Walthari


Fortsetzungstexte gedruckter WALTHARI-Ausgaben


 

19. Oktober 2016
 
‒ Nachtrag zu Heft 64 der Literaturzeitschrift Walthari
 
Nach Erscheinen des Heftes 64 lese ich in der NZZ (03/09/2016, S. 29) einen Beitrag, der meine Einleitung der Schriftstellertypen teilt. Roland Barthes hatte zwischen l’écrivain (Literat) und L’écrivant (Schreiber) unterschieden. Während der Literat sich ganz der Sprache hingibt und sich aus den Welthandel heraushält, agiert der Schreiber auf der öffentlichen Bühne wie Sartre, Grass, Vargas Llosa und Fuentes. Nach Barthes bewegt sich jeder Literat zwischen beiden Welten: »Unsere Epoche bringt einen Bastard-Typ zur Welt«, schreibt Martin R. Dean in der NZZ und fährt fort: »Der Autor von heute steht mitten in einem mächtigen und in sich divergenten Strom von medialen Einflüssen, sein Innenraum ist durchlässig gegenüber der Realität. Innerlichkeit, wie noch Rilke sie zelebrierte, beschreibt heute nur einen der Bewusstseinszustände eines Schreibenden…  Der Rückzug des Autors in den Turm seiner einen Sprache ist ebenso überholt wie die Inanspruchnahme des Frischschen Pathos. Denn die Installierung einer kritischen Intelligenz bedingt eine Macht, die (an)greifbar ist. Heutige Machtverhältnisse zeigen indessen die Verführung zur Unmündigkeit als lautlose Dominanz.« (Hervorhebungen: E.D.). Also einmischen, scharf, radikal, idolenkritisch.
Erich Dauenhauer. Aus: www.walthari.com