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Glossen
25. Juli 2008
Entwicklungshilfe für China. Das
Reich der Mitte verfügt über Devisenreserven in Höhe von
1,5 Billionen Dollar. Dennoch erhielt China von Deutschland Entwicklungshilfe
in Höhe von 441 Mio. Dollar (2006).
Holodomor: Damit bezeichnet
die Ukraine ihre in die Hunderttausende gehenden Hungertote während
der Jahre 1932/33, als Stalin eine landwirtschaftliche Zwangskollektivierung
verordnete. Die Genozidthese wird von russischer Seite heftig bestritten,
Stalin von nicht wenigen Russen verehrt und wieder herbeigesehnt.
Holocaust-Paragraphen: Von
Juristen u.a. wird immer wieder bezweifelt, ob die Strafbarkeit der Holocaust-Leugnung
sinnvoll sei. Jetzt reiht sich ein ehemaliger Karlsruher Verfassungsrichter
in die Schar der Kritiker ein, »weil ich nicht glaube, daß
das Problem auf diese Weise bewältigt werden kann«. Das Problem:
unbelehrbare Nazis, die auch im Gefängnis sich nicht in schamvolle
Demokraten verwandeln. Sie werden trotz einschränkender Gesetze immer
wieder öffentlichen Radau machen und linksradikale (fälschlich
Autonome genannt) zur Gegengewalt animieren. Was tun? So wenig wie möglich
über sie berichten, denn sie wollen nicht nur auf Straßen, sondern
auch im Medienraum präsent sein. Dazu die normalen Strafgesetze unnachsichtig
anwenden. Aufklärung hilft nämlich nicht.
Überdehnungen.
Die meisten Großreiche und -bündnisse gingen an Überdehnungen
zugrunde. In diesen Tagen spielt EU-Brüssel den Erschrockenen, weil
die Korruption in Bulgarien und Rumänien Euro-Milliarden verschlingt.
Beide Länder erfüllten nicht die EU-Kriterien, als man sie 2007
aufnahm. Die EU wird irgendwann ebenso implodieren wie die Nato, die ihre
Großorganisation nicht mehr überblickt.
Germanophonie. Frankreich hat seine Francophonie, nun
schlagen die ›Sprachnachrichten‹ (38/08ö, S. 33) eine Germanophonie
vor, um der deutschen Sprache und Kultur eine öffentliche Plattform
zu bieten. Die Deutschlandhasser im In- und Ausland werden alsbald Sturm
laufen.
Deutschland durch die NZZ-Brille.
Das seltsame Deutschlandbild in der Neuen Zürcher Zeitung wurde in
diesem WALTHARI-Portal des öfteren kritisiert.
In der Ausgabe 137/2008 der NZZ nimmt ihr langjähriger Deutschland-Korrespondent
auf einer ganzen Seite den Nachbar im Norden erneut ins Visier. Man staunt
über soviel Schrägsichten, Widersprüche und glatte Fehlurteile
aus der Sicht eines Journalisten, der immerhin zehn Jahre in Deutschland
gelebt hat. »Deutschland ist ein normales Land geworden«, heißt
es. Das »Strebersyndrom« und das Musterschüler-Denken
hätten nachgelassen. Wie paßt das zu einer Feststellung, daß
der SED-Staat im Osten vielfach idealisiert und seine Verbrechen trivialisiert
werden? Alles andere als normal ist auch die »reflexhafte Selbstbeobachtung«
beim Berühren der zahlreichen Tabuzonen, über die eine Wächtergilde
gebietet. Geradezu absurd der Satz: »Die nationalsozialistische Ideologie
der Volksgemeinschaft fand (nach 1945) ihre Fortsetzung in der spezifisch
westdeutschen Ausprägung der sozialen Marktwirtschaft.« War
der Eidgenosse wirklich in Deutschland?
Ungleiche Medienfreiheit.
