seit je weltweit, in der Astrophysik und in den meisten anderen Disziplinen wäre ein isoliertes Forschen ineffizient. Doch selbst hier zeitigen Vereinheitlichungen schwere Schäden, so durch das Englische als Lingua franca. Sprache ist ja nicht nur ein Verkehrsmittel, sie konstituiert originelle Denkweisen, die mit dem Verlust einer Heimatsprache verlorengehen. Auch hier führt Wettbewerb zu besseren Ergebnissen. Ähnlich liegen die Verhältnisse beim Utopieprojekt Weltkunst, wenn man darunter...
© Univ.-Prof. Dr. E. Dauenhauer. Aus:www.walthari.com

 



 
 
Erich Dauenhauer
 

Spannungsfeld 
Familie und Beruf 

Ein Breviar
für Führungskräfte
 
 

1999
 
 

WALTHARI

 
Aus dem Inhalt
  • Spannungsfeld Familie und Beruf
  • Divergierende Interessen und Anforderungen 

  • von Familie und Beruf
  • Rollenvielfalt, Rollenwahrnehmung, Rollen-»Spiele«
  • Zentrale Engpässe im Konfliktmanagement
  • Partnerkonzepte im Ensemble unterstützender Faktoren
  • Netzkonzepte als Klammer und Hilfsmittel
  • Sinnkonzepte: Bedeutung, Dimensionen, Erfolgsfaktoren
  • Vertrauenskultur: das stabilste Fundament im Spannungsfeld
  • Erwartungen und Visionen
  • Familie und Beruf als besondere Herausforderung des Zeit- und Persönlichkeitsmanagements

  •  
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55 Seiten, flexibler Einband
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