Meine Bewunderung des eidgenössischen Bürgersinns übertrifft
bei weitem meine Kritik an medialen CH-Schrägsichten (vgl. oben).
Zu sehen, wie von der direkten Demokratie selbstbewußt Gebrauch gemacht
wird, läßt deutsche Verhältnisse als rückständig
erscheinen. Nüchternheit statt Hochmoral, diese Haltung schlägt
zuweilen auch in den Medien durch, so in der NZZ Nr. 142/08 (S. 31), die
über die »überrissene Aufregung« um die ›Junge Freiheit‹
berichtet. Das Blatt steht in Deutschland auf dem Wächterindex, obschon
»nichts Rechtsextremes (zu) erkennen« sei. »Wer der Zeitung
ein Interview gibt, muß sich ruppige Kritik und üble Nachrede
gefallen lassen«, schreibt die NZZ, während extrem linke Organe
als salonfähig gelten. Den NZZ-Artikel von Heribert Seifert sollten
sich die auf Alarmismus trainierten Meinungswächter in Deutschland
hinter den Spiegel stecken.
Obamas Berliner Rede.
Er sprach frei und oberflächlich, ohne daß eine Redestruktur
zu erkennen gewesen wäre. Seine Assoziationsketten glichen einer hundertmal
gesprochenen Wahlkampfrede, die nun auch in Deutschland perfekt vermarktet
wurde. Dennoch kamen einige zehntausend ›Neugierige‹. Deren Naivität
entpuppt sich durch Umkehrschluß: Wieviele Amerikaner würden
dem SPD-Kanzler-Kandidaten Steinmeier zuhören, hielte er eine Wahlkampfrede
in Washington?
WALTHARIUS
© Univ.-Prof. Dr. E. Dauenhauer.
Aus:
www.walthari.com
Tagebuchnotizen
19. August 2008
Mantzikert-Gedenken: 1071 - 1971
Die Türkei feierte 1971 mit Pomp und Plakaten den
Sieg über die Byzantiner im Jahre 1071. Die Schlacht war für
Konstantinopel eine Katastrophe, für die Türkei der Beginn der
staatlichen Existenz in Kleinasien. Die Plakate zeigten den schwertschwingenden
Sultan Alp Arslan inmitten seiner Soldaten. Der 19. August ist das gefeierte
Gründungsdatum der Türkei (vgl. WALTHARI-Heft
51).
© Univ.-Prof. Dr. E. Dauenhauer. Aus:
www.walthari.com
Skandalchronik
8. Juni 2008
Zynisch
Eurofalle. Parteien,
Medien und die Finanzklasse feierten dieser Tage das zehnjährige Bestehen
des Euro überschwenglich, und dies, obschon die EZB ihre Hauptaufgabe,
nämlich die Preisstabilität nicht über zwei Prozent steigen
zu lassen, deutlich verfehlt. Die Inflation liegt derzeit nach offizieller
Statistik bei 3,6 Prozent und wird nach Einschätzung des EZB-Präsidenten
in den nächsten 18 bis 24 Monaten von der Sollmarke weit entfernt
bleiben. Diesem eingestandenen Versagen kommt einem Kaufkraftverlust allein
in Deutschland von jährlich über fünfzig Milliarden Euro
gleich (bei Sparern und Einkommensbeziehern). Trotz dieser gigantischen
realen Einkommens- und Bestandsverlusten der Bürger feiert die Oberklasse.
Was denkt sich ein Rentner? Mit ehemals 1.600 DM konnte er als Ruheständler
gut leben, heute aber ist er mit etwas mehr als 800 Euro in die Armutsfalle
geraten. Realwirtschaftlich driften die Volkswirtschaften im Euro-Raum
immer weiter auseinander; der Einheitszins der EZB kann das überkomplexe
Währungssystem auf Dauer nicht zusammenhalten u.a.m. Daher lautet
die WALTHARI-Prognose seit Jahren: Der
Euro wird scheitern.
Bologna-Desaster. Der
bekannte Philosoph Julian Nida-Rümelin im ›Spiegel‹ Nr. 18/08: »Praktisch
alle, die vor fünf Jahren noch optimistisch waren, sagen heute: Das
ist eine Katastrophe.« Der Hirnforscher am Max-Planck-Institut in
Frankfurt/M., Prof. Dr. W. Singer: »Wenn Sie einen guten Wissenschaftler
total inaktivieren wollen, dann lassen sie ihn die Bologna-Reform organisieren«
(ebenda). Diese und andere Nachzügler hätten von Anfang an wissen
können, wie es heute aussieht. Keines der vier Ziele (erhöhte
studentische Mobilität, geringere Abbrecherquote, kürzere Studienzeiten
und bessere Berufsqualifikation) wurde erreicht, im Gegenteil. Der Zynismus
der HRK-, KMK- und anderer ›Reform‹-Genossen besteht darin, der Universität
eine Scheinautonomie zu gewähren, sie aber gleichzeitig auszuhungern
und mit Drittmitteleinwerbungen sowie mit einer Evaluationsbürokratie
voll zu beschäftigen – auf Kosten der Lehr- und Forschungsfreiheit.
Die Exzellenzkampagnen retten den Niedergang der Hohen Schulen nicht, sie
haben das Band der Universitas zerrissen. Ruhmlose Provinzuniversitäten
bewegen sich mittlerweile auf dem Niveau von Fachhochschulen.
›Schwarzer‹ Zynismus.
Die deutsche Kultfrau des Feminismus verteidigt allen Ernstes die Abwehrmaßnahmen
der burmesischen Junta, die westliche Hilfsorganisation angesichts hunderttausendfacher
Sturmopfer nur gefiltert ins Land läßt. »Natürlich
sind mir die brutalen Methoden der Zentralregierung bei der Unterdrückung
oppositioneller und ethnischer Minderheiten nicht entgangen... Aber mir
ist auch klargeworden, dass die Motive der Regimegegner nicht immer nur
lauter sind... Versteht sich, dass das kleine Myanmar schon längst
vom mächtigen Westen im Namen der Menschenrechte und Demokratie ›befreit‹
worden wäre, würde das mächtige China nicht die Faust darüber
halten.« Hilfsorganisationen als Regimegegner? Sie wendet sich
»strikt gegen jegliche westliche Intervention«. Das heißt
nichts weniger, als daß die Kultfrau im feministischen Goldrähmchen
die Militärdiktatur für das kleinere Übel hält im Vergleich
zum Elend hunderttausender Burmesen. Nimmt sie damit nicht zudem den Tod
Zehntausender inkauf? Man traut seinen lesenden Augen nicht: »Wenn
also Myanmar nach der Naturkatastrophe jetzt nicht auch noch Opfer einer
politischen Katastrophe werden soll, mißtrauen nicht nur die Generäle
zu Recht ›der Großmut und dem Pflichtgefühl der internationalen
Gemeinschaft‹, wie sie ironisch erklärten. Sie verbitten sich
die politische Instrumentalisierung der humanitären Hilfe und müssen
– da haben sie gar keine Wahl – auf ihre asiatischen Nachbarn bauen...«
Hilfsorganisationen aus dem Westen werden mit einer Verwestlichungsgefahr
kurzerhand gleichgesetzt. Und das Leben und die Gesundheit unzähliger
Menschen wiegt weniger als die politische ›Gefahr‹, die anderen asiatischen
Ländern Wohlstand gebracht hat (Thailand, Indonesien u.a.). Wann gibt
diese eifrige Burmareisende (sie hat »nie Hunger oder wirkliches
Elend gesehen« - im Gegensatz zum Schreiber dieser Zeilen bei seiner
Burmareise) ihren Büchnerpreis zurück?
© Univ.-Prof. Dr. E. Dauenhauer. , ausgenommen
die Originalzitate. Aus: www.walthari.com
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